17. Oktober 2013

Helen Hendricks Friess: The Red Geranium

Was verbindet eine junge Anwältin in Pittsburgh, einen Obdachlosen, ein um seinen im Irakkrieg getöteten Sohn trauerndes Paar, eine alte Frau, die sich für ihre finanziellen Probleme schämt und sich deshalb fast völlig von der Umwelt zurückgezogen hat, eine junges kinderloses Paar, einen trauernden Witwer und ein Tanzlehrerehepaar in Geldnöten? Sie alle sind nacheinander Empfänger eines Geschenks in Form einer Geranie, der magische Kräfte nachgesagt werden.

Die erste Empfängerin im Buch ist Katie, eine angehende junge Anwältin. Über Pflanzen und Blumen weiss sie nicht sehr viel, aber sie hat selber herausgefunden, dass ihr die rote Geranie in ihrem Büro wie vorhergesagt Glück gebracht hat. Erhalten hat sie die Pflanze vom Vorbenutzer des Raumes und er hat ihr bei der Übergabe versprochen, die Blume werde ihr Glück bringen. Und tatsächlich hat Katie die Geranie ein Jahr gut gepflegt und in diesem Jahr einen erstaunlichen beruflichen Erfolg – gar nicht selbstverständlich in Anbetracht ihres jugendlichen Alters - erzielt und ihre anfängliche Skepsis abgelegt. Da ihr ein längerer Auslandaufenthalt bevorsteht, ist es an der Zeit, die Pflanze weiterzugeben.

Ihr Büronachfolger möchte die Pflanze entsorgen und so überlegt Katie, wer etwas Glück vertragen könnte.
Spontan entscheidet sie sich, die blühende Pflanze mit einem Hinweis auf ihre geheimen Kräfte, einigen Sandwiches und einer Thermosflasche voll heissem Kaffee zu dem Platz zu bringen, wo Obdachlose leben. Sie setzt ihr Vorhaben umgehend um und verschwindet wieder in der kalten und dunklen Nacht, ohne dass sie beobachtet worden ist.

Ihre Box, die Flasche und die Pflanze werden vom ehemaligen Irakkrieg-Soldaten Bryan, den seine traumatischen Erlebnisse völlig aus der Bahn geworfen haben, gefunden. Das Essen teilt er mit anderen Obdachlosen, während die rote Geranie Erinnerungen an bessere Zeiten in ihm weckt und ihn an seine geliebte verstorbene Grossmutter denken lässt, bei der er aufgewachsen ist. Schon als fünfjähriger Junge hat er sämtliche botanischen Namen gekannt, weil er ihr oft im Garten geholfen hat. Plötzlich schämt er sich für seine jetzige Lebenssituation und packt ohne weitere Überlegungen die Thermosflasche und die rote Geranie ein und verlässt das Hoffnungslosigkeit ausstrahlende Areal. Ohne genaues Ziel und ohne dem strömenden Regen Beachtung zu schenken läuft er Richtung Berge.

Nach vielen Kilometern Fussmarsch fast ohne Nahrung ist Bryan einem Zusammenbruch nahe. Ein Fahrer, der ihn freundlicherweise über eine längere Strecke mitgenommen hat, rät ihm, seine rote Geranie bei einem gewissen Pete gegen ein Sandwich zu tauschen. Doch dieser Pete bietet dem jungen Mann gleich viel mehr als etwas Essen an. Er nimmt ihn mit nach Hause und auch seine Frau stört sich nicht an Bryans ungepflegtem Äussern („nichts was sich nicht mit Wasser und Seife in Ordnung bringen lässt…“). Pete offeriert ihm ausserdem einen Job und sogar die Möglichkeit, mit seinen geliebten Blumen zu arbeiten. Und Bryan nutzt diese Chance, fasst beruflich Fuss und ist obendrein ausserordentlich erfolgreich in seiner neuen Tätigkeit. Pete und seine Frau sind ihm eine grosse Stütze und gleichzeitig hilft Bryan den beiden, einen Weg aus ihrer riesigen Trauer zu finden, die sie zu erdrücken droht, seit ihr eigener Sohn Joe im Irakkrieg gestorben ist.

In der Folge wird die Glück bringende rote Geranie immer wieder weitergegeben und verbreitet ihre scheinbar magischen Kräfte, indem sie den Anstoss für private und berufliche Veränderungen übernimmt und Bewegung in festgefahrene Leben bringt. Und plötzlich hält Bryan, der sich mittlerweile als Blumenspezialist und Pflanzendoktor einen Namen gemacht hat, eine beschädigte rote Geranie in den Händen, die sich als sein ehemaliger Glücksbringer entpuppt. Daraufhin versucht er, den von der Pflanze in der Zwischenzeit zurückgelegten Weg zurückzuverfolgen und wird damit gleichzeitig in sein eigenes früheres Leben zurückkatapultiert.

Aber zuvor liest der Leser von Jeannie und ihrer unermesslichen Trauer um ihren verstorbenen Sohn, von Alma, Ende 80, die allein und ohne Stromversorgung auf einem Berg lebt, von Judy und ihrem unerfüllten Kinderwunsch, der allein erziehenden Mutter Maureen ohne Job, den beiden Tänzern Linda und Dan, die nach einem Autounfall nicht mehr selber tanzen können und dem einsamen Witwer Tom.

"The Red Geranium" ist ein fast märchenhafter Roma für Erwachsene, die an das Gute in Menschen und etwas Magie glauben . Dieses Buch hat übrigens die gleiche rote Geranie (eigentlich Pelargonie) als Motiv auf dem Umschlag wie "Common Ground" von Janice Marriott und Virginia Pawsey – der Inhalt der beiden Publikationen ist ist aber völlig verschieden. Empfehlenswert sind hingegen wieder beide.



Helen Hendricks Friess: 
The Red Geranium 
iUniverse LLC, 2013

13. Oktober 2013

Anette Gräfe: Der Gärtner war’s (Anthologie)

Woran soll der Gärtner wieder schuld sein? Für diese Anthologie wurden Geschichten von Autorinnen und Autoren unterschiedlichster Altersstufen zusammengetragen. Falls Ihnen beim Titel gleich die etwas abgedroschene Redewendung „Der Gärtner ist immer der Mörder“ in den Sinn gekommen ist, so sind Sie (wenigstens grösstenteils) auf der falschen Fährte. Denn auf diesen rund 250 Seiten ist der Gärtner der Held, der Liebhaber, der Retter in Not oder er übernimmt auch mal detektivische Aufgaben und stellt psychologische Überlegungen an. Und ja, ab und zu hat er auch die Rolle des Mörders inne. Dazwischen widmet er sich aber natürlich auch seinem Beruf und kümmert sich um Rosen, Tulpen, Bonsais und anderes Grünzeug.

Die meisten Geschichten spielen in der Gegenwart, doch auch die Zeit der Tulpenmanie bildet die Kulisse für einen Kurzkrimi. An anderer Stelle sorgt der Gärtner mit etwas Magie und Zauber nicht nur für das Wohlergehen der Pflanzen, sondern auch für notwendige Veränderungen im Leben der Gartenbesitzerin. Und wenn der Gärtner für einen geringen Lohn wertvolle Blumen züchtet, welche die Kasse seines eher undankbaren Arbeitgebers klingeln lassen, könnte man ihn in der betreffenden Geschichte beinahe als Werkzeug und Handlanger desselben bezeichnen.

Einer meiner Lieblingsbeiträge ist „Lateinischer Sommer“. Hier geht es um die subtile Rache einer Gärtnerin an einer gartenschändenden Nachbarin mittels eines Diavortrages im lokalen Gartenbauverein. Der Anlass trägt den sinnigen Titel „Vicina flava maligna – ein singulärer Gartenschädling“. Nicht allen Teilnehmern ist schon vor dem Besuch der Veranstaltung bewusst, dass es sich dabei um die Bewältigung von gemeinen Attacken handelt. Und zwar nach dem Motto: „Herausforderung annehmen, alles ist irgendwie umnutzbar!“

Die Geschichten mit Titeln wie „Des Rätsels Lösung“, „Lange Schatten“, „Rote Rosen“, „Die Hymne ans Gras“, „Das Mörderspiel“ und „Minigeschichte“ sind inhaltlich komplett verschieden. Die einzige Gemeinsamkeit ist die Leitparole „Der Gärtner war’s“. Und so verschieden wie die Altersgruppen der Verfasser sind, so unterschiedlich ist auch das Niveau der einzelnen Beiträge. Will heissen, Spannung und Leselust schwanken etwas je nach Schreibstil des jeweiligen Verfassers.

Doch diese nicht immer ausschliesslich positive Vielfalt sollte Sie nicht davon abhalten lassen, selber über den Gärtner zu lesen, der (angeblich) zerstört statt zu pflegen, giessen und zu düngen, damit sich die erwünschte Blütenpracht einstellt. Und vielleicht lassen Sie sich trotzdem zum Nachdenken anregen durch die "Minigeschichte" über Nacktschnecken und erschrecken über die Folgen von Rasendünger-Missbrauch.


