9. März 2013

Silke Porath: Mops und Möhren

Tanja lebt zusammen mit dem Männerpärchen Chris und Rolf in einer WG. Zum Haushalt gehören auch die beiden liebenswerten Möpse Earl of Cockwood und Mudel. Gleich in der Wohnung nebenan wohnt der Tierarzt Arne, Tanjas Freund. Mit ihm zusammen kümmert sich die junge Frau um kranke Tiere in Stuttgart. Die beiden sind nämlich mit der Tierambulanz der freiwilligen Tierrettung unterwegs, die mit grossen finanziellen Problemen zu kämpfen hat.

Seit kurzer Zeit sind Tanjas Mitbewohner Chris und Rolf Pächter eines Kleingartens. Die Auswahl einer neuen Gartenlaube und von Aussaaten ist deshalb derzeit immer wieder Thema in der WG. Und auch wenn Tanjas Begeisterung nicht ganz mit derjenigen ihrer Mitbewohner mithalten kann, so gilt: mitgewohnt – mitgebuddelt. Aber auch Rolf ist nicht gerade der geborene Gärtner und findet, Chris, ein Florist und Hobby-Coiffeur, der in einem Callcenter arbeitet – lege sich zu fest ins Grün-Zeug. Jedenfalls braucht es recht viel Fantasie, sich die Umsetzung des Lageplans für den künftigen englischen Garten vorzustellen, wenn man den recht verwahrlosten Ist-Zustand der Parzelle betrachtet.

Doch noch bevor es an die konkrete Umsetzung der Gartenumgestaltungspläne in der Kleingartenanlage „Die Wonne“ geht, erreichen die motivierten Schrebergärtner gleich zwei Hiobsbotschaften. Die Laubenkolonie soll einer neu zu bauenden Kläranlage weichen und ausserdem haben es die früheren Vorstandsmitglieder seit 1973 versäumt, die Liegenschaftssteuern zu bezahlen. So hat sich im Laufe der Jahre eine Schuld von über Euro 42‘000 angehäuft. Und so nebenbei versucht auch noch ein Spekulant, sich eine goldene Nase zu verdienen. Er beabsichtigt, die Notlage der Gärtner zu seinem Vorteil auszunutzen und will die bevorzugte Lage der Kleingartenanlage mit teuren, modernen Lofts überbauen.

Tanja hingegen plagen noch ganz andere Sorgen. Ihr Freund Arne bringt von einer Weiterbildung an der Nordsee seine Ex-Freundin mit nach Stuttgart, wo diese zwar einen Job, aber keine Wohnung hat, so der dass er sie vorübergehend bei sich einquartiert. Dieser Zustand gefällt Tanja ganz und gar nicht und löst eine kleine Beziehungskrise aus.

Daneben droht die Auflösung des Kleingartenvereins und allenfalls muss sogar der Vorsitzende mit seinem Privatvermögen haften. Eine Vereinsversammlung löst die nächste ab. Etliche der Pächter sind Rentner und Arbeitslose, die Lücken im Portemonnaie mit selber gezogenem Gemüse füllen, und keineswegs in der Lage sind, finanzielle Unterstützung zu leisten. Gibt es irgendwelche kreative Ideen, die genügend Geld einbringen, um die Steuerschuld zu begleichen oder ist es vorbei mit Tomaten und Bohnen in Reih und Glied in der Laubenkolonie „Die Wonne“?

Zwischen Tierrettungseinsätzen, der Beerdigung eines Kleintieres im Schrebergarten, Eifersuchtsanfällen und teilweise ungeliebten Jobs startet die Mission Gartenzwerg zur Rettung der Kleingärten und es bilden sich auch neue Pärchen. Der Schluss des Buches ist etwas abrupt, denn die diversen Rettungsaktionen passieren erst am Ende der Lektüre und werden recht zügig abgehandelt. Tierfreunde, speziell Mops-Liebhaber, werden sich an den vielen Szenen erfreuen, in denen Vater und Sohn Mops die Hauptrolle spielen.  



