Beim Googeln mit den Stichworten „Buch“ und „Botanischer Garten“ bin ich auf diese überaus interessante Publikation gestossen, die im Jahr 2009 anlässlich des 150. Geburtstages des Botanischen Gartens (BOGA) Bern erschienen ist. Der grossformatige Band ist mit wunderschönen Fotos illustriert und im Textteil wechseln Artikel zu den Rubriken „Geschichten“, „Gartenträume“ und „Die Menschen und ihr Garten“ ab.
Die ersten Seiten des Buches decken ein Vorwort, eine Einleitung und ein ausführlicher Einblick in die wechselvolle Geschichte des BOGA Berns ab. In letzterem ist wie in verschiedenen anderen Texten auch immer wieder die jüngste Vergangenheit zentrales Thema. Schon wiederholt drohte der Institution nämlich das Aus. Bleibt mir als Nicht-Bernerin nur zu hoffen, dass die Finanzen im Lot sind und die Möglichkeit einer Schliessung definitiv vom Tisch ist. Und dass die Vorhersagen aus dem Jahr 2008, welche von einer gesicherten Finanzierung des BOGA für die nächsten 10 Jahre sprechen, sich bewahrheitet haben und nach wie vor gelten.
In den der Rubrik „Die Menschen und ihr Garten“ zugeordneten Seiten erzählen aktuelle oder pensionierte Mitarbeiter, Besucher oder Nachbarn von Ihrem Bezug zum BOGA Bern. Das Portrait über deren persönliche Beziehung wird mit dem Offenbaren der Lieblingspflanze komplettiert, die dann gleich in Wort und Bild kurz vorgestellt wird.
Während die eine den BOGA als Hort der Ruhe schätzt, wo sie gerne die Mittagspause verbringt, jagt eine andere mit der Linse nach Pflanzen und Käfern und wähnt sich als Zeugin von Mord und Liebe im grünen Krimi. Ein anderer Fast-Krimi wird beim Nacherzählen der Suche nach der verschwundenen Didiers-Tulpe publik. Und an einer weiteren Stelle liest man von einer (wahren) tragischen Liebesgeschichte, die sich zu einem Politkrimi entwickelte.
Von stolzen Alten, zum Beispiel der Schwarzkiefer aus dem Jahr 1861, und fünf weiteren Senioren, die bereits im 19. Jahrhundert gekeimt sind, kann man in der Rubrik „Gartenträume“ lesen. Nicht von Träumen, aber von Fakten handelt die Beschreibung von der Pflege von Herbarien. Haben Sie gewusst, dass die Lebenserwartung von Betreuern von Herbarien vor der Verfügung von Tiefkühlanlagen massgeblich tiefer war? Die Herbarbelege mussten nämlich mit verschiedenen giftigen Substanzen, etwa auch mit Arsen, haltbar gemacht bzw. vor Schädlingen geschützt werden.
Weiter liest man von Kannibalentomaten, Gartenpädagogik mit spannenden Kindernachmittagen, Museumsnächten (siehe auch CD "Verbarium") sowie von Jazz-Matinés und erfährt, dass die Bundesverwaltung im BOGA ein Büro für den Vollzug des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES) im Bereich Pflanzen und pflanzliche Erzeugnisse in der Schweiz unterhält oder erhält Antwort auf die Frage an Studenten, weshalb exotische Pflanzen bei uns so gut gedeihen.
Mein kurz zusammengefasstes Fazit zu diesem Buch: eine wunderschöne und gleichzeitig informative Liebeserklärung an den BOGA. Diese Publikation ist übrigens beim BOGA direkt zu einem günstigen Sonderpreis erhältlich.
Fred Zaugg und Adrian Moser:
Botanischer Garten Bern
Haupt Verlag, 2009
PS: Die Antwort auf obige Frage an Studenten - in der neuen Umgebung fehlen die natürlichen Frassfeinde dieser Pflanzen. Zuweilen finden diese jedoch nachträglich auch noch den Weg zu uns (beispielsweise der Buchsbaumzünsler).
1. September 2012
30. August 2012
Uschi Niemann: Vergissmeinnicht
Die
Puzzleteile auf der Umschlagsgestaltung dieses schmalen hundertseitigen
Büchleins stehen als Symbol für die Teilchen, die Kommissar Lüders und sein
Assistent Marcel im Laufe ihrer Ermittlungen zusammentragen und richtig
zusammensetzen müssen.
Am
Anfang steht der brutale Mord an Frau Gärtner. Der Tat dringend verdächtigt
wird ihr allseits beliebter Ehemann, der aber unter Schock steht und nicht
vernehmungsfähig ist. Was bedeuten die zartblauen Vergissmeinnicht-Blüten, die
auf dem Fussboden neben der Toten lagen? Die Untersuchungen führen endlich zu einer
vielversprechende Spur, als Marcel, der Assistent des Kommissars, der sich inkognito mit der Nachbarin der
Gärtners bekanntgemacht hat, in deren Computer eine Datei mit einem
interessanten Manuskript entdeckt.
In
diesem Kurzkrimi werden immer wieder botanische Häppchen eingestreut, wie etwa
Hinweise über die Pflege von Zimmerpflanzen und man liest, dass Ende April nicht
die richtige Jahreszeit zum Schneiden von Bäumen ist. Und schliesslich träumt der
ermittelnde Kommissar von seiner Pensionierung mit viel freier Zeit zum Züchten von Rosen, einem
Gewächshaus und selbst gezogenem biologischem Gemüse. Ausserdem gibt er während einem
Gespräch einer Zeugin Tipps für die richtige Ausrichtung eines Blumenfensters.
Doch eigentlich sollte Lüders ja den Mordfall Gärtner lösen und sich nicht nur
um sein eigenes neu gestaltetes Blumenfenster im Büro kümmern …
Uschi Niemann:
Vergissmeinnicht
Books on Demand, 2004
26. August 2012
Christa Pöppelmann: Hier wächst die Hoffnung!
Dieser gartenkulturgeschichtliche Rück- und Ausblick ist in die folgenden vier Kapitel gegliedert:
Bedürftige Familien bekamen im 18. Jahrhundert in England sogenannte „Allotments“ zur Bewirtschaftung zur Verfügung gestellt. Diese Gartenparzellen, die als Nebenerwerbslandwirtschaft dienten, hatten in der Folge einen direkten Einfluss auf die Höhe der Ausgaben der Armenfürsorge. Christa Pöppelmann stellt fest, dass Gärten überhaupt zuweilen als Allheilmittel der Sozialfürsorge für die unterschiedlichsten Probleme angesehen wurden, zu denen finanzielle und soziale ebenso zählten wir moralische oder gesundheitliche.
Erfolgreiches Gärtnern setzt ein solides Basiswissen voraus. So erschienen denn im gartenbegeisterten England schon im 16. Jahrhundert zahlreiche Ratgeber, die sich ausschliesslich dem Thema Garten widmeten, während im deutschsprachigen Raum sogenannte „Hausbücher“ veröffentlicht wurden, in denen neben Gärtnern vor allem Tipps rund ums Kochen und die Haushaltführung vermittelt wurden. Es versteht sich von selbst, dass das Zielpublikum dieser Publikationen nicht mit den oben erwähnten Bedürftigen übereingestimmt haben wird.
Mit dem Wachsen der Städte wuchs parallel auch das Bedürfnis nach mehr Landparzellen in der Peripherie. Insbesondere in wirtschaftlich schwierigen Zeiten entstanden vermehrt auch illegale Gärten und die teilweise strengen Regeln in Laubenkolonien wurden nicht (mehr) eingehalten. Es gab aber auch Befürworter dieser Entwicklung, die dahingehend argumentierten, dass die Bewohner durch die Gartenarbeit das Arbeiten nicht verlernen würden und sich weitgehend oder zumindest zu einem Teil selber ernähren können.