Anette Gräfe (Hrsg.): 
Der Gärtner war’s 
net-Verlag, 2013

9. Oktober 2013

Lucinda Riley: Der Lavendelgarten

Die 30jährige Emilie de la Martinières hat sich erfolgreich eine Existenz als Veterinärin aufgebaut. Doch als ihre unnahbare Mutter stirbt, liegt es an ihr, der letzten Erbin eines alten adeligen Geschlechts, sich um den Nachlass, zu dem auch ein Château in der Provence gehört, zu kümmern. Die Erbschaftsangelegenheiten bringen Emilie trotz grosser Unterstützung ihres Anwaltes an ihre Grenze. Denn die junge Frau verfügt wegen ihrer dominanten Mutter über ein sehr mangelndes Selbstbewusstsein und starke Minderwertigkeitskomplexe. Jahrelang hat ihre verstorbene Mutter, die sich nie für ihre einzige Tochter interessiert hat, über die Verhältnisse gelebt und sich nicht um den notwendigen Unterhalt geschweige denn um Erneuerungen und Investitionen gekümmert. So muss die junge Erbin etliche wichtige und grundsätzliche Entscheidungen betreffend der Immobilien, des Weinguts, der umfangreichen wertvollen Bibliothek und anderer Wertgegenstände fällen.

(Vermeintlich) zufällig lernt Emilie den englischen Kunsthändler Engländer Sebastian Carruthers kennen, der ihr schon bald viele Aufgaben abnimmt. Zum ersten Mal in ihrem Leben ist Emilie richtig verliebt und sie heiratet recht überstürzt. Unkontrolliert lässt sie Sebastian schalten und walten und unterstützt ihn finanziell äusserst grosszügig. Sie folgt ihm sogar nach England, wo sie zusammen mit seinem gelähmten Zwillingsbruder Alex unter einem Dach auf Blackmoor Hall, aber in getrennten Wohnungen, leben.

Mangels anderer Aufgaben bringt Emilie den Garten auf Vordermann und bepflanzt Töpfe mit Winterstiefmütterchen. Und während sie an langen Tagen ungeduldig auf die Rückkehr ihres abwesenden Gatten wartet, der zudem per Handy meist nicht erreichbar ist, beginnt sie bereits an der Richtigkeit ihrer Eheschliessung zu zweifeln. Wäre sie nicht doch besser allein geblieben? Hatte sie nicht schon als Kind herausgefunden, dass man sich nur durch Vermeiden von zu viel Nähe zu anderen Menschen vor Enttäuschungen und Verletzungen bewahren kann?

Sebastian und sein Zwillingsbruder Alex haben ein sehr schwieriges Verhältnis zueinander und beschränken den Kontakt auf das absolut Notwendige. Wider Erwarten freundet sich aber Emilie mit ihrem Schwager an und beginnt gleichzeitig sich mit der Vergangenheit ihrer eigenen Familie auseinanderzusetzen, als sie per Zufall Gedichte ihrer längst verstorbenen Tante Sophia in die Hände bekommt.

Der zweite Erzählstrang spielt in den letzten zwei, drei Jahren des 2. Weltkrieges. Das Vorkommen eines weiteren verfeindeten Zwillingsbruderpaars lässt den Leser falsche Schlüsse aus diesen Parallelen ziehen und die verhängnisvolle Liebe zwischen der jungen blinden Sophia mit einem Deutschen hat Folgen bis in die Gegenwart fünfundfünfzig Jahre später. Emilie entdeckt eine Verbindung zwischen ihrer französischen und Familie und den englischen Vorfahren ihres Mannes aus den Kriegsjahren und erfährt von schrecklichen Vorkommnissen aus der Vergangenheit. Wer ist Sebastian wirklich und welche Ziele verfolgt er? Durch die Auseinandersetzung mit der jüngeren Vergangenheit ihrer Familie wird Emilie erwachsen. Sie lernt endlich Entscheide zu treffen, diese durchzusetzen und selber Verantwortung zu übernehmen.

Die berührenden Erzählstränge sind meisterhaft miteinander verwoben und die Leserin erfährt nebenbei einiges über Spionagetätigkeit im Krieg. Wenn sich auch eine der Schlüsselszenen im Garten abspielt, hat dieser keine grosse Bedeutung im Roman und das Buch kann nicht wirklich als Gartenroman bezeichnet werden. Eine wichtige Rolle in der Erzählung nehmen hingegen die beiden Bände „Die Herkunft der französischen Obstsorten“ von Christopher Pierre Beaumont aus dem Jahr 1756 ein, die zusammen einen geschätzten Wert von etwa fünf Millionen Pfund haben.  



Lucinda Riley: 
Der Lavendelgarten 
Wilhelm Goldmann Verlag, 2013

5. Oktober 2013

Stefanie Hauschild: Gärten im Licht - Impressionisten und ihre Gärten

Die dem Impressionismus zugeordneten Maler haben häufig gleichzeitig eine enge Verbindung zum Garten. Während die einen ihn „nur“ als Motiv und Aussenatelier benutzten, haben andere selber zu Spaten und Hacke gegriffen und für Ordnung und eine farbenfrohe Blütenpracht in den Beeten gesorgt. In dieser üppig illustrierten Publikation führt Stefanie Hauschild die Leser in die Welt der Malerei und Gartenkunst und gibt in neun Kapiteln und der Einleitung Einblick in das Verhältnis zwischen Garten und Malerei der folgenden Künstler:

Auguste Renoir, Berthe Morisot, Edouard Manet, Max Liebermann, Gustave Caillebotte, Claude Monet, Childe Hassam, Vincent van Gogh, Henri Le Sidaner und Lucian Freud.

Gärten sind einem steten Wandel unterworfen. Sie verändern sich und auch die hier vorgestellten Künstlergärten existieren nicht mehr im Original. Geblieben sind die Kunstwerke, die dauernde Zeugen der einstigen Pracht sind, und mit ihren Farbkontrasten und dem Licht- und Schattenspiel noch heute zahlreiche Bewunderer finden. Mit dem Impressionismus prägten nicht mehr zeichnerische Elemente die Bilder, sondern die Farben. Und wurde bis anhin im Freien höchstens skizziert und dann das Gemälde im Atelier fertiggestellt, trug man nun die Staffeleien in die Natur hinaus und das Werk wurde so gut wie möglich - den Wetterlaunen ausgesetzt - draussen gemalt.

Gleich zu Beginn macht die Autorin klar, dass es jedoch oft nicht leicht festzustellen ist, wo die impressionistischen Gartenbilder überhaupt entstanden sind, da wenig über die Arbeitsweise dieser Künstler bekannt ist. Denn nicht von allen Malern liegen dermassen ausführliche biografische Informationen vor wie etwa von Claude Monet und Max Liebermann. Andere Maler wie Edouard Manet wollten gar nicht zu den Impressionisten gezählt werden, pflegten aber enge Kontakte zu diesen. In ihren Texten gibt Stefanie Hauschild nebenbei auch Informationen über moderne Pflanzen zu Lebzeiten der Impressionisten und man erfährt, dass der monochrome Garten keine Erfindung von Vita Sackville-West ist.

Einer der bekanntesten Künstlergärten wurde von Claude Monet angelegt, der sich stark für die Botanik interessierte. Als es ihm finanziell möglich war, hat er zwar Gärtner eingestellt, aber trotzdem immer auch selber gegärtnert. Nach seinem Tod wurde der Garten in Giverny lange vernachlässigt und erst später mit Hilfe alter Dokumente und angepassten Pflanzplänen wieder rekonstruiert.

Mit dem Maler Gustave Caillebotte, dem Geldsorgen fremd waren und der deshalb nicht auf den Verkauf seiner Bilder angewiesen war, pflegte Claude Monet freundschaftliche Kontakte. Caillebotte stammte aus gutem Haus und widmete seine Zeit hälftig der Malerei und dem Gärtnern. Zu seinem grünen Reich gehörten ein ummauerter Küchengarten, Obstbäume, ein Rosengarten, Blumenbeete und ein Gewächshaus. Der passionierte Künstlergärtner tauschte mit Monet Pflanzen und die beiden besuchten gemeinsam Gartenausstellungen.

Berthe Morisot, die einzige Frau unter den hier vorgestellten Malern, wiederum nutze Gärten in ihren Bildern als idyllische Szenerie hinter Menschen und sie arbeitete bevorzugt im Atelier. Auch Vincent Van Gogh besass keinen eigenen Garten. Seine Motive aus der Gartenwelt hat er in künstlerischer Freiheit „verbessert“, indem er beispielsweise die Wurzelstöcke der Schwertlilien auf den Bildern einfach weggelassen hat. Ganz allgemein sind die Blumen auf den Gemälden oft nur schwer oder gar nicht identifizierbar.