Silke Porath: 
Mops und Möhren 
Gmeiner-Verlag, 2013

5. März 2013

Tom Powell: Aphid in my Eye – Adventures in the Orchid Trade

Im ersten Kapitel verrät der Autor, dass er zu den Menschen gehört, in deren Venen Chlorophyll zirkuliert. Das äussert sich etwa darin, dass die Knie jeweils weich werden, wenn eine neu erworbene Orchidee zum ersten Mal blüht. Er erzählt aber auch von Begegnungen und Erlebnissen mit teilweise ganz speziellen Orchideen-Besessenen, zu denen Millionäre und Hobbyzüchter ebenso zählen wie "richtige" Orchideenjäger, Jurymitglieder von Orchideenwettbewerben und professionelle Orchideenzüchter.

Leider ist der Vermieter der Wohnung der jungen Powells kein angefressener Orchideenliebhaber und hat kein Musikgehör für den Wunsch der beiden, auf dem Dach ein Gewächshaus aufzustellen. Damit wenigstens die Lichtverhältnisse für die wachsende Sammlung stimmte, mussten deshalb zusätzliche künstliche Lichtquellen installiert werden. Immer mehr Pflanzen mussten sich den beschränkten Platz in der Wohnung teilen, und dabei gab es noch so viele verlockende Orchideenschätze, die in der schon recht beeindruckenden Kollektion noch fehlten. Völlig unerwartet ergab sich da die Gelegenheit, das Problem Platzknappheit zusammen mit einem scheinbar spannenden Jobangebot zu kombinieren.

Wenige Überlegungen waren von Nöten und die Führung der angebotenen Orchideengärtnerei lag in den Händen der Powells und innert Wochenfrist hatten Möbel und sämtliche Pflanzen ein neues Daheim gefunden. Dass Träume sich in Wirklichkeit oft als Alpträume entpuppen, ist eine Binsenwahrheit und die Richtigkeit des sehr schnell gefällten Bauchentscheids wurde bald einmal in Frage gestellt.

Jedenfalls bietet der Job im Orchideenhandel viel Stoff für unterhaltsame Geschichten. Man liest über die Tücken der Gewächshausheizung, genannt (tickling) Trixie und erfährt, wozu ein Schirm wetterunabhängig beim Gärtnereibesuch nützlich sein kann. Im geschlossenen Teil lassen sich nämlich im Vorübergehen abgeknipste Stecklinge (fast) unbemerkt darin verschwinden. Dann geht es um einen Serienkiller von Pflanzen, dessen Schuld in der Ignoranz von sämtlichen deren Bedürfnissen liegt und die Tatsache, dass ein Gärtner seine Ausschussware besser zerkleinert und zerstört, bevor er diese auf den Kompost wirft. Ausser er möchte die Erfahrung der Powells teilen, an Wettbewerben zu erleben, dass Leute mit aus solchem Kompostmaterial gepickten und gezogenen Schätzen Preise einheimsen.

Des Weiteren versucht Tom Powell, dem Leser die Faszination von Orchideen auf Menschen zu erklären und erzählt witzige, teilweise fast unglaubwürdige Anekdoten von Gartenclubanlässen, Blumenshows und Vereinsausflügen. Illustriert ist das Büchlein, das nicht nur Orchideenliebhabern gefallen wird, mit Zeichnungen von Betsy West.



Tom Powell: 
Aphid in my Eye – Adventures in the Orchid Trade
B.B. Mackey Books, 2012

1. März 2013

Zeit für Spiele - Spielzeit

Wie hier allgemein bekannt ist, lese ich sehr gerne und schätze Abwechslung in der Lektüre. Was ich nicht besonders mag, ist das Studieren von Gebrauchsanweisungen und Spielanleitungen. Deswegen spielen wir im Familienkreis meist nur Spiele, von welchen die Regeln hinlänglich bekannt sind oder den familieninternen schweizerisch-italienischen Jass-Mix, dank dem ich die richtigen Jassregeln längst vergessen habe. Nichtsdestotrotz haben im Lauf der letzten Jahre auch einige Spiele mit hortikulturellem Hintergrund den Weg in den Spielschrank gefunden - wo sie zugegebenermassen auch die meiste Zeit ihres Daseins fristen. Nachstehend stelle ich diese ganz kurz und knapp vor. Allerdings ohne abzuklären, ob die einzelnen Produkte noch im Handel erhältlich sind.