Die Gärten und ihre Bewohner stehen im dritten Kapitel im Mittelpunkt. Während früher im Garten Gemüse hauptsächlich angezogen wurde, um Geld zu sparen, steht in der modernen Kleingartenkultur der Wunsch nach ökologisch unbedenklichen Nahrungsmitteln, der körperliche Ausgleich zur beruflichen Tätigkeit an der frischen Luft und vielleicht auch ein wenig der Traum vom Garten Eden im Vordergrund. Ausserdem sind diese Parzellen Orte der Geselligkeit.
Diese grosszügig illustrierte Publikation ist eine Fundgrube an Informationen über die Entwicklung der unterschiedlichen Formen von Gemeinschaftsgärten. Zwischen die Texte werden immer wieder Zitate eingestreut, beispielsweise von Dieter Kienast, Jürgen Dahl, Antoine de Saint-Exupéry und Mahatma Gandhi. Auch allerlei Kurioses gibt es zu erfahren. So liest man, dass in Frankreich die Jardinaux famillaux (Familiengärten) oft ein Rückzugsort und (fast) ausschliesslicher Treffpunkt nur für Männer sind, die sich dort mit Freunden bei einem Glas Wein von der Familie erholen.
Daneben bekommt der Leser Einblick in Kleingärten aus verschiedenen Ländern wie Russland (Datschas), Japan oder der DDR. Thematisiert werden auch die Gartenstadtbewegung, die Gartenzwergbefreiungsfront und Kleingärten im Krieg, wie etwa die Konsequenzen der Belagerung von Sarajewo in den Jahren 1992 – 1996. Nelson Mandelas Gefängnisgarten wird ebenso erwähnt wie die Gefängnisgärtner aus Leyhill, auf deren Geschichte der Film „Greenfingers“ basiert. Und haben Sie schon festgestellt, dass inzwischen der Trend dahin geht, in Kleingärten „echte“ Kunst auf Zeit zu präsentieren? Unter dem Titel „Fokus“ schliesslich gibt es u.a. Artikel über das deutsche Kleingartenmuseum, Michelle Obamas Gemüsegarten am Weissen Haus und die Prinzessinengärten in Berlin.
Eine überaus informative empfehlenswerte Lektüre für Gärtner und alle anderen, die sich für Gartenkultur begeistern und interessieren. Und falls Sie bei einem allfälligen New York-Aufenthalt mal Heimweh nach ihrem Garten haben sollten, können Sie sich bei der Organisation „Get Dirty NYC!“ melden. Dort erhalten auch Touristen die Gelegenheit, auf einer Rooftop Farm mit Blick auf die Skyline von Manhattan Unkraut zu jäten …
Christa Pöppelmann:
Hier wächst die Hoffnung – Von der Laubenkolonie zum Guerilla-Garten
Gerstenberg Verlag, 2012
- Nicht allein das Privileg der Semiramis – Die Entwicklung des Nutzgartens von der Antike bis zur Neuzeit
- Neues Glück im Grünen! Die moderne Kleingartenkultur entsteht
- Die Gärten und ihre Bewohner – Gesellschaft im Miniaturformat?
- Die grüne Wende – Zwischen kommunaler Selbstversorgung, globaler Völkerverständigung und Umgestaltung der Städte
Bedürftige Familien bekamen im 18. Jahrhundert in England sogenannte „Allotments“ zur Bewirtschaftung zur Verfügung gestellt. Diese Gartenparzellen, die als Nebenerwerbslandwirtschaft dienten, hatten in der Folge einen direkten Einfluss auf die Höhe der Ausgaben der Armenfürsorge. Christa Pöppelmann stellt fest, dass Gärten überhaupt zuweilen als Allheilmittel der Sozialfürsorge für die unterschiedlichsten Probleme angesehen wurden, zu denen finanzielle und soziale ebenso zählten wir moralische oder gesundheitliche.
Erfolgreiches Gärtnern setzt ein solides Basiswissen voraus. So erschienen denn im gartenbegeisterten England schon im 16. Jahrhundert zahlreiche Ratgeber, die sich ausschliesslich dem Thema Garten widmeten, während im deutschsprachigen Raum sogenannte „Hausbücher“ veröffentlicht wurden, in denen neben Gärtnern vor allem Tipps rund ums Kochen und die Haushaltführung vermittelt wurden. Es versteht sich von selbst, dass das Zielpublikum dieser Publikationen nicht mit den oben erwähnten Bedürftigen übereingestimmt haben wird.
Mit dem Wachsen der Städte wuchs parallel auch das Bedürfnis nach mehr Landparzellen in der Peripherie. Insbesondere in wirtschaftlich schwierigen Zeiten entstanden vermehrt auch illegale Gärten und die teilweise strengen Regeln in Laubenkolonien wurden nicht (mehr) eingehalten. Es gab aber auch Befürworter dieser Entwicklung, die dahingehend argumentierten, dass die Bewohner durch die Gartenarbeit das Arbeiten nicht verlernen würden und sich weitgehend oder zumindest zu einem Teil selber ernähren können.
Die Gärten und ihre Bewohner stehen im dritten Kapitel im Mittelpunkt. Während früher im Garten Gemüse hauptsächlich angezogen wurde, um Geld zu sparen, steht in der modernen Kleingartenkultur der Wunsch nach ökologisch unbedenklichen Nahrungsmitteln, der körperliche Ausgleich zur beruflichen Tätigkeit an der frischen Luft und vielleicht auch ein wenig der Traum vom Garten Eden im Vordergrund. Ausserdem sind diese Parzellen Orte der Geselligkeit.
Diese grosszügig illustrierte Publikation ist eine Fundgrube an Informationen über die Entwicklung der unterschiedlichen Formen von Gemeinschaftsgärten. Zwischen die Texte werden immer wieder Zitate eingestreut, beispielsweise von Dieter Kienast, Jürgen Dahl, Antoine de Saint-Exupéry und Mahatma Gandhi. Auch allerlei Kurioses gibt es zu erfahren. So liest man, dass in Frankreich die Jardinaux famillaux (Familiengärten) oft ein Rückzugsort und (fast) ausschliesslicher Treffpunkt nur für Männer sind, die sich dort mit Freunden bei einem Glas Wein von der Familie erholen.
Daneben bekommt der Leser Einblick in Kleingärten aus verschiedenen Ländern wie Russland (Datschas), Japan oder der DDR. Thematisiert werden auch die Gartenstadtbewegung, die Gartenzwergbefreiungsfront und Kleingärten im Krieg, wie etwa die Konsequenzen der Belagerung von Sarajewo in den Jahren 1992 – 1996. Nelson Mandelas Gefängnisgarten wird ebenso erwähnt wie die Gefängnisgärtner aus Leyhill, auf deren Geschichte der Film „Greenfingers“ basiert. Und haben Sie schon festgestellt, dass inzwischen der Trend dahin geht, in Kleingärten „echte“ Kunst auf Zeit zu präsentieren? Unter dem Titel „Fokus“ schliesslich gibt es u.a. Artikel über das deutsche Kleingartenmuseum, Michelle Obamas Gemüsegarten am Weissen Haus und die Prinzessinengärten in Berlin.
