17. März 2013

Margaret Dilloway: The Care and Handling of Roses with Thorns (Die Liebe zu Rosen mit Dornen)

Wegen ihrer kranken Nieren ist die 36jährige Biologielehrerin Galilee Garner, genannt Gal, in ihrem Alltag stark eingeschränkt. Jede zweite Nacht verbringt sie zur Blutwäsche im Spital. Seit acht Jahren arbeitet sie in einer kleinen privaten katholischen Schule in Santa Jimenez, Zentralkalifornien, und wartet ungeduldig auf ihre dritte Nierentransplantation. In ihrem grossen Rosengarten und ihrem Gewächshaus aber blüht sie richtig auf. Sie träumt von einer von ihr gezüchteten spektakulären Rose mit betörendem Duft. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, hat sie sich als Grundlage kein einfaches Zucht-Objekt, sondern ausgerechnet die schwierige und eigensinnige Hulthemia-Rose ausgesucht und verzichtet bewusst darauf, in Rosenclubs mitzumischen. Disziplin prägt ihr Leben durch und durch.

In den geregelten Tages- und Wochenablauf der eher eigenbrötlerischen Lehrerin platzt plötzlich ihre 15jährige Nichte Riley. Gals eher unzuverlässige und meist tablettenabhängige Schwester Becky hat in Fernost eine Stelle angetreten und ihre Tochter ohne vorherige Ankündigung in einem Bus zur Tante geschickt. Gal ist über ihre neue Wohnpartnerin zunächst gar nicht begeistert und vermisst das gewohnte Alleinsein. Ausserdem fühlt sie sich durch die zusätzliche Verantwortung für einen pubertierenden Teenager überfordert.

Gal ist zwar sehr pflichtbewusst, doch verfügt sie wie ihre Rosen über Dornen und sie ist oft launisch. Auf ihre Eltern und ganz besonders auf ihre Mutter kann sich bedingungslos verlassen und ihre Arbeitskollegin Dara ist gleichzeitig ihre beste Freundin. Oft kann Gal ihren Mund nicht halten, und gibt ihre Meinung kund, wenn sie besser schweigen würde. Damit brüskiert sie ihr Umfeld und besonders Dara leidet darunter, dass Gal ihre Krankheit oft als Druckmittel benutzt, um ihren Willen durchzusetzen. Der ungeplante Aufenthalt ihrer Nichte in Santa Jimenez zwingt Gal jedoch, sich mit der problembehafteten (Nicht-)Beziehung zu ihrer Schwester auseinandersetzten. Denn jede der beiden Frauen meint, die andere habe es besser und sei von den Eltern bevorzugt worden.

Der einfühlsame und authentische Roman gibt Einblick in die mit Gals Krankheit verbundenen Einschränkungen und in die Rosenzucht. Daneben schaut man in Gals Gartennotizbuch mit ihren Hinweisen zu Kreuzungspartnern und auch Riley wird vom grünen Virus angesteckt. Sie beginnt in einer Gärtnerei zu arbeiten und legt einen Wassergarten an. Und natürlich liest man immer wieder über die Rosenzucht samt Besuchen von Rosenclub-Veranstaltungen. Die Leserin begleitet Gal während mehreren Monate durch Höhen und Tiefen in Beruf und Privatleben, die jeweils ein Spiegelbild sind zu den eingefügten Rosenpflege-Tipps aus dem Rosenbuch von Winslow Blythe.

Das Buch erscheint im September 2013 im Goldmann Verlag unter dem Titel „Die Liebe zu Rosen mit Dornen“.



Margaret Dilloway: 
The Care and Handling of Roses with Thorns 
G. P. Putnam’s Son, 2012 

Die Liebe zu Rosen mit Dornen 
Goldmann Verlag, 2013

13. März 2013

Anne Rogge: Geschenke aus der Natur

Selber gestaltete Mitbringsel aus Natur-Materialien kommen beim Empfänger immer gut an. Im grosszügig illustrierten Buch „Geschenke aus der Natur“ von Anne Rogge lassen sich nach Jahreszeiten geordnet eine Fülle von Ideen entdecken.

Der diesjährige Frühling steht in den Startlöchern und es dauert nicht mehr lange, bis das Duftveilchen seinen süssen Duft verbreitet. Die Autorin schlägt vor, die essbaren Veilchenblüten zu kandieren. An Zutaten brauchen Sie neben den Veilchen Arabicum-Pulver, Wasser, Zucker und etwas Zeit (ungefähr 20 Minuten). Die violetten Frühlingsblüher können übrigens je nach Vorliebe und/oder Jahreszeit durch Rosen, Gänseblümchen oder Löwenzahn ersetzt werden.

Apropos Löwenzahn. Sie mögen dieses Gelb nicht in Ihrem Garten? Aber vielleicht schätzen Sie die sonnige Farbe und den Geschmack in Form von Gelée auf dem Frühstückstisch? Auch für diese Art der „Unkrautbekämpfung“ findet sich ein Rezept im Buch. Und auch Giersch wird von den meisten Gärtnern nicht gerade geliebt und sein Aufkommen und seine Beliebtheit sind häufig oder wahrscheinlich immer diametral verschieden. Mit Giersch-Pesto können vielleicht auch Sie positive Seiten an dem (Un)Kraut mit Möhrenaroma entdecken und ihn gleichzeitig aus dem Garten vertreiben. Oder wenigstens diese Versuche zwecks doppeltem Nutzen intensivieren.

Die ebenfalls direkt vor der Türe stehende relativ kurze Bärlauchsaison lässt sich verlängern, wenn die sorgfältig verlesenen Blätter getrocknet werden. Anne Rogge empfiehlt, das Vermengen derselben mit ebenfalls getrockneten und zerkleinerten Pastinaken, Risotto-Reis, Bouillon und Gewürzen. Und fertig ist eine leckere Risotto-Mischung. Daneben gibt es Rezepte für Wilden Pfeffer aus Wasserpfeffersamen, Ahornkapern, süsse und würzige Knuspernüsse und Eichelmehl oder Ostereierfarben aus Heidelbeeren, Schachtelhalmen, Kamillenblüten und Holundersaft (an die allerdings schon im Sommer vor Ostern gedacht werden muss).

Neben vielen kulinarischen Ideen für Geschenke aus der Natur finden sich in dieser Publikation auch Vorschläge für Wohlfühlprodukte und Dekoratives, etwa eine Anleitung für Asthaken aus Fundholz oder den Bau eines Insektenhotels. Weiter gibt es Rezepte für ein Körperpeeling aus Birkenblättern und Zucker, ein Spitzwegerich-Öl, das bei Mückenstichen hilft, und für Rainfarnkissen, welche Kleidermotten fernhalten sollen.

Für die Verwendung von Kiefernzapfen liefert das Buch gleich zwei Vorschläge. Zum einen können aus diesen praktische Anzünder für Kamin und Grill gebastelt werden, in dem sie zusammen mit einem Stück Docht in einem kleinen Gefäss in einen noch flüssigen Sockel aus Wachs gesetzt werden oder die Zapfen bilden das Gerüst für Vogelfutterzapfen.

Die Herstellung sämtlicher Geschenke wird Schritt für Schritt und mit Fotos erklärt. Neben Zutatenliste, Variationsmöglichkeiten sorgt der Abschnitt „so gelingt’s sicher“ für ein erfolgreiches Ergebnis. Zwei Register – alphabetisch und thematisch – erleichtern das Suchen und Wiederfinden der Rezepte. Und falls Sie die Basis für solche Naturgeschenke direkt aus der Natur und nicht aus dem eigenen Garten ernten: nehmen Sie Rücksicht auf die Natur und Sammeln Sie die Bestände nie vollständig ab!  