Nicht immer sind willige Spielpartner zur Stelle, dann ist ein Wasgij-Puzzle (rückwärts gelesen/englisch jigsaw = Puzzle) vielleicht das richtige. Unter diesem Namen gibt es eine Puzzle-Reihe, bei der man die einzelnen Kleinteile nicht wie üblich nach einer Bildvorlage zusammensetzt. Als Puzzler muss man sich die Perspektive einer oder mehrerer Personen vorstellen und das zu entstehende Bild erahnen. Meine Mini-Ausgabe mit 54 Teilchen zeigt eine Szene aus einem Gartencenter – Was sieht die Frau vom Gartencenter denn da?

„Greenrock Village – Tatort Schrebergarten“ ist ein Ein-Personen-Spiel, bei welchem verschiedene Indizien richtig kombiniert werden müssen. Richtige Schlussfolgerungen führen in diesem Logik-Rätsel schliesslich zum Täter, der im Schrebergarten sein Unwesen treibt. Mit dem für die Hobby-Ermittler zur Verfügung stehenden Hilfsmaterial (25 Spielsteine, Aufgabenkarten und eine patente Spielbox) und einer Portion Logik können 50 verschiedene Mordfälle in drei Schwierigkeitsstufen aufgeklärt werden.

36 Fotografien aus dem Schrebergarten sind die Grundlage für das Memory-Spiel „Die grüne Hölle – Gemüse & Co.“. Zum Set gehört auch ein Stereobetrachter, dank dem mit etwas Übung die mit einer Stereokamera aufgenommenen Bilder – sofern zwei gleiche Motive richtig nebeneinander gelegt werden - dreidimensional betrachtet werden können.

Mit den von John Denaro illustrierten Spielkarten „Bäume“ lassen sich im wahrsten Sinn des Wortes 54 unterschiedliche Gehölze spielend kennenlernen. Die Bäume sind als Ganzes gezeichnet. Ausserdem sind die Blätter, Blüten und Früchte abgebildet und der einheimische und der botanische Name werden angegeben.

Deutlich mehr Platz im Schrank beanspruchen die nun folgenden Spiele in grösseren Kartonschachteln wie etwa „Die hängenden Gärten“. Hier errichten zwei bis vier Spieler hängende Gärten nach ihrem Geschmack. An Material stehen Spielplan, Baukarten, Punktetafeln, Tempel aus Holz und eine Startspielerblume zur Verfügung.

Für „Die Gärten der Alhambra“ werden die fähigsten Gartenbau-Künstler ab zehn Jahren gesucht. Während einer Spieldauer von 45 bis 60 Minuten versuchen zwei bis vier Spieler zum Gross-Gärtner des Kalifer erkoren zu werden.

Das Spiel „Prestel Schlossgarten“ habe ich vor Jahren an der Buchmesse in Frankfurt entdeckt. Kurz nachdem ich es in Zürich recht teuer gekauft hatte, war es längere Zeit für einen Bruchteil des ursprünglichen Preises bei Jokers im Ausverkauf. Aus dem Text der Verpackung: „Hier können Sie ganz ohne Rückenschmerzen und ohne den obligatorischen grünen Daumen einen Garten einrichten“. Zwei bis vier Spieler versuchen mit Hilfe eines Gärtners und Baumeisters einen Traumgarten nach ihren Vorstellungen einzurichten. Doch andere Könige haben das gleiche Ziel, so dass Probleme in der Gestaltung vorprogrammiert sind.

Zum Spielinhalt von „Eden“ gehören neben einem Spielplan, Bewässerungskarten, Kultivierungskarten, Manakarten, Pflanzkärtchen und Übersichtstafeln. Drei bis vier Spieler bebauen ihr zunächst wüstes und ödes Land. Doch kaum wachsen zarte Pflänzchen und sind Ernteerfolge in Sicht, versuchen neidische Nachbarn ihnen das inzwischen fruchtbare Land zu entreissen.

Ziel des Spieles „Das grosse Garten-Quizspiel“ ist, einen eigenen Garten mit sieben gesunden Pflanzen anzulegen. Dabei wird nach Möglichkeit das Wissen der Mitspieler angezapft und einen Pflanzendoktor gibt es auch. Aber während dem Durchwandern des Spielplans „Blühendes Barock“ in Ludwigsburg verhindern verschiedene Ereignisse unbeschwertes Gärtnern. Dafür lassen sich gleichzeitig so ganz nebenbei eine Menge nützlicher Informationen aneignen (Welche Abfälle gehören nicht auf den Kompost? Wie wirken Spritzmittel gegen Schildläuse? Was sind Hexenringe?).