Eine überaus informative empfehlenswerte Lektüre für Gärtner und alle anderen, die sich für Gartenkultur begeistern und interessieren. Und falls Sie bei einem allfälligen New York-Aufenthalt mal Heimweh nach ihrem Garten haben sollten, können Sie sich bei der Organisation „Get Dirty NYC!“ melden. Dort erhalten auch Touristen die Gelegenheit, auf einer Rooftop Farm mit Blick auf die Skyline von Manhattan Unkraut zu jäten …
Christa Pöppelmann:
Hier wächst die Hoffnung – Von der Laubenkolonie zum Guerilla-Garten
Gerstenberg Verlag, 2012
22. August 2012
Maryrose Wood: Die Poison Diaries 2 – Liebe ist stärker als der Tod
Jessamine Luxton hat sich inzwischen von ihrer plötzlichen schweren Erkrankung körperlich weitgehend erholt, doch die tugendhafte und gottesfürchtige junge Frau verspürt nach dem Verschwinden von Weed keine Lebensfreude mehr. Die Beziehung zu ihrem ständig schlecht gelaunten und pausenlos beschäftigten Vater ist nach ihrer Genesung schlechter als jemals zuvor. Immerhin wird Jessamine dank ihrem Wissen über die Anwendung von Kräutern als Heilerin von vielen Hilfesuchenden aus der Umgebung geschätzt und gleichzeitig auch etwas gefürchtet. Sie selber plagt sich ständig mit Gedanken an Weed. Wo ist er? Weshalb ist er so plötzlich verschwunden? Hängt sein Verschwinden mit dem Tod eines Predigers zusammen?
Vom Giftprinz Oleander erfährt Jessamine schliesslich, dass Weed noch lebt und er verspricht ihr, die beiden Liebenden wieder zusammenzuführen, wenn die junge Frau gewisse Aufgaben erfüllt. Dabei verschweigt er aber wohlweisslich, dass Weed beim Leben seiner Geliebten hat schwören müssen, niemals mehr nach Hulne Abbey zurückzukehren. Um mit Weed zusammenkommen zu können, muss Jessamine auf Verlangen von Oleander den Tod ihrer Mutter rächen und selber grosse Schuld auf sich laden.
Die junge Frau kann kaum glauben, was ihr von Oleander eingeflüstert wird. Ihr eigener Vater soll den Tod ihrer Mutter verschuldet haben. Doch tatsächlich hat ihr Vater Thomas Luxton selber handschriftlich festgehalten, welche Giftexperimente er mit Frau und Tochter angestellt hat, die Auslöser für den frühen Tod seiner Frau und auch der schweren Krankheit von Jessamine waren. Sehr schmal ist der Grat zwischen und Gut und Böse und eben auch die Entscheidung, pflanzliche Heilmittel in nützlicher, schädlicher oder gar tödlicher Dosis anzuwenden. Jessamine tut, was sie zu tun glauben muss und verlässt daraufhin ihr Zuhause.
Sie nennt sich nun Rowan und versucht ihre Heimat rasch möglichst weit hinter sich zu lassen. Doch ihre Reisebegleiter in der Kutsche sind ihr nicht wohlgesinnt und als sie einem kranken Mädchen mit ihren Heilfähigkeiten und Kräutern hilft, wird sie als Hexe verschrien und die Situation eskaliert. Gezwungenermassen nimmt sie nochmals eine neue Identität an und als Belladonna kommt die junge Frau scheinbar völlig von ihrem Weg ab. Sie kennt keine Gewissensbisse mehr, ihr Pflanzenwissen gegen Geld weiterzugeben und ihre Abhängigkeit von Laudanum und der Mangel an Skrupel machen sie zu einem willenlosen Spielball von Aufständischen und Revoluzzern in einer Zeit, wo sich halb Europa im Krieg befindet.
Währenddessen hat sich Weed einer Gauklertruppe angeschlossen und lässt dank seinen Fähigkeiten mit der Pflanzenwelt zu kommunizieren, Rosen auf Befehl erblühen und gleichzeitig die Frauenherzen schmelzen. Doch sein eigenes Herz gehört nach wie vor nur einer, nämlich Jessamine. In seiner freien Zeit liest er immer wieder in Thomas Luxtons Gifttagebuch. Luxton schreibt davon, dass das uralte Wissen über Pflanzen im botanischen Garten der Universität Padua in Italien am besten bewahrt wird und macht sich unterwegs dorthin. Er hofft, dort eine Spur von Jessamine zu entdecken.
Dieser zweite Band in zwei Erzählsträngen dünkte mich (noch) fesselnder als Teil 1. Doch wie es Bücher mit Fortsetzungen so an sich haben, hat das Lesevergnügen immer genau dann ein Ende, wenn es am Spannendsten ist. Leider lässt sich auf der Webseite der Autorin Maryrose Wood nicht herausfinden, wann es mit dem Finale weitergeht.
Hier der Link zu meinen Gedanken zu Band 1 der Trilogie.
Maryrose Wood:
Die Poison Diaries 2 – Liebe ist starker als der Tod
S. Fischer Verlag, 2012
Vom Giftprinz Oleander erfährt Jessamine schliesslich, dass Weed noch lebt und er verspricht ihr, die beiden Liebenden wieder zusammenzuführen, wenn die junge Frau gewisse Aufgaben erfüllt. Dabei verschweigt er aber wohlweisslich, dass Weed beim Leben seiner Geliebten hat schwören müssen, niemals mehr nach Hulne Abbey zurückzukehren. Um mit Weed zusammenkommen zu können, muss Jessamine auf Verlangen von Oleander den Tod ihrer Mutter rächen und selber grosse Schuld auf sich laden.
Die junge Frau kann kaum glauben, was ihr von Oleander eingeflüstert wird. Ihr eigener Vater soll den Tod ihrer Mutter verschuldet haben. Doch tatsächlich hat ihr Vater Thomas Luxton selber handschriftlich festgehalten, welche Giftexperimente er mit Frau und Tochter angestellt hat, die Auslöser für den frühen Tod seiner Frau und auch der schweren Krankheit von Jessamine waren. Sehr schmal ist der Grat zwischen und Gut und Böse und eben auch die Entscheidung, pflanzliche Heilmittel in nützlicher, schädlicher oder gar tödlicher Dosis anzuwenden. Jessamine tut, was sie zu tun glauben muss und verlässt daraufhin ihr Zuhause.
Sie nennt sich nun Rowan und versucht ihre Heimat rasch möglichst weit hinter sich zu lassen. Doch ihre Reisebegleiter in der Kutsche sind ihr nicht wohlgesinnt und als sie einem kranken Mädchen mit ihren Heilfähigkeiten und Kräutern hilft, wird sie als Hexe verschrien und die Situation eskaliert. Gezwungenermassen nimmt sie nochmals eine neue Identität an und als Belladonna kommt die junge Frau scheinbar völlig von ihrem Weg ab. Sie kennt keine Gewissensbisse mehr, ihr Pflanzenwissen gegen Geld weiterzugeben und ihre Abhängigkeit von Laudanum und der Mangel an Skrupel machen sie zu einem willenlosen Spielball von Aufständischen und Revoluzzern in einer Zeit, wo sich halb Europa im Krieg befindet.
Währenddessen hat sich Weed einer Gauklertruppe angeschlossen und lässt dank seinen Fähigkeiten mit der Pflanzenwelt zu kommunizieren, Rosen auf Befehl erblühen und gleichzeitig die Frauenherzen schmelzen. Doch sein eigenes Herz gehört nach wie vor nur einer, nämlich Jessamine. In seiner freien Zeit liest er immer wieder in Thomas Luxtons Gifttagebuch. Luxton schreibt davon, dass das uralte Wissen über Pflanzen im botanischen Garten der Universität Padua in Italien am besten bewahrt wird und macht sich unterwegs dorthin. Er hofft, dort eine Spur von Jessamine zu entdecken.
Dieser zweite Band in zwei Erzählsträngen dünkte mich (noch) fesselnder als Teil 1. Doch wie es Bücher mit Fortsetzungen so an sich haben, hat das Lesevergnügen immer genau dann ein Ende, wenn es am Spannendsten ist. Leider lässt sich auf der Webseite der Autorin Maryrose Wood nicht herausfinden, wann es mit dem Finale weitergeht.