Anne Rogge: 
Geschenke aus der Natur 
Kosmos Verlag, 2013

9. März 2013

Silke Porath: Mops und Möhren

Tanja lebt zusammen mit dem Männerpärchen Chris und Rolf in einer WG. Zum Haushalt gehören auch die beiden liebenswerten Möpse Earl of Cockwood und Mudel. Gleich in der Wohnung nebenan wohnt der Tierarzt Arne, Tanjas Freund. Mit ihm zusammen kümmert sich die junge Frau um kranke Tiere in Stuttgart. Die beiden sind nämlich mit der Tierambulanz der freiwilligen Tierrettung unterwegs, die mit grossen finanziellen Problemen zu kämpfen hat.

Seit kurzer Zeit sind Tanjas Mitbewohner Chris und Rolf Pächter eines Kleingartens. Die Auswahl einer neuen Gartenlaube und von Aussaaten ist deshalb derzeit immer wieder Thema in der WG. Und auch wenn Tanjas Begeisterung nicht ganz mit derjenigen ihrer Mitbewohner mithalten kann, so gilt: mitgewohnt – mitgebuddelt. Aber auch Rolf ist nicht gerade der geborene Gärtner und findet, Chris, ein Florist und Hobby-Coiffeur, der in einem Callcenter arbeitet – lege sich zu fest ins Grün-Zeug. Jedenfalls braucht es recht viel Fantasie, sich die Umsetzung des Lageplans für den künftigen englischen Garten vorzustellen, wenn man den recht verwahrlosten Ist-Zustand der Parzelle betrachtet.

Doch noch bevor es an die konkrete Umsetzung der Gartenumgestaltungspläne in der Kleingartenanlage „Die Wonne“ geht, erreichen die motivierten Schrebergärtner gleich zwei Hiobsbotschaften. Die Laubenkolonie soll einer neu zu bauenden Kläranlage weichen und ausserdem haben es die früheren Vorstandsmitglieder seit 1973 versäumt, die Liegenschaftssteuern zu bezahlen. So hat sich im Laufe der Jahre eine Schuld von über Euro 42‘000 angehäuft. Und so nebenbei versucht auch noch ein Spekulant, sich eine goldene Nase zu verdienen. Er beabsichtigt, die Notlage der Gärtner zu seinem Vorteil auszunutzen und will die bevorzugte Lage der Kleingartenanlage mit teuren, modernen Lofts überbauen.

Tanja hingegen plagen noch ganz andere Sorgen. Ihr Freund Arne bringt von einer Weiterbildung an der Nordsee seine Ex-Freundin mit nach Stuttgart, wo diese zwar einen Job, aber keine Wohnung hat, so der dass er sie vorübergehend bei sich einquartiert. Dieser Zustand gefällt Tanja ganz und gar nicht und löst eine kleine Beziehungskrise aus.

Daneben droht die Auflösung des Kleingartenvereins und allenfalls muss sogar der Vorsitzende mit seinem Privatvermögen haften. Eine Vereinsversammlung löst die nächste ab. Etliche der Pächter sind Rentner und Arbeitslose, die Lücken im Portemonnaie mit selber gezogenem Gemüse füllen, und keineswegs in der Lage sind, finanzielle Unterstützung zu leisten. Gibt es irgendwelche kreative Ideen, die genügend Geld einbringen, um die Steuerschuld zu begleichen oder ist es vorbei mit Tomaten und Bohnen in Reih und Glied in der Laubenkolonie „Die Wonne“?

Zwischen Tierrettungseinsätzen, der Beerdigung eines Kleintieres im Schrebergarten, Eifersuchtsanfällen und teilweise ungeliebten Jobs startet die Mission Gartenzwerg zur Rettung der Kleingärten und es bilden sich auch neue Pärchen. Der Schluss des Buches ist etwas abrupt, denn die diversen Rettungsaktionen passieren erst am Ende der Lektüre und werden recht zügig abgehandelt. Tierfreunde, speziell Mops-Liebhaber, werden sich an den vielen Szenen erfreuen, in denen Vater und Sohn Mops die Hauptrolle spielen.  



Silke Porath: 
Mops und Möhren 
Gmeiner-Verlag, 2013

5. März 2013

Tom Powell: Aphid in my Eye – Adventures in the Orchid Trade

Im ersten Kapitel verrät der Autor, dass er zu den Menschen gehört, in deren Venen Chlorophyll zirkuliert. Das äussert sich etwa darin, dass die Knie jeweils weich werden, wenn eine neu erworbene Orchidee zum ersten Mal blüht. Er erzählt aber auch von Begegnungen und Erlebnissen mit teilweise ganz speziellen Orchideen-Besessenen, zu denen Millionäre und Hobbyzüchter ebenso zählen wie "richtige" Orchideenjäger, Jurymitglieder von Orchideenwettbewerben und professionelle Orchideenzüchter.

Leider ist der Vermieter der Wohnung der jungen Powells kein angefressener Orchideenliebhaber und hat kein Musikgehör für den Wunsch der beiden, auf dem Dach ein Gewächshaus aufzustellen. Damit wenigstens die Lichtverhältnisse für die wachsende Sammlung stimmte, mussten deshalb zusätzliche künstliche Lichtquellen installiert werden. Immer mehr Pflanzen mussten sich den beschränkten Platz in der Wohnung teilen, und dabei gab es noch so viele verlockende Orchideenschätze, die in der schon recht beeindruckenden Kollektion noch fehlten. Völlig unerwartet ergab sich da die Gelegenheit, das Problem Platzknappheit zusammen mit einem scheinbar spannenden Jobangebot zu kombinieren.

Wenige Überlegungen waren von Nöten und die Führung der angebotenen Orchideengärtnerei lag in den Händen der Powells und innert Wochenfrist hatten Möbel und sämtliche Pflanzen ein neues Daheim gefunden. Dass Träume sich in Wirklichkeit oft als Alpträume entpuppen, ist eine Binsenwahrheit und die Richtigkeit des sehr schnell gefällten Bauchentscheids wurde bald einmal in Frage gestellt.

Jedenfalls bietet der Job im Orchideenhandel viel Stoff für unterhaltsame Geschichten. Man liest über die Tücken der Gewächshausheizung, genannt (tickling) Trixie und erfährt, wozu ein Schirm wetterunabhängig beim Gärtnereibesuch nützlich sein kann. Im geschlossenen Teil lassen sich nämlich im Vorübergehen abgeknipste Stecklinge (fast) unbemerkt darin verschwinden. Dann geht es um einen Serienkiller von Pflanzen, dessen Schuld in der Ignoranz von sämtlichen deren Bedürfnissen liegt und die Tatsache, dass ein Gärtner seine Ausschussware besser zerkleinert und zerstört, bevor er diese auf den Kompost wirft. Ausser er möchte die Erfahrung der Powells teilen, an Wettbewerben zu erleben, dass Leute mit aus solchem Kompostmaterial gepickten und gezogenen Schätzen Preise einheimsen.

Des Weiteren versucht Tom Powell, dem Leser die Faszination von Orchideen auf Menschen zu erklären und erzählt witzige, teilweise fast unglaubwürdige Anekdoten von Gartenclubanlässen, Blumenshows und Vereinsausflügen. Illustriert ist das Büchlein, das nicht nur Orchideenliebhabern gefallen wird, mit Zeichnungen von Betsy West.