Viel Spass beim Spielen (und beim Lesen der Spielanleitung)!



Original-Mini-Wasgij (Puzzle):
Was sieht die Frau vom Gartencenter denn da?
Jumbo

Greenrock Village – Tatort: Schrebergarten
Jumbo

Die grüne Hölle – Gemüse & Co. (3D-Memo & Stereobetrachter) 
Walkwerk

Bäume (Illustrierte Spielkarten)
Heritage Playing Card Company 

Din Li:
Die hängenden Gärten
Hans im Glück Verlags-GmbH 

Dirk Henn: 
Die Gärten der Alhambra
Queen Games 

Ulf Siebert: 
Der Prestel-Schlossgarten
Prestel Kunstspiel

Gal Zuckermann:
Eden – Macht fruchtbar und wehrt euch! 
Kosmos Verlag 

Christian Beiersdorf: 
Das grosse Garten-Quizspiel 
Kosmos Verlag

26. Februar 2013

Tatjana Weih: Die Blumenfrau

Bei dieser Publikation handelt es sich um ein in der Grösse mittelformatiges Märchen für Erwachsene, das sich ausgezeichnet eignet als Mitbringsel statt oder vielleicht zusammen mit einem Blumenstrauss. Auf Doppelseiten ist jeweils rechts eine ganzseitige Illustration von Tatjana Weih abgebildet. Links findet sich ein kleiner Ausschnitt aus der gleichen Zeichnung und darum herum ist der Text angeordnet.

Erzählt wird vom Alltag einer unscheinbaren, zurückhaltenden Blumenhändlerin, die ein eigenes Geschäft in einem lebhaften Quartier am Stadtrand betreibt. Fräulein Rosa – so nennt sie ihr Blumenlieferant – stellt sämtliche Blumensträusse erst zusammen, wenn sie weiss, für wen diese bestimmt sind und aus welchem Grund sie verschenkt werden.

Oft ist die Floristin stundenlang allein im Laden und betrachtet die vorbeieilenden Passanten. Etliche davon gehören zu ihrem Kundenkreis und sie weiss viel Privates von ihrer vorwiegend männlichen Kundschaft. Nur von einem Mann, der regelmässig an ihrem Schaufenster vorbeiläuft, kann sich die Blumenfrau kein Bild machen. Da sie für ihn aber noch nie einen Blumenstrauss hat zusammenstellen dürfen, nimmt sie an, dass es keine Frau in seinem Leben gibt. Fräulein Rosa selber führt ein sehr zurückgezogenes Leben und gibt nichts von sich preis.

Mehr möchte ich nicht zum Inhalt verraten, sonst ist das Mini-Buch (23 Seiten) ja gleich in dieser Buchvorstellung fertig erzählt …

Die Zeichnungen sind sehr detailgetreu und passen ausgezeichnet zur Geschichte. Statt mich mit Beschreibungen zum Zeichnungsstil der Illustratorin abzumühen, empfehle ich ganz einfach einen Klick hierhin. 




Tatjana Weih: 
Die Blumenfrau 
Eigenverlag, 2006

22. Februar 2013

Inken Weiand: Liebesgrün – Jede Pflanze erzählt eine Geschichte

Neunzehn in sich abgeschlossene Kurzgeschichten mit hortikulturellem Hintergrund, "eingebeetet" in einen Gartenrundgang mit Sonja und ihrem Traummann Kilian, sind das gelungene Rezept für dieses abwechslungsreiche Menu, äh Geschenkbüchlein.

Sonja versucht in ihrem nach Frühsommer duftenden Garten den Mann ihrer Träume aus der Reserve zu locken. Den Garten hat sie von ihren Eltern übernommen und aus dem ehemals arbeitsintensiven Bauerngarten ihre private Oase geschaffen. Als bei Kaffee und Erdbeerkuchen keine ungezwungene Stimmung aufkommt – ist Kilian dermassen schüchtern oder ganz einfach völlig uninteressiert? – lädt Sonja ihren Gast zu einem Spaziergang durch ihr Paradies ein und erzählt bei einer ausgedehnten Führung passende Geschichten zu den unterschiedlichsten Pflanzen.