Hier der Link zu meinen Gedanken zu Band 1 der Trilogie.
Maryrose Wood:
Die Poison Diaries 2 – Liebe ist starker als der Tod
S. Fischer Verlag, 2012
18. August 2012
Silke Schütze: Erdbeerkönigin
Die 42jährige gelernte Krankenschwester Eva Brandt sorgt in ihrer Nachbarschaft für Entsetzen und Kopfschütteln als sie in der perfekten Vorgartenrasenfläche ein rundes Erdbeerbeet anlegt. Einzig ihr pubertierender und fast ständig schlechtgelaunte Sohn Benny scheint von dieser Veränderung nichts mitbekommen zu haben.
Ein paar Tage nach dieser gärtnerischen Aktion verschwindet die frühere Erdbeerkönigin Eva Brandt an einem Mittwoch aus ihrem Leben und fährt spontan nach Hamburg. Auslöser für die Reise ist ein Schreiben eines Anwalts, der sie im Auftrag eines verstorbenen Mandanten bittet, bei dessen Urnenbeisetzung die Grabrede zu halten. Daraufhin hat Eva unverzüglich ihre Reisetasche gepackt und ihre Gewohnheiten und Rituale zurückgelassen.
Im separaten Erzählstrang „Damals“ erfährt die Leserin erste Details zu Evas zwanzig Jahre zurückliegenden Begegnung mit dem verstorbenen Daniel Eisenthuer, die nunmehr eine kostbare Erinnerung ist. Die wenigen gemeinsamen Stunden waren für Eva (Zitat:) „wie eine schöne Pflanze in einem verschlossenen Garten, zu dem nur sie den Schlüssel besass“. Der Anwalt lässt Eva in Daniels noch nicht aufgelöster Wohnung einziehen und sie beginnt eine Spurensuche, die gleichzeitig zu einer detaillierten Reflektion ihrer aktuellen Lebensumstände führt. Warum hängt in der Wohnung eines stilsicheren Galeristen eine billige Postkarte mit dem Motiv des Stillebens „Der Erdbeerkorb“ von Jean-Baptiste Siméon Chardin, gerahmt an der Wand? Dabei handelt es sich um die einzige Postkarte, die Eva jemals ans Daniel geschickt hat.
Verschiedene Freunde von Daniel erzählen ihr von ihm. Dabei kommt viel schönes, aber auch weniger schmeichelhaftes zu Tage. Doch wieso soll ausgerechnet Eva, die ihn nur ganz flüchtig gekannt hat, seine Grabrede halten? Ist Evas Leben nicht nur eine Ansammlung von angefangenen Geschichten und aufgegebenen Vorlieben, zu denen Mode, Sport, Freunde und Ehe zählen? Ein charmanter Franzose umschwärmt Eva und sie findet in einer pensionierten Ärztin eine neue gute Freundin. Und mit etwas Abstand zu ihrem Alltag und den familiären Streitigkeiten entdeckt sie, was ihr wirklich wichtig ist.
Einfühlsame Ich-Erzählung, die zum Nachdenken anregt. Wann und wie soll der Lebensweg wieder in eine andere Richtung gehen?
Silke Schütze:
Erdbeerkönigin
Knaur Taschenbuch, 2012
Ein paar Tage nach dieser gärtnerischen Aktion verschwindet die frühere Erdbeerkönigin Eva Brandt an einem Mittwoch aus ihrem Leben und fährt spontan nach Hamburg. Auslöser für die Reise ist ein Schreiben eines Anwalts, der sie im Auftrag eines verstorbenen Mandanten bittet, bei dessen Urnenbeisetzung die Grabrede zu halten. Daraufhin hat Eva unverzüglich ihre Reisetasche gepackt und ihre Gewohnheiten und Rituale zurückgelassen.
Im separaten Erzählstrang „Damals“ erfährt die Leserin erste Details zu Evas zwanzig Jahre zurückliegenden Begegnung mit dem verstorbenen Daniel Eisenthuer, die nunmehr eine kostbare Erinnerung ist. Die wenigen gemeinsamen Stunden waren für Eva (Zitat:) „wie eine schöne Pflanze in einem verschlossenen Garten, zu dem nur sie den Schlüssel besass“. Der Anwalt lässt Eva in Daniels noch nicht aufgelöster Wohnung einziehen und sie beginnt eine Spurensuche, die gleichzeitig zu einer detaillierten Reflektion ihrer aktuellen Lebensumstände führt. Warum hängt in der Wohnung eines stilsicheren Galeristen eine billige Postkarte mit dem Motiv des Stillebens „Der Erdbeerkorb“ von Jean-Baptiste Siméon Chardin, gerahmt an der Wand? Dabei handelt es sich um die einzige Postkarte, die Eva jemals ans Daniel geschickt hat.
Verschiedene Freunde von Daniel erzählen ihr von ihm. Dabei kommt viel schönes, aber auch weniger schmeichelhaftes zu Tage. Doch wieso soll ausgerechnet Eva, die ihn nur ganz flüchtig gekannt hat, seine Grabrede halten? Ist Evas Leben nicht nur eine Ansammlung von angefangenen Geschichten und aufgegebenen Vorlieben, zu denen Mode, Sport, Freunde und Ehe zählen? Ein charmanter Franzose umschwärmt Eva und sie findet in einer pensionierten Ärztin eine neue gute Freundin. Und mit etwas Abstand zu ihrem Alltag und den familiären Streitigkeiten entdeckt sie, was ihr wirklich wichtig ist.
Einfühlsame Ich-Erzählung, die zum Nachdenken anregt. Wann und wie soll der Lebensweg wieder in eine andere Richtung gehen?
Silke Schütze:
Erdbeerkönigin
Knaur Taschenbuch, 2012
14. August 2012
Eran Riklis: Lemon Tree (DVD)
Vor fünfzig Jahren hat der Vater von Salma in der West Bank einen
Zitronenhain angepflanzt. Salma ist seit
zehn Jahren verwitwet und lebt seit dem Auszug ihrer drei Kinder zurückgezogen
in ihrem Haus und kümmert sich um die Zitronenbäume. Die unmittelbar an der Grenze zu Israel
stehenden Gewächse versorgen die Palästinenserin mit einem bescheidenen Einkommen.
Als direkt neben ihrem Grundstück auf der israelischen Seite der
Verteidigungsminister in sein neues Haus einzieht, mutiert der Zitronenhain zum Sicherheitsrisiko, in dem sich leicht
Terroristen verstecken könnten. Die Bäume sollen deshalb abgeholzt und Salma dafür
entschädigt werden. Doch die Frau ist ebenso tief mit ihrem Land und der
Plantage verwurzelt wie die Bäume in der Erde, in der sie sich seit Jahrzehnten
ungehindert austrecken können. Salma wehrt sich beim Militärgericht gegen die
Verfügung und zieht schliesslich mit dem jungen palästinensischen Anwalt Ziad
bis vor den obersten Gerichtshof.
Bereits während des laufenden Verfahrens wird die Zitronenplantage
eingezäunt und Salma kann sich nicht mehr um ihre Bäume kümmern. Diese
beginnen schnell unter der Vernachlässigung zu leiden, obwohl sich Salma nicht
das Verbot hält, welches ihr das Betreten des Geländes untersagt. Sogar von ihren eigenen
Landsleuten wird ihr Einspruch kritisiert. Sie soll sich nicht wehren und
insbesondere nicht das Ansehen ihres verstorbenen Mannes beschmutzen. Es haben
doch schon unzählige andere ihr Land verloren. Doch Salma denkt nicht daran aufzugeben und
kämpft wie David gegen Goliath.