Tom Powell: 
Aphid in my Eye – Adventures in the Orchid Trade
B.B. Mackey Books, 2012

1. März 2013

Zeit für Spiele - Spielzeit

Wie hier allgemein bekannt ist, lese ich sehr gerne und schätze Abwechslung in der Lektüre. Was ich nicht besonders mag, ist das Studieren von Gebrauchsanweisungen und Spielanleitungen. Deswegen spielen wir im Familienkreis meist nur Spiele, von welchen die Regeln hinlänglich bekannt sind oder den familieninternen schweizerisch-italienischen Jass-Mix, dank dem ich die richtigen Jassregeln längst vergessen habe. Nichtsdestotrotz haben im Lauf der letzten Jahre auch einige Spiele mit hortikulturellem Hintergrund den Weg in den Spielschrank gefunden - wo sie zugegebenermassen auch die meiste Zeit ihres Daseins fristen. Nachstehend stelle ich diese ganz kurz und knapp vor. Allerdings ohne abzuklären, ob die einzelnen Produkte noch im Handel erhältlich sind.

Nicht immer sind willige Spielpartner zur Stelle, dann ist ein Wasgij-Puzzle (rückwärts gelesen/englisch jigsaw = Puzzle) vielleicht das richtige. Unter diesem Namen gibt es eine Puzzle-Reihe, bei der man die einzelnen Kleinteile nicht wie üblich nach einer Bildvorlage zusammensetzt. Als Puzzler muss man sich die Perspektive einer oder mehrerer Personen vorstellen und das zu entstehende Bild erahnen. Meine Mini-Ausgabe mit 54 Teilchen zeigt eine Szene aus einem Gartencenter – Was sieht die Frau vom Gartencenter denn da?

„Greenrock Village – Tatort Schrebergarten“ ist ein Ein-Personen-Spiel, bei welchem verschiedene Indizien richtig kombiniert werden müssen. Richtige Schlussfolgerungen führen in diesem Logik-Rätsel schliesslich zum Täter, der im Schrebergarten sein Unwesen treibt. Mit dem für die Hobby-Ermittler zur Verfügung stehenden Hilfsmaterial (25 Spielsteine, Aufgabenkarten und eine patente Spielbox) und einer Portion Logik können 50 verschiedene Mordfälle in drei Schwierigkeitsstufen aufgeklärt werden.

36 Fotografien aus dem Schrebergarten sind die Grundlage für das Memory-Spiel „Die grüne Hölle – Gemüse & Co.“. Zum Set gehört auch ein Stereobetrachter, dank dem mit etwas Übung die mit einer Stereokamera aufgenommenen Bilder – sofern zwei gleiche Motive richtig nebeneinander gelegt werden - dreidimensional betrachtet werden können.

Mit den von John Denaro illustrierten Spielkarten „Bäume“ lassen sich im wahrsten Sinn des Wortes 54 unterschiedliche Gehölze spielend kennenlernen. Die Bäume sind als Ganzes gezeichnet. Ausserdem sind die Blätter, Blüten und Früchte abgebildet und der einheimische und der botanische Name werden angegeben.

Deutlich mehr Platz im Schrank beanspruchen die nun folgenden Spiele in grösseren Kartonschachteln wie etwa „Die hängenden Gärten“. Hier errichten zwei bis vier Spieler hängende Gärten nach ihrem Geschmack. An Material stehen Spielplan, Baukarten, Punktetafeln, Tempel aus Holz und eine Startspielerblume zur Verfügung.

Für „Die Gärten der Alhambra“ werden die fähigsten Gartenbau-Künstler ab zehn Jahren gesucht. Während einer Spieldauer von 45 bis 60 Minuten versuchen zwei bis vier Spieler zum Gross-Gärtner des Kalifer erkoren zu werden.

Das Spiel „Prestel Schlossgarten“ habe ich vor Jahren an der Buchmesse in Frankfurt entdeckt. Kurz nachdem ich es in Zürich recht teuer gekauft hatte, war es längere Zeit für einen Bruchteil des ursprünglichen Preises bei Jokers im Ausverkauf. Aus dem Text der Verpackung: „Hier können Sie ganz ohne Rückenschmerzen und ohne den obligatorischen grünen Daumen einen Garten einrichten“. Zwei bis vier Spieler versuchen mit Hilfe eines Gärtners und Baumeisters einen Traumgarten nach ihren Vorstellungen einzurichten. Doch andere Könige haben das gleiche Ziel, so dass Probleme in der Gestaltung vorprogrammiert sind.

Zum Spielinhalt von „Eden“ gehören neben einem Spielplan, Bewässerungskarten, Kultivierungskarten, Manakarten, Pflanzkärtchen und Übersichtstafeln. Drei bis vier Spieler bebauen ihr zunächst wüstes und ödes Land. Doch kaum wachsen zarte Pflänzchen und sind Ernteerfolge in Sicht, versuchen neidische Nachbarn ihnen das inzwischen fruchtbare Land zu entreissen.

Ziel des Spieles „Das grosse Garten-Quizspiel“ ist, einen eigenen Garten mit sieben gesunden Pflanzen anzulegen. Dabei wird nach Möglichkeit das Wissen der Mitspieler angezapft und einen Pflanzendoktor gibt es auch. Aber während dem Durchwandern des Spielplans „Blühendes Barock“ in Ludwigsburg verhindern verschiedene Ereignisse unbeschwertes Gärtnern. Dafür lassen sich gleichzeitig so ganz nebenbei eine Menge nützlicher Informationen aneignen (Welche Abfälle gehören nicht auf den Kompost? Wie wirken Spritzmittel gegen Schildläuse? Was sind Hexenringe?).

Viel Spass beim Spielen (und beim Lesen der Spielanleitung)!



Original-Mini-Wasgij (Puzzle):
Was sieht die Frau vom Gartencenter denn da?
Jumbo

Greenrock Village – Tatort: Schrebergarten
Jumbo

Die grüne Hölle – Gemüse & Co. (3D-Memo & Stereobetrachter) 
Walkwerk

Bäume (Illustrierte Spielkarten)
Heritage Playing Card Company 

Din Li:
Die hängenden Gärten
Hans im Glück Verlags-GmbH 

Dirk Henn: 
Die Gärten der Alhambra
Queen Games 

Ulf Siebert: 
Der Prestel-Schlossgarten
Prestel Kunstspiel

Gal Zuckermann:
Eden – Macht fruchtbar und wehrt euch! 
Kosmos Verlag 

Christian Beiersdorf: 
Das grosse Garten-Quizspiel 
Kosmos Verlag

26. Februar 2013

Tatjana Weih: Die Blumenfrau

Bei dieser Publikation handelt es sich um ein in der Grösse mittelformatiges Märchen für Erwachsene, das sich ausgezeichnet eignet als Mitbringsel statt oder vielleicht zusammen mit einem Blumenstrauss. Auf Doppelseiten ist jeweils rechts eine ganzseitige Illustration von Tatjana Weih abgebildet. Links findet sich ein kleiner Ausschnitt aus der gleichen Zeichnung und darum herum ist der Text angeordnet.

Erzählt wird vom Alltag einer unscheinbaren, zurückhaltenden Blumenhändlerin, die ein eigenes Geschäft in einem lebhaften Quartier am Stadtrand betreibt. Fräulein Rosa – so nennt sie ihr Blumenlieferant – stellt sämtliche Blumensträusse erst zusammen, wenn sie weiss, für wen diese bestimmt sind und aus welchem Grund sie verschenkt werden.

