8. August 2017

Bailey Cattrel: Enchanted Garden Mysteries

Eine weitere Gartenkrimi-Reihe hat Bailey Cattrel gestartet. Bis dato gibt es zwei Bücher in der Reihe «Enchanted Garden Mysteries» (Text aus der Webseite der Autorin): 

Nr. 1: Daisies For Innocence


Nr. 2:  Nightshade for Warning






1. August 2017

Nike Mangold: Die Orangerie

Die zwanzigjährige Alma verdient sich ihnen Lebensunterhalt mit Miniaturzeichnungen auf der Rückseite von Strassenbahntickets, Papierschnitzeln und Zeitungsrändern. Meistens reicht es nicht für eine anständige Mahlzeit und das Ergattern eines Schlafplatzes im Hamburger Elendsquartier ist eine weitere Herausforderung, die es täglich zu meistern gilt. Ihre Eltern sind 1892 an Cholera gestorben, als sie sieben Jahre alt war, weshalb sie schon früh für sich selber sorgen lernen musste. Ihr grösster Schatz ist ein botanisches Magazin, das sie vor ein paar Wochen am Strassenrand gefunden hat. 

Als die junge Künstlerin auf dem Markt versucht, potentielle Kunden auf sich aufmerksam zu machen, wird sie von einer Dame angesprochen, die sich als Agathe Brook und Züchterin von exotischen Pflanzen vorstellt. Diese ist beeindruckt von Almas Pflanzenabbildungen aufgrund der Vorlage aus der Zeitschrift. Frau Brook verkauft Orchideen und möchte, dass Alma ihre Gewächse für Werbezwecke abzeichnet. Sie lädt Alma deshalb ein, sie zu begleiten und die junge Frau nimmt das Angebot an. Was hat sie schon zu verlieren?

Die Mietkutsche bringt die beiden Frauen nach Harvestehude in eine Orangerie voller Pflanzen, einen richtigen Tempel der Botanik. Alma glaubt, endlich einen Zipfel vom Glück zu erhaschen. Doch die vermeintliche Glückssträhne wird unterbrochen, kaum dass sie begonnen hat, denn am nächsten Tag liegt ihre Arbeitgeberin tot in ihrem Zimmer. Alma bleibt trotzdem im Gewächshaus und versucht, sich um die exotischen Pflanzen und deren Verkauf zu kümmern, hat aber weder eine Ahnung von deren Bedürfnissen noch von deren Wert. Die junge Frau ist nicht alleine in der Orangerie. Sie muss sie mit dem jungen Nudisten Per teilen, der zwischen den Palmen lebt. Der Anhänger der Freikörperkultur kennt sich im Gegensatz zu Alma mit den Pflanzen aus und unterrichtet sie im Gärtnern und der Pflege. Auf Anweisung von Alma muss er sich unsichtbar machen, sobald Kunden auftauchen. Während Per sich ohne Kleider frei fühlt, braucht Alma den ständigen Schutz ihres kratzigen Schultertuchs. 

Die Erbschaftsfrage ist noch nicht geklärt. Der wahrscheinliche Erbe ist ein Verwandter der direkten Nachbarn der verstorbenen Orangerie-Besitzerin, den diese im Militärdienst glauben. Die Anwohner wittern deshalb die Chance, sich Hab und Gut und insbesondere das wertvolle Land unter den Nagel reissen zu können und wollen deshalb Alma loswerden. Die weiss nämlich zu viel, nachdem ihr Zeichentalent von eben diesen Anrainern genutzt worden ist, um Teile des Hamburger Stadtplans zu kopieren und die junge Zeichenkünstlerin sich die damit zusammen hängenden unlauteren Geschäfte zusammenreimen könnte. Und so muss die junge Frau, kaum dass sie sich immer mehr wie eine richtige Gärtnerin fühlt, das Treibhaus in Begleitung von zwei Polizeibeamten verlassen. 

Dieses Buch mit einem aussergewöhnlich schönen Buchumschlag basiert auf historischen Begebenheiten, welche die Autorin geschickt in den Roman integriert hat. Es geht um soziale Missstände, die krassen Unterschiede zwischen den Lebensumständen der Reichen und der Armen, Spekulationen, aber auch die Zurschaustellung von Menschen aus anderen Kulturen im Zoo, Guanodünger und einem anderen Dungmittel, aufgrund dessen Menschen angeblich Wurzeln wachsen sollen. 