Salmas Kampf zieht die Aufmerksamkeit und die Sympathie ihrer neuen
Nachbarin, der jüdischen Frau des
israelischen Verteidigungsministers, auf sich. Als während der
Einweihungsparty des neuen Hauses des Verteidigungsministers ein Anschlag ausgeübt wird, interessieren sich plötzlich auch ausländische
Medien für die Affäre und gleichzeitig kommen sich Salma und ihr junger
Anwalt näher.
Ein sehr einfühlsam inszenierter Film mit viel Saurem, aber auch durchblitzendem Humor – Bäume sind wie Menschen; sie haben eine Seele und verlangen nach
Liebe.
Film von Eran
Riklis:
Lemon Tree
Arsenal Filmverleih, 2009
6. August 2012
Ende Blog-Sommerpause
Auf Facebook
hatte ich ja vor der Blogpause mal kurz erwähnt, dass wir in unmittelbarer Nähe eines „Krisengebietes“
wohnen, wo gerade der gefährliche und bei Fund im Garten meldepflichtige Asiatische Laubholzbockkäfer
(Anoplophora glabripennis) wütet oder - wie man hoffentlich (!) inzwischen feststellen
darf - gewütet hat, der wahrscheinlich mit Verpackungsmaterial von aus China
importieren Steinen eingeschleppt worden ist. Ich glaube allerdings kaum, dass
mit den Aktionen (Rohdungen usw.) der letzten Wochen die Gefahr, die von diesen
gefrässigen Tieren ausgeht, definitiv gebannt ist. Man darf sich allerdings
kaum ausmahlen, wie unsere Gartenstadt ohne Laubbäume aussehen würde, sieht
doch schon das abgeholzte Gebiet mehr als trostlos aus. Vielleicht hat jener Leserbriefschreiber in unserer Lokalzeitung ja recht, der die Schäden dieser importieren Schädlinge ohne natürliche Feinde mit den Untaten der Pflanzenjäger aus früheren Jahrhunderten in Zusammenhang bringt.
Inzwischen ist auch der Buchsbaumzünsler, der seit diesem
Frühling in der Umgebung sein Unwesen treibt, in unserem Garten angekommen. Die Gärtnerin würde
sich nach den Ferien ein netteres und vor allem ein erfreulicheres
Empfangskomitee im Garten wünschen! Eigentlich hatte ich diese Tierchen schon
viel eher erwartet und habe mir schon längere Zeit alternative Gestaltungsideen
überlegt. Noch gebe ich aber meine doch schon etliche Jahre gehegt und
gepflegten Buchseinfassungen und die Kugeln nicht kampflos auf, obwohl das
Absammeln und Vernichten derselben wahrlich keine erspriessliche Beschäftigung
ist.
Mein letzter Buchsbaumkauf liegt schon ungefähr 10 Jahre
zurück und irgendwie hängt frau doch stärker an diesen Gartenelementen als
gedacht…Und obschon ich letzten Woche irgendwo gelesen habe, dass der
Buchsbaumzünsler sich in Asien auch an Ilex gütlich tut, habe ich nun
buchsblättrige Ilex (Ilex crenata) als Ersatzpflanzen bestellt, die ich als
Einfassung im kürzlich umgestalteten Gartenteil einsetzen will. Die Hoffnung
stirbt schliesslich zuletzt! Ausserdem warten noch etliche andere Pflanzen, die
ich auf Pflanzenmärkten oder in Staudengärtnereien erstanden habe, auf ihren
definitiven Platz im Beet. Leider waren die Aufenthalte in letzteren auf der
Rückreise von Urlaubsorten jeweils recht kurz zu fassen, da die Familie (leicht
genervt) im Auto wartete …
Angenehmeres gibt es von der Sofagarten-Front zu berichten, denn auch beim Sofagärtnern war ich nicht untätig. Welche
Bücher ich zuletzt gelesen habe oder mir aktuell zu Gemüte führe, steht wie
üblich rechts im Blog. Noch vor mir habe ich die Lektüre von „In the Footsteps
of Augustine Henry and his Chinese plant collectors“ von Seamus O’Brien mit
einem Vorwort von Roy Lancaster und „Fern Fever – The story of Pteridomania, A
Victorian Obsession“ von Sarah Whittingham. Beide grossformatigen Publikationen
machen schon beim Durchblättern aufs Lesen „gluschtig“. Als Reiselektüre sind
die beiden Wälzer aber leider nicht oder nur bedingt geeignet.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich die neuen Blogleserinnen und -leser begrüssen und mich pauschal für die Kommentare bedanken. Mit meinen Gartenbuchvorstellungen geht es nächste Woche
an dieser Stelle weiter.
19. Juli 2012
Max Scharnigg: Feldversuch – Unser Stück Land vor den Toren der Stadt
Allenthalben werden
gegen Sommerende die verschiedensten Kürbisse am Strassenrand zum Verkauf
angeboten. Eine solche Kürbispyramide weckt in Max Scharnigg und seiner
Freundin, dem lieben Fräulein, den Wunsch, einen eigenen Kürbishaufen zu
produzieren. Und natürlich noch vieles anderes, vorzugsweise essbares Grünzeug
mehr.
Auf einem
schmalen gepachteten Streifen Acker ausserhalb München wollen die beiden Städter
ihre Ernteträume schliesslich Realität werden lassen. Für 40 Euro steht ihnen
das Land von April bis November zur Verfügung – hernach wird vom Bauer das
ganze Feld wieder umgepflügt. Das Experiment „Feldversuch“ startet damit, dass
endlich der Inhalt der in einer Art Rauschzustand schon vorsorglich gekauften
Samentütchen nun guten Gewissens zum Keimen gebracht werden kann. Und im
letzten Urlaub vor der Übernahme des Ackers wird eifrig Gartenlektüre gewälzt.
Auf etwas mehr
als 200 Seiten berichtet der Autor nun in seinem Buch „Feldversuch“ detailliert über die
ersten Gehversuche als Gemüsegärtner und der Leser erfährt, wie sich die Wochenendbeziehung zwischen dem
Münchner Paar und den Pflänzchen und natürlich auch letztere sich selber im rund
zwanzig Autominuten von daheim entfernten Garten entwickeln. So erzählt Max Scharnigg von
der jeweils stürmischen Wiedersehensfreude (auf Seite der Zweibeiner), wegen
der schlechten Ökobilanz durch den Anfahrtsweg per Auto allerdings mit leicht
schlechtem Gewissen im Hinterkopf. Weiter geht es um Minderwertigkeitskomplexe angesichts von geometrisch perfekten und
aufgeräumten Nachbarschaftsstreifen, werden kleine Unkrautdepressionen nicht
verschwiegen oder die gelegentliche Unlust auf Bückarbeit und ganz nebenbei
gibt’s auch einiges über den Gemüseanbau zu lesen und vielleicht sogar zu
lernen.
Es gibt ja
inzwischen fast unzählige Erfahrungsberichte von Städtern, Gärtnern und
Hobby-Landwirten, die ihr Glück im Wühlen in der Erde suchen und die Leser
teilhaben lassen an ihren Erfolgserlebnissen, Ernteschwemmen und Wetterplagen.
Dank dem humorigen, selbstironischen Schreibstil des Autors ist dieser Titel ein
besonderes Lesevergnügen, das Sie sich nicht entgehen lassen sollten. Sie
lernen hier beispielsweise Ausdrücke wie ackerfrei oder Ackereltern und lesen von Überlegungen,
wie Tomaten wohl vor der Erfindung von Abdeckhüllen in pflanzlicher Urzeit reifen
konnten und von Überraschungserfolgen, die beinahe die Idee aufkommen lassen,
dem Nachwuchs den Namen Dill zu geben (in Anlehnung an Till Schweiger). Ein weiterer
Seitenhieb in Richtung Schauspieler geht an Christine Neubauer, zu welcher der
Autor eine Verbindung herstellt im Zusammenhang mit dem geplanten Erntedankfest
mit (fast) ausschliesslich auf eigenem Acker produzierten Esswaren, der
Wichtigkeit von Kartoffeln und von öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern.
