Haben Sie sich schon mal geärgert, weil Sie hierzulande vergeblich etwas kaufen wollten, das Ihnen im Ausland gute Dienste geleistet hat? Sarah Fasolin wollte nach einem Gartenurlaub in England, in welchem ihr ein Gartenreiseführer nützlich war, ein Schweizerisches Pendant erwerben und musste feststellen, dass ein solcher noch nicht geschrieben worden ist. Kurz entschlossen hat die Gartentexterin diese Aufgabe selber übernommen und während acht Monaten die Schweiz kreuz und quer durchreist.
380 Gärten und Parks hat sie besucht, 300 haben es schliesslich in die Publikation geschafft. Die Reiseroute folgte der Vegetationsentwicklung vom Süden in den Norden und vom Flachland in hügeligere Gebiete bis zum Alpengarten auf rund 2000 Meter über Meer. Die am Foto-Vortrag „Gartenzauber Schweiz“ in der Kartause Ittingen von der Autorin gezeigte Grafik über ihre Reisewege war jedenfalls ausserordentlich beeindruckend.
Alphabetisch vom Kanton Aargau bis zum Kanton Zürich werden die verschiedensten Gartentypen vorgestellt. Auf der vorderen Umschlaginnenseite ist eine Schweizer Karte abgebildet, auf welcher im jeweiligen Kanton die Seitenzahl aufgeführt ist, ab welcher die entsprechenden Kapitel und Kurzportraits zu finden sind. Auf der hinteren Umschlaginnenseite sind die Zeichenerklärungen zu den im Buch verwendeten Piktogrammen. Die einzelnen Kapitel beginnen jeweils mit einer Einleitung, in welcher die Autorin etwa auf geschichtliche Hintergründe oder auf besondere gartenkulturelle Begebenheiten hinweist. Jede Gartenvorstellung wird komplettiert mit Angaben zu den Eigentümern, Adresse, besonderen Attraktionen, Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln usw.
Für die kleine Schweiz mit ihren grossen klimatischen und landschaftlichen Unterschieden hat Sarah Fasolin eine erstaunliche Vielfalt an Gartentypen dokumentiert: einen Panzerhöckergarten, Schlossgärten, Landschaftsparks, Friedhofgärten, Schaugärten, ein Volksgarten, Skulpturengärten, Gemeinschaftsgärten, Alpengärten, Künstlergärten, Museumsgärten, Sammlergärten, Botanische Gärten, ein Medizinal-Pflanzen-Garten und viele andere mehr. Auch im Hinblick auf die Grösse, den Zeitpunkts der Entstehung oder die Bepflanzung der Gärten deckt die Publikation ein grosses Spektrum an unterschiedlichen Gartentypen ab. Im Serviceteil finden sich Hinweise auf wichtige regelmässige Gartenveranstaltungen, ein Index sämtlicher Gärten nach Ortschaften geordnet sowie Literaturhinweise. Für I-Phone-Besitzer ist der trotz seines Umfangs von über 400 Seiten handliche Reiseführer auch als App erhältlich.
Zu entdecken gibt es beispielsweise eine Mini-Welt aus Farnen und Moosen, einen Rosengarten auf über 1200 Meter über Meer, eine grosse Sammlung seltener Stauden und im Garten „Am Ende der Welt“ werden die Pflanzen um ihre Meinung gebeten, wo sie gerne ihre Wurzeln ausstrecken wollen. Ein anderer Garten wartet mit fast drei Dutzend Sitzplätzen auf, während es von einem anderen heisst, es finde sich alle zehn Schritte eine Sitzgelegenheit.
Die einzelnen Portraits sind aus Platzgründen kurz und knapp gefasst und werden oft visuell durch Fotos ergänzt. Immer wieder finden sich auch Informationen zu den Beweggründen, wieso ein bestimmter Gartenstil gewählt worden ist. So soll der Garten ordentlich sein, weil der Schreibtisch stets chaotisch ist und ein anderer Gärtner verrät, dass er einige Pflanzen besonders wegen ihres botanischen Namens mag, derweilen ein Dritter gefüllt blühende rote Leberblümchen in Erinnerung an seine Gotte hegt. In der Südschweiz lassen sich zur richtigen Jahreszeit und nach Voranmeldung eine vom Dalai Lama gesegnete tibetische Magnolie bewundern und ein Exemplar der Magnolie „Princes Margaret“, das von (oder mit Unterstützung) der Namenspatronin gepflanzt worden ist.
Zwischen den Zeilen mag man auch etwas die Vorlieben der Autorin zu deuten versuchen, wenn sie bei der Beschreibung eines Künstlerinnengartens mit umstrickten Bäumen die Grenze von Kitsch und Kunst erwähnt und hin und wieder gibt es einen Vermerk über brachliegendes Potential oder ganz offensichtlich mangelnde Pflege. Noch einiges mehr an persönlichen Erlebnissen und Eindrücken verrät Sarah Fasolin an ihren Foto-Vorträgen (Termine hier). Sie berichtet an diesen Anlässen über die Entstehung des Führers und ihre manchmal berührenden Begegnungen während ihrer hortikulturellen Tour de Suisse.
Mit ihrem Reiseführer beweist Sarah Fasolin, dass Gartenliebhaber nicht unbedingt nach England, Holland oder Belgien fahren müssen – auch hierzulande finden sich viele sehenswerte Gärten. Trotz den verhältnismässig geringen Ausmassen unseres Landes ist man erfahrungsgemäss oft länger als beabsichtigt unterwegs, um ein (Garten-)Ziel zu erreichen. Sei es, weil man sich verfahren oder verlaufen hat oder eben die Wege doch nicht so kurz sind, wie angenommen. Um die jeweiligen Gärten auch in Ruhe geniessen zu können, ist es von Vorteil, sich für einen Tag nicht zu viel vorzunehmen und mit Hilfe des Reisebegleiters gut zu planen. Für den Kanton Luzern findet sich in diesem sogar eine Anleitung zu einer idealen Gartenreise.
Beim Lesen des Führers habe ich festgestellt, dass ich zwar schon etliche der präsentierten Gärten kenne, aber bis anhin trotzdem nur über einen Bruchteil der Gartenwege persönlich gelaufen bin. Schon unzählige Male bin ich am nicht weit von meinem Wohnort gelegenen Schlosspark Andelfingen vorbeigefahren und habe schon oft über diesen gelesen – vielleicht schaffe ich es demnächst dank dem auf Seite 366 im Buch angebrachten Post-it-Zettel, mir diesen mal in Natura anzuschauen.
Sarah Fasolin:
Gartenreiseführer Schweiz
Callwey Verlag, 2014
1. April 2014
28. März 2014
Zuletzt ausgelesen: Dirk Kruse – Tod im Botanischen Garten
Der Buchumschlag mit Verwendung eines Bildes von Maria Sibylla Merian und der Buchtitel selber lassen (nicht ganz umsonst) einen hortikulturellen Hintergrund in diesem Kriminalroman vermuten. Und tatsächlich wird Bonvivant Frank Beaufort in seinem dritten Fall von seinem ehemaligen Doktorvater gebeten, sich um die Aufklärung von diversen Diebstählen von wertvollen Büchern und Kunstwerken in der Erlanger Universitätsbibliothek zu kümmern und die Nachforschungen führen eben auch in den titelgebenden Botanischen Garten.