Nike Mangold: 
Die Orangerie 
Eigenverlag, 2015

23. Juli 2017

Kathrin Hanke und Claudia Kröger: Wermutstropfen – Der erste Fall für Victor Bucerius

Der Ich-Erzähler Victor Bucerius lebt seit einigen Jahren mit seiner Schwester Julia zusammen im Elternhaus, einem ehemaligen Kloster, zu dem ein Kräutergarten gehört, der ursprünglich von Mönchen angelegt worden ist. Er ist geschieden, sie ist verwitwet - so hat sich diese Zweckgemeinschaft fast aufgedrängt. Denn obwohl die Geschwister so nahe beieinander wohnen und einzelne Räume wie die Küche gemeinsam nutzen, ist der gegenseitige Kontakt minimal. Einerseits sind sie charakterlich verschieden, anderseits pflegen sie unterschiedliche Interessen. Der zurückgezogen lebende Apotheker widmet sich ausserhalb seines Geschäfts hauptsächlich seinen Forschungen nach einem neuen Medikament und verbringt dementsprechend viel Zeit in seinem Labor, während die offene Menschenfreundin Julia eine leidenschaftliche Köchin und Kräutergärtnerin ist. 

Der zum Haus gehörende Garten ist eigentlich eher ein Park und wird von Julia gehegt und gepflegt. In ihrem Reich zieht sie eine grosse Auswahl von Kräutern an, die sie nach der Ernte trocknet und anschliessend zu weit über die Dorfgrenze hinaus beliebten Teemischungen abfüllt, die der Apotheke ihres Bruders ansehnliche Umsätze bescheren. Und eben in diesem grünen Revier findet Victor eines Morgens seine Schwester tot im Teich. Suizid kann als Todesursache rasch ausgeschlossen werden. Doch wer hat Julia vergiftet? Da Victor als Alleinerbe und Apotheker eben nicht nur über ein starkes Motiv, sondern auch über das notwendige Hintergrundwissen über Gifte verfügt, setzt ihn die ermittelnde Kommissarin Stine Jessen gleich einmal auf die Liste der Verdächtigen. 

Victor ist natürlich gar nicht begeistert darüber und sowieso stört es ihn, dass eine Frau die Ermittlungen führt. Nach seinen Erfahrungen sind Frauen nämlich kompliziert und denken um mehrere Ecken herum. Um die Verdachtsmomente auszuräumen und gleichzeitig seiner Schwester einen letzten Dienst zu erweisen, beginnt er deshalb, selber Nachforschungen anzustellen. Und als hätte der zurückgezogen lebende Mann derzeit nicht schon genug Unruhe in seinem sonst so geordneten Alltag, taucht auch noch eine Frau auf, die behauptet, von Julia als Aushilfe für seine Ein-Mann-Apotheke eingestellt worden zu sein und vorläufig im Gästezimmer wohnen zu dürfen. 

Wieso weiss Victor nichts von diesen Plänen? Weil er sich im Moment seinen privaten Ermittlungen widmen will, beschliesst er, der Frau eine Chance zu geben. Sie erweist sich in der Apotheke als sehr geschickt, doch überschreitet sie privat immer wieder Grenzen und muss von Victor in ihre Schranken gewiesen werden. Parallel dazu findet er mittels Tagebuch seiner verstorbenen Schwester heraus, wie wenig er über diese gewusst hat und welche Themen sie in den letzten Wochen bewegt haben. Sie hat beispielsweise Kochbuchpläne geschmiedet und sich sehr intensiv um einen von Victors Medikamentenauslieferern gekümmert, der aus einer Problemfamilie stammt. Und zwar genau um den jungen Mann, der ihm selber irgendwie suspekt ist. 

Nach einem Einbruch in sein Wohnhaus scheint die Kommissarin immerhin von Victors Unschuld überzeugt zu sein und sie zieht ihn – natürlich ganz inoffiziell - sogar mit in ihre Ermittlungen ein. Verschiedene Tatmotive werden in Betracht gezogen und potentielle Täter überprüft, doch eine heisse Spur ist nicht aufzutun. 

Zwischen den Kapiteln finden sich jeweils passende Rezepte wie etwa «Julias römisches Katerfrühstück», «Kräuter-Tarte à la Julia», «Julias Fruchtfliegenfalle» oder «Stines dunkelroter Energiekick».Sowohl Untertitel als auch der letzte Satz des Gartenkrimis lassen auf eine Fortsetzung des Gartenkrimis hoffen. 