Oft ist die Floristin stundenlang allein im Laden und betrachtet die vorbeieilenden Passanten. Etliche davon gehören zu ihrem Kundenkreis und sie weiss viel Privates von ihrer vorwiegend männlichen Kundschaft. Nur von einem Mann, der regelmässig an ihrem Schaufenster vorbeiläuft, kann sich die Blumenfrau kein Bild machen. Da sie für ihn aber noch nie einen Blumenstrauss hat zusammenstellen dürfen, nimmt sie an, dass es keine Frau in seinem Leben gibt. Fräulein Rosa selber führt ein sehr zurückgezogenes Leben und gibt nichts von sich preis.

Mehr möchte ich nicht zum Inhalt verraten, sonst ist das Mini-Buch (23 Seiten) ja gleich in dieser Buchvorstellung fertig erzählt …

Die Zeichnungen sind sehr detailgetreu und passen ausgezeichnet zur Geschichte. Statt mich mit Beschreibungen zum Zeichnungsstil der Illustratorin abzumühen, empfehle ich ganz einfach einen Klick hierhin. 




Tatjana Weih: 
Die Blumenfrau 
Eigenverlag, 2006

22. Februar 2013

Inken Weiand: Liebesgrün – Jede Pflanze erzählt eine Geschichte

Neunzehn in sich abgeschlossene Kurzgeschichten mit hortikulturellem Hintergrund, "eingebeetet" in einen Gartenrundgang mit Sonja und ihrem Traummann Kilian, sind das gelungene Rezept für dieses abwechslungsreiche Menu, äh Geschenkbüchlein.

Sonja versucht in ihrem nach Frühsommer duftenden Garten den Mann ihrer Träume aus der Reserve zu locken. Den Garten hat sie von ihren Eltern übernommen und aus dem ehemals arbeitsintensiven Bauerngarten ihre private Oase geschaffen. Als bei Kaffee und Erdbeerkuchen keine ungezwungene Stimmung aufkommt – ist Kilian dermassen schüchtern oder ganz einfach völlig uninteressiert? – lädt Sonja ihren Gast zu einem Spaziergang durch ihr Paradies ein und erzählt bei einer ausgedehnten Führung passende Geschichten zu den unterschiedlichsten Pflanzen.

Da ist etwa Annika, die nach der Trennung von Thorsten ihren Garten aufräumen will. Die Symmetrie vor der Haustür und der englische Rasen sollen samt ihrem Ex-Partner aus ihrem Leben verschwinden. Um die entstandenen Lücken zu füllen, bestellt sie bei einem Pflanzenversand telefonisch Rosensträucher und Schneeglöckchen. Und nicht zuletzt wegen der tiefen und überaus sympathischen Stimme am anderen Ende des Drahtes ordert sie immer mehr Grünzeug.

Oder man liest von Valerie, ihrer schwierigen Schwiegermutter und einem Unkrautmenu, kontaktfördernden Zucchetti-Rezepten, einem die Paar-Harmonie entzweienden Wellness-Garten und der Erkenntnis, dass nicht alle Pflanzen abgestorben sein müssen, die nach einem kalten Winter nicht gleich wieder austreiben. Weitere Themen sind Tannenbäume, eine Rosenfee, ein Drachenbaum, Schnecken und ein Tor in der Hecke.

Neben romantischen Geschichten gibt’s auch Lustiges und nachdenklich Stimmendes zu lesen sowie zwei Kurzkrimis. Und dass die Autorin Erfahrung mit Gärtnern hat, ist nicht zu übersehen bzw. -lesen.  



Inken Weiand: 
Liebesgrün – Jede Pflanze erzählt eine Geschichte
Stories & Friends Verlag, 2013

18. Februar 2013

Alyse Carlson: The Azalea Assault – A Garden Society Mystery

“Garden Delights”, Amerikas führende monatliche Publikation für Gartenliebhaber, plant einen achtseitigen grosszügig illustrierten Artikel über die schönsten Gärten in Roanake, Virgina. Dieser PR-Coup ist Camellia Harris, genannt Cam, gelungen. Die engagierte Verantwortliche für die Öffentlichkeitsarbeit der Roanake Garden Society hat es sogar geschafft, dass der weltbekannte Fotograf Jean-Jacques Georges die spektakulären Gärten von ihrer besten Seite ablichtet. Unterschlupf finden die Gäste aus der Medienwelt während ihrem dreitägigen Aufenthalt in Roanake bei der Präsidentin und beim Gründer der Roanake Garden Society.

Doch nicht nur die hiesigen Gartenanlagen sind beachtlich. Virginias ganze Pflanzenwelt ist gleichzeitig blühend in einer Reihe von Gewächshäusern zu bestaunen. Dank raffinierter Technik und Berücksichtigung der speziellen Bedürfnisse der Pflanzen können gleichzeitig Frühlings-, Sommer- und Herbstblüher bewundert und fotografiert werden (ach, was es in Büchern nicht alles zu lesen gibt…).

Leider entpuppen sich die Manieren des angesehenen Fotografen als nicht annähernd so perfekt wie dessen hervorragenden Bilder. An der Willkommensparty beklagt er sich nicht nur lautstark über seine Aufgabe, langweilige Blumen fotografieren zu müssen, sondern er beleidigt auch verschiedene der anwesenden Gäste. Am nächsten Tag wird der unfreundliche Zeitgenosse ausgerechnet unter blühenden Azaleen tot aufgefunden.

Dieser Mord kommt den Verantwortlichen der Gartenzeitschrift völlig ungelegen, da sie schlechte Publicity befürchten. Cam, ganz professionelle Werbefachfrau, versucht das Projekt mit dem Hinweis zu retten, dass Skandale umsatzsteigernd wirken und erhält tatsächlich die Gelegenheit, sofort einen Ersatzfotografen zu engagieren. Sollte dies nicht rasch möglichst gelingen, droht die „Garden Delight“-Crew abzureisen.

Und als hätte Cam nicht schon genung um die Ohren, gerät auch noch ihr Schwager unter Tatverdacht und ihr eigenen Freund, der Reporter Rob, wittert eine heisse Titelstory. So sieht sie sich gezwungen, selber in Roanake herumzuschnüffeln und entdeckt dabei ein von der Polizei übersehenes mobiles Telefon und alte Verbindungen des Mordopfers zu einer Gastgeberin. Da passiert noch ein zweites Verbrechen...

„The Azalea Assault“ ist der erste Garden-Society-Krimi in einer neuen Reihe mit hortikulturellem Hintergrund. Die Detektivin und ihre Schwester tragen sogar passende florale Namen: Camellia und Petunia. Im Mai 2013 erscheint das zweite Buch mit dem Titel „The Begonia Bribe“.



Alyse Carlson: 
The Azalea Assault – A Garden Society Mystery 
Berkley Prime Crime/Penguin Group, 2012

14. Februar 2013

Serdar Özkan: Die Stimme der Rose

Nach dem frühen Tod ihrer Mutter ist nichts mehr in Dianas Leben wie es vorher war. Die junge Frau fühlt sich völlig antriebslos, nicht einmal die Feier zum Abschluss ihres Studiums mag sie besonders interessieren. Und jetzt erfährt sie auch noch aus einem Brief der Mutter, den sie erst nach deren Ableben lesen durfte, dass sie eine Zwillingsschwester haben soll und einen letzten Wunsch ihrer Mutter erfüllen soll. Doch der Gedanke an diese bis anhin unbekannte Schwester Mary, die sie als „Mutterdiebin“ empfindet, beraubt Diana ihrer letzten Energiereserven.

