Wermut (Artemisia), Bilsenkraut (Hyoscyamus niger) Rosmarin (Rosmarinus officinalis), Frauenmantel (Alchemilla vulgaris), Schlehdorn ( Prunus spirosa) – Philippine Welser sucht im Auftrag iher Mutter Anna Welser regelmässig nach Heilkräutern und weiss inzwischen selber ziemlich genau, welche Pflanze welches Leiden kurieren und welche Nebenwirkungen hervorrufen kann.
Augsburg im Jahr 1556 – Die Leute reden über die 29jährige Philippine Welser, die noch immer unverheiratet ist und bei ihrer Mutter wohnt, welche mit finanziellen Problemen kämpft, da der Vater der Familie den Rücken gekehrt und diese ihrem Schicksal überlassen hat. Zwar gab es den einen oder anderen Bewerber, der Interesse an der jungen Frau gezeigt hat, doch keiner von ihnen konnte Ferdinand das Wasser reichen, dem sie ihr Herz geschenkt hat und der aber gleichzeitig unerreichbar für sie ist. Denn während sie selber aus einem bürgerlichen Haus stammt, ist er der Lieblingssohn des künftigen Kaisers Ferdinand I.
Wie in einem Käfig eingesperrt fühlt sich Philippine. Dabei würde sie liebend gerne ferne Länder erkunden. Gefördert und unterstützt wird sie von ihrem geliebten Onkel Bartholomé, doch die junge Frau hasst die familiären Umstände, die sie zwingen, diesen immer wieder um Geld anzubetteln. Nach einer kurzen Liebelei mit Konsequenzen, die von ihrer Mutter mit Hilfe von Kräutern gerade noch korrigiert werden können, erhält Philippine eine Einladung ihrer Tante Kat aus Böhmen. Sie soll sich dort erholen. Und natürlich keimen in der hoffnungslos verliebten Frau schon wieder Erwartungen auf. Denn von Böhmen ist es ja schliesslich nicht viel mehr als ein Katzensprung nach Prag, wo Ferdinand lebt. Ob sie ihn wohl wiedersieht?
Tatsächlich treffen sich die beiden wieder und Ferdinand erwidert Philippines Gefühle. Er heiratet sie sogar, jedoch nur heimlich. Die Öffentlichkeit und auch der Kaiser dürfen nichts von der geheimen Legalisierung der Verbindung wissen, droht doch sonst eine Staatsaffäre. Nur ganz wenige Nahestehende sind eingeweiht und wissen von der nicht standesgemässen Ehe der beiden und dem heimlichen Familienleben. Das Ehepaar bekommt nämlich im Laufe der Jahre vier Kinder, die aber als unehelich gelten.
Philippine führt gleichzeitig ein schönes und ein schreckliches Leben. Lohnt sich der Preis? Ihre Kinder sind von der Erbfolge ausgeschlossen und erhalten nur eine Apanage. Zudem muss sie ständig um ihr Leben fürchten und nutzt ihren geliebten Hund kompromisslos als Vorkoster. Zeitlebens nie verwindet sie den Tod ihrer Zwillinge, die im Kleinkindalter sterben, als die Pest wütet, der auch mit grossem Heilkräuterwissen nicht oder nur beschränkt beizukommen ist.
Jedes Kapitel dieses historischen Kriminalromans beginnt mit der Zeichnung einer Heilpflanze und Angaben zu deren positiven und negativen Wirkungen. Das entsprechende Heilkraut findet dann auch im entsprechenden Abschnitt Verwendung. Ablenkung von ihren Sorgen und eine Aufgabe findet Philippine in der Pflege ihres eigenen Kräutergartens und dem Studium der einheimischen und der exotischen Pflanzenwelt. Ihre Lateinkenntnisse testet sie, während sie sich in Leonhard Fuchs‘ „De historia stirpium“ vertieft. Das von ihrer Mutter geerbte Kräuterbuch ist ihr heilig und sie ergänzt und erweitert die Informationen darin laufend. Als Philippine später in Tirol auf Schloss Ambras lebt, besitzt sie einen Garten mit kleinen Bauwerken und Pavillons und sie initiiert die Eröffnung eines Offizins, wo alle Kranken kostenlos behandelt werden. Doch immer wieder liegen Schatten auf Philippines Leben - eine Metapher zum Wort und der Bedeutung von "Ambras"?
Der historische Roman wird in zwei Strängen erzählt. Entweder berichtet Philippine in Tagebuch- oder die Autorin erzählt in Romanform. In der Handlung vermischt Brigitte Riebe auf anregende Weise Daten und Geschehnisse aus dem Leben der „echten“ Philippine Welser mit Fiktion und gibt dabei Einblick in die Lebensweise im 16. Jahrhundert und dannzumal übliche, heute teilweise merkwürdig erscheinende Sitten. So darf Philippine ihre Kinder nach der Geburt nicht behalten. Diese werden ihr weggenommen, vor die Türe gelegt und hernach quasi als Findelkinder aufgenommen und aufgezogen. Und natürlich darf die leibliche Mutter ihren Nachwuchs auch nicht selber stillen.
Brigitte Riebe:
Die schöne Philippine Welserin
Gmeiner-Verlag, 2013
21. April 2013
17. April 2013
Karen Meyer-Rebentisch: Das ist Urban Gardening! – Die neuen Stadtgärtner und ihre kreativen Projekte
In den letzten Jahrzehnten ging vor allem in städtischen Gebieten viel hortikulturelles Wissen verloren, das früher zur Allgemeinbildung gehörte und wenn es vielleicht auch nicht gerade fürs nackte Überleben wichtig war, so doch unerlässlich für das Auskommen mit dem Haushaltseinkommen. Mit dem Aufkommen von Supermärkten an fast jeder Ecke und Kühlschränken mit für jedermann erschwinglichen Preisen, war oder schien es nicht mehr notwendig, sich selber mit der Anzucht und Pflege von Obst und Gemüse abzumühen. Diese Freizeitbeschäftigung galt daher lange als eher altmodisch. In den letzten Jahren hat aus verschiedenen Gründen, zu denen auch Lebensmittelskandale gehören, vermehrt ein Umdenken stattgefunden.
Karen Meyer-Rebentisch hat sich für diese aktuelle Publikation aufgemacht, in verschiedenen Städten in Deutschland urbane Garten-Projekte aufzusuchen und berichtet nun von den Visionen und aus dem (gärtnerischen) Alltag der neuen Stadtgärtner. Junge Leute, die sich für das Gärtnern entscheiden, können heutzutage oft nicht auf die Erfahrung der vorherigen Generation zurückgreifen und sind deshalb auf andere Informationsquellen angewiesen. Das ist mit ein Grund, weshalb Gartenbücher, Gartenmagazine und insbesondere Zeitschriften mit dem Wort „Land“ im Titel boomen und die Auswahl am Kiosk fast unüberschaubar ist. Doch gelernt wird in erster Linie im Garten selber und gerade in Gemeinschaftsgärten kommt es wie die Autorin anmerkt, zu einem (Zitat) „inspirierenden Zusammenspiel von Fragen, Wissen, Talenten und Experimentierlust“, während Besserwisser fehl am Platz sind.
Stadt und Garten – (k)ein Widerspruch? Nach einleitenden Gedanken und einem Überblick in die Geschichte des öffentlichen Grüns im Lauf der Zeit, ist das Buch in die folgenden Themen gegliedert:
Es lässt sich nachlesen, wie das Gemüse immer öfter in die Stadt zurückkehrt. Im Buch werden interessante Projekte wie „Essbare Stadt Kassel“, „Incredible Edible Todmorden“ und „Agropolis“ in München in Kurzform vorgestellt. Auch die „Essbare Stadt Andernach“, die auf öffentlichen Brachen Nutzpflanzen anbaut, welche die Bürger dann ernten dürfen, wird thematisiert. Andernach geht auch in anderer Hinsicht einen Schritt voraus. Während vielerorts Bewilligungen eingeholt werden müssen, um vor dem Haus etwas zu pflanzen, setzt diese Stadt aus eigener Initiative Rebstöcke an Hauswände, sofern der Besitzer nicht ausdrücklich widersprochen hat. Andere Projekte wie beispielsweise der schon oben erwähnte Kistengarten oder die Internationale Gärten Göttingen werden im Buch ausführlicher beschrieben.
Welches sind die Beweggründe, in einem Gemeinschaftsgarten aktiv zu werden und/oder im kleinen Rahmen vorzuspuren, was (vielleicht) etwas Grosses auslöst? Üppige Ernteerträge sind gar nicht unbedingt oberstes Ziel. Gärten, und ganz besonders mobile Versionen davon, vereinen Menschen, die sich sonst kaum begegnet wären und schaffen Verbindungen. In Interviews erzählen ein Mathematikstudent von seinem Engagement im Gemeinschaftsgartenprojekt „O’pflanzt is“, eine Berufsgärtnerin über ihre Motivation, ehrenamtlich einen interreligiösen Kräutergarten anzuregen und umzusetzen und eine Akademikerin aus Bagdad darüber, wie ihr die Interkulturellen Gärten Göttingen, wo sie auch Pflanzen aus der Heimat anbauen kann, die Integration und das Schlagen von Wurzeln vereinfacht haben.
Gleicherweise ist Guerillagärtnern derzeit in aller Munde. Die Autorin berichtet vom vielleicht ersten Guerillagärtner, der schon ab ungefähr 1873 in diesem Sinn aktiv war. Der Ingenieur und Schriftsteller Heinrich Seidel war für die die Verbreitung des Zimbelkrauts (Linaria cybalaria) besorgt und kämpfte schon dannzumal gegen ordnungsliebende Stadtgärtner. Etliche Jahre später zur Zeit des Kalten Krieges haben zwei Familien im Schatten der Berliner Mauer auf DDR-Gebiet ein Stück Land in einen blühenden Garten verwandelt. Mittlerweile ist darauf auch ein kurioses Bauwerk errichtet worden und bereits baut die zweite Generation im Gewohnheitsrecht Gemüse an.