Frank Beaufort ist in Sachen moderner Gadgets nicht auf dem neuesten Stand, dafür kennt er unzählige Zitate aus der Literatur und setzt bei seinen Ermittlungen auf sein umfangreiches Allgemeinwissen, seine Beobachtungsgabe und seine Intuition. Und wenn er sich zuweilen in brenzligen Situationen wie etwa an Tatorten wiederfindet, kann er sich immer auf die Hilfe seines Freundes, einem Richter, verlassen.
Das Interesse an der Aufklärung der Kunstdiebstähle rückt etwas in den Hintergrund, als ein Kurator nach einem Fenstersturz tot aufgefunden wird. Während die Polizei von einem Suizid ausgeht, kann Beaufort dieser Schlussfolgerung nicht zustimmen. Vor der innert Wochenfrist geplanten Ausstellungseröffnung sollen die Bibliotheksdiebstähle aufgeklärt sein, weil dann das Fehlen einer Dürer-Grafik nicht mehr länger verheimlicht werden kann.
Besteht allenfalls ein Zusammenhang zwischen den Diebstählen und dem Todesfall? Einem Buch von Maria Sibylla Merian ist nicht nur das Umschlagmotiv entnommen, sondern eine Originalausgabe eines Werks dieser Künstlerin spielt auch eine wichtige Rolle in der Aufklärung in einem der zu lösenden Fälle.
Dirk Kruse:
Tod im Botanischen Garten
Ars Vivendi Verlag, 2012
Frank Beaufort ist in Sachen moderner Gadgets nicht auf dem neuesten Stand, dafür kennt er unzählige Zitate aus der Literatur und setzt bei seinen Ermittlungen auf sein umfangreiches Allgemeinwissen, seine Beobachtungsgabe und seine Intuition. Und wenn er sich zuweilen in brenzligen Situationen wie etwa an Tatorten wiederfindet, kann er sich immer auf die Hilfe seines Freundes, einem Richter, verlassen.
Das Interesse an der Aufklärung der Kunstdiebstähle rückt etwas in den Hintergrund, als ein Kurator nach einem Fenstersturz tot aufgefunden wird. Während die Polizei von einem Suizid ausgeht, kann Beaufort dieser Schlussfolgerung nicht zustimmen. Vor der innert Wochenfrist geplanten Ausstellungseröffnung sollen die Bibliotheksdiebstähle aufgeklärt sein, weil dann das Fehlen einer Dürer-Grafik nicht mehr länger verheimlicht werden kann.
Besteht allenfalls ein Zusammenhang zwischen den Diebstählen und dem Todesfall? Einem Buch von Maria Sibylla Merian ist nicht nur das Umschlagmotiv entnommen, sondern eine Originalausgabe eines Werks dieser Künstlerin spielt auch eine wichtige Rolle in der Aufklärung in einem der zu lösenden Fälle.
Dirk Kruse:
Tod im Botanischen Garten
Ars Vivendi Verlag, 2012
24. März 2014
Gabriele Tergit: Der alte Garten
Von der Tulpenmanie im 17. Jahrhundert in Holland liest man immer mal wieder, wenn diese etwa im Zusammenhang mit Turbulenzen an den Börsen als erstes Börsencrash-Beispiel herangezogen wird. Aber haben Sie gewusst, dass im 18. Jahrhundert in England eine Ranunkelmanie herrschte? Im Jahr 1792 waren tausende Sorten im Umlauf, 1820 wurden noch deren 800 angeboten. Aber auch für Hyazinthenzwiebeln wurden einst beeindruckende Geldbeträge hingeblättert. Gab es 1597 erst vier Sorten, waren es 1725 schon rund 2000 und ein Preis von 4‘000 Mark galt als üblich. Da erscheint der Preis für eine Aurikel im 17. Jahrhundert mit 400 Mark ja fast günstig. In dem kleinen Büchlein „Der alte Garten“ führt Gabriele Tergit (1894 – 1982) durch Jahrhunderte, ja Jahrtausende in der Kulturgeschichte der Blumen - gespickt mit Anekdoten, Kuriositäten, Sitten und Bräuchen und paralleler Vermittlung von Einblicken in wichtige historische Ereignisse.
Nach einer als sentimental betitelten Einleitung über die Freude an der Natur folgen Abschnitte mit Titeln wie „Die Päonie der Chinesen und die Lotusblume der Ägypter“, „Die sakrale Lilie“, „Rosennarretei“, „Le Notre und die Verbannung der Blumen in den Küchengarten“ und „Englischer contra französischer Garten“. Die Autorin hält fest, dass es natur- oder garten-gemäss ist, dass Gärtner ein hohes Alter erreichen und setzt das menschliche Leben in Zusammenhang mit dem Gartenjahr. Stark zusammengekürzt bedeutet dies, dass das Leben im Februar mit der Geburt anfängt; der Monat Juli steht für das Alter vierzig, August und September für die Ernte des Lebens und November und Dezember repräsentieren die Menschenjahre zwischen siebzig und neunzig, in welchen Geist und Körper vertrocknen und sowohl Mensch als auch Natur enden im Januar im weissen Totenhemd.
Im Text erfährt man weiter, dass im alten Ägypten der Gastgeberin keine Blumen mitgebracht wurden, dafür aber die Gäste Kränze aus Lotusblumen erhielten. Letztere galten auch in Indien als wichtiges Symbol. Die Zeiten haben auch in Sachen Namensgebung einen Wandel erfahren. Während römische Familien den Namen von Blumen annahmen, wurden in den letzten Jahrhunderten umgekehrt Blumen nach ihren Entdeckern oder nach Botanikern benannt. Auch Blüten auf dem Teller sind keine Erfindung unserer Zeit. Bereits im Mittelalter wurden Speisen mit Blumen gesüsst und Braten mit Blumen gewürzt.
Weiter berichtet Gabriele Tergit von Zeiten, in der die Natur verdächtig war und es sogar päpstlich verboten war, sich mit ihr zu beschäftigen. Mindestens so seltsam mutet die Passage an, an der die Autorin davon erzählt, dass sich eine Darmstädter Freundin von Goethe zuweilen in ein offenes Grab unter einer Rosenlaube legte, um (Zitat) „die Empfindung des Sterbens vom Hauch und Duft der Natur umweht, auszukosten“. Thematisiert werden auch die Aufs und Abs der Nelke in der Gunst der Blumenliebhaber, die Autorin geht auf die Begründung der Chemie durch die Araber ein, erzählt über das Leben des Albert Magnus und davon, dass im 17. Jahrhundert 33 Medizinen aus Rosen bekannt waren, mit denen Krankheiten geheilt wurden.
Waren Blumen lange Jahre (fast) ausschliesslich wegen ihrer Heilwirkung, ihres Nährwerts und der zugesagten Zauberwirkung geschätzt, fiel der Fokus in der Renaissance im Zusammenhang mit dem Aufkommen des Buchdrucks und von Blumenentdeckern oder Pflanzenjägern auf die Schönheit derselben. Thema ist schliesslich auch der Übergang vom Sammeln möglichst vieler verschiedener Pflanzen im Garten zu ersten architektonisch gestalteten Anlagen.
Im Juli 1991 habe ich in der Zeitschrift „Mein schöner Garten“ ein Inserat mit folgendem Text aufgegeben: „Unterhaltsame Gartenbücher – Zu meiner Lieblingslektüre gehören Gartenbücher, die in Romanform geschrieben sind. Meisterhaft verstanden dies beispielsweise Richard Katz, Karel Capek und Jo Hanns Rösler. Ich bin ständig auf der Suche nach neuen unterhaltsamen Titeln. Wer verhilft mir zu weiteren vergnüglichen Lesestunden?“
Sie fragen sich, was diese Anzeige mit dieser Buchvorstellung zu tun hat? Nun, in der Folge habe ich verschiedene Gartenliteraturtipps erhalten, darunter eben auch Hinweise auf das Buch „Kaiserkron' und Päonien rot“ von Gabriele Tergit, das aber schon dannzumal längst vergriffen bzw. nur noch antiquarisch erhältlich war. Meine Büchergestelle platzen auch ohne (oder mit nur wenigen) Büchern aus zweiter Hand aus allen Nähten, so dass dieses Buch über zwanzig Jahre einen Stammplatz auf meiner ewigen Wunschliste hatte.