Diana ist Erbin einer internationalen Hotelgruppe und sonnt sich gerne in der Bewunderung von (sogenannten) Freundinnen und Freunden. Das Jurastudium hat sie gewählt, weil ihr der Mut fehlte, ihren Traum zu verwirklichen und Schriftstellerin zu werden. Nachdem sie sich monatelang zurückgezogen hat, rafft sie sich schliesslich auf, den letzten Wunsch ihrer Mutter zu erfüllen. Vier verschieden farbige Briefumschläge weisen ihr den Weg. Sie erfährt, dass Mary nach ihrer eigenen Rückkehr aus einem ganz besonderen Rosengarten selber Rosen gezüchtet hat, die ihr Zimmer mit Düften erfüllten und eine leichte Brise verbreiteten. Und plötzlich begann eine Rose zu sprechen, so als komme die Stimme aus Marys Kopf.

Die Briefe ihrer Schwester lassen Diana vermuten, dass deren Geist ziemlich verwirrt ist. Wer glaubt denn schon an sprechende Rosen und Atemgeräusche derselben? Doch Diana überwindet ihre Vorbehalte. Ihre abenteuerliche Reise führt sie in den Orient, in einen Rosengarten, wo sie in Marys Spuren wandelt und schliesslich den Weg findet zu ihren ureigenen Herzenswünschen.

Dianas erster Anhaltspunkt ist ein Palast in der Türkei. Neben dessen Mauer ein kleines Hotel stehen soll, dessen Besitzerin Mary einst gelehrt hat, die Stimme der Rose zu hören.Was erwartet Diana im Rosengarten und welche Rolle spielt ein Bettler auf ihrem Lebensweg? Schafft sie es, ihren Geist zu öffnen? Diana hat verschiedene eindrückliche Begegnungen und erhält Lektionen, in denen sie erfährt, dass Unmögliches nicht durch Wunder passiert, sondern durch Beharrlichkeit und dass die grösste Eigenschaft der Rosen ist, in Harmonie zu leben. Egal, welcher Herkunft sie sind und welche Farbe oder Grösse sie haben und dass sie keinen Streit, keine Eitelkeit und keine Eifersucht kennen.

Dieses kluge und berührende Büchlein wird mit Antoine de St. Exupérys „Der kleine Prinz“ verglichen und die Lektüre desselben spielt auch auf Dianas Weg zu ihrem eigenen Ich eine prägende Rolle. Ich muss mir unbedingt gelegentlich ein deutsches Exemplar von „Le Petit Prince“ zulegen. Meine Französisch-Kenntnisse sind wohl inzwischen zu kümmerlich, um die hier liegende Originalausgabe wieder einmal zu lesen (und zu verstehen).



Serdar Özkan: 
Die Stimme der Rose 
Blanvalet Verlag, 2007

10. Februar 2013

Schweiz. Gesellschaft für Gartenkultur (Hrsg.): High & Low – Gärten zwischen Kunst, Luxus und Alltag (Topiaria Helvetica 2013)

Das Jahrbuch 2013 der Schweiz. Gesellschaft für Gartenkultur (SGGK) lotet die Grenzen aus zwischen Hoch- und Populärkultur im Gartenbereich. Als Beispiele dienen dabei unter anderem der Gletschergarten Luzern, Familiengärten oder "Chinampas", eine Art Kleingartentradion aus dem Alten Mexiko.

Warum präsentieren sich Michelle Obama und Angela Merkel gerne im Garten? Weshalb sind Kleingärten bei jüngeren Leuten immer beliebter und aus welchem Grund erfreuen sich Gartenfestivals steigender Beliebtheit? Was ist elitär, was populär und wo liegen Konfliktpotentiale?Annemarie Bucher setzt sich in ihrem Beitrag mit dem Titelthema „Gärten zwischen Kunst, Luxus und Alltag“ auseinander. Sie stellt Künstlergärten oder sogenannte Gegenwelten vor und gibt einen kurzen Einblick in die Geschichte der Gartenzwerge und der Blumenuhr. Dabei stellt sie fest, dass die beiden letzteren nicht eindeutig dem Kitsch oder der Kunst zuzuordnen sind und die von der Gartengestaltung und den Gärten ausgehende Botschaft häufig keine individuelle ist, sondern eine dem zeitgenössischen Geist und der Mode entsprechende.

Der Bidergarten über Langenbruck, dem höchstgelenen Dorf im Kanton Basel-Landschaft, entstand im Rahmen einer Umgebungsgestaltung, als in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein Tourismusgeschäft aufgebaut wurde, das neue Einnahmequellen erschliessen sollte. Inzwischen sind viele Bauwerke verschwunden oder dem Zerfall ausgesetzt. Das ursprüngliche Konzept ist längst überholt bzw. einem überwachsenen, aber nicht weniger attraktiven Waldgarten gewichen. Johanna Strübin hat die Entwicklung und den Niedergang dieses Gartens im Auftrag der zuständigen Denkmalpflege analysiert und aufgrund dieser Recherchen diesen Artikel verfasst.

Über den Einfluss von Überschwemmungen, Friedenszeiten und die Verbindung von Wohlstand auf das Selbstbewusstsein und die Traditionen in der Bauerngartengestaltung liest man in der Würdigung des vor rund hundert Jahren erschienenen Büchleins „Der alte Bauerngarten“ von Hermann Christ. Niklaus von Fischer vergleicht das Emmental und das Seeland miteinander und geht auf die unterschiedlichen Voraussetzungen und äusseren Einflüsse ein. Der Autor Christ hatte sich seinerzeit mit den sogenannten Hausväterbüchern auseinandergesetzt und die Geschichte des Bauerngartens aufgearbeitet. Gleichzeitig prägte er die nachfolgenden Generationen an Bäuerinnen und (falsche) Interpretationen führten und führen auch heute noch zu ganz speziellen "Bauerngartenneuschöpfungen“.

Gabi Lerch schliesslich berichtet über eine traditionelle, aber nicht mehr häufig praktizierte Anbauweise, genannt Chinampas in Mexiko. Sie betont, dass es sich dabei nicht wie vielfach falsch bezeichnet um „schwimmende Gärten“ handelt, sondern um künstliche Inseln im See, die durch eine ganz spezielle Technik der Landgewinnung entstehen und nur über Wasserstrassen erreichbar sind. Auf diesen so gewonnen sehr fruchtbaren Parzellen werden Früchte, Gemüse und Blumen angebaut.

Weitere Beiträge befassen sich mit der Frage, ob Schweizer Kleingärtner etwas mit Schreber, auf den der Ausdruck Schrebergarten zurückgeht, zu tun haben wollen (Gert Gröning), dem Gletschergarten Luzern, Gartenkunst zwischen Tourismus und Populärwissenschaft (Johannes Stoffler) und einem Avant-Garten der Avantgarde (Suzanne Krizenecky). In der SGGK-Vitrine ist der botanische Garten Genf ein Thema und man erfährt vom Familiengartenglück über Zürich und dem Anpassen von Clemens Bornhausers Wünschen an die Diskrepanzen, sprich dem Loslassen vom mediterranen Gartentraum und dem Sich-Anpassen an die windigen Verhältnisse. Der Tagungsbericht „Gartenerbe – Zur Erhaltung historischer Gartenanlagen trotz Eigentümerwechseln“ und diverse Buchbesprechungen runden die interessante Publikation ab.