Dieses inspirierende Buch ist mit viel Herzblut recherchiert und geschrieben worden. Es ist keine Pflanzanleitung fürs Gärtnern in der Stadt, sondern gibt einen reich illustrierten Überblick, was in Sachen Urban Gardening in Deutschland los ist. Möge diese Publikation möglichst viele (potentielle) Gärtner motivieren, ein eigenes grünes urbanes Projekt anzustossen und durchzuziehen! In Zürich beispielsweise sind gerade Bemühungen in Richtung „Essbare Stadt“ im Gange und sollen im nächsten Frühling umgesetzt werden.
Karen Meyer-Rebentisch:
Das ist Urban Gardening! – Die neuen Stadtgärtner und ihre kreativen Projekte
BLV Buchverlag, 2013
Karen Meyer-Rebentisch hat sich für diese aktuelle Publikation aufgemacht, in verschiedenen Städten in Deutschland urbane Garten-Projekte aufzusuchen und berichtet nun von den Visionen und aus dem (gärtnerischen) Alltag der neuen Stadtgärtner. Junge Leute, die sich für das Gärtnern entscheiden, können heutzutage oft nicht auf die Erfahrung der vorherigen Generation zurückgreifen und sind deshalb auf andere Informationsquellen angewiesen. Das ist mit ein Grund, weshalb Gartenbücher, Gartenmagazine und insbesondere Zeitschriften mit dem Wort „Land“ im Titel boomen und die Auswahl am Kiosk fast unüberschaubar ist. Doch gelernt wird in erster Linie im Garten selber und gerade in Gemeinschaftsgärten kommt es wie die Autorin anmerkt, zu einem (Zitat) „inspirierenden Zusammenspiel von Fragen, Wissen, Talenten und Experimentierlust“, während Besserwisser fehl am Platz sind.
Stadt und Garten – (k)ein Widerspruch? Nach einleitenden Gedanken und einem Überblick in die Geschichte des öffentlichen Grüns im Lauf der Zeit, ist das Buch in die folgenden Themen gegliedert:
- Humus auf den Asphalt! - Die grünen Visionen der neuen Stadtgärtner
- "Hier hat meine Seele ein Zuhause“ - Interkulturelle Gärten
- Der Städter und sein Bauer - ein Pakt für die Zukunft
- Ökologie beginnt im Kopf - Umweltpädagogik in Natur und Garten
- Grün für alle!– Frischluftschneisen, Gartenzwerge und Gemüse
- Green Guerillas und brave Bürger – Von der grünen Lust der Städter
- Anhang mit hilfreichen Links und weiterführender Literatur
Es lässt sich nachlesen, wie das Gemüse immer öfter in die Stadt zurückkehrt. Im Buch werden interessante Projekte wie „Essbare Stadt Kassel“, „Incredible Edible Todmorden“ und „Agropolis“ in München in Kurzform vorgestellt. Auch die „Essbare Stadt Andernach“, die auf öffentlichen Brachen Nutzpflanzen anbaut, welche die Bürger dann ernten dürfen, wird thematisiert. Andernach geht auch in anderer Hinsicht einen Schritt voraus. Während vielerorts Bewilligungen eingeholt werden müssen, um vor dem Haus etwas zu pflanzen, setzt diese Stadt aus eigener Initiative Rebstöcke an Hauswände, sofern der Besitzer nicht ausdrücklich widersprochen hat. Andere Projekte wie beispielsweise der schon oben erwähnte Kistengarten oder die Internationale Gärten Göttingen werden im Buch ausführlicher beschrieben.
Welches sind die Beweggründe, in einem Gemeinschaftsgarten aktiv zu werden und/oder im kleinen Rahmen vorzuspuren, was (vielleicht) etwas Grosses auslöst? Üppige Ernteerträge sind gar nicht unbedingt oberstes Ziel. Gärten, und ganz besonders mobile Versionen davon, vereinen Menschen, die sich sonst kaum begegnet wären und schaffen Verbindungen. In Interviews erzählen ein Mathematikstudent von seinem Engagement im Gemeinschaftsgartenprojekt „O’pflanzt is“, eine Berufsgärtnerin über ihre Motivation, ehrenamtlich einen interreligiösen Kräutergarten anzuregen und umzusetzen und eine Akademikerin aus Bagdad darüber, wie ihr die Interkulturellen Gärten Göttingen, wo sie auch Pflanzen aus der Heimat anbauen kann, die Integration und das Schlagen von Wurzeln vereinfacht haben.
Gleicherweise ist Guerillagärtnern derzeit in aller Munde. Die Autorin berichtet vom vielleicht ersten Guerillagärtner, der schon ab ungefähr 1873 in diesem Sinn aktiv war. Der Ingenieur und Schriftsteller Heinrich Seidel war für die die Verbreitung des Zimbelkrauts (Linaria cybalaria) besorgt und kämpfte schon dannzumal gegen ordnungsliebende Stadtgärtner. Etliche Jahre später zur Zeit des Kalten Krieges haben zwei Familien im Schatten der Berliner Mauer auf DDR-Gebiet ein Stück Land in einen blühenden Garten verwandelt. Mittlerweile ist darauf auch ein kurioses Bauwerk errichtet worden und bereits baut die zweite Generation im Gewohnheitsrecht Gemüse an.
Dieses inspirierende Buch ist mit viel Herzblut recherchiert und geschrieben worden. Es ist keine Pflanzanleitung fürs Gärtnern in der Stadt, sondern gibt einen reich illustrierten Überblick, was in Sachen Urban Gardening in Deutschland los ist. Möge diese Publikation möglichst viele (potentielle) Gärtner motivieren, ein eigenes grünes urbanes Projekt anzustossen und durchzuziehen! In Zürich beispielsweise sind gerade Bemühungen in Richtung „Essbare Stadt“ im Gange und sollen im nächsten Frühling umgesetzt werden.
Karen Meyer-Rebentisch:
Das ist Urban Gardening! – Die neuen Stadtgärtner und ihre kreativen Projekte
BLV Buchverlag, 2013
13. April 2013
Beverley Nichols: Lieblingsblumen
Beverley Nichols ist eindeutig mitschuldig an meiner Leidenschaft für Gartenlesebücher. Meine ersten Taschenbücher („Grosse Liebe zu kleinen Gärten“, „In ein Haus verliebt“ etc.) aus seiner spitzen Feder habe ich Ende der 1980er Jahre gelesen. Diese stehen immer noch in der ersten Bücherreihe und längst haben sie Nachbarn in Form von englischen Ausgaben bekommen. Nach wie vor zählt Beverley Nichols zu meinen Lieblingsautoren und ums so mehr habe ich mich auf ein für mich neues Buch des 1983 verstorbenen Engländers gefreut. Er stellt in dieser kleinformatigen Publikation seine vierzig Lieblingsblumen von Aquilegia (Akelei) über Lilium regale (weisse Königslilie) bis Sternbergia lutea (Herbstgoldbecher) vor.
Das Büchlein ist im Original 1964 erschienen und schon dannzumal stellte Nichols fest, dass der Himmel übersät ist von Kondensstreifen der Flugzeuge, die Strassen Rennstrecken ähneln und die Menschen durch die Städte hetzen. Er ärgerte sich auch bereits vor fünfzig Jahren jeweils im Februar über aus Marokko eingeflogene weisse Spargeln. Was würde er wohl heute zu diesen Themen für die Nachwelt festhalten? Doch genau wie heute galt auch schon vor einem halben Jahrhundert, dass mit Eintritt in einen besonders reizvollen Garten den Besucher eine Art Entschleunigung erfasst und ein anderer Rhythmus den Takt angibt, der aber nicht unbedingt mit der vom Autor beschriebenen therapeutischen Wirkung von Stiefmütterchen zusammenhängen muss.
Lieblingspflanze ist nicht gleichbedeutend mit schön. Die Glockenrebe etwa hat sich ihren Platz unter den vierzig Lieblingen durch ihre Schnelligkeit und Anspruchslosigkeit erworben, während der Seidelbast (Daphne mezereum) Pluspunkte sammelt, weil er mitten im Winter einen Hauch von Sommer verbreitet. Im Beitrag mit dem Untertitel „Karneval der Blumen“ sinniert der Autor mit dem Blick des Künstlers darüber, welche Blume zu welchem Komponisten passt und schlägt für Mozart eine Frühlingswiese in den Bergen vor, für Chopin eine Narzisse im Regen und die Akelei ordnet er Schuhmann zu, natürlich mit passender Begründung.
Persönlicheres zum Charakter des Autors liest man immer wieder direkt oder auch nur zwischen den Zeilen, wie etwa in der Episode „Lohn der bösen Tat“, wo er von seinem Gewissen berichtet. Dieses plagt ihn beispielsweise nach dem Stibitzen einer Samenkapsel. Lohnen sich wohl der rote Kopf, Herzklopfen und die Tage andauernde Angst bei jedem Läuten der Hausglocke (es könnte ja die Polizei vor der Türe stehen)? Dafür geniesst Nichols die geheime Freude, wenn er hinter dem Rücken seines Gärtners Fuchsienblüten zum Platzen bringt oder wenn „unbotmässige“ Kinder, die sich ungefragt an den Früchten seiner Birnen von einem Gehölz in Trauerform bedienen, feststellen müssen, dass diese gar keine Wohltat für die Zähne darstellen. Aber auch er selber kann sich wie schon weiter oben erwähnt nicht immer zurückhalten und er empfiehlt, sich auswärts immer gut mit dem Obergärtner zu stellen, so dass man sich abends nach dem Eindunkeln ohne Angst vor Konsequenzen mit einem noch leeren Korb Richtung Schneeglöckchenblüte aufmachen kann…
Des Weiteren gibt er Unschlüssigen einen Tipp zu Entscheidungshilfe beim Durchblättern von Katalogen. Er schlägt nämlich vor, einfach eine Stecknadel ins Papier zu stecken. Ausserdem lädt er ein, den melodischen Klängen, die der Wind Gräsern oder Heidekraut entlockt, zu lauschen und er meint, die Adelssippe der Rhododendron sei vergleichbar bunt und protzig wie die Habsburger und Hohenzoller. Auch Gartentipps sind immer wieder zu lesen. Er empfiehlt Hostas als lohnende Gartenpflanzen (schreibt aber nichts über Schnecken) und Pfingstrosen sollen nie in Erde gepflanzt werden, in der schon eine solche gestanden hat. Wenn die Erde nicht zumindest ausgetauscht wird, ist mit Reaktionen ähnlich menschlicher Familienfehden zu rechnen.