In Europa eher unbekannt ist Celia Thaxter. In den USA hingegen ist ihr Buch „An Island Garden“ mit Gemälden ihres Blumengartens von Childe Hassam wiederholt neu aufgelegt worden. Die besondere Liebe der Hotelierin galt dem Mohn, den sie jährlich in verschiedenen Sorten aufzog: Klatschmohn, kalifornischen Mohn, Islandmohn, türkischen Mohn sowie Schlafmohn. Ihr Garten hatte nur eine Grösse von 15 mal 4.5 Meter und in ihren Beeten hatte sie die Blumen aus praktischen Gründen nach Grösse sortiert. Denn Celia Thaxter malte nicht, ihre kreative Beschäftigung mit Blumen war das Arrangieren.

Im Anschluss an die Lektüre verführen zwei Seiten mit Literaturtipps zum Weiterlesen über Künstler und/oder ihre Gärten. Ich habe mein Monet-Buch, das ich Anfang 2005 anlässlich des Besuchs der Ausstellung „Monet’s Garten“ im Kunsthaus Zürich gekauft habe, wieder einmal durchgeblättert. Sind es tatsächlich schon wieder fast neun Jahre her, seit ich mich dort durchs Publikum gekämpft habe, um einen Blick auf die Seerosenbilder und verschiedene Dokumente rund um den Garten und die Gartengestaltung zu werfen? Und ich lese aktuell endlich Celia Thaxters „An Island Garden“ und bewundere die Bilder des amerikanischen Impressionisten Childe Hassam – ein schönes Buch, das schon viel zu lange ungelesen auf dem Regal gestanden hat.

Das Buch „Gärten im Licht“ ist ein ideales Geschenk für Garten- und Kunstliebhaber und es eignet sich als informativen Einstieg ins Thema Künstler und ihre Gärten. Statt der unbestritten reizvollen (sich aber wiederholenden) Blumenillustrationen hätte ich mir mehr Gartenbilder von den vorgestellten Malern gewünscht.



Stefanie Hauschild: 
Gärten im Licht - Impressionisten und ihre Gärten 
Jan Thorbecke Verlag, 2013

1. Oktober 2013

Wolf-Dieter Storl: Wandernde Pflanzen – Neophyten, die stillen Eroberer

Immer wieder liest man über Bemühungen, die Flussufer vom Indischen Springkraut (Impatiens glandulifera) zu befreien und von Rodungen grossflächiger Ausbreitungen von Kanadischer Goldrute (Solidago canadensis), da diese Neophyten die einheimischen Gewächse bedrohen, sprich deren Lebensräume beanspruchen und diese verdrängen. In seinem Buch „Wandernde Pflanzen“ vertritt Wolf-Dieter Storl die Meinung, dass diese Pflanzen mit Migrationshintergrund als unwiderrufliche Bestandteile unseres Ökosystems akzeptiert werden müssen und begründet seine Ansichten ausführlich. Zwei Punkte sind dabei besonders wesentlich: Diese stillen Eroberer müssen genau kennengelernt werden und man darf nicht vergessen, dass die Natur einem beständigen Wandel unterliegt. Viele dieser Neophyten gehören ausserdem Gattungen an, die in den Eiszeiten aus Mitteleuropa verschwunden sind und sind somit als Spätheimkehrer zu betrachten.

Unterteilt ist das Buch „Wandernde Pflanzen“ in die folgenden Kapitel:

- Pflanzen mit Migrationshintergrund
- Gute Pflanzen, böse Pflanzen
- Die grünen Begleiter der ersten Kolonialisten
- Psychologische Aspekte des Neophyten-Problems
- Die ganz Bösen
- Unerwünschte Gehölze
- Neophyten entlang der Autobahn und im Garten

Neben vielen spannenden Geschichten und beeindruckendem Hintergrundwissen sind in dieser illustrierten Publikation viele ausführliche Pflanzenportraits eingefügt und im Serviceteil finden sich ein Literaturverzeichnis, Internetadressen, Angaben zum Autor und ein Stichwortverzeichnis.

Wie kommt es, dass Pflanzen erst als Bienenweiden begrüsst wurden und nach Jahrzehnten oder sogar nach Jahrhunderten schliesslich als unerwünschte Neophyten auf schwarzen Listen landen und mit aller Macht ausgerottet werden sollen? Der Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianum) beispielsweise kam 1814 als Geschenk des russischen Zaren an Fürst Metternich nach Europa und wurde dannzumal von Botanikern bewundert und seine Samen wurden rege getauscht. Johann Wolfgang von Goethe liess eigens ein Podest bauen, damit er die Blüte und den Samenstand genau aus der Nähe betrachten konnte. Heute zählt der Riesenbärenklau zu den meistgehassten Neophyten. Doch ist es tatsächlich sinnvoll, mit dem Festlegen eines willkürlichen Zeitpunktes als Grenze (nämlich das Jahr 1492) zu versuchen, einen Idealzustand festzuhalten oder einen solchen zu erreichen? Die Herausforderungen im Umgang mit Nyophyten sind übrigens kein isoliertes europäisches Problem – andere Kontinente kämpfen mit den gleichen Sorgen, (teilweise) verursacht durch andere Pflanzen. Im Buch wird speziell Südafrika thematisiert.

Die Pflanzenkarrieren solcher Migranten verlaufen nach folgendem Schema: 1. Einfuhr, 2. Etablierung und Anpassung, 3. Invasion sowie 4. Sättigung und biologische Einbindung. Parallel dazu verlauft häufig die Einführung von Parasiten; unbeabsichtigt oder auch gezielt zwecks Einsatz als biologische Waffen. Letzteres hat häufig weitere Probleme zur Folge. Neophyten sind wie die gesamte Umwelt ein Spiegel der Bedingungen auf unserem Planet, geprägt von Klimawandel, intensiver Bewirtschaftung und Verstädterung. Werfen Sie doch beim nächsten Zwangsstopp in einem Stau auf der Autobahn einen Blick auf den Mittelstreifen und beachten Sie die zähe Pflanzenvielfalt, die trotz Hitze, Trockenheit und Salzrückständen gedeiht.

Viele in unzähligen Jahren, Jahrhunderten und Jahrtausenden gewachsene natürliche Verbindungen, wie etwa das vom Autor angeführte Beispiel von Prärie und Bisons, sind endgültig zerstört. Bestehen wie Wolf-Dieter Storl vermutet, Verbindungen zwischen Krankheiten und Neophyten? Er hat beobachtet, dass sich als Heilpflanzen eignende Neophyten gerade dort extrem verbreiten, wo sich gleichzeitig Krankheiten ausbreiten, die durch solche bekämpft werden könnten. Und er findet es erstaunlich, dass niemand solche Zusammenhänge, wie den von ihm beobachteten zwischen Borreliose und der Karde (Dipsacus sylvestris) genauer untersucht und fordert ein prinzipielles Umdenken im Umgang mit Neopyhten – diese sollen nicht als Bedrohung, sondern als Ergänzung betrachtet werden.

Hat der Autor recht mit seiner Behauptung, es würden absichtlich horrende Zahlen an Neophyten und durch diese verursachte Schäden genannt, damit Herbizidhersteller profitieren und gleichzeitig mehr Forschungsgelder und Mittel für Umweltämter und Universitäten gesprochen werden? Storl verfügt jedenfalls über ein immenses Wissen und weiss spannende Geschichten zu erzählen. Obwohl er nicht müde wird, seine von Wissenschaftlern grundsätzlich entgegengesetzten Ansichten über die stillen Eroberer zu betonen, erscheinen seine Plädoyers nicht missionarisch, sondern lassen den Leser nachdenklich zurück. Und zwar mit dem leisen Gefühl von (fast) komplettem Unwissen über die Zusammenhänge in der Natur. Eine Erkenntnis, die auch dem Autor nicht fremd zu sein scheint, wenn man seine weisen und liebevollen Schlussbemerkungen liest.

Storl probiert übrigens vieles an sich selber aus und nicht immer gehen diese Eigenversuche positiv aus. Ein Zuviel an Gartenmelde (Atriplex) etwa ist gar nicht gesund.  



Wolf-Dieter Storl: 
Wandernde Pflanzen – Neophyten, die stillen Eroberer 
AT Verlag, 2012

29. September 2013

Astrid Thadewaldt und Carsten Bauer: Blutblume

In der Kleingartensiedlung „Kleinklee“ wird der ermordete Peter Winkler aufgefunden. Der für die Ermittlungen zuständige Hauptkommissar Frithjof Arndt hat eine Abneigung gegen alles Kleinbürgerliche und Pedantische, wozu er auch Schrebergartensiedlungen zählt. Arndt ist verwitwet, unnahbar, kühl wie ein Eisberg und sich selbst meist genug. Er trauert immer noch stark um seine vor bald fünf Jahren auf offener Strasse ermordete Frau und hadert damit, dass dieses schreckliche Verbrechen nie aufgeklärt worden ist.