Kathrin Hanke und Claudia Kröger: 
Wermutstropfen – Der erste Fall für Victor Bucerius 
Gmeiner Verlag, 2016

15. Juli 2017

Lorenza Zambon: Gartenphilosophie

Lorenza Zambons Leidenschaft gilt Pflanzen, Gärten und Landschaften. Die Schauspielerin und Regisseurin verknüpft diese schon seit langem mit Festivals, Theaterworkshops und Guerilla-Kunstaktionen. Nun ist noch ein zum Nachdenken anregendes Büchlein hinzugekommen. Nämlich die deutsche Übersetzung von «Lezioni di giardinaggio planetario». Auf rund 120 Seiten philosophiert sie darin in drei Lektionen über «Gärtnern für anonyme Revolutionäre», «Gärtnern für planetarische Gärtner» und «Die Samen der Zukunft». Die Essays selber tragen Titel wie «Blütenteppiche auf Trümmern», «Befreite Samen» und «Ein schlafender Schatz». 

Die Liebe zum Grünen hat die Autorin wohl von ihrer Mutter geerbt. Und dies obwohl sie sich als Kind oft fremdgeschämt hat, wenn sich la Mama unterwegs mit der Tochter dank Hilfe ihrer perfekt manikürten Nägel als Pflanzendiebin betätigt hat oder sich – wenn die höfliche Bitte nach einem Steckling ganz selbstverständlich bejaht worden ist – ziemlich aufdringlich gleich selber im fremden Garten am grünen Buffet bedient hat. Da der Nachwuchs sich seinerzeit aber mehr geschämt hat, als dass er darauf geachtetet hat, was die Mutter mit den Stecklingen angestellt hat, blüht es bei Lorenza Zambon nun leider nicht annähernd so üppig wie seinerzeit rund ums Elternhaus. 

Dafür hat sie um so mehr Ideen, die sie oft mit Unterstützung von anderen verrückten Frauen umsetzt. Als verrückt bezeichnet die Autorin ihre Mitstreiterinnen selber. Initiativ würde aber gemäss meinem Eindruck mindestens so gut passen. Auf ihrer privaten Facebook-Seite lässt sich jedenfalls ausgezeichnet ein erster Eindruck über ihr vielfältiges Engagement verschaffen. Die Italienerin berichtet davon, wie sie unterwegs immer wieder Müll zusammensammelt. Zu diesem Zweck hat sie immer Müllsäcke und Handschuhe im Auto. Die vollen Säcke werden dann beschriftet mit «Erntedatum» und «Ernteort» aufgehoben. Wie lange habe ich nicht mitbekommen oder überlesen. 

Dann schreibt Lorenza Zambon von Männern, die Bäume pflanzen. Und zwar nicht einen oder zwei. Nein, gleich Tausende. Und es gibt ein Wiederlesen mit Novella Carpenter, der Cityfarmerin aus Detroit, deren Buch «Meine kleine Cityfarm» ich hier ausführlich vorgestellt habe. Die Autorin glaubt, dass jenseits des Atlantiks wahrhaftig der Keim für fantastische neue Welten gelegt wird. Das mag zutreffen. Wohl aber nur, wenn man die jüngsten politischen Geschehnisse ausblendet. Mit Genugtuung stellt sie jedenfalls fest, dass jüngst auch hierzulande (oder eben in Italien) immer öfter grössere und auch kleine leere Flächen durch Urban Farmer und/oder Guerilla Gardener in Beschlag genommen werden und verrät ihre eigene Idee von tragbaren Gemüsegärten. 

Gerne würde die Sofagärtnerin noch mehr Geschichten übers Verschönern von Städten lesen, mangels weiterer solchen Seiten erfreut sie sich an den kreativen und teilweise inspirierenden Namen verschiedener Gartenbewegungen, die erwähnt werden: Badili Badola, Piante Volanti, Ammazza che piazza, Effetto Terra, Zena Zapata, Le Ortike oder Friarelli Ribelli. Die philosphischen Betrachtungen enden mit der Einladung, sich genau umzusehen und für sich selber die richtigen Samen zu finden. Und das richtige mit diesen anzustellen. Für eine erfolgreiche Keimung braucht es nur ein wenig Erde und etwas Wasser. 