Ein bezauberndes, blumiges und etwas altmodisch angehauchtes Büchlein zum immer wieder drin Schmökern.
Beverley Nichols:
Lieblingsblumen
Schöffling und Co., 2013
Das Büchlein ist im Original 1964 erschienen und schon dannzumal stellte Nichols fest, dass der Himmel übersät ist von Kondensstreifen der Flugzeuge, die Strassen Rennstrecken ähneln und die Menschen durch die Städte hetzen. Er ärgerte sich auch bereits vor fünfzig Jahren jeweils im Februar über aus Marokko eingeflogene weisse Spargeln. Was würde er wohl heute zu diesen Themen für die Nachwelt festhalten? Doch genau wie heute galt auch schon vor einem halben Jahrhundert, dass mit Eintritt in einen besonders reizvollen Garten den Besucher eine Art Entschleunigung erfasst und ein anderer Rhythmus den Takt angibt, der aber nicht unbedingt mit der vom Autor beschriebenen therapeutischen Wirkung von Stiefmütterchen zusammenhängen muss.
Lieblingspflanze ist nicht gleichbedeutend mit schön. Die Glockenrebe etwa hat sich ihren Platz unter den vierzig Lieblingen durch ihre Schnelligkeit und Anspruchslosigkeit erworben, während der Seidelbast (Daphne mezereum) Pluspunkte sammelt, weil er mitten im Winter einen Hauch von Sommer verbreitet. Im Beitrag mit dem Untertitel „Karneval der Blumen“ sinniert der Autor mit dem Blick des Künstlers darüber, welche Blume zu welchem Komponisten passt und schlägt für Mozart eine Frühlingswiese in den Bergen vor, für Chopin eine Narzisse im Regen und die Akelei ordnet er Schuhmann zu, natürlich mit passender Begründung.
Persönlicheres zum Charakter des Autors liest man immer wieder direkt oder auch nur zwischen den Zeilen, wie etwa in der Episode „Lohn der bösen Tat“, wo er von seinem Gewissen berichtet. Dieses plagt ihn beispielsweise nach dem Stibitzen einer Samenkapsel. Lohnen sich wohl der rote Kopf, Herzklopfen und die Tage andauernde Angst bei jedem Läuten der Hausglocke (es könnte ja die Polizei vor der Türe stehen)? Dafür geniesst Nichols die geheime Freude, wenn er hinter dem Rücken seines Gärtners Fuchsienblüten zum Platzen bringt oder wenn „unbotmässige“ Kinder, die sich ungefragt an den Früchten seiner Birnen von einem Gehölz in Trauerform bedienen, feststellen müssen, dass diese gar keine Wohltat für die Zähne darstellen. Aber auch er selber kann sich wie schon weiter oben erwähnt nicht immer zurückhalten und er empfiehlt, sich auswärts immer gut mit dem Obergärtner zu stellen, so dass man sich abends nach dem Eindunkeln ohne Angst vor Konsequenzen mit einem noch leeren Korb Richtung Schneeglöckchenblüte aufmachen kann…
Des Weiteren gibt er Unschlüssigen einen Tipp zu Entscheidungshilfe beim Durchblättern von Katalogen. Er schlägt nämlich vor, einfach eine Stecknadel ins Papier zu stecken. Ausserdem lädt er ein, den melodischen Klängen, die der Wind Gräsern oder Heidekraut entlockt, zu lauschen und er meint, die Adelssippe der Rhododendron sei vergleichbar bunt und protzig wie die Habsburger und Hohenzoller. Auch Gartentipps sind immer wieder zu lesen. Er empfiehlt Hostas als lohnende Gartenpflanzen (schreibt aber nichts über Schnecken) und Pfingstrosen sollen nie in Erde gepflanzt werden, in der schon eine solche gestanden hat. Wenn die Erde nicht zumindest ausgetauscht wird, ist mit Reaktionen ähnlich menschlicher Familienfehden zu rechnen.
Ein bezauberndes, blumiges und etwas altmodisch angehauchtes Büchlein zum immer wieder drin Schmökern.
Beverley Nichols:
Lieblingsblumen
Schöffling und Co., 2013
9. April 2013
Gabriele Bickel: Geschenke aus meinem Kräutergarten
Gabriele Bickel wird auch Kräuterhexe genannt. Denn seit vielen Jahren beschäftigt sie sich intensiv mit Kräutern, ihrem Kräuterhexenreich im Kloster Maulbronn, ihrem Kräuterhexenladen und teilt in Kursen ihr umfangreiches Wissen mit interessierten Kräuterhexenlehrlingen. Bekannt ist sie auch durch die Medien und ihre früher erschienenen Bücher.
In ihrer aktuellen Publikation „Geschenke aus meinem Kräutergarten“ lässt die Autorin die Leser in ihren Hexenkessel blicken und stellt verschiedene Rezepte aus ihrem reichen Fundus vor. Die Palette reicht von Teemischungen über Heilkräuter bis zu Schönheits- und Pflegprodukten. Gegliedert sind die aromatischen Ideen in die folgenden Kapitel:
- Essige – umkompliziert und vielfältig
- Würzöle – Kräuter aromatisch einlegen
- Kräutersalze – tolle Mischungen
- Weine – Liköre und Schnäpse veredeln
- Edle Steine und Öle - Tees liebevoll herstellen
- Kräuterbäder und Crèmes zum Wohlfühlen
Zu jedem Kapitelthema gehört eine Textseite „Das Wichtigste auf einen Blick“), auf welcher wichtige Informationen etwa zu Haltbarkeit und Lagerung, Qualität der Zutaten oder eine kurze Salzkunde lesen sind. Welche Öle eignen sich am besten als Basis für Kräuterwürzöle und sollen frische oder getrocknete Kräuter verwendet werden? Antworten auf diese und andere Fragen finden sich im jeweiligen Rezept und die Autorin erklärt, was bei der Kräuterernte unbedingt zu beachten ist. Die Kräuter müssen nämlich bei trockenem Wetter am frühen Morgen gepflückt werden, frühestens drei Tage nach dem letzten Regenschauer. Und die Trockenzeit an einem warmen, schattigen Ort soll kurz gehalten und die Ernte anschliessend dunkel und luftdicht verschlossen aufbewahrt werden.
Und was für Geschenke für sich selber oder als Mitbringsel können Sie in diesem Buch erwarten? Hier sollen noch ein paar der beschriebenen Rezepte verraten werden: Sommer-Essig mit Basilikum und Apfelrosen, Salatkräuter-Öl , Zimt-Öl, Tomaten-Würzsalz, Löwenzahnwein, Antistress-Schnaps, Hexen-Husten-Tee, Ringelblumen-Crème, Rosmarin-Fussbad …
Für Nicht-Esoteriker – auch wenn Sie die Seiten mit den Rezeptvorschläge überblättern, für welche Edelsteine eine Basis bilden, finden sich noch etliche praxisnahe Vorschläge für die die Verwendung von Kräutern im Alltag. Den Abschluss bildet ein Serviceteil mit einem alphabetischen Register und Informationen zu Bezugsquellen.
Gabriele Bickel:
Geschenke aus meinem Kräutergarten
Kosmos Verlag, 2013
In ihrer aktuellen Publikation „Geschenke aus meinem Kräutergarten“ lässt die Autorin die Leser in ihren Hexenkessel blicken und stellt verschiedene Rezepte aus ihrem reichen Fundus vor. Die Palette reicht von Teemischungen über Heilkräuter bis zu Schönheits- und Pflegprodukten. Gegliedert sind die aromatischen Ideen in die folgenden Kapitel:
- Essige – umkompliziert und vielfältig
- Würzöle – Kräuter aromatisch einlegen
- Kräutersalze – tolle Mischungen
- Weine – Liköre und Schnäpse veredeln
- Edle Steine und Öle - Tees liebevoll herstellen
- Kräuterbäder und Crèmes zum Wohlfühlen
Zu jedem Kapitelthema gehört eine Textseite „Das Wichtigste auf einen Blick“), auf welcher wichtige Informationen etwa zu Haltbarkeit und Lagerung, Qualität der Zutaten oder eine kurze Salzkunde lesen sind. Welche Öle eignen sich am besten als Basis für Kräuterwürzöle und sollen frische oder getrocknete Kräuter verwendet werden? Antworten auf diese und andere Fragen finden sich im jeweiligen Rezept und die Autorin erklärt, was bei der Kräuterernte unbedingt zu beachten ist. Die Kräuter müssen nämlich bei trockenem Wetter am frühen Morgen gepflückt werden, frühestens drei Tage nach dem letzten Regenschauer. Und die Trockenzeit an einem warmen, schattigen Ort soll kurz gehalten und die Ernte anschliessend dunkel und luftdicht verschlossen aufbewahrt werden.