Schnell zeigt sich, dass keiner der Parzellennachbarn ein gutes Wort über den Verstorbenen zu berichten hat. Letzterer galt als gewalttätiger Herumtreiber und hat weder seinen Garten gepflegt – der Rasen steht fast kniehoch und auch die Gemüsebeete locken keine Erntediebe herbei – noch hat er sich um freundnachbarschaftliche Beziehungen bemüht. Ganz im Gegenteil, der vorbestrafte Pächter Winkler war fast pausenlos betrunken, hat herumgepöbelt und suchte den Streit.

Winkler interessierte sich weder für die Rosenzüchtungen noch für die Staudenbeete seiner Parzellennachbarn. Dafür ergeben die Ermittlungen, dass der Ermordete ein Talent dafür hatte, bei verschiedenen Gärtnern einen wunden Punkt in der Vergangenheit zu finden, mit dem er Geld erpressen konnte. Ganz offensichtlich war der 33jährige Winkler sehr erfolgreich darin, hinter akkurat geschnittenen Hecken in den einwandfrei gepflegten Gärten Unkraut, sprich dunkle Geheimnisse, zu entdecken, während er dem Gemeinschaftssinn und den dazugehörigen Gemeinschaftsdiensten rein gar nichts abgewinnen konnte. Er schreckte auch nicht davor zurück, Gerüchte in die Welt zu setzen, die jeglicher Grundlage entbehrten, aber natürlich dennoch ihren Zweck erfüllten. Wer kauft schon Fleisch in einer Metzgerei, wenn dort anscheinend unsaubere Ware, also Gammelfleisch, verarbeitet wird?

Auf dem Sommerfest in der Kleingartenanlage wurde das Mordopfer zuletzt lebend gesehen. Was geschah zwischen diesem Zeitpunkt und dem Auffinden der Leiche? Offensichtlich wurde durch die Gewalttat die Gemeinschaft unter den Gärtnern zerstört. Kommissar Arndt bekundet nicht nur Mühe mit dem heissen Sommer in Itzehoe, sondern auch mit den Ermittlungen im Schrebergartenmilieu. Nicht nur einmal tritt er auf einen Gartenzwerg und ärgert sich über die anschliessende Tonfigurensterbediskussion.

Den Buchtitel "Blutblume" finde ich eher abstossend. Und völlig übertrieben dargestellt und auch überflüssig finde ich die Figur der schusseligen Frau Bommel, einer Mitarbeiterin aus dem Kommissariat, die eine Katastrophe nach der anderen auslöst. In die Handlung eingeflochten werden ausserdem Geschichten aus dem Privatleben von Kollegen, die teilweise unfertig bleiben.  



Astrid Thadewaldt und Carsten Bauer: 
Blutblume 
Gmeiner-Verlag, 2007

25. September 2013

Hermann Gröne: Ein faszinierender Stauden- und Gräsergarten – artenreich, naturnah, pflegeleicht

Die Aktivitäten des Gartengestalters Hermann Gröne verfolge ich gelegentlich in den neuen Medien und habe auch schon (zugegebenermassen leicht neidisch) in den Berichten, der von ihm begleiteten Gartenreisen gelesen. Mit dem in der Buchreihe „Das Gartenportrait“ der Deutschen Verlags-Anstalt erschienenen Titel „Ein faszinierender Stauden- und Gräsergarten“ haben Sofagärtner nun die Möglichkeit, den als Schaugarten genutzten Privatgarten des Autors in Papierform kennenzulernen.

Als zwölfjähriger Junge ist Hermann Gröne regelmässig am Grundstück vorbeigeradelt, das heute in seinem beruflichen und privaten Leben einen wichtigen Platz einnimmt. Über die damalige Gartenbepflanzung erfährt der Leser nichts Genaueres, doch ist davon auszugehen, dass die hohen alten Bäume, die den Garten heute gliedern, schon damals gestanden haben. Rund zweitausend Quadratmeter stehen dem Autor als Experimentierfeld zur Verfügung; inklusive einem annähernd idealen Boden und einem milden Klima. Einen ersten Überblick über die verschiedenen Gartenbereiche gibt der Gartenplan auf der Innenseite des Bucheinbands. In der eigentlichen Publikation bestätigen rund einhundertzwanzig Farbabbildungen die erfolgreiche Umsetzung von Karl Foersters Motto „Es wird durchgeblüht“.

Der Buchspaziergang führt durch die folgenden Bereiche und Kapitel:

- Auf freier Fläche – Sonnig und trocken
- Auf freier Fläche – Sonnig und frisch
- Klassische Staudenbeete – Farben Ton in Ton abgestimmt
- Im Halbschatten - Von Akelei bis Wiesenraute
- Im Schatten - Von Frühlingswundern und Blattschmuckhelden
- Bäume und Sträucher im Staudengarten - Von kleinen und grossen  
  Gehölzschönheiten

Die Kapitel beginnen mit einer Skizze des betreffenden Lebensbereiches und einer kurzen textlichen Einführung, in der auf die Bedürfnisse der entsprechenden Bewohner eingegangen wird. Die Texte sind recht knapp gefasst, aber aus fast jeder Zeile schimmern die Erfahrung und Leidenschaft des Autors durch und es lassen sich verschiedene Kombinationen von Pflanzengemeinschaften entdecken, die auch für Gärten in kleineren Formaten übernommen werden können. Fortgeschrittene Gärtner werden bestimmt die eine oder andere Muss-Haben-Pflanze unter den vielen vom Autor selber aufgenommenen Fotos finden. Allerdings muss man die dazugehörigen Informationen bzw. Bildlegenden manchmal etwas suchen.

In diesem Garten werden Akzente durch Blattschmuck, besondere Blüten, Samenstände und Früchte gesetzt und keine (unnötigen) Deko-Objekte lenken von den harmonisch komponierten Bildern aus Gräsern und Stauden ab. Der Autor baut Gartentipps in die Texte ein („jäten, nicht hacken“) und gibt Hinweise auf trockenheitresistente Pflanzen, besondere Solitäre oder nicht ausläuferbildende Bodendecker - vom kleinen Schattensteinbrech bis zur imposanten Staudenaralie mit kugeligen Samenständen und einer Höhe und Breite bis zweieinhalb Meter.

Ein schöner Lesespaziergang durch verschiedene Jahreszeiten, von dem bleibende Eindrücke und verschiedene Ideen zurückbleiben, wie im Garten das Motto „es wird durchgeblüht“ erfolgversprechend umgesetzt werden kann. Indem man nämlich bei der Pflanzenauswahl die Bedürfnisse der grünen Bewohner gebührend berücksichtigt und die eigenen Vorlieben anpasst oder unterordnet. Interessant wäre es gewesen, in dieser Publikation, in welcher der Gärtner für Text und Fotos aus dem eigenen Garten verantwortlich zeichnet, ein wenig mehr Persönliches zu erfahren – so wie ganz am Anfang des Buches über den zwölfjährigen Jungen.  



Hermann Gröne: 
Ein faszinierender Stauden- und Gräsergarten – artenreich, naturnah, pflegeleicht 
Deutsche Verlags-Anstalt, 2013

21. September 2013

Rückblick und (k)ein Ausblick (?)

Bald sind es fünf Jahre (und 500 Posts), dass ich hier im „Sofagarten“ regelmässig Gartenbücher vorstelle. Und damit ist eigentlich der Zeitraum in etwa abgedeckt, den ich dieser Beschäftigung einräumen wollte. Andere Verpflichtungen und Interessen nehmen vermehrt Zeit und Raum ein und gleichzeitig wächst das „Administrative“ rund um den Blog. Zwar habe ich im Lauf der Zeit eine gewisse Routine im Verfassen der Beiträge entwickelt, aber meine Buchvorstellungen sind natürlich nicht in fünf oder zehn Minuten druckfertig formuliert und tatsächlich könnte frau die Zeit auch sinnvoller investieren, indem sie zum Beispiel das Pensum der Berufstätigkeit erhöht und Ende Monat mehr Geld auf dem Salärkonto ist oder sich der beruflichen Weiterbildung widmet.

Mittlerweile ist es oft recht schwierig, die Motivation sowie die richtigen Worte zu finden mit dem Gefühl im Hinterkopf, dass sich gewisse Publikationen halt vom Inhalt her doch recht ähnlich sind oder sogar wiederholen. Und während der Platz auf den Regalen immer mehr zur Mangelware wird, wachsen parallel die Ansprüche der Sofagärtnerin an die Publikationen, die diesen zugeteilt bekommen sollen. Denn zwar schaffe ich es inzwischen ziemlich gut, Ungeliebtes aus dem richtigen Garten draussen zu entfernen oder mit Vernachlässigung zu strafen, derweilen das im Sofagarten nicht so richtig klappt. Das Nichtbeachten führt ja in letzterem im schlimmsten Fall zu Staubwolken, aber eben nicht zu freien (Pflanz-)Stellen. Zuweilen ist das Aufstöbern (sprich googeln nach botanischen Stichworten) von Romanen oder Krimis mit grünen Inhalten tatsächlich spannender als das Buch selber - obwohl die Backlists solcher Publikationen von meiner Seite her ziemlich abgegrast zu sein scheinen.