Lorenza Zambon: 
Gartenphilosophie 
Mosaik Verlag, 2017

8. Juli 2017

Susanne N. Bahro: Abschied am Alpsee

Carina bekommt von ihrem Mann schon lange keine roten Rosen mehr geschenkt. Was aber weniger daran liegt, dass sie eine Floristikausbildung abgeschlossen hat, sondern darauf zurückzuführen ist, dass ihre vierköpfige Familie, zu der neben Carina und ihrem Mann Frank der 16jährige David und die 12jährige Anika gehören, fest im Alltagstrott gefangen ist. Jetzt hat Carina ihren Nächsten einen Urlaub in ihrer Heimat, dem Allgäu, abgetrotzt, ja fast abgenötigt, und Mann und Kinder sind wenig begeistert, auf Meer und Ostseestrand verzichten zu müssen. 

Der erste Ferientag beginnt dann auch wenig vielversprechend und Carina macht sich nach einem Streit alleine auf, um den alten Residenzort Immenstadt zu erkundigen. Nachdem sie sich aus Frust ein wunderschönes, aber eigentlich viel zu teures Kleid gegönnt hat, läuft sie weiter durch die Gassen und die Auslage des Blumenladens «Monis Blumenkiste» erweckt ihre Aufmerksamkeit. Obwohl die Aufmachung bei näherer Betrachtung ihrem kritischen Auge nicht genügt, möchte sie sich das Geschäft gerne anschauen. Doch leider ist die Ladentüre abgeschlossen. Sie bleibt nicht die einzige, die vor der verschlossenen Türe stehen bleiben muss. 

Als Carina während einem Gespräch mit der Bäckersfrau von nebenan erfährt, dass die Inhaberin wegen einem Unfall für ein paar Tage im Krankenhaus bleiben muss, bietet sie ganz spontan ihre professionelle Hilfe an. Die hinzugezogene Tochter der Blumenladenbesitzerin hat keine Einwände und so ergibt sich für die Mutter und Hausfrau ganz plötzlich die Möglichkeit, ihren langjährigen Traum vom eigenen Blumengeschäft wenigstens für ganz kurz auszuleben und nach vielen Jahren wieder als Floristin tätig zu sein. Ihre schlechte Laune ist wie weggeblasen, während sich die Begeisterung ihrer Familie über die Abwesenheit der Mutter in Grenzen hält. 

Wieviel kostet eine einzelne Rose? Welchen Preis kann sie für einen bunten Sommerblumenstrauss verlangen? Um an notwendige Informationen zu gelangen, verschafft sich Carina Einblick in die Bestelllisten. Sie bringt es fertig, einen wichtigen Kunden mit ihrer originellen Tischdekoration, die aus einer Verlegenheit oder genauer mangels vorhandener frischer Blumen entstanden ist, zu begeistern. Aber gleichzeitig überschreitet sie eindeutig ihre Stellvertreterinnen-Kompetenzen, als sie einen eingeschriebenen Brief nicht nur entgegennimmt, sondern auch öffnet, liest und den wichtigen Inhalt nicht einmal weitergibt. Dieser Fauxpas und die Nicht-Information der Inhaberin über ihre Aushilfetätigkeit ziehen Konsequenzen nach sich. 

Als sich nämlich die Blumenladenbesitzerin Moni selber vorzeitig aus dem Krankenhaus entlässt und nichts ahnend von den Abmachungen zwischen ihrer Tochter und Carina im eigenen Geschäft auftaucht und eine fremde Person darin vorfindet, ist sie natürlich gar nicht begeistert. So scheint der Traum vom temporär zu führenden Blumenladen noch schneller zu enden, als durch die kurze Feriendauer sowieso schon absehbar war. 

Immerhin bleibt so wieder etwas Zeit für richtige Familienferien. Doch sie findet heraus, dass ihr Ehemann heimlich in beruflicher Mission unterwegs sein muss. Da die beiden mitten in einer heftigen Ehekrise stecken und sich gegenseitig nicht mehr offen informieren, hat sie keine Ahnung davon, dass das vor dreieinhalb Jahren gegründete Architekturbüro ihres Mannes sehr schlecht läuft und er dringend auf neue Aufträge angewiesen ist. 