Dank der aktuellen Neuauflage des ersten Teils der Originalausgabe des Buches, kann ich es dort nun herauslöschen - nicht ohne nach der Lektüre festzustellen, dass sich das lange Warten gelohnt hat. Ein nicht unbedeutender Teil des Charmes dieses Büchleins ist nach meinem Empfinden darauf zurückzuführen, dass es vor über fünfzig Jahren verfasst worden ist. Und zuletzt hoffe ich, dass der zweite Teil der Ausgabe aus dem Jahr 1958 demnächst auch noch neu aufgelegt und die Reihe der immer wieder bemerkenswerten Gartenlesebücher vom Schöffling Verlag noch lange weitergeführt wird.
Gabriele Tergit:
Der alte Garten
Schöffling und Co., 2014
Nach einer als sentimental betitelten Einleitung über die Freude an der Natur folgen Abschnitte mit Titeln wie „Die Päonie der Chinesen und die Lotusblume der Ägypter“, „Die sakrale Lilie“, „Rosennarretei“, „Le Notre und die Verbannung der Blumen in den Küchengarten“ und „Englischer contra französischer Garten“. Die Autorin hält fest, dass es natur- oder garten-gemäss ist, dass Gärtner ein hohes Alter erreichen und setzt das menschliche Leben in Zusammenhang mit dem Gartenjahr. Stark zusammengekürzt bedeutet dies, dass das Leben im Februar mit der Geburt anfängt; der Monat Juli steht für das Alter vierzig, August und September für die Ernte des Lebens und November und Dezember repräsentieren die Menschenjahre zwischen siebzig und neunzig, in welchen Geist und Körper vertrocknen und sowohl Mensch als auch Natur enden im Januar im weissen Totenhemd.
Im Text erfährt man weiter, dass im alten Ägypten der Gastgeberin keine Blumen mitgebracht wurden, dafür aber die Gäste Kränze aus Lotusblumen erhielten. Letztere galten auch in Indien als wichtiges Symbol. Die Zeiten haben auch in Sachen Namensgebung einen Wandel erfahren. Während römische Familien den Namen von Blumen annahmen, wurden in den letzten Jahrhunderten umgekehrt Blumen nach ihren Entdeckern oder nach Botanikern benannt. Auch Blüten auf dem Teller sind keine Erfindung unserer Zeit. Bereits im Mittelalter wurden Speisen mit Blumen gesüsst und Braten mit Blumen gewürzt.
Weiter berichtet Gabriele Tergit von Zeiten, in der die Natur verdächtig war und es sogar päpstlich verboten war, sich mit ihr zu beschäftigen. Mindestens so seltsam mutet die Passage an, an der die Autorin davon erzählt, dass sich eine Darmstädter Freundin von Goethe zuweilen in ein offenes Grab unter einer Rosenlaube legte, um (Zitat) „die Empfindung des Sterbens vom Hauch und Duft der Natur umweht, auszukosten“. Thematisiert werden auch die Aufs und Abs der Nelke in der Gunst der Blumenliebhaber, die Autorin geht auf die Begründung der Chemie durch die Araber ein, erzählt über das Leben des Albert Magnus und davon, dass im 17. Jahrhundert 33 Medizinen aus Rosen bekannt waren, mit denen Krankheiten geheilt wurden.
Waren Blumen lange Jahre (fast) ausschliesslich wegen ihrer Heilwirkung, ihres Nährwerts und der zugesagten Zauberwirkung geschätzt, fiel der Fokus in der Renaissance im Zusammenhang mit dem Aufkommen des Buchdrucks und von Blumenentdeckern oder Pflanzenjägern auf die Schönheit derselben. Thema ist schliesslich auch der Übergang vom Sammeln möglichst vieler verschiedener Pflanzen im Garten zu ersten architektonisch gestalteten Anlagen.
Im Juli 1991 habe ich in der Zeitschrift „Mein schöner Garten“ ein Inserat mit folgendem Text aufgegeben: „Unterhaltsame Gartenbücher – Zu meiner Lieblingslektüre gehören Gartenbücher, die in Romanform geschrieben sind. Meisterhaft verstanden dies beispielsweise Richard Katz, Karel Capek und Jo Hanns Rösler. Ich bin ständig auf der Suche nach neuen unterhaltsamen Titeln. Wer verhilft mir zu weiteren vergnüglichen Lesestunden?“
Sie fragen sich, was diese Anzeige mit dieser Buchvorstellung zu tun hat? Nun, in der Folge habe ich verschiedene Gartenliteraturtipps erhalten, darunter eben auch Hinweise auf das Buch „Kaiserkron' und Päonien rot“ von Gabriele Tergit, das aber schon dannzumal längst vergriffen bzw. nur noch antiquarisch erhältlich war. Meine Büchergestelle platzen auch ohne (oder mit nur wenigen) Büchern aus zweiter Hand aus allen Nähten, so dass dieses Buch über zwanzig Jahre einen Stammplatz auf meiner ewigen Wunschliste hatte.
Dank der aktuellen Neuauflage des ersten Teils der Originalausgabe des Buches, kann ich es dort nun herauslöschen - nicht ohne nach der Lektüre festzustellen, dass sich das lange Warten gelohnt hat. Ein nicht unbedeutender Teil des Charmes dieses Büchleins ist nach meinem Empfinden darauf zurückzuführen, dass es vor über fünfzig Jahren verfasst worden ist. Und zuletzt hoffe ich, dass der zweite Teil der Ausgabe aus dem Jahr 1958 demnächst auch noch neu aufgelegt und die Reihe der immer wieder bemerkenswerten Gartenlesebücher vom Schöffling Verlag noch lange weitergeführt wird.
Gabriele Tergit:
Der alte Garten
Schöffling und Co., 2014
19. März 2014
Heidi Howcroft (Text) und Marianne Majerus (Fotos): Englische Gartenikonen – Die Schöpferinnen des englischen Gartenstils und ihre Gärten
In ihrer aktuellsten Publikation hat sich Heidi Howcroft auf die Spuren von bedeutenden Schöpferinnen des englischen Gartenstils und ihren Gärten begeben. Thematisch gegliedert in die Kapitel „Von den Meisterinnen lernen“, „Geerbt, gebaut, gepflanzt – die neuen Gärten“ und „Einflüsse von der grünen Insel“ stellt sie die nachstehend aufgeführten Gartenikonen vor und zeigt auf, von welchen Einflüssen diese selber geprägt waren, wie sie ihre eigenen Ideen umgesetzt und wie sich ihre Gartenstile weiterverbreitet haben:
Rosamund Wallinger, Vita Sackville-West, Beatrix Havergal, Margery Fish, Rosemary Verey, Beth Chatto, Mary Keen, Anne Chambers, Gill Richardson, Lady Xa Tolemache, Rachel James, Rosanna James, Sue Whittington und Helen Dillon.