Da ist etwa Annika, die nach der Trennung von Thorsten ihren Garten aufräumen will. Die Symmetrie vor der Haustür und der englische Rasen sollen samt ihrem Ex-Partner aus ihrem Leben verschwinden. Um die entstandenen Lücken zu füllen, bestellt sie bei einem Pflanzenversand telefonisch Rosensträucher und Schneeglöckchen. Und nicht zuletzt wegen der tiefen und überaus sympathischen Stimme am anderen Ende des Drahtes ordert sie immer mehr Grünzeug.

Oder man liest von Valerie, ihrer schwierigen Schwiegermutter und einem Unkrautmenu, kontaktfördernden Zucchetti-Rezepten, einem die Paar-Harmonie entzweienden Wellness-Garten und der Erkenntnis, dass nicht alle Pflanzen abgestorben sein müssen, die nach einem kalten Winter nicht gleich wieder austreiben. Weitere Themen sind Tannenbäume, eine Rosenfee, ein Drachenbaum, Schnecken und ein Tor in der Hecke.

Neben romantischen Geschichten gibt’s auch Lustiges und nachdenklich Stimmendes zu lesen sowie zwei Kurzkrimis. Und dass die Autorin Erfahrung mit Gärtnern hat, ist nicht zu übersehen bzw. -lesen.  



Inken Weiand: 
Liebesgrün – Jede Pflanze erzählt eine Geschichte
Stories & Friends Verlag, 2013

18. Februar 2013

Alyse Carlson: The Azalea Assault – A Garden Society Mystery

“Garden Delights”, Amerikas führende monatliche Publikation für Gartenliebhaber, plant einen achtseitigen grosszügig illustrierten Artikel über die schönsten Gärten in Roanake, Virgina. Dieser PR-Coup ist Camellia Harris, genannt Cam, gelungen. Die engagierte Verantwortliche für die Öffentlichkeitsarbeit der Roanake Garden Society hat es sogar geschafft, dass der weltbekannte Fotograf Jean-Jacques Georges die spektakulären Gärten von ihrer besten Seite ablichtet. Unterschlupf finden die Gäste aus der Medienwelt während ihrem dreitägigen Aufenthalt in Roanake bei der Präsidentin und beim Gründer der Roanake Garden Society.

Doch nicht nur die hiesigen Gartenanlagen sind beachtlich. Virginias ganze Pflanzenwelt ist gleichzeitig blühend in einer Reihe von Gewächshäusern zu bestaunen. Dank raffinierter Technik und Berücksichtigung der speziellen Bedürfnisse der Pflanzen können gleichzeitig Frühlings-, Sommer- und Herbstblüher bewundert und fotografiert werden (ach, was es in Büchern nicht alles zu lesen gibt…).

Leider entpuppen sich die Manieren des angesehenen Fotografen als nicht annähernd so perfekt wie dessen hervorragenden Bilder. An der Willkommensparty beklagt er sich nicht nur lautstark über seine Aufgabe, langweilige Blumen fotografieren zu müssen, sondern er beleidigt auch verschiedene der anwesenden Gäste. Am nächsten Tag wird der unfreundliche Zeitgenosse ausgerechnet unter blühenden Azaleen tot aufgefunden.

Dieser Mord kommt den Verantwortlichen der Gartenzeitschrift völlig ungelegen, da sie schlechte Publicity befürchten. Cam, ganz professionelle Werbefachfrau, versucht das Projekt mit dem Hinweis zu retten, dass Skandale umsatzsteigernd wirken und erhält tatsächlich die Gelegenheit, sofort einen Ersatzfotografen zu engagieren. Sollte dies nicht rasch möglichst gelingen, droht die „Garden Delight“-Crew abzureisen.

Und als hätte Cam nicht schon genung um die Ohren, gerät auch noch ihr Schwager unter Tatverdacht und ihr eigenen Freund, der Reporter Rob, wittert eine heisse Titelstory. So sieht sie sich gezwungen, selber in Roanake herumzuschnüffeln und entdeckt dabei ein von der Polizei übersehenes mobiles Telefon und alte Verbindungen des Mordopfers zu einer Gastgeberin. Da passiert noch ein zweites Verbrechen...

„The Azalea Assault“ ist der erste Garden-Society-Krimi in einer neuen Reihe mit hortikulturellem Hintergrund. Die Detektivin und ihre Schwester tragen sogar passende florale Namen: Camellia und Petunia. Im Mai 2013 erscheint das zweite Buch mit dem Titel „The Begonia Bribe“.