So ist es nun an der Zeit zu entscheiden, wie es mit der Sofagärtnerin genau weiter gehen soll. Soll ich ganz aufhören oder vielleicht doch nur die Anzahl und den Umfang der Online-Beiträge reduzieren? Kann ich überhaupt noch ein Buch lesen und geniessen, ohne es mit unzähligen Merkzetteln zu dekorieren? Die nächsten Beiträge sind längst vorgebloggt. Es wird also nicht von heute auf morgen hier Funkstille herrschen. Inzwischen nutze ich die Gelegenheit, in diesen Zeilen ein paar Erlebnisse aus den letzten Jahren festzuhalten.

Dass immer wieder aus meinen Beiträgen abgekupfert wurde, habe ich ja schon wiederholt erwähnt und ich möchte nicht weiter mit diesem Thema langweilen. Als eher unfair empfinde ich auch Tweets als Reaktion auf meine Buchvorstellungen (etwa jenen Artikel über ein mehr als zwanzig  Jahre altes Buch), die quasi als eigene Neuentdeckung herumgezwitschert werden – natürlich ohne einen netten Hinweis darauf, woher der Lektüretipp stammt. Ziemlich dreist war auch jene Autorin, die unter meinem Pseudonym meine eins zu eins übernommene Buchvorstellung auf eine Rezensions-Seite gestellt hat, auf welcher nur Originalrezensionen vom Verfasser selber veröffentlicht werden dürfen. Die richtige Verlinkung meines Blogs mit ihrer eigenen Webseite hat sie dann interessanterweise nicht mehr hinbekommen.

Immer wieder haben sich nette und teilweise recht intensive Kontakte aus Buchbesprechungen ergeben, etwa mit Autorinnen, die beim Ego-Googeln auf meine Seite gestossen sind oder mit anderen Bloggerinnen. Und dann wären da noch die Autoren oder denen in irgendeiner Form nahestehenden Personen (so genau weiss ich das ja nicht - man kann oder sollte schliesslich nicht ständig irgendwelche sowieso oft merkwürdigen Statistiken studieren und interpretieren!), die ein vorgestelltes Buch im Blog tagtäglich x-mal anklicken. Vermutlich gefällt ihnen die Vorstellung, dass es permanent unter der Rubrik „Beliebte Posts“ erscheint. Aufmerksam (oder gemein) wie ich bin, wechsle ich dann gelegentlich den Rhythmus der angezeigten meistgesehenen Beiträge oder entferne gleich die gesamte Rubrik für eine Weile. Vielleicht überschätzen diese "Bewunderer" ganz einfach die Reichweite eines kleinen Gartenbuchblogs? Dazu passt jedenfalls, dass genau diese Schreiberlinge sich nie melden und sich freundlich für die Gratis-Werbung bedanken. Nur so nebenbei bemerkt: bei den weitaus meisten Büchern, die ich hier vorstelle, handelt es sich nicht um vom Verlag zur Verfügung gestellt Rezensionsexemplare.

Harmlos sind die Anfragen, ob man bei mir auch Bücher kaufen kann oder die Nachfragen nach Bezugsquellen. Und dann gibt es noch die unangenehmeren Zeitgenossen, sprich Stalker, die einem erziehen oder auch das Lesen und Vorstellen von (Soft)-Krimis verbieten möchten – diese unerfreulichen Erfahrungen gehören aber definitiv nicht in die virtuelle Öffentlichkeit. Zweifellos ist es sehr interessant, welche Wege bzw. Suchanfragen Interessierte und Nichtinteressierte in den Blog führen und wohl alle ausser die betreffende Person werden nachvollziehen können, dass man als Bloggerin überhaupt keinen Wert darauf legt, dass die eigene Homepage aufgrund irgendwelcher nennen wir es mal "unsauberer" Stichworte bei Suchanfragen gelistet wird und deshalb solche Kommentare ganz sicher nicht veröffentlicht werden.

Was würde ich anders machen, wenn ich nochmals mit Bloggen anfangen würde? Eine nicht ganz einfach zu beantwortende Frage. Die (relative) Anonymität im www sagt mir nach wie vor zu. Aber vielleicht hätte ich auf die eine oder andere Medienanfrage (z. B. vom Fernsehen) etwas offener reagieren sollen?

Aktuell nicht betroffen von obigen Überlegungen sind übrigens die ausgewählten und gekürzten Buchvorstellungen der Sofagärtnerin, die seit Juli 2013 in Papierform erscheinen. Und zwar in der monatlichen Zeitschrift "Der Pflanzenfreund"  des Gartencenters Meier in Dürnten.

17. September 2013

Katie Fforde: Sommer der Liebe

Aus hortikultureller Sicht beginnt dieser Roman recht vielversprechend mit der Bepflanzung eines Erdbeerbeetes und dem erklärten Ziel, auch eigenes Gemüse anzuziehen. Mit Schaufel und Spaten am Werk ist die alleinerziehende junge Mutter Sian Bishop, die mit ihrem vierjährigen Sohn Rory eben erst von London weg in ein gemietetes Häuschen aufs Land gezogen ist. Es sind noch längst nicht alle Umzugskisten ausgepackt, da macht die Neuzuzügerin bereits die Bekanntschaft ihrer Nachbarin Fiona.

Die beiden Frauen freunden sich rasch miteinander an und Fiona übernimmt eine Art Grossmutter-Stelle in der kleinen Familie. So gewöhnen sich Sian und Rory rasch ans Landleben. Die junge Frau verdient sich mit Möbelrestaurierungen ihr Geld und Rory wird in dieser Zeit ausser Haus betreut. Doch plötzlich droht die Kündigung des neuen Daheims, weil das Häuschen verkauft werden soll. Werden Sian und Rory überhaupt noch Erdbeeren aus dem eigenen Garten pflücken können? Wird die junge Mutter im Herbst bewundern können, wie Tau dem Unkraut weiche Konturen wie glitzernder Samt verleiht? Zudem steht Sian gänzlich unerwartet dem Vater von Rory gegenüber, der das ungeplante Ergebnis einer kurzen leidenschaftlichen Affäre ist.

Die etwas chaotische Fiona ihrerseits, die ihrem Naturell entsprechend verwilderte Gärten mag und selber gerne gärtnert, versucht mit Internet-Dating einen neuen Lebenspartner zu finden. Dabei wird sie, als sie ihre Bauchgefühle und den gesunden Menschenverstand ignoniert, die bei einem ersten Treffen mit einer Bekanntschaft aus dem World Wide Web unbedingt zu beachten sind, quasi in eine Gärtnerei entführt. Freilich liegt das gesuchte Liebesglück vielleicht gar nicht so weit weg.

Dieser Roman gehört in die Kategorie "eher einfach gestrickte Urlaubslektüre" und handelt in der Hauptsache von zwei Frauen, vielen getrunkenen Tassen Tee, etwas viel Hin und Her und zuweilen übertrieben anmutenden Zufällen rund um die Frage, ob in Sachen Liebe eher auf den Verstand oder aufs Herz gehört werden soll. Für Frauen so ab vierzig findet sich auch die eine oder andere Lebensweisheit, wie etwa der Tipp (Zitat) „ich habe versucht, mich davon zu überzeugen, dass gekaufte Kuchen es nicht wert sind, dick zu werden“.

Katie Ffordes Romane (wenigstens die wenigen, die ich gelesen habe) verfügen über eine Happy-End-Garantie. Wenn Sie den Schreibstil der Autorin mögen, sei Ihnen ihr Buch mit dem eher dümmlichen Titel „Im Garten meiner Liebe“ ans Herz gelegt, in welchem die Titelfigur in einem Wettbewerb den ersten Preis gewinnt und für die Chelsea Flower Show einen Garten entwerfen und anlegen darf.



Katie Fforde: 
Sommer der Liebe 
Bastei Lübbe, 2013

13. September 2013

Judith Marcum: The Katherine Gardens

Diese Familiensaga besteht aus drei Teilen (1942 – 1946, 1946 – 1959 und 1960 - 1973) und gibt über drei Jahrzehnte Einblick in das Leben von drei Frauen und begleitet diese durch Höhen und Tiefen, so dass sich die Leserin schliesslich fast selber als Familienmitglied fühlt.

Mitten im zweiten Weltkrieg heiratet die 22jährige Engländerin Katherine den jungen amerikanischen Arzt John Sinclair, mit dem sie bis 1946 mehrheitlich nur in Briefform in Kontakt bleiben kann. Schon in diesen unendlich lang erscheinenden Monaten und Jahren liebt sie es, auf dem Anwesen Hillside ihrer Eltern dem Gärtner über die Schultern zu schauen. Um sich auf ihre künftige Tätigkeit als Hausfrau und Arztgattin vorzubereiten, lässt sie sich nicht nur von der Köchin ins Zubereiten von verschiedenen Gerichten einführen, sondern auch vom Gärtner in grüne und blühende Geheimnisse. Dadurch ist sie neben ihrem Beruf als Lehrerin auch in der Freizeit beschäftigt und hat nicht viel Zeit für trübe Gedanken.