Zumindest einige dieser Gartengestalterinnen sind einem auch hierzulande bekannt, wenn man sich ein wenig mit der Gartenwelt beschäftigt. Doch auch in deren Portraits gibt’s Informationen zum (Wieder-)Entdecken. So weist die Autorin darauf hin, dass Rosemary Verey mit der Anlage ihres berühmten Potagers in Barnsley Garden den Boden dafür (mit-)geebnet hat, dass der Gemüseanbau heute wieder vorzeigbar ist. Falls Sie Rosen mögen, ist ihnen die Kiftsgate-Rose wahrscheinlich nicht unbekannt. Die ebenfalls portraitierte Anne Chambers gärtnert in der dritten Generation in Kiftsgate Court Gardens, wo seit rund achtzig Jahren das „Original“ der Kiftsgate-Rose wächst. Diese Pflanze wurde einst in einer Gärtnerei als Moschata-Rose gekauft, später als unbekannte Form identifiziert und schliesslich von Graham Thomas auf den Namen „Kiftsgate“ getauft.
Rosamund Wallinger hat die bemerkenswerte Herausforderung angenommen, ohne gärtnerische Kenntnisse die Wiederherstellung eines verwilderten Getrude Jekyll-Gartens in Angriff zu nehmen. Als Basis dienten ihr Pläne und alte Fotografien. Die schwierige Aufgabe hat sie mehr als souverän gelöst. Sie betont aber unermüdlich, dass der Garten Upton Grey eine Nachbildung von Gertrude Jekylls Kunst ist und keinesfalls ihre eigene Kunst. Über ihre eigenen hortikulturellen Erfahrungen hat sie zwei (englische) Bücher verfasst, die zusammen mit verschiedenen anderen Titeln in der Literaturliste im Anhang des Buches aufgeführt werden.
Auch in England sind die klimatischen Bedingungen nicht überall (annähernd) perfekt für gärtnerische Erfolge. Gill Richardson kämpft in Lincolnshire nicht nur gegen den Ostwind, auch verschiedene Vierbeiner machen ihr das Leben schwer. Muntjaks - kleine Hirsche - haben sich ausgerechnet ihre Helleboren als Lieblingsmahlzeit auserkoren. Doch trotz schwierigen Bedingungen hat die Gärtnerin ein Meisterwerk geschaffen und kombiniert immer wieder andere Pflanzen zu neuen Gartenbildern.
Helen Dillon ist eine bekannte irische Gärtnerin, deren Bücher leider bis jetzt ebenfalls (noch) nicht auf Deutsch übersetzt worden sind. Die Inselgärtnerin löst mit oft radikalen Veränderungen im Garten immer wieder Kopfschütteln aus. Denn viele Zeitungsleser kennen ihr grünes Reich aus Dillons regelmässig publizierten Kolumnen und scheinen oft deutlich weniger experimentierfreudig zu sein, als die Gestalterin selber. Diese ersetzt schon mal den Rasen durch ein formales Wasserbecken und stellt nach dem Entdecken der silbern bepflanzten Blumenrabatten in Metz die heimische Farbpalette nicht nur in Frage, sondern empfindet diese plötzlich als stark verbesserungswürdig. In Frankreich lohnt es sich übrigens nicht nur in Metz, "Blumeninseln“ genauer zu betrachten – u.a. auch in Nancy, Lyon und Paris finden sich in kommunalen Anlagen harmonisch abgestimmte Staudenkombinationen.
So wie diese für die englische Gartenbewegung prägenden Gärtnerinnen Kenntnisse über das Anlegen von stimmungsvollen Blumengärten wenigstens zum Teil von Vorfahren, Gleichgesinnten und aus Publikationen wie etwa Russel Pages „The Education of a Gardener“ übernommen haben, kann der Leser in diesem prächtig illustrierten Band Inspirationen für den eigenen Garten übernehmen. Oder zumindest von stimmigen Kombinationen in Farbe und Struktur träumen. Die wunderschöne Verbindung von Himalaya-Mohn mit Akeleien wird hierzulande ziemlich sicher leider nicht in der abgebildeten Pracht gedeihen, aber vielleicht lohnt sich ein Versuch mit einem Laubengang aus Wicken? Den Abschluss der mehrseitigen Portraits bilden jeweils ein von passenden Fotos begleiteter Leitfaden sowie Hinweise auf Leitpflanzen und ein Leitmotiv der jeweiligen Gärtnerin. So sieht Sue Whittington in jedem Pflanzenverlust die Chance, etwas Neues auszuprobieren.
Heidi Howcroft (Text) und Marianne Majerus (Fotos):
Englische Gartenikonen – Die Schöpferinnen des englischen Gartenstils und ihre Gärten
Callwey Verlag, 2014
Rosamund Wallinger, Vita Sackville-West, Beatrix Havergal, Margery Fish, Rosemary Verey, Beth Chatto, Mary Keen, Anne Chambers, Gill Richardson, Lady Xa Tolemache, Rachel James, Rosanna James, Sue Whittington und Helen Dillon.
Zumindest einige dieser Gartengestalterinnen sind einem auch hierzulande bekannt, wenn man sich ein wenig mit der Gartenwelt beschäftigt. Doch auch in deren Portraits gibt’s Informationen zum (Wieder-)Entdecken. So weist die Autorin darauf hin, dass Rosemary Verey mit der Anlage ihres berühmten Potagers in Barnsley Garden den Boden dafür (mit-)geebnet hat, dass der Gemüseanbau heute wieder vorzeigbar ist. Falls Sie Rosen mögen, ist ihnen die Kiftsgate-Rose wahrscheinlich nicht unbekannt. Die ebenfalls portraitierte Anne Chambers gärtnert in der dritten Generation in Kiftsgate Court Gardens, wo seit rund achtzig Jahren das „Original“ der Kiftsgate-Rose wächst. Diese Pflanze wurde einst in einer Gärtnerei als Moschata-Rose gekauft, später als unbekannte Form identifiziert und schliesslich von Graham Thomas auf den Namen „Kiftsgate“ getauft.
Rosamund Wallinger hat die bemerkenswerte Herausforderung angenommen, ohne gärtnerische Kenntnisse die Wiederherstellung eines verwilderten Getrude Jekyll-Gartens in Angriff zu nehmen. Als Basis dienten ihr Pläne und alte Fotografien. Die schwierige Aufgabe hat sie mehr als souverän gelöst. Sie betont aber unermüdlich, dass der Garten Upton Grey eine Nachbildung von Gertrude Jekylls Kunst ist und keinesfalls ihre eigene Kunst. Über ihre eigenen hortikulturellen Erfahrungen hat sie zwei (englische) Bücher verfasst, die zusammen mit verschiedenen anderen Titeln in der Literaturliste im Anhang des Buches aufgeführt werden.
Auch in England sind die klimatischen Bedingungen nicht überall (annähernd) perfekt für gärtnerische Erfolge. Gill Richardson kämpft in Lincolnshire nicht nur gegen den Ostwind, auch verschiedene Vierbeiner machen ihr das Leben schwer. Muntjaks - kleine Hirsche - haben sich ausgerechnet ihre Helleboren als Lieblingsmahlzeit auserkoren. Doch trotz schwierigen Bedingungen hat die Gärtnerin ein Meisterwerk geschaffen und kombiniert immer wieder andere Pflanzen zu neuen Gartenbildern.