Und was für Geschenke für sich selber oder als Mitbringsel können Sie in diesem Buch erwarten? Hier sollen noch ein paar der beschriebenen Rezepte verraten werden: Sommer-Essig mit Basilikum und Apfelrosen, Salatkräuter-Öl , Zimt-Öl, Tomaten-Würzsalz, Löwenzahnwein, Antistress-Schnaps, Hexen-Husten-Tee, Ringelblumen-Crème, Rosmarin-Fussbad …
Für Nicht-Esoteriker – auch wenn Sie die Seiten mit den Rezeptvorschläge überblättern, für welche Edelsteine eine Basis bilden, finden sich noch etliche praxisnahe Vorschläge für die die Verwendung von Kräutern im Alltag. Den Abschluss bildet ein Serviceteil mit einem alphabetischen Register und Informationen zu Bezugsquellen.
Gabriele Bickel:
Geschenke aus meinem Kräutergarten
Kosmos Verlag, 2013
5. April 2013
Elsemarie Maletzke: Giftiges Grün – Ein Gartenkrimi
Heinrich Weil ist verstorben. Zuletzt hatte der alte Mann zurückgezogen in einer kleinen heruntergekommenen Wohnung gelebt. Bei der Räumung seiner vier Wände finden sich aber doch ein paar Schätze wie etwa Loniceru’s „Kreuterbuch“ aus dem Jahr 1713, Chaumetons „Flora médicale“ und zwei Pflanzenkupfer aus dem „Hortus Eystettensis“.
Bei der Testamentseröffnung schliesslich stellt sich heraus, dass der Verstorbene sogar ein kleines Vermögen zu vererben hat. Die Auszahlung von Euro 30‘000 hat Heinrich Weil aber an eine Bedingung geknüpft. Und zwar soll derjenige erben, der den Erblasser von jedem Verdacht einer Schuld reinwaschen kann, die sein Leben zerstört hat. Im Sommer 1977 verstarb nämlich während einem Sommerfest ein ihm anvertrautes junges Mädchen namens Marion unter nie geklärten Umständen. An Heinrich Weil aber blieb zeitlebens ein Verdacht haften, Schuld an dessen Tod zu sein. Sollte innert drei Monaten kein Licht ins Dunkel dieser letzten Stunden von Marion gebracht werden können, fällt das Erbe an eine Stiftung.
Die Erben von Heinrich Weil sind die Geschwister Lina und Karl, deren Vetter Horst Eilemann sowie eine Madame Ernest Calvet, die aus gesundheitlichen Gründen von einem Anwalt vertreten wird. Die drei jungen Leute machen sich getrennt auf, ihre Fähigkeiten als Amateurdetektive zu testen und herauszufinden, ob nach so vielen Jahren noch jemand für eine Tat zur Rechenschaft gezogen werden kann oder ob es sich vielleicht doch einfach um einen tragischen Unfall gehandelt hat und ein Skandal vertuscht worden ist.
Was für ein Geheimnis steckt hinter diesem Jahrzehnte zurückliegenden Todesfall und wer war Heinrich Weil? Lina hat als kleines Mädchen wiederholt die Sommerferien bei ihm und Tante Rose in der Villa Buchfinkenschlag verbracht und sie erinnert sich an stundenlange Wanderungen und einen grossen Vogelliebhaber und Anekdotenerzähler. Heute ist Lina vierzig Jahre alt und Inhaberin des Hotel Garni Augusta mit fünf Gästezimmern. Ihr Leben ist durchorganisiert und von Gewohnheiten geprägt, während ihr Bruder seine Brötchen als Antiquar verdient und nicht besonders gut mit Geld umgehen kann. Vetter Horst wiederum ist Autor, Journalist und in erster Linie ein Profiteur mit dem Ziel, mit möglichst wenig Aufwand ein Maximum an Ertrag zu erwirtschaften.
Unter Onkel Heinrichs Hinterlassenschaft findet Lina einen Zettel, auf dem Tante Rose diesen einer Schuld bezichtigt und fortschickt. Zusammen mit ihrer gartenverrückten Mutter Berta Weil fährt Lina an den mutmasslichen Ort des Verbrechens. Das Gittertor zur Villa Buchfinkenschlag ist geschlossen und das Gebäude selber wie auch der Garten scheinen auf den ersten Blick völlig vernachlässigt und verlassen. Die beiden Frauen verschaffen sich Zutritt und treffen auf einen Mann; den attraktiven Gärtner Johann, der wie sich herausstellt, einen ausgeprägten Hang zu giftigen Pflanzen hat. Welche dunklen, grünen Geheimnisse verbergen sich hinter den Mauern von Buchfinkenschlag?
Ein spannender Gartenkrimi, bei dem nicht nur der Titel hortikulturell ist. Immer wieder streut die Autorin ihr umfangreiches botanisches Wissen ein. Zu lesen gibt es dabei auch Absurdes (über tierisches Kompostmaterial), Zerstörerisches (Geländewagenfahrer, der Beete plattwalzt) oder ganz einfach Hinweise für Besucher von offenen Gärten (bitte die Anpflanzung loben, nicht die tolle Aussicht). Lina selber hat keine Ahnung von Blumen, aber ihre Mutter ist eine leidenschaftliche Gärtnerin, die in ihrem Garten Gestaltungselemente von Colette übernommen hat und der Meinung ist (Zitat), „man dürfe Eigentumsverhältnisse nicht ganz so eng sehen, wenn es um die Ausbreitung von wünschenswerter Vegetation geht“. Ausserdem tut sie sich schwer, ihren „schwangeren“ Agapanthus alleine zu lassen, der erstmals seit drei Jahren Blütenknospen trägt, die sich jeden Tag entfalten können.
Auch ohne Leineneinband ist die Fortsetzung der immer schön anzuschauenden Pocket-Size-Gartenlesebücher aus dem Schöffling Verlag eine überaus erfreuliche Sache. Verbleibt mir nur noch Sie vor spitzen Regenschirmen zu warnen und darauf hinzuweisen, dass im Leben alles irgendwann zurückbezahlt werden muss.
Elsemarie Maletzke:
Giftiges Grün – Ein Gartenkrimi
Schöffling und Co., 2013
Bei der Testamentseröffnung schliesslich stellt sich heraus, dass der Verstorbene sogar ein kleines Vermögen zu vererben hat. Die Auszahlung von Euro 30‘000 hat Heinrich Weil aber an eine Bedingung geknüpft. Und zwar soll derjenige erben, der den Erblasser von jedem Verdacht einer Schuld reinwaschen kann, die sein Leben zerstört hat. Im Sommer 1977 verstarb nämlich während einem Sommerfest ein ihm anvertrautes junges Mädchen namens Marion unter nie geklärten Umständen. An Heinrich Weil aber blieb zeitlebens ein Verdacht haften, Schuld an dessen Tod zu sein. Sollte innert drei Monaten kein Licht ins Dunkel dieser letzten Stunden von Marion gebracht werden können, fällt das Erbe an eine Stiftung.
Die Erben von Heinrich Weil sind die Geschwister Lina und Karl, deren Vetter Horst Eilemann sowie eine Madame Ernest Calvet, die aus gesundheitlichen Gründen von einem Anwalt vertreten wird. Die drei jungen Leute machen sich getrennt auf, ihre Fähigkeiten als Amateurdetektive zu testen und herauszufinden, ob nach so vielen Jahren noch jemand für eine Tat zur Rechenschaft gezogen werden kann oder ob es sich vielleicht doch einfach um einen tragischen Unfall gehandelt hat und ein Skandal vertuscht worden ist.
Was für ein Geheimnis steckt hinter diesem Jahrzehnte zurückliegenden Todesfall und wer war Heinrich Weil? Lina hat als kleines Mädchen wiederholt die Sommerferien bei ihm und Tante Rose in der Villa Buchfinkenschlag verbracht und sie erinnert sich an stundenlange Wanderungen und einen grossen Vogelliebhaber und Anekdotenerzähler. Heute ist Lina vierzig Jahre alt und Inhaberin des Hotel Garni Augusta mit fünf Gästezimmern. Ihr Leben ist durchorganisiert und von Gewohnheiten geprägt, während ihr Bruder seine Brötchen als Antiquar verdient und nicht besonders gut mit Geld umgehen kann. Vetter Horst wiederum ist Autor, Journalist und in erster Linie ein Profiteur mit dem Ziel, mit möglichst wenig Aufwand ein Maximum an Ertrag zu erwirtschaften.
Unter Onkel Heinrichs Hinterlassenschaft findet Lina einen Zettel, auf dem Tante Rose diesen einer Schuld bezichtigt und fortschickt. Zusammen mit ihrer gartenverrückten Mutter Berta Weil fährt Lina an den mutmasslichen Ort des Verbrechens. Das Gittertor zur Villa Buchfinkenschlag ist geschlossen und das Gebäude selber wie auch der Garten scheinen auf den ersten Blick völlig vernachlässigt und verlassen. Die beiden Frauen verschaffen sich Zutritt und treffen auf einen Mann; den attraktiven Gärtner Johann, der wie sich herausstellt, einen ausgeprägten Hang zu giftigen Pflanzen hat. Welche dunklen, grünen Geheimnisse verbergen sich hinter den Mauern von Buchfinkenschlag?
Ein spannender Gartenkrimi, bei dem nicht nur der Titel hortikulturell ist. Immer wieder streut die Autorin ihr umfangreiches botanisches Wissen ein. Zu lesen gibt es dabei auch Absurdes (über tierisches Kompostmaterial), Zerstörerisches (Geländewagenfahrer, der Beete plattwalzt) oder ganz einfach Hinweise für Besucher von offenen Gärten (bitte die Anpflanzung loben, nicht die tolle Aussicht). Lina selber hat keine Ahnung von Blumen, aber ihre Mutter ist eine leidenschaftliche Gärtnerin, die in ihrem Garten Gestaltungselemente von Colette übernommen hat und der Meinung ist (Zitat), „man dürfe Eigentumsverhältnisse nicht ganz so eng sehen, wenn es um die Ausbreitung von wünschenswerter Vegetation geht“. Ausserdem tut sie sich schwer, ihren „schwangeren“ Agapanthus alleine zu lassen, der erstmals seit drei Jahren Blütenknospen trägt, die sich jeden Tag entfalten können.