Im Mai 1946 beginnt endlich das gemeinsame Eheleben mit ihrem Mann. Mit Kleidern, Familienfotos, vielen Samen für den künftigen Garten und einem verlesenen Exemplar „The Secret Garden“ von Frances Hodgson Burnett macht sich Katherine mit dem Schiff auf nach Amerika. Die Ehe mit ihrem Mann entwickelt sich sehr erfreulich und auch von ihren Schwiegereltern wird sie mit offenen Armen empfangen. Allerdings fühlt sich die junge Frau oft einsam. Ihre Zeit füllt sie mit dem Studium von Gartenbüchern, die sie regelmässig in der lokalen Bibliothek ausleiht. Wegen ihrer beiden kurz aufeinander folgenden Schwangerschaften kann sie sich zunächst nicht wie geplant der Ausführung ihrer Gartenprojekte widmen, sondern muss diese Aufgaben delegieren. Auf dem Briefweg und mit jährlichen Besuchen bleibt sie in engem Kontakt mit ihrer in Europa verbliebenen Familie und die Leserin erfährt hautnah, wie sich die schwierige Versorgungslage in England nur zögerlich verbessert.

So vergehen die Jahre. Man liest über die Entwicklung der beiden Töchter und deren Fortschritte im Tanz- und Pianounterricht. Je grösser die Kinder werden, umso mehr freie Zeit kann sich Katherine freischaufeln. Sie gründet einen Literaturclub, besitzt den einzigen richtigen englischen Garten in Longview und leitet einen erfolgreichen von ihr aufgebauten Gartenkurs am College, aus dem ein beliebter Gartenclub entsteht. Ausserdem erhält sie den Auftrag einen Memorial Garden auf dem Campus anzulegen und baut schliesslich ihr eigenes Garden Design Büro auf, nachdem sie in ihrer Heimat einen entsprechenden Kurs absolviert hat.

Doch längst nicht alles läuft rund in Katherines Familie. Ihre jüngere Tochter Lizzie weist ausgeprägte egoistische Züge auf und 1959 trifft die Familie ein harter Schicksalsschlag. Während die narzisstisch veranlagte Lizzie ihr Ziel verfolgt, ein erfolgreicher Musical-Star zu werden, verlagern sich die Interessen ihrer älteren Schwester von der Musik in Richtung Garten und sie tritt damit in die Fussstapfen ihrer Mutter. Über alle Jahre eng verbunden ist die Familie mit Louise, einer Vollwaise und ehemaligen Schülerin von Katherine.

Die Autorin hat selber Garden Design studiert. Sie ordnet Hillside einen Gertrude Jekyll-Garten zu und auch Beatrix Farrand wird kurz thematisiert. In den Roman eingestreut ist der Verlauf der Weltgeschichte. Nach dem Aufräumen der Kriegsschäden und dem Wiederaufbau verfolgt man die Entwicklung von Theaterstücken und Musicals (Annie, get your gun / Grease usw.) mit und liest über die Morde an John F. Kennedy und Martin Luther King. Die Familienmitglieder wachsen einem während der Lektüre ans Herz, doch über weite Stellen tendiert der Roman etwas zur Langeweile, weil sich viele Jahre im Ablauf sehr ähneln. Trotzdem bleibt man am Schluss des Buches zurück und überlegt, wie die Familiensaga wohl weiter gegangen ist. Ob es eine Fortsetzung geben wird?  



Judith Marcum: 
The Katherine Gardens 
Eigenverlag, 2012

9. September 2013

Martin Suter: Allmen und die Dahlien

Dahlien werden als blühfreudig und ausdauernd geschätzt. Die fast hundertjährige Hotelbesitzerin Dalia Gutbauer hat im Lauf ihres langen Lebens viele Geschenke erhalten und natürlich auch Dahliensträusse, doch keines der Präsente bedeutete ihr so viel, wie das vor sechzig Jahren erhaltene Dahlienbild von Henri Fantin-Latour, das - nebenbei bemerkt - mittlerweile einen Wert von mehreren Millionen Franken hat. Wichtig war und ist ihr nicht in erster Linie der Wert in Franken, sondern die Erinnerungen, die mit dem Gemälde verknüpft sind.

Doch nun ist aus den Räumlichkeiten von Dalia Gutbauers Wohnung in der 4. Etage des in die Jahre gekommenen Schlosshotels genau dieses Kunstwerk entwendet worden. Pikanterweise ist es vor Jahrzehnten ebenfalls durch einen Diebstahl in den Besitz der alten Dame gekommen, nämlich 1958 als kleine Aufmerksamkeit eines damaligen Verehrers, zuvor aus einem ungenügend gesicherten Provinzmuseum entwendet. Eine Anzeige bei der Polizei ist deswegen ausgeschlossen und so soll Johann Friedrich von Allmen, genannt John von Allmen, das Werk wieder beschaffen.

Allmen selber wird von Geldsorgen geplagt und ist deshalb vom Haupthaus der Villa Schwarzacker ins Gärtnerhaus gezogen, wo er zusammen mit Maria Moreno aus Kolumbien und Carlos aus Guatemala in recht beengten Verhältnissen wohnt, aber gewisse Gewohnheiten eines gehobenen Lebensstils weiter pflegt. Zu diesen gehören auch ein Privatchauffeur und ein Ei zum Frühstück. Aber nicht ein einfaches Drei-Minuten-Ei. Nein, zu jedem Wochentag gehört ein in anderer Form zubereitetes Ei – am Montag etwa ein Rührei und am Dienstag Ei im Glas. Allmens beiden Mitbewohner ohne gültige Papiere unterstützen ihn in seinem Job als Privatdetektiv bei „A.I.I.- Allmen International Inquiries“. Und obwohl der Chef den Lohn nur unregelmässig zahlt und nicht bemerkt, wenn er Überstunden verlangt, kann er auf seine loyalen Mitarbeiter zählen.

Die Nachforschungen im Schlosshotel müssen unter Bewahrung äusserster Diskretion stattfinden und so bezieht Allmen ein Zimmer und gibt vor, für eine Versicherung Abklärungen zu treffen. Gleichzeitig beginnt Maria Moreno dort als Zimmermädchen zu arbeiten und Carlos recherchiert zwischen Rasenmähen und anderen zu seinem Job gehörenden Tätigkeiten im Internet. Bei Reinigungsarbeiten im Zimmer des eben verstorbenen Dauergastes Hardy Frey entdeckt Maria ein gerahmtes Foto des gestohlenen Dahlienbildes und es stellt sich die Frage, in welcher Verbindung Dalia Gutbauer und Hardy Frey standen.

Der teure gemalte Blumenstrauss hat immer wieder als Liebesgeschenk für Frauen mit dem „richtigen“ Vornamen gedient und so liegt der Schlüssel zur Lösung dieses Rätsels um ein vogelfreies Kunstwerk denn auch in den Beziehungen und im Umstand, Grosszügigkeit nicht mit Unversöhnlichkeit zu verwechseln.

Ein Suter-Roman rund um ein gestohlenes Dahlienbild passend als Abrundung zur aktuellen Dahlienblüte in den Gärten. Ich bin keine regelmässige Leserin von Martin Suters Büchern, aber an die wenigen, die ich gelesen habe, erinnere ich mich gerne, und sie gehören zu den eher wenigen Titeln auf den Bestsellerlisten, die mit meinem Geschmack übereinstimmen. Ein unaufgeregter Roman in einer unaufdringlichen Spannung, die einem dennoch anzieht. Etwas störend fand ich die vor allem zu Beginn häufigen in den Text eingestreuten fremdsprachigen Worte und kurzen Sätze (deren Bedeutung aber auch ohne Beherrschen der Sprache erraten werden konnte).  



Martin Suter: 
Allmen und die Dahlien 
Diogenes Verlag, 2013

5. September 2013

Karin Standler (Hrsg.): best private plots – Die besten Gärten 2012

Eine wechselnde Jury präsentiert und wählt nach einer Idee und auf Initiative des Büros Karin Standler Landschaftsarchitektur seit 2006 regelmässig im Rahmen eines internationalen Wettbewerbs die besten privaten Gärten aus. Ziel ist es, innovative Landschaftsarchitekten und –architektinnen zu finden und die Qualität in der Gestaltung von privaten Gärten zu steigern. Mitglieder der Jury 2012 waren Franziska Bark Hagen, Tom Stuart-Smith, Teresa Möller, Stig L. Andersson und Vladimir (Tom) Sitta. Parallel zum anlässlich der Preisverleihung jeweils stattfindenden Symposium erscheint ein Katalog mit den nominierten Projekten.