Helen Dillon ist eine bekannte irische Gärtnerin, deren Bücher leider bis jetzt ebenfalls (noch) nicht auf Deutsch übersetzt worden sind. Die Inselgärtnerin löst mit oft radikalen Veränderungen im Garten immer wieder Kopfschütteln aus. Denn viele Zeitungsleser kennen ihr grünes Reich aus Dillons regelmässig publizierten Kolumnen und scheinen oft deutlich weniger experimentierfreudig zu sein, als die Gestalterin selber. Diese ersetzt schon mal den Rasen durch ein formales Wasserbecken und stellt nach dem Entdecken der silbern bepflanzten Blumenrabatten in Metz die heimische Farbpalette nicht nur in Frage, sondern empfindet diese plötzlich als stark verbesserungswürdig. In Frankreich lohnt es sich übrigens nicht nur in Metz, "Blumeninseln“ genauer zu betrachten – u.a. auch in Nancy, Lyon und Paris finden sich in kommunalen Anlagen harmonisch abgestimmte Staudenkombinationen.
So wie diese für die englische Gartenbewegung prägenden Gärtnerinnen Kenntnisse über das Anlegen von stimmungsvollen Blumengärten wenigstens zum Teil von Vorfahren, Gleichgesinnten und aus Publikationen wie etwa Russel Pages „The Education of a Gardener“ übernommen haben, kann der Leser in diesem prächtig illustrierten Band Inspirationen für den eigenen Garten übernehmen. Oder zumindest von stimmigen Kombinationen in Farbe und Struktur träumen. Die wunderschöne Verbindung von Himalaya-Mohn mit Akeleien wird hierzulande ziemlich sicher leider nicht in der abgebildeten Pracht gedeihen, aber vielleicht lohnt sich ein Versuch mit einem Laubengang aus Wicken? Den Abschluss der mehrseitigen Portraits bilden jeweils ein von passenden Fotos begleiteter Leitfaden sowie Hinweise auf Leitpflanzen und ein Leitmotiv der jeweiligen Gärtnerin. So sieht Sue Whittington in jedem Pflanzenverlust die Chance, etwas Neues auszuprobieren.
Heidi Howcroft (Text) und Marianne Majerus (Fotos):
Englische Gartenikonen – Die Schöpferinnen des englischen Gartenstils und ihre Gärten
Callwey Verlag, 2014
15. März 2014
Zuletzt ausgelesen: Lucinda Riley – Die Mitternachtsrose
Lucinda Riley besetzt mit ihren Büchern regelmässig vordere Plätze in den Bestseller-Listen. Zuletzt habe ich hier im Blog von dieser Autorin "Der Lavendelgarten" und "Das Orchideenhaus" vorgestellt. Die aktuellste Publikation „Die Mitternachtsrose“ ist in vielen Buchhandlungen fast übertrieben omnipräsent und ausführliche Rezensionen finden sich mit wenigen Klicks im Internet. Deshalb erspare ich mir eine detaillierte Beschreibung, verlinke hier zur Inhaltsangabe auf die Webseite des Verlags und beschränke meine Zeilen auf die (geringen) hortikulturellen Vorkommnisse auf den knapp 600 Seiten dieses Romans.
Das alte, etwas heruntergekommene Herrenhaus Astbury dient als Kulisse für einen Film, der in den 1920er Jahren spielt. Umgeben wird das Anwesen von einem Blumengarten, viel Rasen und einem Park. Eine Orangerie beherbergte einst unzählige exotische Mitbringsel aus aller Welt. Aktuell kümmert sich ein traurig und einsam wirkender Gärtner um die Pflanzen, zu denen auch die titelgebende Mitternachtsrose gehört. Deren samtigen Blüten erscheinen fast schwarz, erscheinen zuverlässig und verwandeln die alte Pflanze in ein Schmuckstück.
Im Lauf der Lektüre wird die Leserin Zeugin, wie ein Ableger dieses dornigen Rosenbuschs vor ein Cottage in der Nähe des Herrenhausses gepflanzt wird. Neben diesem Häuschen stand dannzumal ein kleines Gewächshaus, in und neben dem eine kräuterkundige Frau Heilpflanzen angebaut und mit den Kräutern vielen Menschen geholfen hat.
Ein Roman, um ein dunkles Geheimnis in der Vergangenheit, in dem sich Vergangenheit und Fiktion vermischen und die Leserin nebenbei Einblick in die indische Kultur und in englische Gepflogenheiten in der beschriebenen Zeit erhält.
Lucinda Riley:
Die Mitternachtsrose
Wilhelm Goldmann Verlag, 2013
Das alte, etwas heruntergekommene Herrenhaus Astbury dient als Kulisse für einen Film, der in den 1920er Jahren spielt. Umgeben wird das Anwesen von einem Blumengarten, viel Rasen und einem Park. Eine Orangerie beherbergte einst unzählige exotische Mitbringsel aus aller Welt. Aktuell kümmert sich ein traurig und einsam wirkender Gärtner um die Pflanzen, zu denen auch die titelgebende Mitternachtsrose gehört. Deren samtigen Blüten erscheinen fast schwarz, erscheinen zuverlässig und verwandeln die alte Pflanze in ein Schmuckstück.
Im Lauf der Lektüre wird die Leserin Zeugin, wie ein Ableger dieses dornigen Rosenbuschs vor ein Cottage in der Nähe des Herrenhausses gepflanzt wird. Neben diesem Häuschen stand dannzumal ein kleines Gewächshaus, in und neben dem eine kräuterkundige Frau Heilpflanzen angebaut und mit den Kräutern vielen Menschen geholfen hat.
Ein Roman, um ein dunkles Geheimnis in der Vergangenheit, in dem sich Vergangenheit und Fiktion vermischen und die Leserin nebenbei Einblick in die indische Kultur und in englische Gepflogenheiten in der beschriebenen Zeit erhält.
Lucinda Riley:
Die Mitternachtsrose
Wilhelm Goldmann Verlag, 2013
11. März 2014
Sarah Jio: The Last Camellia
Um die Jahrtausendwende zieht die Amerikanerin Addison mit ihrem Mann Rex in das englische Herrenhaus Livingston Manor, das ihre Schwiegereltern kürzlich erworben haben. Die junge Frau führt ein eigenes Landschaftsgestaltungsbüro und wird gleich vom riesigen Garten, der die Liegenschaft umgibt, magisch angezogen. Während ihr Mann vom Landsitz inspiriert ein neues Buch schreibt, vertieft sich Addison in das Buch „The Years“ von Virginia Woolf, das einst einer Frau namens Flora gehört hat. Neben dem eigentlichen Text fasziniert sie besonders die Widmung einer Georgia auf der ersten Seite: „The true oft he matter is that we always know the right thing to do. The hard part is doing it“. Wer waren Flora und Georgia?
Weitere Rätsel geben Addison der Fund eines alten Gartenbuchs auf, in dem auf einem Gartenplan neben vielen verschiedenen Kamelien unerklärliche Codes eingetragen sind. Addison setzt sich per Email mit einer befreundeten Botanikerin in Verbindung und erfährt Hintergrundwissen über eine ganz besondere Kamelie, die den Namen „Middlebury Pink“ trägt. Weitere Nachforschungen die Vergangenheit ihres neuen Heims betreffend führen zu einer beträchtlichen Anzahl verschwundener junger Frauen, deren Schicksal nie geklärt worden ist und mit dem sogenannten „Jack the Ripper von Clivebrook“ in Verbindung gebracht werden. In Addison keimt der schreckliche Verdacht auf, dass die Spur dieser Frauen in den Kameliengarten von Livingston Manor führt. Doch auch sie selber trägt ein dunkles Geheimnis aus ihrer Vergangenheit mit sich herum, das sie in England wieder einholt.