Obwohl die
ausgeklügelte und durchdachte Pflanzung (Stichworte "gute Nachbarn, schlechte
Nachbarn") bei der praktischen Umsetzung völlig untergegangen ist, können im
Laufe des Sommers verschiedene Ernteerfolge vorgewiesen werden und das Bild des
Ackerstreifens und die Stadtwohnung werden positiv aufgewertet durch die
blumigen Ergebnisse des lieben Fräuleins. Und bestimmt sind nicht sämtliche
Ernteerfolge auf Anfängerglück zurückzuführen.
Mit dieser
Buchvorstellung stelle ich das (Vor-)bloggen bis ungefähr Mitte August ein und
wünsche allen Leserinnen und Lesern einen schönen Hochsommer!
Max Scharnigg:
Feldversuch – Unser Stück Land vor den
Toren der Stadt
Fischer Taschenbuch Verlag, 2012
15. Juli 2012
Carolee Snyder: Herbal Passions - A gardening novel with herbal recipes
Auch Callie
Gardeners drittes Jahr als selbständige Unternehmerin und Inhaberin der „Joyful
Heart Herb Farm“ ist von sich ständig abwechselnden Höhen und Tiefen geprägt.
Immer wieder steht die junge Frau vor neuen, oft schier unlösbar scheinenden Herausforderungen
und sucht nach Lösungen für ihre Probleme.
Nach seinen
schweren Schussverletzungen kämpft sich Trooper Morgan Wright nur mit grosser
Mühe ins Leben zurück und Callie wächst die Arbeit langsam aber sicher über den
Kopf. Wie gewohnt beginnt die Abarbeitung des riesigen Berges unerledigter
Pendenzen mit dem Erstellen einer „Joblist“. Doch Callies grössten aktuellen
Probleme resultieren aktuell nicht nur aus ihrem Mangel an Personal und sondern
auch daraus, weil sie selber ständig hin und her pendelt zwischen Besuchen am
Krankenbett und der Erledigung der dringendsten Tätigkeiten in ihrem Betrieb.
Das
Mitarbeiter-Problem scheint gelöst, als Callie eine überaus engagierte und wissbegierige Frau anstellen kann. Leider entpuppt sich diese
Wahl als grosse Fehlentscheidung. Nach kurzer intensiver Einarbeitung nutzt
diese Angestellte die Abwesenheit ihrer Chefin und bedient sich zu
Mitarbeiterkonditionen am Grundstock von Callies wertvollem Pflanzenmaterial
und anderen nicht leicht wieder zu beschaffenden Artikeln in der Höhe ihres Restsalärs. Der
unerwartete Verlust der illoyalen Mitarbeiterin samt Mutterpflanzen wird noch getoppt durch
die Tatsache, dass diese in nächster Nähe der „Joyful Heart Herb Farm“ eine
eigene Kräutergärtnerei in einer gut erschlossenen Gegend eröffnet. Schamlos wurden
also nicht nur teilweise fast unersetzbare Pflanzen abgezügelt, sondern auch
noch das von Callie erworbene Know-How ausgenutzt. Doch Callie Gardener ist
eine Kämpferin und gibt sich nicht so leicht geschlagen.
Nachdem Callie
zwei initiative Frauen einstellen kann, wird ihre lang erträumte und zurückhaltend
geplante Englandreise doch noch Wirklichkeit und sie kann in britischen Gärten
schwelgen. Und sie lernt nach einer Brandkatastrophe, dass sich auch aus einer
grossen Zerstörung etwas Positives entwickeln kann – privat und geschäftlich.
Auch dieses
dritte Buch nach "Herbal Beginnings" und "Herbal Choices" rund um die umtriebige
Junggärtnerin Callie Gardener wird mit etlichen Rezepten angereichert und es
wird monatlich eine passende Pflanze mit Hinweisen zu Geschichte und Nutzen
detailliert vorgestellt. Und wie in den Vorgängertiteln fragte sich die Leserin immer
wieder, welche Episoden wohl auf eigenen Erfahrungen der Autorin und Gärtnerin
Carolee Snyder basieren und was Fiktion ist. Ob man/frau auf einen vierten Band
hoffen darf?
Carolee Snyder:
Herbal Passions:
A gardening novel with herbal recipes
AuthorHouse, 2012
11. Juli 2012
Caroly Keene: Nancy Drew – Spurlos verschwunden
Häufig fällt die Zucchetti-Ernte
im heimischen Gemüsegarten dermassen verschwenderisch aus, dass Familie und
Bekannte (zwangs)versorgt werden können oder vielleicht sogar müssen. In River
Heights kommt es im Sommer dieser Geschichte zu keiner Ernteschwemme. Im Gegenteil, bevor
Gärtnerin und Gärtner überhaupt dazu kommen, sich Gedanken über die
verschiedenen Zubereitungsarten des grünen Gemüses zu machen – Zucchettibrot,
Zucchettiquiche, Zucchetti gebraten oder gegrillt? – dringt ein Unbekannter in
verschiedene Gärten ein und zertrampelt sämtliche Zucchetti. Und sorgt damit
für Arbeit für die junge Detektivin Nancy Drew, die mit ihren Freundinnen Bess
und George schon manchen Täter überführt hat.
In ersten Gesprächen beschuldigen sich Nachbarn gegenseitig der Zerstörung der Gemüsegärten. Weshalb verwüstet jemand überhaupt Zucchettibeete? Nancy Drew glaubt nicht an einen Nachbarschaftskrieg, sondern vermutet andere Hintergründe. Doch bevor sie in dieser Angelegenheit näheres herausfindet und sich eine Lösung aufzeigt, gibt es gleich noch ein weiteres Rätsel dringend zu klären. Und zwar wurde ein kostbares Fabergé-Ei aus einer mangelhaft gesicherten Vitrinen in einem Privathaushalt gestohlen. Gibt es einen Zusammenhang zwischen den beiden Vorkommnissen? Die Amateurdetektivin ermittelt auf Hochtouren…
Carolyn Keene:
Nancy Drew – Spurlos verschwunden
Panini Books, 2007
In ersten Gesprächen beschuldigen sich Nachbarn gegenseitig der Zerstörung der Gemüsegärten. Weshalb verwüstet jemand überhaupt Zucchettibeete? Nancy Drew glaubt nicht an einen Nachbarschaftskrieg, sondern vermutet andere Hintergründe. Doch bevor sie in dieser Angelegenheit näheres herausfindet und sich eine Lösung aufzeigt, gibt es gleich noch ein weiteres Rätsel dringend zu klären. Und zwar wurde ein kostbares Fabergé-Ei aus einer mangelhaft gesicherten Vitrinen in einem Privathaushalt gestohlen. Gibt es einen Zusammenhang zwischen den beiden Vorkommnissen? Die Amateurdetektivin ermittelt auf Hochtouren…
Carolyn Keene:
Nancy Drew – Spurlos verschwunden
Panini Books, 2007
7. Juli 2012
Elizabeth Lemarchand: Suddenly while Gardening
Aus dem geplanten
Erholungsurlaub von Detective Chief Superintendent Tom Pollard von New Scotland
Yard wird nichts. Wanderer entdecken in einer alten keltischen Grabstätte
entlang des Jakobsweges sterbliche Überreste, die ganz offensichtlich erst
kürzlich dort abgelegt worden sind. Der Todeszeitpunkt liegt ebenso
eindeutig schon länger zurück. Doch wo hat das Skelett vor dieser Entdeckung
gelegen? Und weshalb wurde es genau jetzt an einer gut frequentierten Stelle
so platziert, dass es unmöglich übersehen werden konnte? Und wer überhaupt ist der oder die Tote?