Immerhin hat sich Davids Laune etwas gebessert und Anika ist durch die Abwesenheit von Mutter und Vater gezwungenermassen etwas selbständiger geworden. Der Sohnemann hat Anschluss an gleichaltrige einheimische Jugendliche gefunden, so dass seine Enttäuschung darüber, die Klasse wiederholen zu müssen, etwas in den Hintergrund gerückt ist und die Tochter verbringt ihre Tage auf einem Ponyhof. Hat Frank vielleicht mit seinen Vorwürfen doch recht, dass Carina ihre Kinder zu fest bemuttert? Damit sind noch nicht einmal alle aktuellen Probleme aufgezählt. Denn da gibt es noch einen ehemaligen Schulkameraden von Carina, der ziemlich aufdringlich um sie wirbt. Steht die Ehe von Carina und Frank nach siebzehn Jahren tatsächlich vor dem Aus und David muss, wie von ihm befürchtet, als Scheidungskind nach Hause kehren? 



Susanne N. Bahro: 
Abschied am Alpsee 
Eigenverlag, 2016

1. Juli 2017

Gina Mayer: Der magische Blumenladen

Teil 1 (von Ende 2016)

Mitten während meiner beruflichen Weiterbildung bin ich auf eine neue Kinderbuchreihe über einen Blumenladen gestossen, in dem mit Blumen gezaubert wird. „Der magische Blumenladen“ ist im letzten Jahr gestartet und umfasst bereits mehrere Bände. Da tut es mir fast ein bisschen leid, dass meine Tochter diesem Alter entwachsen ist und ich eigentlich (fast) keinen Grund habe, mir diese verlockende Reihe anzuschaffen.


Teil 2 (von Mitte 2017)

Nachdem ich kürzlich in einem Supermarkt (!) erneut über diese Buchreihe gestolpert bin, habe ich sie mir doch zugelegt. Bis anhin habe ich fünf Bände der mit ausserordentlich schön gestalteten Buchcovers ausgestatteten Serie gelesen. Alle enthalten ein in sich abgeschlossenes Abenteuer der Nachwuchs-Blumenzauberin Violet, für die es keinen schöneren Ort gibt, als den Blumenladen ihrer Tante Abigail. Mal benötigt jemand eine ordentliche Portion Selbstvertrauen, mal müssen zwei perfekt zueinander passende Menschen zusammengeführt werden, mal muss jemandem die Zunge gelockert werden und ein anderes Mal sind verschwunde Personen aufzuspüren. Mit magischer Unterstützung durch die richtigen Pflanze aus dem Blumenbuch, die meistens im Hexengarten hinter dem Blumenladen wächst, wäre die Lösung jeweils schnell herbeigezaubert. Aber Violet hat ihrer Tante versprechen müssen, das gelbe Buch nicht mehr anzurühren, bis ihre Blumenzauberin-Ausbildung abgeschlossen ist und ihre eigentlich durchaus gut gemeinten magischen Bemühungen zu keinen unbeabsichtigten, völlig verqueren Resultaten mehr führen können...

























23. Juni 2017

Ilke S. Prick: Vergissmeinnicht war gestern

«Eine glückliche Beziehung, ein fester Job, ein gemütliches Sofa… - Alles scheint perfekt in Mariekes Leben – bis sie sich plötzlich allein mit siebzehn Umzugskisten in einer fremden Hinterhauswohnung findet. Zurück auf Start?» Mit diesen Zeilen wird der Roman «Vergissmeinnicht war gestern» auf der Umschlagrückseite beworben. Für gärtnernde Leserinnen lege ich den Fokus dieser Buchvorstellung aber wie üblich auf die hortikulturellen Passagen, die ungefähr ab Seite 100 richtig beginnen. Jedenfalls, wenn die durchweg blumigen oder botanischen Kapitelüberschriften wie «Fette Henne», «Frühblüher», "Asphaltblüten", "Moos-Graffiti" und «Zuchhini-Schwemme» ausser Acht gelassen werden. 

Grund für Mariekes plötzlichen Auszug ist die Untreue von Jochen, ihrem Partner und Arbeitgeber. Die 46Jährige versucht, diesen Schock zu verdauen und wird dabei mehr oder weniger nützlich von Freundin und Schwester unterstützt, deren Ratschläge kaum unterschiedlicher sein könnten. Letztere ist Paartherapeutin mit einem Vorzeigeleben und empfiehlt, die Beziehung zu retten. Doch erst einmal kündigt Marieke ihre Stelle beim Zahnarzt und Ex-Partner und fängt wieder an, Taxi zu fahren und die ehemalige Kunststudentin beginnt auch wieder zu malen. 