Ein zweiter Erzählstrang führt ins Jahr 1940. Vor mehr als einem halben Jahrhundert hat nämlich bereits eine andere Amerikanerin den gleichen Weg wie Addison von New York auf den ehemaligen Landsitz der Livingstons zurückgelegt. Die verzweifelte Bäckerstochter Flora hat damals keine andere Möglichkeit gesehen, ihre Eltern finanziell zu unterstützen, als auf ein dubioses Angebot einzugehen. Denn während ihre Eltern glauben, Floras ehrenamtliche Tätigkeit im Botanischen Garten von New York habe ihr eine Stelle als Botanikerin in London eingebracht, sieht die Wahrheit nicht ganz so rosig aus. Flora wird nämlich von einem zwielichtigen Mr. Price, der seine eigene betrügerische Tätigkeit schönfärberisch mit „Vermittler“ bezeichnet, als Nanny in die Familie von Lord Livingston eingeschleust. Das Wichtigste an Floras Aufgabe ist nicht die Kinderbetreuung, sondern dass die junge Amerikanerin sich Zutritt in den herrschaftlichen Garten voll besonderer Kamelien verschafft. Sie soll herausfinden, wo ein ganz besonderes seltenes Exemplar der Kamelie“ Middlebury Pink“ wächst, und den Standort rapportieren. Ein zahlungskräftiger Käufer aus dem dritten Reich möchte die weisse Rarität mit pinken Spitzen unbedingt und für jeden Preis erwerben.
Die junge Amerikanerin übernimmt die Betreuung und Erziehung der vier Kinder der auf mysteriöse Weise verstorbenen Lady Anna und schafft es rasch, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Dank ihrem grünen Daumen wird Flora auch die Pflege der Pflanzen im Gewächshaus von Lady Anna anvertraut. In dem handgeschriebenen Buch „The Camellias of Livingston Manor“ von Anna Livingston findet Flora schliesslich Details zu den preisgekrönten Kamelien der verstorbenen Lady, die sich hauptsächlich durch das Studium von Pflanzenbüchern ein immenses Wissen angeeignet hatte. Zum eigentlichen Garten, in dem viele seltene Pflanzen aus allen Ecken der Welt versammelt sind, bekommt Flora kaum Zugang. Sie beobachtet dort aber nachts wiederholt merkwürdige Vorkommisse und gerät selber unvermittelt in grosse Gefahr, als sie trotz ihrem hortikulturellen Wissen eine Ausrede von wegen wild wachsenden Kartoffeln nicht richtig einordnet.
Sarah Jio:
The Last Camellia
Plume (Penguin Group), 2013
Weitere Rätsel geben Addison der Fund eines alten Gartenbuchs auf, in dem auf einem Gartenplan neben vielen verschiedenen Kamelien unerklärliche Codes eingetragen sind. Addison setzt sich per Email mit einer befreundeten Botanikerin in Verbindung und erfährt Hintergrundwissen über eine ganz besondere Kamelie, die den Namen „Middlebury Pink“ trägt. Weitere Nachforschungen die Vergangenheit ihres neuen Heims betreffend führen zu einer beträchtlichen Anzahl verschwundener junger Frauen, deren Schicksal nie geklärt worden ist und mit dem sogenannten „Jack the Ripper von Clivebrook“ in Verbindung gebracht werden. In Addison keimt der schreckliche Verdacht auf, dass die Spur dieser Frauen in den Kameliengarten von Livingston Manor führt. Doch auch sie selber trägt ein dunkles Geheimnis aus ihrer Vergangenheit mit sich herum, das sie in England wieder einholt.
Ein zweiter Erzählstrang führt ins Jahr 1940. Vor mehr als einem halben Jahrhundert hat nämlich bereits eine andere Amerikanerin den gleichen Weg wie Addison von New York auf den ehemaligen Landsitz der Livingstons zurückgelegt. Die verzweifelte Bäckerstochter Flora hat damals keine andere Möglichkeit gesehen, ihre Eltern finanziell zu unterstützen, als auf ein dubioses Angebot einzugehen. Denn während ihre Eltern glauben, Floras ehrenamtliche Tätigkeit im Botanischen Garten von New York habe ihr eine Stelle als Botanikerin in London eingebracht, sieht die Wahrheit nicht ganz so rosig aus. Flora wird nämlich von einem zwielichtigen Mr. Price, der seine eigene betrügerische Tätigkeit schönfärberisch mit „Vermittler“ bezeichnet, als Nanny in die Familie von Lord Livingston eingeschleust. Das Wichtigste an Floras Aufgabe ist nicht die Kinderbetreuung, sondern dass die junge Amerikanerin sich Zutritt in den herrschaftlichen Garten voll besonderer Kamelien verschafft. Sie soll herausfinden, wo ein ganz besonderes seltenes Exemplar der Kamelie“ Middlebury Pink“ wächst, und den Standort rapportieren. Ein zahlungskräftiger Käufer aus dem dritten Reich möchte die weisse Rarität mit pinken Spitzen unbedingt und für jeden Preis erwerben.
Die junge Amerikanerin übernimmt die Betreuung und Erziehung der vier Kinder der auf mysteriöse Weise verstorbenen Lady Anna und schafft es rasch, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Dank ihrem grünen Daumen wird Flora auch die Pflege der Pflanzen im Gewächshaus von Lady Anna anvertraut. In dem handgeschriebenen Buch „The Camellias of Livingston Manor“ von Anna Livingston findet Flora schliesslich Details zu den preisgekrönten Kamelien der verstorbenen Lady, die sich hauptsächlich durch das Studium von Pflanzenbüchern ein immenses Wissen angeeignet hatte. Zum eigentlichen Garten, in dem viele seltene Pflanzen aus allen Ecken der Welt versammelt sind, bekommt Flora kaum Zugang. Sie beobachtet dort aber nachts wiederholt merkwürdige Vorkommisse und gerät selber unvermittelt in grosse Gefahr, als sie trotz ihrem hortikulturellen Wissen eine Ausrede von wegen wild wachsenden Kartoffeln nicht richtig einordnet.
Sarah Jio:
The Last Camellia
Plume (Penguin Group), 2013
6. März 2014
Christa Hasselhorst (Text) und Ursell Borstell (Fotos): Geliebte Küchengärten – Eine Reise durchs Schlaraffenland
Das Schlaraffenland ist laut Definition im Duden ein märchenhaftes Land für Schlemmer und Faulenzer. Der erste Teil der Bedeutung lässt sich sinnverwandt auf die portraitierten Küchengärtnerinnen und -gärtner in Christa Hasselhorsts neuester Publikation übertragen. Nicht faulenzen, sondern Wissen und zielstrebiges Gärtnern gepaart mit Wetterglück führt zum im Buch vorgeführten Erntesegen. Da passt die Bemerkung aus dem vorgestellten Garten der Familie Paasen: „Welch schöne Arbeit!“. Im gleichen Portrait ist auch der Unterschied in der Wahrnehmung des Begriffs Arbeit zwischen niederländischen und deutschen Gartenbesuchern zu lesen. Während der Deutsche sagt „schön, aber viel Arbeit“, findet der Niederländer „viel schöne Arbeit“.
„Geliebte Küchengärten“ ist das fünfte gemeinschaftliche Buchprojekt von Christa Hasselhorst und Ursel Borstell. Basis für die nun vorliegende Sofareise bildeten Fahrten, die quer durch Deutschland bis in die Schweiz und nach Österreich geführt haben. Die Portraits der fünfundzwanzig Gärten, die den Weg ins Buch gefunden haben, beinhalten neben mundwässernden Fotos und dem Textteil einen Steckbrief mit Daten zu Lage, Besitzer, Grösse, Planung und der Art des Gartens. Vereinzelt sind die Portraits mit Rezepten wie "Sylter Strandsalat" oder "Kartoffel-Eigelb-Raviolo" ergänzt und einige Gärtner verraten Tipps, wie etwa die Zusammensetzung von „Schwester Christas Pflanzenjauche“ oder den Nutzen von zerriebenen, scharfkantigen Eierschalen zur Schneckenbekämpfung.