Alyse Carlson: 
The Azalea Assault – A Garden Society Mystery 
Berkley Prime Crime/Penguin Group, 2012

14. Februar 2013

Serdar Özkan: Die Stimme der Rose

Nach dem frühen Tod ihrer Mutter ist nichts mehr in Dianas Leben wie es vorher war. Die junge Frau fühlt sich völlig antriebslos, nicht einmal die Feier zum Abschluss ihres Studiums mag sie besonders interessieren. Und jetzt erfährt sie auch noch aus einem Brief der Mutter, den sie erst nach deren Ableben lesen durfte, dass sie eine Zwillingsschwester haben soll und einen letzten Wunsch ihrer Mutter erfüllen soll. Doch der Gedanke an diese bis anhin unbekannte Schwester Mary, die sie als „Mutterdiebin“ empfindet, beraubt Diana ihrer letzten Energiereserven.

Diana ist Erbin einer internationalen Hotelgruppe und sonnt sich gerne in der Bewunderung von (sogenannten) Freundinnen und Freunden. Das Jurastudium hat sie gewählt, weil ihr der Mut fehlte, ihren Traum zu verwirklichen und Schriftstellerin zu werden. Nachdem sie sich monatelang zurückgezogen hat, rafft sie sich schliesslich auf, den letzten Wunsch ihrer Mutter zu erfüllen. Vier verschieden farbige Briefumschläge weisen ihr den Weg. Sie erfährt, dass Mary nach ihrer eigenen Rückkehr aus einem ganz besonderen Rosengarten selber Rosen gezüchtet hat, die ihr Zimmer mit Düften erfüllten und eine leichte Brise verbreiteten. Und plötzlich begann eine Rose zu sprechen, so als komme die Stimme aus Marys Kopf.

Die Briefe ihrer Schwester lassen Diana vermuten, dass deren Geist ziemlich verwirrt ist. Wer glaubt denn schon an sprechende Rosen und Atemgeräusche derselben? Doch Diana überwindet ihre Vorbehalte. Ihre abenteuerliche Reise führt sie in den Orient, in einen Rosengarten, wo sie in Marys Spuren wandelt und schliesslich den Weg findet zu ihren ureigenen Herzenswünschen.

Dianas erster Anhaltspunkt ist ein Palast in der Türkei. Neben dessen Mauer ein kleines Hotel stehen soll, dessen Besitzerin Mary einst gelehrt hat, die Stimme der Rose zu hören.Was erwartet Diana im Rosengarten und welche Rolle spielt ein Bettler auf ihrem Lebensweg? Schafft sie es, ihren Geist zu öffnen? Diana hat verschiedene eindrückliche Begegnungen und erhält Lektionen, in denen sie erfährt, dass Unmögliches nicht durch Wunder passiert, sondern durch Beharrlichkeit und dass die grösste Eigenschaft der Rosen ist, in Harmonie zu leben. Egal, welcher Herkunft sie sind und welche Farbe oder Grösse sie haben und dass sie keinen Streit, keine Eitelkeit und keine Eifersucht kennen.

Dieses kluge und berührende Büchlein wird mit Antoine de St. Exupérys „Der kleine Prinz“ verglichen und die Lektüre desselben spielt auch auf Dianas Weg zu ihrem eigenen Ich eine prägende Rolle. Ich muss mir unbedingt gelegentlich ein deutsches Exemplar von „Le Petit Prince“ zulegen. Meine Französisch-Kenntnisse sind wohl inzwischen zu kümmerlich, um die hier liegende Originalausgabe wieder einmal zu lesen (und zu verstehen).



Serdar Özkan: 
Die Stimme der Rose 
Blanvalet Verlag, 2007

10. Februar 2013

Schweiz. Gesellschaft für Gartenkultur (Hrsg.): High & Low – Gärten zwischen Kunst, Luxus und Alltag (Topiaria Helvetica 2013)

Das Jahrbuch 2013 der Schweiz. Gesellschaft für Gartenkultur (SGGK) lotet die Grenzen aus zwischen Hoch- und Populärkultur im Gartenbereich. Als Beispiele dienen dabei unter anderem der Gletschergarten Luzern, Familiengärten oder "Chinampas", eine Art Kleingartentradion aus dem Alten Mexiko.