Auch ohne Leineneinband ist die Fortsetzung der immer schön anzuschauenden Pocket-Size-Gartenlesebücher aus dem Schöffling Verlag eine überaus erfreuliche Sache. Verbleibt mir nur noch Sie vor spitzen Regenschirmen zu warnen und darauf hinzuweisen, dass im Leben alles irgendwann zurückbezahlt werden muss.
Elsemarie Maletzke:
Giftiges Grün – Ein Gartenkrimi
Schöffling und Co., 2013
1. April 2013
Lorraine Harrison: Gärten lesen – Gartenarchitektur erkennen und verstehen
Wasserspiele, verschiedene Ebenen, Brücken, Küchengärten, Arkaden, Rosarium – es gibt unendlich viele Gestaltungsmöglichkeiten, die im Garten umgesetzt werden können. Nicht immer ist die Zuordnung der Formensprache so einfach und eindeutig wie beispielsweise in einem Gemüse- oder einem Heilkräutergarten und oft sind auch gleich mehrere unterschiedliche Einflüsse auszumachen.
Lorraine Harrison, die nebenbei bemerkt auch für das englische Gartenjournal Hortus schreibt, hat mit dem von Stefan Leppert ins Deutsche übersetzten Buch „Gärten lesen“ einen Schnellkurs zum Erkennen und Verstehen von gartenarchitektonischen Elementen verfasst. Das Vorwort zu dieser Publikation hat Juliet Nicholson geschrieben, die Enkelin von Vita Sackville-West und Harald Nicholson.
Nach einer Einleitung gibt es ein paar Worte zur Datierung von Gärten und zur Geschichte der Gartenbesucher. Dabei wird auch nicht verschwiegen, dass gerade Gärten wie etwa Sissinghurst oder Great Dixter, die von Besuchern geradezu überschwemmt werden, gewissermassen Opfer ihres eigenen Erfolges sind und jeder Besucher dafür neben dem Eintrittspreis einen zweiten Preis bezahlt. Nämlich den in Form von Mangel an (privater) Atmosphäre und eines nicht ganz perfekten, weil abgenutzten Rasen.
Der Gartentyp liegt im Zweck begründet oder ist zumindest eng damit verbunden. Im ersten Kapitel wird eine Auswahl verschiedener Gartentypen vorgestellt. Darunter sind Islamische Gärten, konzeptuelle Gärten, Sammlungen und Prachtgärten. Themen der folgenden Kapitel sind (die Aufzählungen in Klammern sind nicht abschliessend):
Das Buch bietet eine umfangreiche Einführung in das vielschichtige und schwierige Thema, Stile und historische Einflüsse in Gärten zu identifizieren. Als Führer für unterwegs ist das Buch eher etwas schwer und vielleicht in Anbetracht der Gestaltung und Bindung auch etwas schade, aber es eignet sich ausgezeichnet als Vorbereitung auf eine Gartenreise oder einen Gartenbesuch. Denn es lehrt, die Augen für Details offen zu halten und man erfährt so ganz nebenbei allerlei Wissenswertes wie den Unterschied zwischen formalen und informellen Alleen oder einem Arboretum und einem Wald.
Oder man liest von Zierbauten ganz ohne Nutzwert und von Tempeln der Philosophie, die schon als Ruine geplant waren, unfertig gebaut als Sinnbild für das unvollständige menschliche Wissen. Auch Brücken erfüllen nicht immer den Zweck trockenen Fusses von einer Seite des Gewässers ans andere Ufer zu kommen, sondern waren oder sind im Sinne der Gartengestaltung oft nur Scheinbauten, die als Blickfang dienen. Effekt ist und war oft wichtiger als historische Genauigkeit. Die Autorin ermuntert deshalb, Gärten in erster Linie zu geniessen und zu bedenken, dass Veränderungen zum Gärtnern und zu Gärten gehören und mangelnde Stilechtheit und -treue nicht gleichbedeutend mit Vernachlässigung ist.
Es ist noch gar nicht so lange her, da wurden an gewissen Orten Pflanzen besser behandelt, als die Gartengehilfen. Während nämlich letztere oft in einer lausigen, kalten und dunklen Behausung hausten, wurden die exotischen Gewächse mit Wärme und Licht verwöhnt. Und haben Sie gewusst, dass es einmal einen Beruf „Einsiedler“ gab? Diese bezahlten bärtigen Gesellen durften sich nicht pflegen, auch nicht mit den Besuchern sprechen und wohnten in besonderen primitiven Hütten. Zum Jobprofil gehörte das Überraschen der Besucher durch unvermitteltes Hervortreten zwischen Bäumen.
Ein Glossar (ohne Seitenangabe), ein umfangreiches Register sowie Empfehlungen für weiterführende Literatur runden die informative und interessante Publikation ab.
Lorraine Harrison:
Gärten lesen – Gartenarchitektur erkennen und verstehen
Haupt Verlag, 2013
Lorraine Harrison, die nebenbei bemerkt auch für das englische Gartenjournal Hortus schreibt, hat mit dem von Stefan Leppert ins Deutsche übersetzten Buch „Gärten lesen“ einen Schnellkurs zum Erkennen und Verstehen von gartenarchitektonischen Elementen verfasst. Das Vorwort zu dieser Publikation hat Juliet Nicholson geschrieben, die Enkelin von Vita Sackville-West und Harald Nicholson.
Nach einer Einleitung gibt es ein paar Worte zur Datierung von Gärten und zur Geschichte der Gartenbesucher. Dabei wird auch nicht verschwiegen, dass gerade Gärten wie etwa Sissinghurst oder Great Dixter, die von Besuchern geradezu überschwemmt werden, gewissermassen Opfer ihres eigenen Erfolges sind und jeder Besucher dafür neben dem Eintrittspreis einen zweiten Preis bezahlt. Nämlich den in Form von Mangel an (privater) Atmosphäre und eines nicht ganz perfekten, weil abgenutzten Rasen.
Der Gartentyp liegt im Zweck begründet oder ist zumindest eng damit verbunden. Im ersten Kapitel wird eine Auswahl verschiedener Gartentypen vorgestellt. Darunter sind Islamische Gärten, konzeptuelle Gärten, Sammlungen und Prachtgärten. Themen der folgenden Kapitel sind (die Aufzählungen in Klammern sind nicht abschliessend):
- Gartenstile (Verspielte Gärten, Gärten der Ordnung, Der Künstler im Garten)
- Bäume (Bäume in der Luft, Wurzelkulisse, Früchte und Formenstrenge)
- Blumen und Gehölze (Essbare Gärten, Sumpfgärten, Knotengärten)
- Landschaftselemente (Gartenpuzzles, Schnittkunst, Vielgestaltige Hecken, Senkgärten, Aquatische Extravaganzen)
- Gartengebäude (Düstere Grotten, Fantastereien, Glaspaläste)
- Gartenelemente (Säulen, Vögel und Bienen, Zeitmesser, Gartenmöbel).
Das Buch bietet eine umfangreiche Einführung in das vielschichtige und schwierige Thema, Stile und historische Einflüsse in Gärten zu identifizieren. Als Führer für unterwegs ist das Buch eher etwas schwer und vielleicht in Anbetracht der Gestaltung und Bindung auch etwas schade, aber es eignet sich ausgezeichnet als Vorbereitung auf eine Gartenreise oder einen Gartenbesuch. Denn es lehrt, die Augen für Details offen zu halten und man erfährt so ganz nebenbei allerlei Wissenswertes wie den Unterschied zwischen formalen und informellen Alleen oder einem Arboretum und einem Wald.
Oder man liest von Zierbauten ganz ohne Nutzwert und von Tempeln der Philosophie, die schon als Ruine geplant waren, unfertig gebaut als Sinnbild für das unvollständige menschliche Wissen. Auch Brücken erfüllen nicht immer den Zweck trockenen Fusses von einer Seite des Gewässers ans andere Ufer zu kommen, sondern waren oder sind im Sinne der Gartengestaltung oft nur Scheinbauten, die als Blickfang dienen. Effekt ist und war oft wichtiger als historische Genauigkeit. Die Autorin ermuntert deshalb, Gärten in erster Linie zu geniessen und zu bedenken, dass Veränderungen zum Gärtnern und zu Gärten gehören und mangelnde Stilechtheit und -treue nicht gleichbedeutend mit Vernachlässigung ist.
Es ist noch gar nicht so lange her, da wurden an gewissen Orten Pflanzen besser behandelt, als die Gartengehilfen. Während nämlich letztere oft in einer lausigen, kalten und dunklen Behausung hausten, wurden die exotischen Gewächse mit Wärme und Licht verwöhnt. Und haben Sie gewusst, dass es einmal einen Beruf „Einsiedler“ gab? Diese bezahlten bärtigen Gesellen durften sich nicht pflegen, auch nicht mit den Besuchern sprechen und wohnten in besonderen primitiven Hütten. Zum Jobprofil gehörte das Überraschen der Besucher durch unvermitteltes Hervortreten zwischen Bäumen.
Ein Glossar (ohne Seitenangabe), ein umfangreiches Register sowie Empfehlungen für weiterführende Literatur runden die informative und interessante Publikation ab.
Lorraine Harrison:
Gärten lesen – Gartenarchitektur erkennen und verstehen
Haupt Verlag, 2013
29. März 2013
Astrid Ruppert: Wenn nicht jetzt, wann dann?