Die einzelnen Kapitel locken mit Überschriften wie „Hier landet alles auf dem Teller“, „Kabinett für die Kulinarik“ oder „Leckerbissen im Barock-Rahmen“. Dahinter verbergen sich Schreber- Bauern-, Kloster-, Gourmet- oder Landhausgärten in unterschiedlichen Grössen, deren Besitzer sich samt und sonders auch als passionierte Köche entpuppen. Die Autorin bezeichnet einen Gourmetgärtner gleich als Botaniker, Kräuterhexer, Aromen-Exeperten und Würz-Magier in Personalunion.
Ob die vorgestellten Küchengärtner der familiären Tradition verpflichtet sind oder nicht vom Einheitsangebot im Supermarkt abhängig sein wollen - geschätzt wird nicht nur der ausgeprägte Geschmack des selber gezogenen Gemüses, sondern auch die Wirkung aufs Auge. Die Gärten sollen nützlich, gleichzeitig aber auch schön sein. Beliebt sind einerseits "gewöhnliche" Gemüse und traditionelle Klassiker, anderseits aber auch immer öfter Gemüsesorten, die früher saisonal regelmässig aufgetischt wurden, in den letzten Jahrzehnten jedoch aus den Gärten verschwunden sind. In den Gemüserabatten gedeihen Bohnen, Feder- und Palmkohl, Pastinaken und Malabarspinat, aber auch alte Getreidesorten wie Proveisergerste, Zwergweizen und Kolbhirse. Und ganz sicher kommt hier keiner auf die Idee, Obst und Gemüse wegzuwerfen, wie es in unserer Wohlstandsgesellschaft ja leider gang und gäbe ist.
Im Garten Kirsch-Brohmann in Niedersachsen sind wegen ungeeignetem sandigen Boden Blumenkohl und Lauch durch ein prächtiges Mohnmeer ersetzt worden, das Verwendung in Backwaren findet. Trotzdem spendet der Garten dermassen viel Gemüse, so dass das Fleisch eines Tages weggelassen wurde. Nicht in allen präsentierten Gärten kommt das Gemüse nach der Ernte in die Küche und schliesslich auf den Tisch. Sowohl im Schau-Küchengarten Schloss Wildegg wie auch im Allgäuer Saatgut-Garten werden in erster Linie (seltene) Schätze angepflanzt, um Saatgut zu ernten, damit vom Aussterben bedrohte Sorten weitervermehrt werden können.
Im Anhang des Buches finden sich Adressen und Hinweise zu Besuchsmöglichkeiten sowie nützliche Bezugsquellen für Saatgut und Pflanzen und ein Register.
Der Leser erhält in dieser Publikation zahlreiche Anregungen für den eigenen Garten und die heimische Küche. Die stimmigen Fotos wecken schon beim ersten Durchblättern Lust aufs Entdecken der einzelnen Gärten. Die Texte fand ich zuweilen gar knapp bemessen und hätte es geschätzt, etwas mehr über portraitierten Gärtner und ihre Gärten zu erfahren.
Christa Hasselhorst (Text) und Ursell Borstell (Fotos):
Geliebte Küchengärten – Eine Reise durchs Schlaraffenland
Eugen Ulmer Verlag, 2014
„Geliebte Küchengärten“ ist das fünfte gemeinschaftliche Buchprojekt von Christa Hasselhorst und Ursel Borstell. Basis für die nun vorliegende Sofareise bildeten Fahrten, die quer durch Deutschland bis in die Schweiz und nach Österreich geführt haben. Die Portraits der fünfundzwanzig Gärten, die den Weg ins Buch gefunden haben, beinhalten neben mundwässernden Fotos und dem Textteil einen Steckbrief mit Daten zu Lage, Besitzer, Grösse, Planung und der Art des Gartens. Vereinzelt sind die Portraits mit Rezepten wie "Sylter Strandsalat" oder "Kartoffel-Eigelb-Raviolo" ergänzt und einige Gärtner verraten Tipps, wie etwa die Zusammensetzung von „Schwester Christas Pflanzenjauche“ oder den Nutzen von zerriebenen, scharfkantigen Eierschalen zur Schneckenbekämpfung.
Die einzelnen Kapitel locken mit Überschriften wie „Hier landet alles auf dem Teller“, „Kabinett für die Kulinarik“ oder „Leckerbissen im Barock-Rahmen“. Dahinter verbergen sich Schreber- Bauern-, Kloster-, Gourmet- oder Landhausgärten in unterschiedlichen Grössen, deren Besitzer sich samt und sonders auch als passionierte Köche entpuppen. Die Autorin bezeichnet einen Gourmetgärtner gleich als Botaniker, Kräuterhexer, Aromen-Exeperten und Würz-Magier in Personalunion.
Ob die vorgestellten Küchengärtner der familiären Tradition verpflichtet sind oder nicht vom Einheitsangebot im Supermarkt abhängig sein wollen - geschätzt wird nicht nur der ausgeprägte Geschmack des selber gezogenen Gemüses, sondern auch die Wirkung aufs Auge. Die Gärten sollen nützlich, gleichzeitig aber auch schön sein. Beliebt sind einerseits "gewöhnliche" Gemüse und traditionelle Klassiker, anderseits aber auch immer öfter Gemüsesorten, die früher saisonal regelmässig aufgetischt wurden, in den letzten Jahrzehnten jedoch aus den Gärten verschwunden sind. In den Gemüserabatten gedeihen Bohnen, Feder- und Palmkohl, Pastinaken und Malabarspinat, aber auch alte Getreidesorten wie Proveisergerste, Zwergweizen und Kolbhirse. Und ganz sicher kommt hier keiner auf die Idee, Obst und Gemüse wegzuwerfen, wie es in unserer Wohlstandsgesellschaft ja leider gang und gäbe ist.
Im Garten Kirsch-Brohmann in Niedersachsen sind wegen ungeeignetem sandigen Boden Blumenkohl und Lauch durch ein prächtiges Mohnmeer ersetzt worden, das Verwendung in Backwaren findet. Trotzdem spendet der Garten dermassen viel Gemüse, so dass das Fleisch eines Tages weggelassen wurde. Nicht in allen präsentierten Gärten kommt das Gemüse nach der Ernte in die Küche und schliesslich auf den Tisch. Sowohl im Schau-Küchengarten Schloss Wildegg wie auch im Allgäuer Saatgut-Garten werden in erster Linie (seltene) Schätze angepflanzt, um Saatgut zu ernten, damit vom Aussterben bedrohte Sorten weitervermehrt werden können.
Im Anhang des Buches finden sich Adressen und Hinweise zu Besuchsmöglichkeiten sowie nützliche Bezugsquellen für Saatgut und Pflanzen und ein Register.
Der Leser erhält in dieser Publikation zahlreiche Anregungen für den eigenen Garten und die heimische Küche. Die stimmigen Fotos wecken schon beim ersten Durchblättern Lust aufs Entdecken der einzelnen Gärten. Die Texte fand ich zuweilen gar knapp bemessen und hätte es geschätzt, etwas mehr über portraitierten Gärtner und ihre Gärten zu erfahren.