In der aktuellen Publikation werden in den folgenden sieben nach Themen geordneten Kategorien die besten Gärten 2012 präsentiert:

- never-ending
- land art
- urban
- good living
- get-together
- rural
- moveable

Insgesamt wurden für den Wettbewerb 2012 104 Vorschläge aus 26 Ländern eingereicht. Nominiert und ins Buch aufgenommen wurden Projekte aus den Kontinenten Australien, Amerika, Asien, Afrika und Europa. Letzterer ist unter anderem mit Projekten aus den Ländern Griechenland, Belgien, England, Frankreich und Deutschland vertreten.

Auf den ersten Seiten finden sich ein Inhaltsverzeichnis, Vorwort, eine Einführung durch das Team private plots, Kurportraits der Jurymitglieder sowie Essays der Jurymitglieder. In seinem gedanklichen Streifzug durch den Garten pocht Vladimir Sitta auf das Recht des Landschaftsarchitekten auf seine Geheimnisse („für die eigenen Zweifel gibt es keine Abnehmer“, Zitat aus dem Buch) und ermuntert seine Berufskollegen, aus der Rolle zu fallen und ein gesundes Mass an Respektlosigkeit in die Arbeit einzubringen, derweilen seine Jurykollegin Teresa Möller ihren eigenen Garten in Santiago vorstellt. Die gesamte Publikation ist durchgehend zweisprachig in Deutsch und Englisch verfasst.

Die vorgestellten Gartenprojekte sind völlig unterschiedlich in ihrer Gestaltung. In Erfurt etwa wurden in einem unebenen 1'500 Quadratmeter grossen Garten die bestehenden Obstbäume mit neu angepflanzten Felsenbirnen ergänzt und dazwischen ungefähr 7‘000 Liguster zu einem wellenförmigen Labyrinth angeordnet. Unterbrochen werden die verschieden hohen Hecken durch Rasenwege und -plätze. Wenn auch nur ein Bruchteil der Liguster im Sommer blüht, muss es dannzumal unwahrscheinlich duften. Dieses verfremdete Heckenlabyrinth hat übrigens den 1. Preis der Ausschreibung gewonnen.

Das Thema „Verbindung von alt und neu“ wird in einem Amsterdamer Garten ganz unterschiedlich umgesetzt. Mit der Umgestaltung werden die Jahreszeiten erlebbarer durch eine ausgeklügelte Anpflanzung aus Sträuchern, Stauden und Zwiebeln, die alle ausschliesslich in der Farbe weiss blühen. Wenn im Garten selber mal nichts blüht, zieht der weisse Maschendrahtzaun mit eingewobenen stilisierten Blumen die Blicke auf sich. Im Bundesstaat New York wiederum hat der Landschaftsarchitekt gleich selber Hand angelegt und einen imponierenenden Steinfluss aus Glimmerschiefer verlegt. Der sich unaufdringlich durch den Wald schlängelnde Weg ist gleichzeitig auch ein Kunstwerk. Die grossen Betonplatten in einer sogenannten Gartenoase wirken auf den ersten Blick überaus wuchtig, auf ihnen zeichnet sich aber ein reizvolles mit dem Sonnenstand wechselndes Muster der Randbepflanzung ab.

Besonders gut gefallen haben mir die mit Bubikopf beplanzten Baumscheinben in einem Garten in Kyoto. Gemäss Internet-Recherchen soll das auch in Mitteleuropa machbar und dauerhaft sein. Die konsultierten Einträge sind allerdings vor den letzten beiden strengen Wintermonaten 2011/12 und 2012/13 verfasst worden und wohl inzwischen überholt. Weitere Projekte sind die schnell wegräumbare "Möblierung" einer 40 Quadratmeter grossen Terrasse im 39. Stock in Downtown Manhattan und ein geheimer Gemüse-Dachgarten auf zwei Ebenen in Turin.

Spannend sind auch die Portraits über das zum Wohn- und Essraum umfunktionierte Glashaus, in dem ausgediente Zinngiesskannen unter der Glasdecke hängen, ein eher kleiner Hofgarten rund um eine Quelle mit einer Höhendifferenz von fast vier Metern, der mit Hilfe von Treppen, Stegen, Plattformen und Metallkanälen gestaltet wurde und der Gemüse-Sand-Garten aus zweckentfremdeten weissen (gebrauchten und nicht kontaminierten) Sandsäcken, aus denen teilweise das Gemüse gleich herauswächst.

Eine Idee für ein Mitbringsel ist vielleicht der tragbare Garten. Fast-Food-Boxen werden (temporär) statt mit Mahlzeiten mit Kräutern oder anderen geeigneten kleinen Pflanzen gefüllt und prompt wird die Kresse zum hohen Gras und der Rosmarin mutiert zum Baum.

Eine interessante Publikation für Gartenfreunde, die ein Faible für moderne Gartengestaltung haben, das uneingeschränkte Spiel mit den Formen der Natur mögen und dabei auch vor philosophischen Aspekten nicht zurückschrecken.  



Karin Standler (Hrsg.): 
best private plots – Die besten Gärten 2012 
Team private plots, 2012

1. September 2013

Katrin Tempel: Holunderliebe

In ihrer Freizeit pflanzt, gräbt, hackt und jätet die Geschichtsstudentin Lena Opitz gerne im Garten, der zum Hexenhäuschen ihrer WG ausserhalb von Münster gehört. Sie findet den Duft von Kräutern schöner als jedes Parfum. Doch nicht einmal ihr kleines Paradies vermag heute ihre trüben Gedanken zu vertreiben, denn ihr Professor hat ihren wichtigen Vortrag als ungenügend klassiert und damit die Fortsetzung ihres Studiums an der Uni in Frage gestellt. Auch ihre on-off-Beziehung mit Erik steckt gerade in einer schwierigen Phase. Aber schliesslich rafft sie sich doch noch auf und vertieft sich in der Bibliothek wieder einmal in dicke Wälzer - in der Hoffnung, ihre Semesterarbeit vielleicht doch noch retten zu können.

Als Lena am Feierabend zur Rückgabe der ausgeliehen Bücher aufgefordert wird, entscheidet sie sich ganz spontan und eigenmächtig für die natürlich strikt verbotene Wochenendausleihe einen alten Schinkens, der ihr nützlich erscheint. Unglücklicherweise stürzt sie auf dem Heimweg bei Nieselregen mit dem Fahrrad und das wertvolle Exemplar landet genau wie die Fahrerin auf dem feuchten und dreckigen Boden. Wie soll sie ihr unüberlegtes Handeln nun begründen? Ohne Kommentar zurückgeben kann sie das Buch jedenfalls nicht mehr, denn über die Rückseite geht ein Riss, in dem sogar noch Erde und Gras kleben. Bedrückt zieht Lena ihre Mutter ins Vertrauen. Diese schlägt vor, das Buch einer befreundeten Buchbinderin zur Einschätzung vorzulegen.

Diese Fachfrau entdeckt bei der Entfernung des alten defekten Einbandes ein verborgenes noch älteres Buch. Lena fährt darauf mit dem nächsten Zug in ihren Heimatort, um mit der Restauratorin das weitere Vorgehen zu besprechen. Die alte Schrift entpuppt sich als Gedicht rund um den Anbau von Früchten und Pflanzen von Walahfrid Strabo aus dem 9. Jahrhundert. Steckt in dem Buch tatsächlich eine Sensation? Ziemlich aufgeregt beschliesst Lena, sich vor Ort auf der Insel Reichenau ein Bild zu machen. Vielleicht gibt es dort ja mehr über das Manuskript zu erfahren.

Die Insel befindet sich noch im Winterschlaf. Im restaurierten Kräutergarten des Mönchs und Dichters Strabo entdeckt Lena zwar Eberraute, Poleiminze, Rettich und Marrubium, aber nicht mehr. Doch worum handelt es sich bei dem fehlenden 24. Kraut im Hortulus? Die junge Frau beginnt sich bereits über ihre Spontanität zu ärgern und befürchtet, ihre Zeit besser in die Semesterarbeit investiert zu haben. Da lernt sie den früh verwaisten Simon Linde kennen, der einen Kräuterladen auf der Insel führt, einen grossen Kräutergarten pflegt und über ein immenses Wissen über Heilpflanzen verfügt. Und die Studentin ahnt nicht, wie stark ihr Schicksal bereits in der Vergangenheit mit dem des jungen Mannes verbunden war.

In der Parallelerzählung des zweiten Lesestrangs wird der Leser ins Mittelalter geführt, als der im Krieg schwer verletzte Krieger Thegan sich im Kloster auf der Bodenseeinsel, die damals noch Sintlasau geheissen hat, erholt. Er freundet sich mit dem noch jungen Mönch Walahfrid Strabo an und beginnt diesem im Garten zur Hand zu gehen, um von seinen traumatischen Erlebnissen Ablenkung zu finden. Gemeinsam pflanzen sie die geheimnisvollen Samen, die Thegan von einem maurischen Medicus erhalten hat, und rätseln darüber, welcher Teil des „Ambrosia“ genannten Gewächses als Heilmittel verwendet werden kann und führen auch Selbstversuche durch.