Die 64jährige Annemie Hummel führt als Witwe ein bescheidenes und
recht zurückgezogenes Leben. Sie pflegt ihre Marotten und ihre grösste
Freude gehört dem Kuchenbacken. Mit dieser Leidenschaft bessert sie
gleichzeitig als Hochzeitstortenbäckerin ihre Rente auf. Aus jedem Teig
holt sie das Beste heraus und ihre süssen Dekorationen sind legendär.
Doch was hat sie mit ihrem Leben angefangen? Nie hat sie gelernt, ihre
eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund zu stellen und ganz einfach mal
„nein“ zu sagen. Als ihre rund drei Jahrzehnte jüngere Nachbarin Liz
schwer verunfallt, lässt sich Annemie deshalb auch recht rasch
breitschlagen, deren Geschäft „Hochzeitsfieber“ mit Unterstützung vom
Krankenbett aus temporär zu führen.
Während die temperamentvolle Liz also im Krankenhaus operiert wird und sich in Geduld üben muss, versucht Annemie, Anflüge von Panikattacken zu unterdrücken und die Agentur für Hochzeitsplanung einigermassen in den Griff zu bekommen. Eine ganz besondere Aufgabe stellt die bevorstehende Vermählung der jungen Juwelierstochter Nina dar. So wird Annemies bis anhin unaufgeregtes Leben plötzlich spannend und abwechslungsreich. Und mit ihrer reichen Lebenserfahrung meistert sie (fast) alle beruflichen und privaten Herausforderungen.
Ein unterhaltsamer Roman rund um Brautsträusse, drei Frauen und deren wechselnden Ansichten zum Heiraten und einen Gärtner, der sich völlig vom Rest der Welt zurückgezogen hat und eher erfolglos versucht, in indigoblauen, tiefblauen und lapislazuliblauen Hortensien Ersatz für unvergessliche blaue Augen wiederzufinden, die ihn vor vielen Jahren für immer verlassen haben. Setzlinge, die er wie kleine Kinder auf das Leben ausserhalb der Gärtnerei vorbereitet, sind gewissermassen die einzige Gesellschaft des Einzelgängers. Daneben gibt’s eine Menge Missverständnisse und einen traumhaft schönen Rosengarten.
Passend zum zwar bereits wieder etwas länger zurückliegenden Jahresanfang und zu den für Viele dazu gehörenden Vorsätzen ist dieser Roman ein Aufruf, seine Träume nicht einzupacken und aufzuschieben, sondern zu versuchen, diese in den Alltag zu integrieren und Stück für Stück zu verwirklichen.
Astrid Ruppert:
Wenn nicht jetzt, wann dann?
Ullstein Verlag, 2012
Während die temperamentvolle Liz also im Krankenhaus operiert wird und sich in Geduld üben muss, versucht Annemie, Anflüge von Panikattacken zu unterdrücken und die Agentur für Hochzeitsplanung einigermassen in den Griff zu bekommen. Eine ganz besondere Aufgabe stellt die bevorstehende Vermählung der jungen Juwelierstochter Nina dar. So wird Annemies bis anhin unaufgeregtes Leben plötzlich spannend und abwechslungsreich. Und mit ihrer reichen Lebenserfahrung meistert sie (fast) alle beruflichen und privaten Herausforderungen.
Ein unterhaltsamer Roman rund um Brautsträusse, drei Frauen und deren wechselnden Ansichten zum Heiraten und einen Gärtner, der sich völlig vom Rest der Welt zurückgezogen hat und eher erfolglos versucht, in indigoblauen, tiefblauen und lapislazuliblauen Hortensien Ersatz für unvergessliche blaue Augen wiederzufinden, die ihn vor vielen Jahren für immer verlassen haben. Setzlinge, die er wie kleine Kinder auf das Leben ausserhalb der Gärtnerei vorbereitet, sind gewissermassen die einzige Gesellschaft des Einzelgängers. Daneben gibt’s eine Menge Missverständnisse und einen traumhaft schönen Rosengarten.
Passend zum zwar bereits wieder etwas länger zurückliegenden Jahresanfang und zu den für Viele dazu gehörenden Vorsätzen ist dieser Roman ein Aufruf, seine Träume nicht einzupacken und aufzuschieben, sondern zu versuchen, diese in den Alltag zu integrieren und Stück für Stück zu verwirklichen.
Astrid Ruppert:
Wenn nicht jetzt, wann dann?
Ullstein Verlag, 2012
25. März 2013
Kristin Lammerting (Text) und Ferdinand Graf von Luckner (Fotos): Gartenexpertinnen und ihr grünes Wissen
Zehn Gartenexpertinnen - Bettina Gräfin Bernadotte, Brigitte Röde, Viktoria von dem Bussche, Sabine Reber, Katharina von Ehren, Angelika Ertl, Petra Pelz, Heike Boomgaarden, Anja Maubach und Ute Wiitich sowie die Herausgeberin Kristin Lammerting lassen für diese Publikation hinter ihre Gartentore blicken und verraten ihre kleinen und grossen Gartengeheimnisse.
Am Anfang jeden Kapitels steht ein in passender Umgebung aufgenommenes Foto der jeweiligen Gärtnerin. Hernach folgt jeweils die eine Seite umfassende Einführung durch die Herausgeberin Kristin Lammerting und anschliessend kommen die Expertinnen aus dem grünen Bereich selber zu Wort. Die Texte werden grosszügig ergänzt durch ausdrucksstarke Fotos von Ferdinand Graf von Luckner.
Einige der Frauen sind aus den Medien und eigenen Publikationen hinlänglich bekannt. Mehr interessiert haben mich deshalb die Portraits von jenen Gärtnerinnen, die mir bis anhin nicht bekannt waren. Haben Sie schon einmal von einer „Tree Brokerin“ gehört? Nicht nur mit kotierten Wertpapieren an der Börse wird gehandelt, sondern anscheinend auch mit Bäumen. Katharina von Ehren dealt aber nicht mit gewöhnlichen 0-8-15-Gehölzen, sondern mit Raritäten und Baumjuwelen. In ihrem Computer-Katalog finden sich ausführlich dokumentierte Steckbriefe von ihren Entdeckungen aus den verschiedensten europäischen Ländern.
Die Bilder im Portrait der Gartenarchitektin Ute Wittich bestechen auf den ersten Blick durch starke Farben, wie übrigens – so ganz nebenbei bemerkt – auch die Haarpracht der Gestalterin. Ein blauer Steg kombiniert mit knallrotem Mohn macht gleich gute Laune während die harmonische Vereinigung der sogenannten „Lila-Laune-Wanne“ mit aufsteigendem Dampf, umrahmt von farblich perfekt passenden sich im Wind wiegenden Gräsern, vielleicht Lust weckt auf ein Bad an der frischen Luft.
Der persönliche Traumgarten der Stauden- und Gräserkomponistin Petra Pelz besteht aus einem Himmelbett inmitten von wogenden Grasfeldern, gilt ihre Vorliebe doch Gräsern und Pflanzen aus Nordamerika. Sie setzt Pflanzen stets in grösseren oder grossen Gruppen, um eine harmonische Grosszügigkeit zu erreichen. Und ganz grundsätzlich legt sie bei der der Pflanzenauswahl grössten Wert auf die Struktur derselben. Blüten sind eher zweitrangig. Mehr über ihr Schaffen erfährt man bestimmt in ihrem eigenen gerade erschienenen Buch „Faszination Weite – Die modernen Gärten der Petra Pelz“.
Viktoria von dem Bussche verrät, dass der Garten für sie ein Synonym für Luxus ist. Auch oder gerade wenn der Rücken ächzt und die Hände rauh und zerkratzt sind und sie schwärmt von ihrem noch recht neuen „echten Schlossküchengarten“. Dieser ist ein Geschenk und erschien ihr anfänglich mehr als Last denn als Freude in Anbetracht der zu erwartenden Arbeit. Gleichzeitig weckte die Herausforderung aber den gärtnerischen Ehrgeiz der Schlossherrin, den anlässlich der Niedersächsischen Landesgartenschau 2010 geschaffenen Garten zu erhalten und sogar noch zu erweitern. In den Erntegenuss kommen nun nicht nur Familie und Gartenhelfer sondern auch die Gäste eines Restaurants in Osnabrück.
Keinen passenderen Nachnamen könnte sich Heike Boomgaarden wünschen. Die Diplom-Gartenbauingenieurin übt ganz unterschiedliche „grüne“ Tätigkeiten aus. Sie verfasst beispielsweise eine Kolumne und Gartenbücher, ist Pflanzenbotschafterin der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft und sie steckt hinter der Idee für das Projekt „Stiefmütterchen raus und Grünkohl rein“ in Andernach am Rhein. In ihrem Hinterkopf warten weitere Einfälle auf die Umsetzung. Sie träumt etwa davon, mit Hilfe von Facebook und Co. spontane Aktionen zu organisieren, bei denen beispielsweise auf Brachen Beete angelegt und den Bürgern zur Verfügung gestellt werden. Aktionen, aus denen sich spannende und bereichernde Begegnungen ergeben.
Anja Maubach wiederum erzählt in dem ihr ganz eigenen Stil. Dieser zeichnet sich aus durch oft inkomplette Sätze voller Leidenschaft und Begeisterung, die viel Raum für Interpretationen der Leser lassen. Eines meiner Lieblingsbilder in diesem Buch ist die traumhafte Kombination von Astilben in unterschiedlichen Farbtönen aus Wuppertal-Ronsdorf.
Der Begriff Experte wird ja heutzutage recht inflationär verwendet und für mich ist er mit einem leicht negativen Touch behaftet. Was macht denn nun eine Gartenexpertin aus? Man erfährt, welche Ausbildungen oder Selbststudien die Frauen an den hortikulturellen Punkt gebracht haben, an dem sie heute stehen, und wo sie ihre Inspirationen hernehmen. Aus den Portraits geht hervor, welchen Einfluss der Garten auf das Leben der Gärtnerinnen hat. Wie er sie erdet und prägt durch Veränderungen, Anpassungen an veränderte Lebensumstände, Rückschläge und natürlich insbesondere auch durch positive Erlebnisse und Freude.