Schweiz. Gesellschaft für Gartenkultur SGGK (Hrsg.):
Topiaria Helvetica 2013 – High & Low – Gärten zwischen Kunst, Luxus und Alltag 
Vdf Hochschulverlag, 2013

6. Februar 2013

Gerald Hammond: Down the Garden Path

May Forsyth arbeitet seit bald drei Jahren in dem bekannten Garten von Cannaluke Lodge in der Nähe von Inverness. Das hortikulturelle Bestreben der jungen Schottin gilt einer schönen Gestaltung mit farblich abgestimmten saisonalen Blühhöhepunkten. Zu ihrem Job gehören aber auch die saubere Aufzeichnung ihrer Aussaaten, Pflanzungen und sonstigen gärtnerischen Tätigkeiten in Tagebüchern sowie die Dokumentation anhand von Skizzen und Fotos.

Die Endzwanzigerin ist zunächst etwas skeptisch, als sie durch Besitzerwechsel von Cannaluke Lodge neuen Arbeitgebern unterstellt ist. Ihre Vorbehalte erweisen sich jedoch als unbegründet und lösen sich in Luft auf, als der neue Eigentümer ihr zu verstehen gibt, dass in erster Linie der schöne gepflegte Garten den Ausschlag zum Erwerb des Anwesens gegeben hat. Und mit der neuen Besitzerin versteht sich May nach einem zunächst ungünstigen Start besonders gut und sie nimmt deshalb auch gerne deren Einladung zu einer kleinen Party an.

Der Abend in netter Gesellschaft ist sehr angenehm. Und als schliesslich spontan die Idee aufkommt, einen vor Mays Stellenantritt als Gärtnerin viel zu nah am Haus gepflanzten Riesenmammutbaum sogleich zu fällen, weil einer der Gäste mit einem grossen Fahrzeug angereist ist, macht sich die schon etwas angeheiterte Gesellschaft eifrig an die Arbeit. Die fröhliche Stimmung kommt aber zu einem abrupten Ende, als zwischen den Wurzeln des Gehölzes eine Leiche entdeckt wird.

Bis die Gerichtsmediziner festgestellt haben, dass es sich bei dem Toten um Joe Scott, den früheren Gärtner von Cannaluke Lodge handelt, der schon seit längerer Zeit vermisst worden war, brodelt die Gerüchteküche in der Umgebung, Die Gartentagebücher erweisen sich in der Folge bei den Ermittlungen wiederholt als sehr hilfreich. Doch was genau ist vor drei Jahren passiert und wo steckt die zweite vermisste Person, die Tochter der Vorbesitzer des Anwesens?

Mays Spaniel findet schliesslich im weitläufigen Garten ein zweites verstecktes Grab und die engagierte Gärtnerin wird deshalb ein zweites Mal durch die Polizei von ihrer Arbeit abgehalten. Sie versucht, mit Absperrband die Schäden durch die Ermittler im Garten zu limitieren. Wenn diese nämlich den Tatort absperren können, um Eindringlinge fernzuhalten, muss es doch auch gelingen können, die Polizisten mittels Absperrband daran zu hindern, ausserhalb des Tatortes überall in die Beete zu trampeln!

Gartentipps sind immer wieder Teil der Lektüre - etwa wie Ramblerrosen geschnitten werden sollen oder Empfehlungen zur Pflanzung von duftenden Winterblühern. An einem der Leichenfundorte geben ausserdem die Pollen von Rhododendron Rätsel auf, die zu unterschiedlichen Zeiten blühen, aber nicht mit den verschiedenen Zeitpunkten des Verschwindens der beiden Vermissten übereinstimmen.  



Gerald Hammond:
Down the Garden Path
Servern House Publishers, 2004

2. Februar 2013

Monika Zybon-Biermann: Hexenbesen und andere Zwerge – Bonsais aus der Natur, die von allein klein bleiben

Beim Spazieren und Walken muss ich in letzter Zeit immer wieder mal aufpassen, dass ich nicht über Wurzeln oder meine Füsse stolpere, da ich vermehrt den Blick in Richtung Baumwipfel richte, um vielleicht einen Hexenbesen zu entdecken. Hexenbesen? Diese kleinwüchsigen Gehölze haben nichts mit Hokuspokus gemeinsam, sondern es handelt sich um Knospenmutationen, die diese Naturbonsais hervorbringen. Monika Zybon-Biermann hat sich für ihr im Eigenverlag produziertes Buch „Hexenbesen und andere Zwerge“ aufgemacht, die Faszination und die Beweggründe derer auszumachen, die nicht selten und oft ungesichert über dreissig Meter den Baumstamm heraufkraxeln, um an ihre grüne Beute zu kommen. Dieser interessante Buchtitel ist übrigens die erste nicht-wissenschaftliche Publikation zu diesem Thema.

Ein Hexenbesenjäger sucht in Kronenhöhe nicht nach Wucherungen, die durch Pilze oder Viren verursacht worden sind. In sein Beuteschema gehören andere Veränderungen, nämlich solche, die durch Mutationen dauerhaft bestehen bleiben. Und die Natur hat es so eingerichtet, dass sogar auf diesen kleinen Zwergen noch kleinere Knospenmutationen entstehen können. Besonders viele kleinwüchsige Schätze wachsen dort, wo es viele verschiedene Bäume gibt, etwa in Parks oder Baumschulen. Ein Jahreszuwachs von fünf Zentimetern gilt bereits nicht mehr als schwachwüchsig. Die Naturbonsais passen deshalb ihrer Wuchsform entsprechend gut in Steingärten und finden vielleicht in Zukunft im einen oder anderen Garten einen Platz in der Gestaltung als Buchsbaumersatz.

In ausführlichen Portraits stellt die Autorin Hexenbesensammler vor und der Leser bekommt Einblick in die spezielle Leidenschaft von Günther Eschrich, Werner Wüstemeyer, Uwe Horstmann, Jörg Kohout und der zu Jeddelohs. Nur wenige Menschen frönen diesem Hobby und man kennt sich untereinander. Oft wird die ganze Familie eingebunden und potentielle Jagdgebiete sind identisch mit den Urlaubsorten. Und Toleranz ist gefragt, wenn die frisch ergatterten Reiser den Lebensmitteln im Kühlschrank des Wohnmobils den Platz streitig machen.

Im Übrigen ist Erfindungsreichtum von Nutzen. So versucht einer der Sammler mit einer Spezialkonstruktion Marke Eigenbau, dem sogenannten Kofferraumgestänge, den in den Wipfeln entdeckten kleinen grünen Schätzen habhaft zu werden. Denn ist ein Objekt der Begierde gesichtet und in Griffnähe, ist die Beute noch längst nicht im trockenen. Oft bleiben die Reiser beim Herabwerfen zwischen den Ästen hängen oder es ist auch schon vorgekommen, dass ein zufällig vorbeilaufender Passant vom Grünzeug am Kopf getroffen worden ist. Und auch wenn ein Baum mit einem Hexenbesen, der einem früher in grosser Höhe ins Auge gestochen ist, plötzlich gefällt am Boden liegt, ist die Ernte nicht viel einfacher. Denn auch die Suche nach Naturbonsais im Gewirr von ineinander verhakten Ästen ist nicht weniger mühsam.

Im letzten Drittel des Buches wird in Pflanzenportraits auf die Pflege der Zwerge eingegangen und man erfährt Wissenswertes über Herkunft, Entdeckung und Namensgebung. Hexenbesen finden sich nur selten auf Laubbäumen. Die Mehrheit der Portraits handeln deshalb von Immergrünen wie Zeder, Nordmanntanne, Pinie, Zirbelkiefer (Arve), Fichte und Sicheltanne.