Gegen Ende der Lektüre kommt noch ein kurzer dritter Erzählstrang dazu, der Lena zu ihren bis anhin gänzlich unbekannten Wurzeln führt und in der Folge schliesslich die Weichen für ihre Zukunft in eine andere Richtung stellt. So ganz nebenbei erfährt der Leser in diesem Roman – einer Vermischung von Dichtung und Wahrheit - einiges über Kräuter und ihre Wirkung. Etwas Mühe hatte ich mit der Verknüpfung der beiden Parallelerzählungen aus der Gegenwart und dem 9. Jahrhundert. Lena fällt nämlich immer wieder in einen seltsamen Tiefschlaf und in ihren Träumen und Visionen kann sie eben jene Dinge sehen, die vor rund 1'200 Jahren geschehen sind. Im Nachwort hat die Autorin Erklärungsversuche zusammengetragen, um welche Pflanze es sich bei der Ambrosia handeln könnte, aber vorher erfährt man noch, was es mit dem Buchtitel "Holunderliebe" für eine Bewandtnis hat.

Die Insel Reichenau ist von hier aus in weniger als einer Stunde erreichbar und ich war schon wiederholt dort. Der Roman erinnerte mich an vielen Stellen an unseren noch gar nicht lange zurückliegenden Ausflug dorthin, als wir an einem heissen Samstag mit Mietvelos kreuz und quer an Gewächshäusern vorbeigeradelt sind und in einem zweckentfremdeten zu Mittag gegessen haben. Wir waren auch auf der Hochwacht und haben bestimmt auch die Bucht passiert, an der sich Thegan immer wieder mit seiner Hemma getroffen hat.  Und selbstverständlich haben wir auch einen Blick in den sagenumworbenen Kräutergarten von Strabo geworfen.



Katrin Tempel: 
Holunderliebe 
Piper Verlag, 2013

29. August 2013

Dorothy Cannell: Auf dem Holzweg

Die adoptierte Pastorentochter Tessa wurde als Baby in einem Weidenkörbchen vor dem Pfarrhaus aufgefunden. Schon seit längerer Zeit möchte die junge Frau unbedingt das Rätsel ihrer biologischen Herkunft lösen. Durch ihre Opferrolle in einem gemeinsam mit Harry geplanten fingierten Überfall findet sie Aufnahme auf dem alten Familiensitz aus Cotswoldstein der Familie Tramwell. Zwei alte Damen kümmern sich hinter efeubewachsenen Mauern hingebungsvoll um Tessa, während diese hofft, inkognito näheres über ihre Mutter herauszufinden. Da ihr Adoptivvater noch lebt, interessiert sie sich mehr für die Mutter als für den Vater.

Während Tessa also ihren erfundenen Gedächtnisverlust auskuriert, spitzt sie ihre Ohren und schnüffelt herum. Sie findet schnell heraus, dass mehr als nur ein Dorfbewohner ein kleines Geheimnis zu verbergen versucht. Doch sie muss während ihrem Aufenthalt bei den Tramwells auch immer wieder an ihren detektivischen Fähigkeiten zweifeln. Und als in unmittelbarer Nähe ein Mord passiert, sucht sie zusätzlich auch gleich noch einen Mörder. Doch wer führt hier eigentlich wen hinters Licht und wer betrügt wen? Kompliziert ist auch das Verhältnis zu Harry, Tessas geheimen Liebe.

Auf den Holzweg geführt wurde ich, als ich mir dieses Buch aufgrund verschiedener Empfehlungen in englischen „Garden-Mysteries-Listen“ vor längerer Zeit zugelegt habe. Wie und warum es „Down the Garden Path“ in solche Empfehlungen geschafft hat, ist für mich nicht nachvollziehbar, ausser diese beruhen ausschliesslich auf dem englischen Originaltitel. Zwar tragen die beiden Tramwell-Damen die blumigen Namen Hyacinth und Primerose und kümmern sich aus Geldnot selber um den Garten. Dann wird einmal ein ausgedehnter Garten erwähnt, der über bemooste Stufen erreichbar ist, es gibt Rosen in allen möglichen Farben, Schattierungen und Formen, zartbunte Blumenbeete und der Rasen ist zu weichem Plüsch geschoren. Viel mehr aus dem hortikulturellen Bereich gibt es aber nicht festzustellen. Ob beim Übersetzen wohl einige botanische Stellen weggelassen worden sind?

Das Buch lebt vom komisch-englischem Humor und dem skurilen Verhalten der beiden alten Damen, die ihren ganz eigenen Regeln folgen. So besitzen etwa beide keinen Führerschein und verwenden aus Pietätsgründen denjenigen der längst verstorbenen Mutter. Zuweilen etwas verworren sind auch die Gedankengänge der Ich-Erzählerin Tessa.




Dorothy Cannell: 
Auf dem Holzweg 
Argument Verlag, 1994

25. August 2013

Karin Standler: Der Garten als Wissensraum – Eine Reise zu Gärten der botanischen Sammlungen in Europa

In dieser Publikation lädt Karin Standler den Leser ein auf eine Entdeckungsreise kreuz und quer durch eine Auswahl botanischer Gärten in Europa. Kriterien für die Aufnahme der vorgestellten Institutionen in die Publikation waren spezielle Konzepte, die historische Bedeutung oder besonders beachtliche Sammlungen.

Im ersten von zwei Beiträgen zur Bedeutung von Botanischen Gärten gehen Karin Standler und Iris Meder auf die Rolle derselben aus städtebaulicher Sicht ein und beleuchten Erholungs- und Tourismusaspekte während Marianne Klemun den Wissenswandel im Zusammenhang mit diesen Institutionen reflektiert. Hernach werden 22 Botanische Gärten von Wien, Meise über Berlin, Bordeaux, London, Rom, Uppsala bis Belgrad (*) in dreiseitigen Kurzportraits in Wort und Bild und mit Kontaktangaben vorgestellt. Am Anfang und am Ende der Vorstellungen sind meistens Zwischenblätter mit Pflanzenillustrationen eingefügt.

Die verschiedenen Gärten haben unterschiedliche Forschungs- wie auch Sammlungsziele. Sammeln die einen Sukkulenten, Farne oder Palmen fokussieren sich andere auf Rosen, Iris oder Sumpfplanzen. Einen hohen Stellenwert hat in allen Institutionen der Austausch mit anderen Forschungsanstalten und sie funktionieren gleichzeitig als Experimentierfelder wie auch als (oft kostenloses) Naherholungsgebiet für Menschen und als Orte der Begegnung. Einzelne trumpfen auch immer wieder in architektonischen Belangen auf. Erwähnt sei als Beispiel Kew Garden in London mit den modernen Glashauskomplexen des Princess of Wales Conservatory aus dem Jahr 1987 und einem Steg aus schwarzem Granit und Bronze über einen künstlichen See, „Sackler Crossing“ genannt.

In einem Buch über Botanische Gärten in Europa darf natürlich auch der allererste dieser Gattung in Padua nicht fehlen. Der Leser erfährt, dass die Einführung von exotischen Pflanzen nach dessen Gründung im Jahr 1545 als „Hortus Simplicium“ dermassen erfolgreich war, dass er wegen andauernder Diebstähle bereits 1552 ummauert und in einen „Hortus concusus“ umgewandelt werden musste. Weiter liest man, dass die verschiedenen Pflanzenhäuser im Botanischen Garten von St. Petersburg zusammen eine Länge von 1,1 Kilometer aufweisen und sich dort eine umfangreiche Sammlung der Werke von und über Carl von Linée samt Briefwechseln und internationaler Literatur befindet.

Im belgischen Meise beherbergt der Botanische Garten eine Sammlung von Kaffeegewächsen und die hauseigene Mischung kann im Shop erworben werden. Und derweilen Barcelona einen grossen Herbarienbestand aufweist und wichtige Forschungen zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die Vegetation des Mittelmeerraumes betreibt, experimentiert man in Leiden in Sachen UV-Schutz auf der Grundlage der Schutzschicht von Latschenkiefer-Nadeln.

Im Anschluss an die Portraits ist eine Europakarte abgedruckt, auf welcher die im Buch erwähnten Botanischen Gärten eingezeichnet sind und ein Verzeichnis aller Institutionen mit Adressen und Internet-Adressen. Ein informatives und schön gestaltetes Buch, das Lust macht, den Hin- oder Rückweg zur nächsten Feriendestination mit einem in der Nähe liegenden Botanischen Garten zu verbinden.  



Karin Standler: 
Der Garten als Wissensraum – Eine Reise zu Gärten der botanischen Sammlungen in Europa Team private plots, 2013


(*) Auflistung der im Buch vorgestellten Botanischen Gärten: Wien, Meise, Brünn, Berlin, Giessen, Karlsruhe, München, Stuttgart, Barcelona, Bordeaux, London, Zagreb, Padua, Rom, Ventimiglia, Leiden, Krakau, Bukarest, St. Petersburg, Uppsala, Laibach, Belgrad