Mariekes Übergangswohnung befindet sich in einem Gebäude, wo eine ausgezeichnete Nachbarschaft gepflegt wird und die Neuzuzügerin findet rasch einen guten Draht zu den Mitbewohnern. Im Gegenzug für ihre Unterstützung einer Abiturientin im Fach Kunst erhält sie Zuwachs für ihren Balkon, wo bis jetzt einzig und allein eine Fette Henne die Welt der Botanik vertritt. Schon bald ist Marieke, die den hortikulturellen Eifer ihrer Nachbarinnen zunächst etwas erstaunt belächelt hat, vom grünen Virus infiziert und unterstützt ihre kreative Nachbarschaft tatkräftig beim intensiven Hinterhofgärtnern. Und auf ihren Taxitouren ins Umland macht sie neu schon mal einen Abstecher in eine Gärtnerei, wo sie beispielsweise Malven und Kornblumen kauft. Erst jetzt fällt der Mitvierzigerin auf, dass ihre Stadt überall grüner und bunter wird. Stahl- und Betonkonzepte werden durch Frühblüher in Konservendosen und Gewächse in Milchtüten sowie Bienenkörbe und Ameisenbauten aufgelockert, was die Planer auf dem Reissbrett so nicht vorgesehen haben.

Im Hinterhof selber werden durch die engagierten Bewohner direkt neben dem Biomüll Kartoffeln in alten Reissäcken gezogen, Kräuter und Waldbeeren wachsen in Kästen, die an der Überdachung der Mülltonnen hängen, und das Herzstück des Gemüsegartens sind Hügelbeete. Im Sommer ist der Hinterhof ein Traum in grün und bunt, in dem farbige Blumen um die Wette blühen. Auch die Gemüsevielfalt ist riesig und es können Rote Beete, Mangold, verschiedene Salate, Tomaten, Bohnen, Kürbisse, Zucchetti und anderes mehr geerntet werden. Letztere wie vielerorts üblich in rauen Mengen, so dass trotz entsprechender Versuche niemand mehr für Zucchinipasta, Zucchini-Pizza, Zucchini-Reispfanne, Zucchini-Chutney, gegrillte, gedünstete oder pürierte Zucchini begeistert werden kann.

Zum hortikulturellen Hintergrund gehören ausserdem eine Terrasse mit immergrünen Büschen, Gräsern, Farnen, Ginkgo und Bambus sowie ein interkultureller Gemeinschaftsgarten namens «Flotte Schalotte- Garten für alle» auf einem ehemaligen Industriegebiet und eine wichtige Rolle spielt Guerilla Gardening. 

Um den Roman nicht ganz aufs Gärtnerische zu reduzieren noch ein paar Stichworte zum weiteren Inhalt: es gibt einen interessanten Nachbarn, der scheinbar ein Geheimnis verbirgt und plötzlich hat Marieke einen Mitbewohner, nämlich einen Hund. Ausserdem wirbt ihr Ex wieder um sie. Doch was will eigentlich Marieke? Revanche oder zurück in ihr altes, vertrautes Leben inklusive gepflegter Langeweile? Auch innerfamiliär gibt es einiges zu klären. Etwa die distanzierte Beziehung zu ihrem Vater, die zurückgeht auf die nebulösen Umstände und das aus frühester Kindheit und durch den Tod von Mariekes Mutter ausgelöste Trauma sowie die Feststellung, dass auch im vordergründig perfekten Leben ihrer Schwester nicht alles beneidenswert ist. Für Entspannung im Kopfkino der Leserin sorgt auch die wiederholte Erwähnung eines ganz besonderen Blautons. Ob ich zuviel verrate, wenn ich noch hinzufüge, dass die Übergangslösung bald durch ein anderes Stadium am neuen Wohnort abgelöst wird