Fragen über Fragen mit denen sich Tom Pollar und sein Team sowie die örtliche Polizei beschäftigen. Die Beamten sind nicht zu beneiden. Denn welcher potentielle Zeuge weiss schon nach über einem Jahr noch genau, was er gehört und allenfalls beobachtet hat? Der pathologische Bericht datiert den Zeitpunkt des Ablebens auf rund dreizehn bis sechszehn Monate zurück und kann schliesslich auf Ostern 1975 festgelegt werden. Und damit erscheint ein anderer Todesfall als Folge eines Sturzes von einer Leiter während dem Abschneiden von verwelkten Rosenblüten und Aufbinden von längeren Trieben plötzlich in einem ganz anderen Licht.
Im Text werden immer wieder botanische Details eingeflochten. So arbeitet die Tochter eines Verdächtigen an einem „Horticulturel College“ und für die Lösung des Falles ist die Erwähnung von Bedeutung, dass ein Garten auch bei Ferienabwesenheit und Trockenheit regelmässig gewässert werden soll. Gärtnerisch zur Sache geht es aber erst gegen Ende des Buches als die Ermittlungen in die Schlussphase treten.
Ein Krimi ohne blutige Szenen. Zwar nicht gerade in Miss Marple-Manier, aber es ist doch eine schöne Abwechslung wieder einmal zu lesen, wie ein Buchkrimi mit Kombinationsgabe und ohne Hilfe von DNA-Tests, Kameraunterstützung oder anderen modernen Hilfsmitteln gelöst und der Täter überführt wird.
Elizabeth Lemarchand:
Suddenly while Gardening
Dales Large Print Books, 2008
Fragen über Fragen mit denen sich Tom Pollar und sein Team sowie die örtliche Polizei beschäftigen. Die Beamten sind nicht zu beneiden. Denn welcher potentielle Zeuge weiss schon nach über einem Jahr noch genau, was er gehört und allenfalls beobachtet hat? Der pathologische Bericht datiert den Zeitpunkt des Ablebens auf rund dreizehn bis sechszehn Monate zurück und kann schliesslich auf Ostern 1975 festgelegt werden. Und damit erscheint ein anderer Todesfall als Folge eines Sturzes von einer Leiter während dem Abschneiden von verwelkten Rosenblüten und Aufbinden von längeren Trieben plötzlich in einem ganz anderen Licht.
Im Text werden immer wieder botanische Details eingeflochten. So arbeitet die Tochter eines Verdächtigen an einem „Horticulturel College“ und für die Lösung des Falles ist die Erwähnung von Bedeutung, dass ein Garten auch bei Ferienabwesenheit und Trockenheit regelmässig gewässert werden soll. Gärtnerisch zur Sache geht es aber erst gegen Ende des Buches als die Ermittlungen in die Schlussphase treten.
Ein Krimi ohne blutige Szenen. Zwar nicht gerade in Miss Marple-Manier, aber es ist doch eine schöne Abwechslung wieder einmal zu lesen, wie ein Buchkrimi mit Kombinationsgabe und ohne Hilfe von DNA-Tests, Kameraunterstützung oder anderen modernen Hilfsmitteln gelöst und der Täter überführt wird.
Elizabeth Lemarchand:
Suddenly while Gardening
Dales Large Print Books, 2008
3. Juli 2012
Gert Loschütz: Die Bedrohung
Loose,
ein ehemaliger Kulturredaktor, bekommt seit seinem Ausscheiden aus dem
einigermassen geregelten Redaktionsalltag keinen Artikel mehr auf die Reihe.
Seine Pläne schaffen es allesamt nicht über die Planungsphase hinaus und es
bleibt bei diffusen Ideensammlungen. Als er eine Einladung zu einer
internationalen Tagung einer Botanischen Gesellschaft erhält, möchte er diese
trotz dem höchst willkommenen und ziemlich verlockenden Honorar zunächst ablehnen.
Eine zufällig gelesene kleine Notiz in der Rubrik „Aus aller Welt“ veranlasst ihn,
den Entscheid umzukrempeln und doch hinzufahren. Sein Interesse wurde von einer
Meldung geweckt, die über eine unerklärliche Serie von Selbstmorden berichtet,
die sich in einem Wald in unmittelbarer Nähe des Tagungsortes ereignet hat und
die Bevölkerung stark beunruhigt, aber gemeinhin als Zufall abgetan wird.
Während
der Tagung der Botaniker erhält Loose das Angebot, die Leitung einer neu
gegründeten Zeitschrift zu übernehmen, deren Aufgabe darin besteht, die Interessen
der Botanischen Gesellschaft publikumswirksam aufzubereiten und zu vertreten. Looses
persönliches Interesse gilt aber weniger dem durchaus attraktiven und
schmeichelhaften Angebot als den Vorkommnissen im und um den Wald, der ihn wie
magisch anzieht.
Er
verlängert den Aufenthalt im Tagungshotel auf eigene Rechnung und als er auch
das bescheidenere Hotelzimmer nicht mehr zu bezahlen vermag, bekommt er Logis
in einer kleinen Kammer gegen Arbeitseinsatz als Hausdiener. Zwischen
Hilfsarbeiten in Küche und Hof treibt er seine Nachforschungen weiter und es
zieht ihn immer wieder Richtung Wald. Je länger je mehr entwickelt er einen
Hang zum Wahnsinn und verliert den Bezug zur Realität. Er meldet sich nicht mehr bei
seiner Freundin und er vermutet überall Verschwörungstheorien.
Für den
Gartenfreund interessant sind die Hinweise auf Vorträge der Botaniker, in denen
es mal um Photosynthese oder die
Gründung der Botanischen Gesellschaft sowie verschiedene Expeditionen geht und die Entdeckung
eines seltenen Grases durch einen (fiktiven?) Forscher namens Walter Backhaus.
An einer anderen Stelle liest man über die Trauerformen von Bäumen
und von insektenfressenden Pflanzenarten, die wie Jäger Fallen stellen. Eine bemerkenswerte Entdeckung vom Remittendentisch!
Gert Loschütz:
Die Bedrohung
Piper Verlag, 2008
30. Juni 2012
Rita Bertolini: Bodengut – Vom Zauber Vorarlberger Gärten
Wenn man
diese rund dreihundertseitige Publikation im Schnelldurchlauf durchblättert,
fallen einem als erstes die vielen unterschiedlichen Nuancen der Farbe Grün
auf. Bei dem vielen Weiss, das diesen Winter während meiner Lektüre dieses Buches
draussen in Form von Schnee vorherrschte, empfand ich diese Grüntöne wie ein Fest
für die Augen.
Das Buch ist in zehn Kapitel gegliedert:
- Villen und historische Gärten
Das Buch ist in zehn Kapitel gegliedert:
- Villen und historische Gärten
-
Architektur
und Gärten
- Klostergärten
- Bauern- und Nutzgärten
- Wiesenmeister
- Bäuerlich anmutende Gärten und Nutzgärten
- Industrie- und Migrantengärten
- Therapiegarten Carina
- Private Gärten
- Gastgärten
- Klostergärten
- Bauern- und Nutzgärten
- Wiesenmeister
- Bäuerlich anmutende Gärten und Nutzgärten
- Industrie- und Migrantengärten
- Therapiegarten Carina
- Private Gärten
- Gastgärten
Das Buch
zeigt viele verschiedene Gärten, aber immer nur einen kleinen Ausschnitt, nie
die gesamte Parzelle oder Anlage. Die Texte sind sehr kurz gehalten, der Fokus
wird eindeutig auf die (in Bezug auf die Druckqualität nicht immer optimalen) Fotos
gelegt. Es werden wie aus den Kapitelüberschriften ersichtlich ist, die
verschiedensten Gartentypen vorgestellt. Sympathisch fand ich, dass die Gärten
nicht übermässig herausgeputzt sind, so sind zum Beispiel Buchspflanzen abgebildet,
die für andere Publikationen wohl erst zurechtgestutzt worden wären.