Gartengeheimnisse müssen nicht spektakulär sein – hier ein kleines „Müsterli“: Schauen Sie sich auf Friedhöfen um. Was dort gedeiht, ist ans regionale Klima angepasst und wird auch in Ihrem Garten wachsen. An welche Regeln man sich dabei zu halten hat, habe ich hier schon einmal erwähnt.
Das Buch erhält ausserordentlich viel informativen Text. Und auch Leser, die schon alles über jene Gärtnerinnen gelesen zu haben meinen, die sich schon wiederholt zwischen zwei Buchdeckeln präsentiert haben, werden bis anhin Unbekanntes entdecken. Die Lesefreude wird leicht getrübt, duch die etwas gar kleine Schriftgrösse im Verhältnis zum Buchformat. Denn das grosse und eher schwere Buch lässt sich nicht so leicht in den Händen und nahe an die Augen halten wie etwa ein Taschenbuch.
Kristin Lammerting (Text) und Ferdinand Graf von Luckner (Fotos):
Gartenexpertinnen und ihr grünes Wissen
Callwey Verlag, 2013
Am Anfang jeden Kapitels steht ein in passender Umgebung aufgenommenes Foto der jeweiligen Gärtnerin. Hernach folgt jeweils die eine Seite umfassende Einführung durch die Herausgeberin Kristin Lammerting und anschliessend kommen die Expertinnen aus dem grünen Bereich selber zu Wort. Die Texte werden grosszügig ergänzt durch ausdrucksstarke Fotos von Ferdinand Graf von Luckner.
Einige der Frauen sind aus den Medien und eigenen Publikationen hinlänglich bekannt. Mehr interessiert haben mich deshalb die Portraits von jenen Gärtnerinnen, die mir bis anhin nicht bekannt waren. Haben Sie schon einmal von einer „Tree Brokerin“ gehört? Nicht nur mit kotierten Wertpapieren an der Börse wird gehandelt, sondern anscheinend auch mit Bäumen. Katharina von Ehren dealt aber nicht mit gewöhnlichen 0-8-15-Gehölzen, sondern mit Raritäten und Baumjuwelen. In ihrem Computer-Katalog finden sich ausführlich dokumentierte Steckbriefe von ihren Entdeckungen aus den verschiedensten europäischen Ländern.
Die Bilder im Portrait der Gartenarchitektin Ute Wittich bestechen auf den ersten Blick durch starke Farben, wie übrigens – so ganz nebenbei bemerkt – auch die Haarpracht der Gestalterin. Ein blauer Steg kombiniert mit knallrotem Mohn macht gleich gute Laune während die harmonische Vereinigung der sogenannten „Lila-Laune-Wanne“ mit aufsteigendem Dampf, umrahmt von farblich perfekt passenden sich im Wind wiegenden Gräsern, vielleicht Lust weckt auf ein Bad an der frischen Luft.
Der persönliche Traumgarten der Stauden- und Gräserkomponistin Petra Pelz besteht aus einem Himmelbett inmitten von wogenden Grasfeldern, gilt ihre Vorliebe doch Gräsern und Pflanzen aus Nordamerika. Sie setzt Pflanzen stets in grösseren oder grossen Gruppen, um eine harmonische Grosszügigkeit zu erreichen. Und ganz grundsätzlich legt sie bei der der Pflanzenauswahl grössten Wert auf die Struktur derselben. Blüten sind eher zweitrangig. Mehr über ihr Schaffen erfährt man bestimmt in ihrem eigenen gerade erschienenen Buch „Faszination Weite – Die modernen Gärten der Petra Pelz“.
Viktoria von dem Bussche verrät, dass der Garten für sie ein Synonym für Luxus ist. Auch oder gerade wenn der Rücken ächzt und die Hände rauh und zerkratzt sind und sie schwärmt von ihrem noch recht neuen „echten Schlossküchengarten“. Dieser ist ein Geschenk und erschien ihr anfänglich mehr als Last denn als Freude in Anbetracht der zu erwartenden Arbeit. Gleichzeitig weckte die Herausforderung aber den gärtnerischen Ehrgeiz der Schlossherrin, den anlässlich der Niedersächsischen Landesgartenschau 2010 geschaffenen Garten zu erhalten und sogar noch zu erweitern. In den Erntegenuss kommen nun nicht nur Familie und Gartenhelfer sondern auch die Gäste eines Restaurants in Osnabrück.
Keinen passenderen Nachnamen könnte sich Heike Boomgaarden wünschen. Die Diplom-Gartenbauingenieurin übt ganz unterschiedliche „grüne“ Tätigkeiten aus. Sie verfasst beispielsweise eine Kolumne und Gartenbücher, ist Pflanzenbotschafterin der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft und sie steckt hinter der Idee für das Projekt „Stiefmütterchen raus und Grünkohl rein“ in Andernach am Rhein. In ihrem Hinterkopf warten weitere Einfälle auf die Umsetzung. Sie träumt etwa davon, mit Hilfe von Facebook und Co. spontane Aktionen zu organisieren, bei denen beispielsweise auf Brachen Beete angelegt und den Bürgern zur Verfügung gestellt werden. Aktionen, aus denen sich spannende und bereichernde Begegnungen ergeben.
Anja Maubach wiederum erzählt in dem ihr ganz eigenen Stil. Dieser zeichnet sich aus durch oft inkomplette Sätze voller Leidenschaft und Begeisterung, die viel Raum für Interpretationen der Leser lassen. Eines meiner Lieblingsbilder in diesem Buch ist die traumhafte Kombination von Astilben in unterschiedlichen Farbtönen aus Wuppertal-Ronsdorf.
Der Begriff Experte wird ja heutzutage recht inflationär verwendet und für mich ist er mit einem leicht negativen Touch behaftet. Was macht denn nun eine Gartenexpertin aus? Man erfährt, welche Ausbildungen oder Selbststudien die Frauen an den hortikulturellen Punkt gebracht haben, an dem sie heute stehen, und wo sie ihre Inspirationen hernehmen. Aus den Portraits geht hervor, welchen Einfluss der Garten auf das Leben der Gärtnerinnen hat. Wie er sie erdet und prägt durch Veränderungen, Anpassungen an veränderte Lebensumstände, Rückschläge und natürlich insbesondere auch durch positive Erlebnisse und Freude.
Gartengeheimnisse müssen nicht spektakulär sein – hier ein kleines „Müsterli“: Schauen Sie sich auf Friedhöfen um. Was dort gedeiht, ist ans regionale Klima angepasst und wird auch in Ihrem Garten wachsen. An welche Regeln man sich dabei zu halten hat, habe ich hier schon einmal erwähnt.
Das Buch erhält ausserordentlich viel informativen Text. Und auch Leser, die schon alles über jene Gärtnerinnen gelesen zu haben meinen, die sich schon wiederholt zwischen zwei Buchdeckeln präsentiert haben, werden bis anhin Unbekanntes entdecken. Die Lesefreude wird leicht getrübt, duch die etwas gar kleine Schriftgrösse im Verhältnis zum Buchformat. Denn das grosse und eher schwere Buch lässt sich nicht so leicht in den Händen und nahe an die Augen halten wie etwa ein Taschenbuch.
Kristin Lammerting (Text) und Ferdinand Graf von Luckner (Fotos):
Gartenexpertinnen und ihr grünes Wissen
Callwey Verlag, 2013
21. März 2013
Ulrike Barow: Baltrumer Bärlauch
Inga Tarmstedts Leidenschaft gehört der Arbeit an ihren Holzskulpturen. Allerdings hat der Rest der Welt zu ihrem Bedauern ihr Talent noch nicht entdeckt und so muss sie sich bald konkrete Gedanken darüber machen, wie sie künftig ihren Lebensunterhalt bestreiten will. Doch vorerst geniesst sie noch die Annehmlichkeiten eines Stipendiums. Zwar darf sie eigentlich den gesponserten Ort nicht für längere Zeit verlassen, doch die junge Künstlerin hat sich in den Kopf gesetzt, auf der Nordseeinsel Baltrum nach Spuren und Bildern ihres Lieblingsmalers Walter Bertelsmann zu suchen, der sich 1905 zum Malen auf der Insel aufgehalten hat.
Kaum auf dem Eiland angekommen, macht Inga die Bekanntschaft einer anderen jungen Frau. Diese Lena ist bei ihren Grosseltern auf Besuch und die beiden freunden sich rasch an. Ausserdem trifft Inga wiederholt auf eine merkwürdige Gruppe junger Männer, die sich immer wieder suchend am Strand herumtreibt. Ingas Aufenthalt auf Baltrum scheint erfolgversprechend, denn bei Lenas Oma entdeckt sie ein echtes Bertelsmann-Gemälde. Doch warum reagiert die alte Frau dermassen komisch, als Inga sie auf das Bild anspricht? Während die Künstlerin noch über die seltsame Reaktion sinniert, gerät Lenas Leben unvermittelt völlig aus den Fugen. Erst wird ihr Grossvater bewusstlos und schwer verletzt am Strand aufgefunden und gleichentags bricht ihre Oma Gerdje zusammen. Sie murmelt etwas wie „Herbst“ und „ Fünf ans Licht“, dann muss sie ebenfalls ins Spital eingewiesen werden.