Warum präsentieren sich Michelle Obama und Angela Merkel gerne im Garten? Weshalb sind Kleingärten bei jüngeren Leuten immer beliebter und aus welchem Grund erfreuen sich Gartenfestivals steigender Beliebtheit? Was ist elitär, was populär und wo liegen Konfliktpotentiale?Annemarie Bucher setzt sich in ihrem Beitrag mit dem Titelthema „Gärten zwischen Kunst, Luxus und Alltag“ auseinander. Sie stellt Künstlergärten oder sogenannte Gegenwelten vor und gibt einen kurzen Einblick in die Geschichte der Gartenzwerge und der Blumenuhr. Dabei stellt sie fest, dass die beiden letzteren nicht eindeutig dem Kitsch oder der Kunst zuzuordnen sind und die von der Gartengestaltung und den Gärten ausgehende Botschaft häufig keine individuelle ist, sondern eine dem zeitgenössischen Geist und der Mode entsprechende.

Der Bidergarten über Langenbruck, dem höchstgelenen Dorf im Kanton Basel-Landschaft, entstand im Rahmen einer Umgebungsgestaltung, als in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein Tourismusgeschäft aufgebaut wurde, das neue Einnahmequellen erschliessen sollte. Inzwischen sind viele Bauwerke verschwunden oder dem Zerfall ausgesetzt. Das ursprüngliche Konzept ist längst überholt bzw. einem überwachsenen, aber nicht weniger attraktiven Waldgarten gewichen. Johanna Strübin hat die Entwicklung und den Niedergang dieses Gartens im Auftrag der zuständigen Denkmalpflege analysiert und aufgrund dieser Recherchen diesen Artikel verfasst.

Über den Einfluss von Überschwemmungen, Friedenszeiten und die Verbindung von Wohlstand auf das Selbstbewusstsein und die Traditionen in der Bauerngartengestaltung liest man in der Würdigung des vor rund hundert Jahren erschienenen Büchleins „Der alte Bauerngarten“ von Hermann Christ. Niklaus von Fischer vergleicht das Emmental und das Seeland miteinander und geht auf die unterschiedlichen Voraussetzungen und äusseren Einflüsse ein. Der Autor Christ hatte sich seinerzeit mit den sogenannten Hausväterbüchern auseinandergesetzt und die Geschichte des Bauerngartens aufgearbeitet. Gleichzeitig prägte er die nachfolgenden Generationen an Bäuerinnen und (falsche) Interpretationen führten und führen auch heute noch zu ganz speziellen "Bauerngartenneuschöpfungen“.

Gabi Lerch schliesslich berichtet über eine traditionelle, aber nicht mehr häufig praktizierte Anbauweise, genannt Chinampas in Mexiko. Sie betont, dass es sich dabei nicht wie vielfach falsch bezeichnet um „schwimmende Gärten“ handelt, sondern um künstliche Inseln im See, die durch eine ganz spezielle Technik der Landgewinnung entstehen und nur über Wasserstrassen erreichbar sind. Auf diesen so gewonnen sehr fruchtbaren Parzellen werden Früchte, Gemüse und Blumen angebaut.

Weitere Beiträge befassen sich mit der Frage, ob Schweizer Kleingärtner etwas mit Schreber, auf den der Ausdruck Schrebergarten zurückgeht, zu tun haben wollen (Gert Gröning), dem Gletschergarten Luzern, Gartenkunst zwischen Tourismus und Populärwissenschaft (Johannes Stoffler) und einem Avant-Garten der Avantgarde (Suzanne Krizenecky). In der SGGK-Vitrine ist der botanische Garten Genf ein Thema und man erfährt vom Familiengartenglück über Zürich und dem Anpassen von Clemens Bornhausers Wünschen an die Diskrepanzen, sprich dem Loslassen vom mediterranen Gartentraum und dem Sich-Anpassen an die windigen Verhältnisse. Der Tagungsbericht „Gartenerbe – Zur Erhaltung historischer Gartenanlagen trotz Eigentümerwechseln“ und diverse Buchbesprechungen runden die interessante Publikation ab.



Schweiz. Gesellschaft für Gartenkultur SGGK (Hrsg.):
Topiaria Helvetica 2013 – High & Low – Gärten zwischen Kunst, Luxus und Alltag 
Vdf Hochschulverlag, 2013