Ilke S. Prick: 
Vergissmeinnicht war gestern 
Insel Verlag, 2016

15. Juni 2017

Holly Webb: Return to the Secret Garden

Der zeitlose Jugendbuchklassiker «Der geheime Garten» von Frances Hodgson Burnett ist seit seinem Erscheinen im Jahr 1911 in fast unzählige Sprachen übersetzt und auch mehrfach verfilmt worden. Ich besitze selber eine kleine Sammlung von verschiedensprachigen Buchausgaben (die ich längst nicht alle verstehe), ein Bühnenbilderbuch sowie einige DVDs und Hörbücher. In ausländischen Buchhandlungen versuche ich wenn immer möglich, lokale Ausgaben des Buches zu ergattern. Manchmal klappt es. Letztes Jahr in Slowenien war die Nachfrage leider erfolglos, da die aktuellste Ausgabe vergriffen war. Die Autorin Holly Webb hat sich der Aufgabe gestellt, eine Fortsetzung dieses berühmten Kinderbuchs zu schreiben, die rund dreissig Jahre nach dem Original spielt. Ihre Gründe warum und weshalb sie dies getan hat, lassen sich in einem Interview im Anschluss an das Buch «Return to the Secret Garden» lesen. Zum Inhalt:

Wegen der erwarteten Bombenangriffe müssen sämtliche Bewohnerinnen und Bewohner das Waisenhaus «Craven Home for Orphaned Children» verlassen. Ein paar Kleider, abgenutztes Spielzeug und eine Gasmaske sind alles, was die Waisen auf sich tragen, als sie 1939 aus London evakuiert werden. Ihr Ziel ist Misselthwaite Manor in Yorkshire. Unter dieser Gruppe von Kindern ist auch Emmie, eine einsame Einzelgängerin. Ihre beste Freundin ist eine abgemagerte Katze, die regelmässig auftaucht, um sich von ihr füttern zu lassen, und hernach wieder verschwindet. Doch davon darf niemand im Heim etwas wissen. Mädchen und Katze sind ähnlich kratzbürstig und passen so recht gut zusammen. Emmies Versuch, die Katze Lucy heimlich aus dem Haus zu schmuggeln und mit auf die Reise zu nehmen misslingt und das Mädchen ist untröstlich. 

In Misselthwaite gibt es ausser zwei gemeinen Jungen keine Kinder in Emmies Alter und an dem riesigen staubigen Gebäude mag sie keinen Gefallen finden. Sie kann sich beim besten Willen nicht vorstellen, sich in dieser verlassenen ländlichen Gegend jemals wohl zu fühlen. Der Sohn der Besitzerin seinerseits scheint auch gar nicht begeistert über die vielen Neuankömmlinge aus der Grossstadt zu sein. Aber immerhin sind die Besitzerin des Herrenhauses und das Personal sehr freundlich und besonders zum Gärtner hat Emmie von Beginn weg einen recht guten Draht. 

Rascher als erwartet, gewöhnt sich Emmie an den neuen Tagesablauf, der so ganz anders ist als es der in London war. Nach den Schullektionen findet sie immer wieder Zeit, alleine die verschiedenen riesigen Gärten rund ums Herrenhaus zu erkundigen und sie schliesst eine Art Freundschaft mit einem Rotkehlchen. Schliesslich findet sie in ihrem Zimmer in einem Schrank zufällig die Tagebücher einer Mary Lennox mit Einträgen aus dem Jahr 1910 und erfährt dadurch von der Existenz eines geheimen Gartens, zu welchem sie sogar den Schlüssel und damit den Zugang findet. Als sie herausfindet, dass der Garten gar kein geheimer Garten (mehr) ist, ist sie zunächst jedoch sehr enttäuscht. Es gibt noch ein weiteres Rätsel zu lösen. So nimmt sie eines nachts all ihren Mut zusammen und geht dem verzweifelten Schluchzen auf den Grund, das sie immer wieder durch die dunklen Yorkshirer Nächte hört.

Die vor meiner Lektüre dieser Fortsetzung flüchtig gelesenen englischen Buchkritiken waren fast durchwegs positiv, wenn nicht sogar überschwänglich. Mich selber hat diese Fortsetzung etwas zwiespältig zurückgelassen. Das Vorgängerbuch habe ich schon länger nicht mehr gelesen, aber die Fortsetzung erscheint mir sehr ähnlich. Anderes Jahrzehnt, andere Kinder, aber neben dem identischen Handlungsort sind auch die Handlung samt Entdeckung des geheimen Gartens, der Freundschaft zu einem Rotkehlchen sowie die Charaktere der wichtigen Personen teilweise fast identisch. Ich hätte mir neben dem Auftreten von Mary und Dickon als Erwachsene eindeutig mehr neue Ideen und/oder Überraschungen gewünscht. 



Holly Webb: 
Return to the Secret Garden 
Scholastic Children Books, 2015