Oma Gerdje musste Zeit ihres Lebens schwer arbeiten, während sich ihr Mann oft verdrückt und einen Bogen um die Arbeit gemacht hat. Seit vielen Jahren ist deshalb ihr parkähnlicher Garten zwischen Haus und Dünen ihre grösste Freude. Sie hat ihn mit einer Eibenhecke eingefasst und den Platz drinnen teilen sich Sträucher, Stauden, Gemüse und muschelbedeckte Wege. Durch die Lektüre von unzähligen Fachbüchern und ihrer gärtnerischen Praxis im eigenen Garten hat sich die Frau zu einer richtigen Gartenexpertin entwickelt, die harmlose und giftige Gewächse unterscheiden kann.
Wie der Titel verrät, spielt Bärlauch eine Rolle in diesem Inselkrimi. Doch ein diesbezügliches Geständnis aus der Giftküche stimmt nicht mit dem Autopsiebericht überein. Doch schon vorher werden in einer etwas übereifrigen Aktion sämtliche Herbstzeitlosen aus einer Wiese entfernt und es wird in Erwägung gezogen, auch sämtliche Eiben zu fällen. Ein zweiter Erzählstrang gibt Einblick in das Inselleben aus Sicht des (fiktiven) Malers Walter Bertelsmann.
Ulrike Barow:
Baltrumer Bärlauch
Leda-Verlag, 2010/2011
Kaum auf dem Eiland angekommen, macht Inga die Bekanntschaft einer anderen jungen Frau. Diese Lena ist bei ihren Grosseltern auf Besuch und die beiden freunden sich rasch an. Ausserdem trifft Inga wiederholt auf eine merkwürdige Gruppe junger Männer, die sich immer wieder suchend am Strand herumtreibt. Ingas Aufenthalt auf Baltrum scheint erfolgversprechend, denn bei Lenas Oma entdeckt sie ein echtes Bertelsmann-Gemälde. Doch warum reagiert die alte Frau dermassen komisch, als Inga sie auf das Bild anspricht? Während die Künstlerin noch über die seltsame Reaktion sinniert, gerät Lenas Leben unvermittelt völlig aus den Fugen. Erst wird ihr Grossvater bewusstlos und schwer verletzt am Strand aufgefunden und gleichentags bricht ihre Oma Gerdje zusammen. Sie murmelt etwas wie „Herbst“ und „ Fünf ans Licht“, dann muss sie ebenfalls ins Spital eingewiesen werden.
Oma Gerdje musste Zeit ihres Lebens schwer arbeiten, während sich ihr Mann oft verdrückt und einen Bogen um die Arbeit gemacht hat. Seit vielen Jahren ist deshalb ihr parkähnlicher Garten zwischen Haus und Dünen ihre grösste Freude. Sie hat ihn mit einer Eibenhecke eingefasst und den Platz drinnen teilen sich Sträucher, Stauden, Gemüse und muschelbedeckte Wege. Durch die Lektüre von unzähligen Fachbüchern und ihrer gärtnerischen Praxis im eigenen Garten hat sich die Frau zu einer richtigen Gartenexpertin entwickelt, die harmlose und giftige Gewächse unterscheiden kann.
Wie der Titel verrät, spielt Bärlauch eine Rolle in diesem Inselkrimi. Doch ein diesbezügliches Geständnis aus der Giftküche stimmt nicht mit dem Autopsiebericht überein. Doch schon vorher werden in einer etwas übereifrigen Aktion sämtliche Herbstzeitlosen aus einer Wiese entfernt und es wird in Erwägung gezogen, auch sämtliche Eiben zu fällen. Ein zweiter Erzählstrang gibt Einblick in das Inselleben aus Sicht des (fiktiven) Malers Walter Bertelsmann.
Ulrike Barow:
Baltrumer Bärlauch
Leda-Verlag, 2010/2011
17. März 2013
Margaret Dilloway: The Care and Handling of Roses with Thorns (Die Liebe zu Rosen mit Dornen)
Wegen ihrer kranken Nieren ist die 36jährige Biologielehrerin Galilee Garner, genannt Gal, in ihrem Alltag stark eingeschränkt. Jede zweite Nacht verbringt sie zur Blutwäsche im Spital. Seit acht Jahren arbeitet sie in einer kleinen privaten katholischen Schule in Santa Jimenez, Zentralkalifornien, und wartet ungeduldig auf ihre dritte Nierentransplantation. In ihrem grossen Rosengarten und ihrem Gewächshaus aber blüht sie richtig auf. Sie träumt von einer von ihr gezüchteten spektakulären Rose mit betörendem Duft. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, hat sie sich als Grundlage kein einfaches Zucht-Objekt, sondern ausgerechnet die schwierige und eigensinnige Hulthemia-Rose ausgesucht und verzichtet bewusst darauf, in Rosenclubs mitzumischen. Disziplin prägt ihr Leben durch und durch.
In den geregelten Tages- und Wochenablauf der eher eigenbrötlerischen Lehrerin platzt plötzlich ihre 15jährige Nichte Riley. Gals eher unzuverlässige und meist tablettenabhängige Schwester Becky hat in Fernost eine Stelle angetreten und ihre Tochter ohne vorherige Ankündigung in einem Bus zur Tante geschickt. Gal ist über ihre neue Wohnpartnerin zunächst gar nicht begeistert und vermisst das gewohnte Alleinsein. Ausserdem fühlt sie sich durch die zusätzliche Verantwortung für einen pubertierenden Teenager überfordert.
Gal ist zwar sehr pflichtbewusst, doch verfügt sie wie ihre Rosen über Dornen und sie ist oft launisch. Auf ihre Eltern und ganz besonders auf ihre Mutter kann sich bedingungslos verlassen und ihre Arbeitskollegin Dara ist gleichzeitig ihre beste Freundin. Oft kann Gal ihren Mund nicht halten, und gibt ihre Meinung kund, wenn sie besser schweigen würde. Damit brüskiert sie ihr Umfeld und besonders Dara leidet darunter, dass Gal ihre Krankheit oft als Druckmittel benutzt, um ihren Willen durchzusetzen. Der ungeplante Aufenthalt ihrer Nichte in Santa Jimenez zwingt Gal jedoch, sich mit der problembehafteten (Nicht-)Beziehung zu ihrer Schwester auseinandersetzten. Denn jede der beiden Frauen meint, die andere habe es besser und sei von den Eltern bevorzugt worden.
Der einfühlsame und authentische Roman gibt Einblick in die mit Gals Krankheit verbundenen Einschränkungen und in die Rosenzucht. Daneben schaut man in Gals Gartennotizbuch mit ihren Hinweisen zu Kreuzungspartnern und auch Riley wird vom grünen Virus angesteckt. Sie beginnt in einer Gärtnerei zu arbeiten und legt einen Wassergarten an. Und natürlich liest man immer wieder über die Rosenzucht samt Besuchen von Rosenclub-Veranstaltungen. Die Leserin begleitet Gal während mehreren Monate durch Höhen und Tiefen in Beruf und Privatleben, die jeweils ein Spiegelbild sind zu den eingefügten Rosenpflege-Tipps aus dem Rosenbuch von Winslow Blythe.
Das Buch erscheint im September 2013 im Goldmann Verlag unter dem Titel „Die Liebe zu Rosen mit Dornen“.
Margaret Dilloway:
The Care and Handling of Roses with Thorns
G. P. Putnam’s Son, 2012
Die Liebe zu Rosen mit Dornen
Goldmann Verlag, 2013
In den geregelten Tages- und Wochenablauf der eher eigenbrötlerischen Lehrerin platzt plötzlich ihre 15jährige Nichte Riley. Gals eher unzuverlässige und meist tablettenabhängige Schwester Becky hat in Fernost eine Stelle angetreten und ihre Tochter ohne vorherige Ankündigung in einem Bus zur Tante geschickt. Gal ist über ihre neue Wohnpartnerin zunächst gar nicht begeistert und vermisst das gewohnte Alleinsein. Ausserdem fühlt sie sich durch die zusätzliche Verantwortung für einen pubertierenden Teenager überfordert.
Gal ist zwar sehr pflichtbewusst, doch verfügt sie wie ihre Rosen über Dornen und sie ist oft launisch. Auf ihre Eltern und ganz besonders auf ihre Mutter kann sich bedingungslos verlassen und ihre Arbeitskollegin Dara ist gleichzeitig ihre beste Freundin. Oft kann Gal ihren Mund nicht halten, und gibt ihre Meinung kund, wenn sie besser schweigen würde. Damit brüskiert sie ihr Umfeld und besonders Dara leidet darunter, dass Gal ihre Krankheit oft als Druckmittel benutzt, um ihren Willen durchzusetzen. Der ungeplante Aufenthalt ihrer Nichte in Santa Jimenez zwingt Gal jedoch, sich mit der problembehafteten (Nicht-)Beziehung zu ihrer Schwester auseinandersetzten. Denn jede der beiden Frauen meint, die andere habe es besser und sei von den Eltern bevorzugt worden.
Der einfühlsame und authentische Roman gibt Einblick in die mit Gals Krankheit verbundenen Einschränkungen und in die Rosenzucht. Daneben schaut man in Gals Gartennotizbuch mit ihren Hinweisen zu Kreuzungspartnern und auch Riley wird vom grünen Virus angesteckt. Sie beginnt in einer Gärtnerei zu arbeiten und legt einen Wassergarten an. Und natürlich liest man immer wieder über die Rosenzucht samt Besuchen von Rosenclub-Veranstaltungen. Die Leserin begleitet Gal während mehreren Monate durch Höhen und Tiefen in Beruf und Privatleben, die jeweils ein Spiegelbild sind zu den eingefügten Rosenpflege-Tipps aus dem Rosenbuch von Winslow Blythe.
Das Buch erscheint im September 2013 im Goldmann Verlag unter dem Titel „Die Liebe zu Rosen mit Dornen“.
Margaret Dilloway:
The Care and Handling of Roses with Thorns
G. P. Putnam’s Son, 2012
Die Liebe zu Rosen mit Dornen
Goldmann Verlag, 2013
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