Gleich
im ersten Kapitel erfährt der Leser, dass in Vorarlberg die meisten als
historisch zu bezeichnenden Gartenanlagen noch recht jung sind. Diese sind
nämlich zumeist während dem Aufschwung der Industrie im 19. Jahrhundert
entstanden. Und welcher Gartenfreund wird nicht ein wenig neidisch auf den
Platz an einem Schreibtisch in Feldkirch, der bei offenen Fensterflügeln direkt
im Waldgarten zu stehen scheint? In Hörbranz wiederum findet sich ein Garten,
in dem als nicht wegzudenkende Elemente eine Steinbibliothek, Arbeitsmaschinen
und Bambus fungieren. An einer anderen Stelle liest man von
Wiesenmeisterschaften, die aufzeigen sollen, dass Lebensräume für Pflanzen und
Tiere nur bewahrt werden können, wenn diese standortgerecht genutzt werden. Es
handelt sich denn auch nicht um einen Mähwettbewerb, sondern um eine Bewertung
und Auszeichnung von naturgemäss gepflegten Mager- und Fettwiesen.
Vor
etlichen Jahren haben wir jeweils die Skiferien im Montafon verbracht. Die Region
Vorarlberg in meinem Kopf ist also hauptsächlich Weiss. Nach der Lektüre von
„Bodengut“ ist nun auf eine eindrückliche Weise eine weitere Farbe dazugekommen
– Grün. Und die Erkenntnis, dass die Gegend auch zwischen Frühling und Herbst
einen Besuch und Blicke hinter die Zäune Wert wäre. Einladend sind ja nicht
zuletzt auch die verschiedenen abgebildeten Gastgärten (Gartenwirtschaften).
Rita Bertolini:
Bodengut – Vom Zauber Vorarlberger Gärten
Bertolini Verlag, 2009
26. Juni 2012
Eva Almstädt: Ostseefluch
Die
Bemühungen der achtzehnjährigen Gärtnerstochter Milena, im Garten
Gemüse anzuziehen, entpuppen sich als Energie-, Zeit- und
Wasserverschwendung. Die schon fast endlos andauernde Hitzeperiode in
Schleswig-Holstein tut das ihre dazu, dass auch die zähesten Pflänzlein
vertrocknen. Und dann wird die junge Frau tot im Garten des
heruntergekommenen Anwesens auf Fehmarn gefunden, wo sie die letzten
Monate in einer Wohngemeinschaft gelebt hat. Wieso ist Milena umgebracht
worden? Wer hat ein Motiv? Liegt tatsächlich eine Fluch auf dem
„Mordkuhlen“ genannten Gelände seit sich hier vor rund einem
Vierteljahrhundert eine schreckliche Familientragödie ereignet hat?
Ein
angeblich herumirrender Geist, eine bigotte Mutter und ein Vater, der
als Gärtnerei-Tycoon von Ostholstein gilt, sowie eine Organisation, die
Fälle von illegalem Pflanzenschutzmittelverbrauch aufdeckt und es sich
zum Ziel gesetzt hat, die Bevölkerung über den massiven Einsatz von
gesundheitsgefährdenden Pestiziden zu informieren sind Puzzleteile in
der Lösung dieses Verbrechens.
Während
den Ermittlungen befallen die ermittelnde Kommissarin und
alleinerziehende Mutter Pia Korritki immer wieder persönliche Zweifel.
Sie kann nichts mit Geistergeschichten anfangen, aber sie kommt nicht
umhin, Parallelen zwischen dem angeblichen erzieherischen Versagen von
Milenas Mutter und ihren eigenen diesbezüglichen Bemühungen bei ihrem
Söhnchen Felix anzustellen. Leider lassen sich nicht alle Probleme so
einfach aus der Welt schaffen, wie die schlechten Gerüche in einem
Secondhandgeschäft, die ein gewisser Aleister mit einer Reinigung aus
Salbei oder Asafoetida vertreiben will...
Ostseefluch
Bastei Lübbe, 2012
22. Juni 2012
Janice Marriott und Virginia Pawsey: Common Table – An uncommon tale of friendship and food
In
dieser zweiten gemeinsamen Publikation von Janice Marriott und Virginia Pawsey
in Form von Briefwechseln stehen Küche und Kochen im Vordergrund. Doch was wäre
gesundes Essen ohne frisches Gemüse aus dem Garten? So geht es auch zwischen
Rezepten und Alltagsgeschichten aus Farmleben und Bürobetrieb immer mal wieder
ums Gärtnern. Beide Frauen betonen denn auch immer wieder, wie wichtig ihnen
gärtnern und kochen ist.
Küche
und Garten können auf vielfältige Weise miteinander verbunden werden. Gemäss
einem Tipp im Buch sollen stark verbrannte Kochtöpfe für eine Weile im Garten
vergraben werden. Anschliessend soll die Reinigung mühelos möglich sein.
Vielleicht ist dieser Ratschlag ja einen Versuch wert? Als wahres Wundermittel
wird an einer anderen Stelle Natron (baking soda) angepriesen. Es erfüllt nicht
nur vielfältige Aufgaben im Reinigungsbereich, sondern soll sich angeblich sogar in der
Krebsbehandlung bewähren. Da aber damit kein Geld zu verdienen ist, wird laut
der Korrespondenz dieses Wissen nicht allgemein verbreitet.
Der
briefliche Rezeptaustausch wird von einer Erkrankung in Virginias familiärem
Umfeld überschattet, die eine komplette Ernährungsumstellung notwendig macht.
Ab sofort darf aus gesundheitlichen Gründen nur noch völlig ungesalzenes Essen
konsumiert werden. Janice aufmunternde Worte und vor allem das Schreiben von
Briefen sind Virginia eine willkommene Abwechslung und Unterstützung in dieser
schwierigen Zeit ohne Parmesan, Speck, Oliven und mit fadem Risotto. Die Leserin freut sich schliesslich mit der
Farmerin mit, als die Ärzte Entwarnung geben und sie die Familienspeisen wieder
zurückhaltend mit Salz würzen darf.
Als Europäerin
schätze ich an diesem Briefwechsel besonders den Einblick in den
neuseeländischen Alltag. In der Korrespondenz liest man von einem Wettbewerb um
das sinnvollste Erdbeben-Set. Da gibt es beispielsweise einen
„Nachbarschaftspreis“ für das einzige Set, das einen Deodorant enthält und
einen „Mission Impossible Award“ für ein Set voller Büchsennahrung - aber ohne
Büchsenöffner. Beim Lesen dieser Erdebebenvorbereitungs-Massnahmen erinnert man sich unwillkürlich an die
verschiedenen Naturkatastrophen, die sich in jüngster Zeit in Neuseeland
ereignet haben und fragt sich, wie weit wohl die beiden Frauen und ihre
Familien davon betroffen sind.
Die
lesende Gärtnerin mag die Briefe interessieren, die vom verzwickten Aufbau eines
Kleingewächshauses handeln, der (beinahe) eine Ehekrise auslöst. Stichworte
sind da beispielsweise das Nichtlesen von Anleitungen, Instabilität, Teile, die nach dem Aufbau
noch herumliegen …
Janice
Marriott und Virginia Pawsey:
Common
Table – An uncommon tale of friendship and food
Harper Collins Publishers, 2010
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