Die abenteuerliche Hexenbesenjagd ist eine Passion für Idealisten und keineswegs eine Goldgrube oder ein einfaches lukratives Geschäft, um schnell viel Geld zu verdienen. Nicht nur die Jagd nach Hexenbesen ist eine Herausforderung, auch die Vermehrung der Reiser ist schwierig und Misserfolge fast an der Tagesordnung. Eine Produktion ist nur in kleinen Mengen möglich, weil von kleinen Mutterpflanzen nur wenige Reiser abgeschnitten werden können.

Dieses erste populäre Buch über Hexenbesen hat die Autorin wie oben kurz erwähnt in eigener Initiative herausgebracht, was sich natürlich auch im Verhältnis von Preis und Ausstattung niederschlägt. Monika Zybon-Biermann zeichnet dabei nicht nur für die Texte sondern auch für die zahlreichen speziellen Illustrationen verantwortlich, die aus Kombinationen von mit Zeichnungen ergänzten Fotos bestehen. Teilweise hätte ich mir aussagekräftigere, manuell unbearbeitete „Nur-Fotos“ gewünscht, insbesondere bei den Pflanzenportraits.

Vermisst habe ich ein paar Worte zum Rechtlichen bei der Hexenbesenjagd. Aus den Berichten geht hervor, dass zu den Jagdgebieten insbesondere auch Gehölzsammlungen wie botanischen Gärten, Aboreten und Nationalparks gehören. Wird vor dem Entnehmen der Reiser oder ganzer Hexenbesen jeweils der Besitzer um Erlaubnis gefragt? Bei der Lektüre hatte ich eher den gegenteiligen Eindruck. Und für eine allfällige Nachauflage dieseses Buches im A4-Format würde ich einen strapazierfähigeren Buchumschlag (relativ dünner Karton) empfehlen.

Bisher habe ich mit meinem Blick in die Baumkronen keinen Erfolg verzeichnen bzw. keinen Hexenbesen entdecken können. Dafür habe ich kürzlich an einem Vortrag über Baumriesen in Europa ganz genau hingehört, als ein Hexenbesen auf einem in Rafz gefällten Baum erwähnt wurde. Und vielleicht lassen sich ja genauere Informationen zum im Buch erwähnten Mammutbaum mit Hexenbesen in Konstanz erfahren und ich kann diesen bei Gelegenheit mal bestaunen.  



Monika Zybon-Biermann: 
Hexenbesen und andere Zwerge – Bonsais aus der Natur, die von allein klein bleiben
Eigenverlag, 2011

30. Januar 2013

Katja Walder: Abgefahren! Im Zug mit Katja Walder - Pendlergeschichten

Gleich vorweg: Botanisches, Florales oder Hortikulturelles gibt’s in dieser Kolumnensammlung nicht zu lesen. Katja Walders Zeilen über ihre Beobachtungen von Mitreisenden in den Montags- und Donnerstagausgaben im „Blick am Abend“ lese ich jeweils immer als erstes in der abendlichen Gratiszeitung. Und letzthin habe ich an einem Stadttalk die sympathische Autorin persönlich erlebt und bei dieser Gelegenheit etliche, ja fast beängstigend viele Parallelen zwischen ihr und der Sofagärtnerin im Zusammenhang mit Pseudonymen und auch anderem festgestellt.

Die Autorin nimmt sich selber nicht so wichtig und steht nicht besonders gerne im Rampenlicht. Dieser Eindruck hat sich bei mir noch verstärkt beim Anschauen der Schlussmomente beim Verlassen der Glasbox anlässlich der letzten Aktion von „JRZ – Jeder Rappen zählt“. Das zeigt sich aber auch in der Kolumne „Von Worten und Wörtern“ wenn die Beobachterin lapidar schreibt, dass an dieser Stelle eben ans Licht kommt, warum es Dürrenmatt in die grossen Bibliotheken geschafft hat und Katja Walder nur in eine Pendlerzeitung.

Die kurzen Kolumnen lösen wiederholt Kopfschütteln und Erstaunen aus, etwa der Sofatransport mit Bus und Zug oder eigene Kindheitserinnerungen werden wach und die Erkenntnis, dass auch anderen die Worte „Milch-Lait-Latte“ auf der Milchverpackung in Fleisch und Blut übergegangen sind. Eine kleine Verbindung zur Sofagärtnerin gibt’s im Beitrag „Der Mann aus Istanbul“, in der das Buch „Herr Adamson“ von Urs Widmer eine Rolle spielt, das ich hier vorgestellt habe. Am besten lesen Sie  aber selber nach, wer eine Affäre mit Grosi Rosi hatte, womit sich wahre Freundinnen auszeichnen oder eben auch nicht und was es mit dem Bratwurst-Massaker auf sich hat. Eingebettet zwischen die Kolumnen sind s/w-Pendler-(Schoss)aufnahmen von Markus Maurer alias @kusito.

„Abgefahren“ ist die perfekte Pendlerlektüre - kurz und oft sehr witzig. So witzig, dass man aufpassen muss, beim Lesen der Kolumnen nicht glucksend erwischt zu werden. Zum einen wegen den komischen Blicke der Sitznachbarn und ausserdem weiss man ja nie, wer mitfährt und unbemerkt die Ohren spitzt. Manchmal – beispielsweise in den Kolumnen „Pendler-Quiz“ oder „Pendlertraum - habe ich mir aus lauter Neugierde mehr Hintergrundwissen à la Stadttalk zu den einzelnen Geschichten gewünscht, um zu erfahren, ob die eine oder andere Episode tatsächlich sogenanntes „Pendler-Real-Life“ ist oder was ausgeschmückt worden ist.

In den letzten Wochen habe ich praktisch alle Donnerstagkolumnen verpasst. Nicht zuletzt deshalb hoffe ich auf weitere Kolumnen in Buchform. Wenn dannzumal die Geschichten „Der Mann mit der Rose“ und „Sorry Kurt“ drin sind, gibt es überhaupt keinen Grund, auf die Lektüre zu verzichten. Nun verbleibt mir nur noch, bei der nächsten Sportrunde oder beim nächsten Spaziergang die Augen ganz weit aufzumachen. Mal schauen, ob ich dann vor der Haustüre noch etwas vom ländlichen Hegi aus der „Kriegerklärung an Effretikon“ finden kann.


Katja Walder: 
Abgefahren! Im Zug mit Katja Walder – Pendlergeschichten 
Limmat Verlag, 2012

26. Januar 2013

Barbara Paul Robinson: Rosemary Verey – The Life and Lessons of a Legendary Gardener

Die Amerikanerin Barbara Paul Robinson führt den Leser in dieser Biografie in dreizehn Kapiteln durch das Leben von Rosemary Verey (1918 – 2001). Die Autorin selber arbeitete im Frühling 1991 während einem Sabbatical für einen Monat im Garten der damals 72jährigen legendären englischen Gärtnerin und aus diesem kurzen Arbeitsverhältnis ohne Bezahlung resultierte eine Freundschaft.

Rosemary Verey selber kam erst relativ spät zum Gärtnern. Ihr diesbezügliches Interesse wurde durch ihren Mann David geweckt, der ihr in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts alte Gartenbücher von seinen Reisen mitbrachte. Ihr Hauptinteresse galt aber weiterhin in erster Linie Pferden und der Jagd, während David selber erste gärtnerische Veränderungen rund um den 1697 erbauten Familienwohnsitz Barnsley vornahm. Er provozierte seine Frau und stachelte deren gärtnerischen Ehrgeiz an, als er den dannzumal bekannten Gartendesigner Percy Lane engagierte. In der Folge wurde der Profi wieder unverrichteter Dinge nach London zurückgeschickt und Rosemary Verey hatte eine ihrer ersten wichtigen hortikulturellen Lektionen gelernt: Der Garten gehört dem Kunden, nicht dem Gestalter. Zusammen mit ihrem Mann, der über einen architektonischen Leistungsausweis verfügte, begann sie daraufhin ernsthaft, den Garten von Barnsley und bald einmal auch weitere Gärten umzugestalten.

Rosemary Verey tauchte genau zu der Zeit in der englischen Gartenszene auf, als sich die englische Wirtschaft endlich von den Folgen von zwei Weltkriegen erholt und das Volk genug hatte von “low-maintenance-gardens“. Ihr Geschmack lehnte sich an alte Gartentraditionen und klassische Gärten an und sämtliche von ihr entworfenen Gärten waren sehr pflegeintensiv. Zu ihren Kunden zählten auch Elton John und Prinz Charles. Ganz besonders aber wurde sie von den Amerikanern geschätzt und sie fungierte als eine Art Brückenbauerin zwischen England und Amerika.

Ende 1968 verfasste Rosemary Verey ihre ersten Artikel und schrieb später regelmässig Beiträge für „The Countryman“. 1980 erschien ihr erstes Gartenbuch "The Englishwoman's Garden" (in Zusammenarbeit mit Alvilde Lees-Milne), dem noch sechzehn weitere Publikationen (z.B. „Rosemary Verey's Garden Plans“, „Good Planting“ und „Classic Garden Design - How to Adapt and Recreate Garden Features of the Past“) folgten. Ihre Botschaft lautete: Jeder kann nach der Lektüre meiner Bücher oder nach dem Besuch meiner Vorträge einen Garten planen und gestalten. Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1984 war die Witwe zeitlebens von Geldsorgen geplagt und gezwungen, mit Gartengestaltung, Buchverkäufen, Vorträgen, Gartenführungen und dem Öffnen ihres privaten Gartens für das Publikum Geld zu verdienen.

Barbara Paul Robinson zeichnet ein detailliertes Bild der vielschichtigen Persönlichkeit Rosemary Vereys. Diese verfügte über einen ansteckenden Enthusiasmus. Sie war hart zu sich selber und verlangte von den Menschen in ihrer Umgebung das gleiche Engagement. Dabei war und blieb aber immer sie selber die Chefgärtnerin. Die Engländerin war ausgesprochen kontaktfreudig und hatte viele Bewunderer. Sie war sehr hilfsbereit und eine ausgezeichnete Networkerin. Auf Facebook hätte sie heute wohl unzählige Freunde. Ihre hortikulturelle Karriere wurde aber auch von Rückschlägen und Enttäuschungen geprägt, etwa wenn „ihre“ Gärten ohne ihr Wissen wieder verändert wurden oder ihre einzige Teilnahme an der Chelsea Flower Show „nur“ eine Silbermedaille einbrachte. Auch charakterbedingte negative Seiten der Gartendesignerin, teilweise auf ihre Einsamkeit zurückzuführen, werden im Buch immer wieder betont. Ausserdem fühlte sich Rosemary Verey oft minderwertig, weil sie keine fachliche gärtnerische Grundausbildung vorweisen konnte.

Helen Mirren, die Hauptdarstellerin im Film „Greenfingers“ hat sich übrigens vor den Dreharbeiten mit Rosemary Verey getroffen, um für ihre Rolle im Film über die Gefängnisgärtner zu recherchieren und sich inspirieren zu lassen. Rosemary Vereys eigener Garten Barnsley wirkt gemäss Anmerkung im Epilog heute vernachlässigt. Das Gebäude ist nicht mehr im Familienbesitz und zu einem Hotel mit Spa umgebaut worden.  


Barbara Paul Robinson: 
Rosemary Verey – The Life and Lessons of a Legendary Gardener 
David R. Godine Publisher, 2012

22. Januar 2013

Paul Stalder: Ds Läbeslied u angeri Gschichte für ufem Gartebänkli

Zehn berndeutsche Geschichten mit mehr oder auch mal geringerem hortikulturellen Hintergrund hat der Autor und Gärtner Paul Stalder unter dem Titel „Ds Läbeslied“ veröffentlicht. Ich habe nicht herausfinden können oder vielleicht überlesen, ob diese erfunden sind oder auf wahren Begebenheiten und Erlebnissen beruhen. Falls ersteres zutrifft, sind sie jedenfalls sehr echt und detailgetreu verfasst. Ich neige allerdings dazu, von Nacherzählungen auszugehen. Die Geschichten handeln von tragischen Schicksalen, vom Alltag und davon, wie immer wieder nach dunkeln Wolken – also schweren Zeiten im Leben - die Sonne wieder scheint und nach Unfrieden endlich so etwas wie Freude oder sogar Dankbarkeit aufkommt.

Da wären etwa zwei Jungbauern, von denen einer nach einem Sturz querschnittgelähmt bleibt und der andere nach einem Zeckenbiss wochenlang zwischen Leben und Tod schwebt. Während der eine seine Lebensfreude im Singen findet, freut sich eine andere an blühenden Blumen und schönem Gemüse im Garten. In einer anderen Geschichte wird von einer Bauersfrau berichtet, die sich mit viel mehr Hingabe um ihren Pflanzblätz kümmert als um den eigenen Mann und der bei jeder Gelegenheit vor ihren Befehlen ins Wirtshaus flüchtet. Oder man liest von einem stolzen und sturen Labrador und einer nach einem schweren Unfall behinderten Frau, die sich nicht unterkriegen lässt. Die ausgezeichnete Naturbeobachterin ist eine tolle Bäckerin und weiss ihren grünen Daumen gut einzusetzen. Wen interessieren da noch die bescheidenen Mathematikkenntnisse, die während der Schulzeit eine Bürde darstellten?

Dann gibt es den Bauern, der unermüdlich versucht, verschiedene Apfelsorten auf Weissdorn zu pfropfen, weil die Wurzeln der Apfelhochstämme immer wieder von den Mäusen angefressen werden und den Rückblick auf einen schwierigen Start im Haus der Schwiegermutter anlässlich der Abschlussfeier der eigenen Tochter an der Bäuerinnenschule. Perfekt und sauber war der Garten, ohne ein einziges Unkraut. Aber fehlende menschliche Wärme prägte und überschattete die ersten Ehejahre.

Vergissmeinnicht erinnern einen anderen an die eigene schwere Jugendzeit, als er als Verdingkind ein verstecktes Gärtchen angelegt hatte mit Rüebli, Zwiebeln und eben Vergissmeinnicht. Als der Meister das Beet entdeckte, zertrampelte er wütend sämtliche Pflanzen und kein bisschen Grünzeug blieb übrig. Nur die Saat, sprich die Liebe zum Gärtnern, war bereits gelegt und kann sich schliesslich in einer strengen, aber schönen Lehre weiter entfalten.

Ich lese eigentlich überhaupt nicht gerne Mundarttexte. Wahrscheinlich, weil ich mich dabei jeweils viel genauer auf das Geschriebene konzentrieren muss und ich mich ganz einfach nicht an Dialekttexte gewöhnt bin. Doch auch wenn mir der eine oder andere Berner Ausdruck nicht geläufig war, liess sich diese Lektüre ganz „ring“ lesen. Schade, sind die beiden anderen Bücher mit gärtnerischem Hintergrund („Gärten und Menschen“ und „Vom Läbe zeichnet“) des gleichen Autors nicht mehr lieferbar.  



Paul Stalder: 
Ds Läbeslied u angeri Gschichte für ufem Gartebänkli 
Eigenverlag, 2011