Christa Hasselhorst (Text) und Ursell Borstell (Fotos):
Geliebte Küchengärten – Eine Reise durchs Schlaraffenland
Eugen Ulmer Verlag, 2014
1. März 2014
Gabriele Hefele: Mein andalusischer Gärtner
Im Jahr 2000 ziehen Gabriele Hefele und ihr Mann nach Andalusien auf eine Finca mit rund 34‘000 Quadratmetern Umschwung. Hier sammelt die ungeduldige Autorin ihre ersten hortikulturellen Erfahrungen im Gemüsegarten, den sie etwas voreilig noch während Umbauarbeiten anlegt. Doch die Grösse des Geländes macht die Anstellung eines Gärtners notwendig.
Zwar ist nicht gleich der erste unter Vertrag genommene Gärtner ein Glücksgriff, aber mit dem im Buch Miguel genannten Arbeiter haben die Auswanderer eine gute Wahl getroffen. Er weiss nicht nur genau, welche Bäume zur Befruchtung einen Partnerbaum brauchen (etwa Johannisbrotbäume), welche Bäume man im Sommer nicht giessen soll (gibt Würmer in den Früchten) und was es mit den zuckerwatteähnlichen Gebilden auf Pinien auf sich hat (gefährliche Parasiten, die Allergieschocks auslösen können), sondern führt die Deutschen in der vormittäglichen Kaffeepause auch in die andalusische Kultur ein, hilft beim Überwinden von gelegentlich auftretenden Sprachbarrieren und betätigt sich als Lehrer in Sachen Geschichte der Iberischen Halbinsel.
Auch der Leser lernt nebenbei etwas Spanisch, da viele Ausdrücke in dieser Sprache festgehalten werden. Daneben gibt’s viele Garten- und Tiertipps zu lesen, wobei diese natürlich vorwiegend die südliche Hemisphäre betreffen, und nur beschränkt im nördlicheren Europa anzuwenden sind. Die Ratschläge, die Mondphasen zu beachten und vor dem Giessen um die Pflanzen Mulden zu bilden, dank denen vor allem bei grosser Hitze das kostbare Wasser direkt an die Wurzeln gelangen soll, sind aber auch in hiesigen Gefilden sinnvoll, während Hinweise für den besten Zeitpunkt fürs Umpflanzen nicht eins zu eins übernommen werden kann.
Daneben liest man auch mal einen juristischen Tipp (über angeeignetes Besitztum aus Gewohnheitsrecht), über vergnügliche Flamenco-Lektionen, immer wieder über die fast heilige Neun-Uhr-Pause und über Erfahrungen, die das Leben schreibt. Nämlich zum Beispiel die, dass sich der Südländer lösungs- und der Nord- und Mitteleuropäer vorschriftenorientiert verhält.
Am Schluss dieser Anekdotensammlung stehen Komplimente des andalusischen Gärtners Miguel an seine deutschen Arbeitgeber. Nicht zu übertreffen soll die Tatsache sein, dass er schon über vier Jahre bei ihnen arbeitet. So lange hat er es (der nicht mehr 25 Jahre alt ist), noch an keiner Stelle ausgehalten. Miguel verteilt am Schluss der Lektüre nicht nur Komplimente. Er verrät auch noch, ob die Autorin tatsächlich eine überzeugte Gärtnerin ist oder eher nicht.
Fünf Jahre nach der Publikation dieses Büchleins bleibt offen, ob der andalusische Gärtner heute noch auf der Finca arbeitet. Und ob Die Flamenco-Kleider-Sammlung der Autorin inzwischen ähnliche Ausmasse angenommen hat, wie die Dirndl-Sammlung in Bayern…
Gabriele Hefele:
Mein andalusischer Gärtner
Editorial alhulia, 2008
Zwar ist nicht gleich der erste unter Vertrag genommene Gärtner ein Glücksgriff, aber mit dem im Buch Miguel genannten Arbeiter haben die Auswanderer eine gute Wahl getroffen. Er weiss nicht nur genau, welche Bäume zur Befruchtung einen Partnerbaum brauchen (etwa Johannisbrotbäume), welche Bäume man im Sommer nicht giessen soll (gibt Würmer in den Früchten) und was es mit den zuckerwatteähnlichen Gebilden auf Pinien auf sich hat (gefährliche Parasiten, die Allergieschocks auslösen können), sondern führt die Deutschen in der vormittäglichen Kaffeepause auch in die andalusische Kultur ein, hilft beim Überwinden von gelegentlich auftretenden Sprachbarrieren und betätigt sich als Lehrer in Sachen Geschichte der Iberischen Halbinsel.
Auch der Leser lernt nebenbei etwas Spanisch, da viele Ausdrücke in dieser Sprache festgehalten werden. Daneben gibt’s viele Garten- und Tiertipps zu lesen, wobei diese natürlich vorwiegend die südliche Hemisphäre betreffen, und nur beschränkt im nördlicheren Europa anzuwenden sind. Die Ratschläge, die Mondphasen zu beachten und vor dem Giessen um die Pflanzen Mulden zu bilden, dank denen vor allem bei grosser Hitze das kostbare Wasser direkt an die Wurzeln gelangen soll, sind aber auch in hiesigen Gefilden sinnvoll, während Hinweise für den besten Zeitpunkt fürs Umpflanzen nicht eins zu eins übernommen werden kann.
Daneben liest man auch mal einen juristischen Tipp (über angeeignetes Besitztum aus Gewohnheitsrecht), über vergnügliche Flamenco-Lektionen, immer wieder über die fast heilige Neun-Uhr-Pause und über Erfahrungen, die das Leben schreibt. Nämlich zum Beispiel die, dass sich der Südländer lösungs- und der Nord- und Mitteleuropäer vorschriftenorientiert verhält.
Am Schluss dieser Anekdotensammlung stehen Komplimente des andalusischen Gärtners Miguel an seine deutschen Arbeitgeber. Nicht zu übertreffen soll die Tatsache sein, dass er schon über vier Jahre bei ihnen arbeitet. So lange hat er es (der nicht mehr 25 Jahre alt ist), noch an keiner Stelle ausgehalten. Miguel verteilt am Schluss der Lektüre nicht nur Komplimente. Er verrät auch noch, ob die Autorin tatsächlich eine überzeugte Gärtnerin ist oder eher nicht.
Fünf Jahre nach der Publikation dieses Büchleins bleibt offen, ob der andalusische Gärtner heute noch auf der Finca arbeitet. Und ob Die Flamenco-Kleider-Sammlung der Autorin inzwischen ähnliche Ausmasse angenommen hat, wie die Dirndl-Sammlung in Bayern…
Gabriele Hefele:
Mein andalusischer Gärtner
Editorial alhulia, 2008
24. Februar 2014
Anne Wareham: The Bad Tempered Gardener
Ann Wareham hat mit „The Bad Tempered Gardener“ gleichzeitig eines der spezielleren wie auch der lesenswertesten Gartenbücher der letzten Jahre geschrieben. Auf rund 160 Seiten tut sie ihre Meinung zu den verschiedensten hortikulturellen Themen kund und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Logisch, dass sie sich damit nicht nur Freunde macht. Erwarten Sie also weder ein „how-to-do-book“ noch eines, in dem die Aussagen eins zu eins mit üblicherweise verbreiteten, oft geschönten und/oder immer wieder ungeprüft übernommenen Ansichten übereinstimmen. Und vielleicht geht es ihnen ja wie der Sofagärtnerin und Sie denken während der Lektüre immer mal wieder, Sie selber hätten der Autorin Teile des Textes vordiktiert oder zumindest Gedankenanstösse geliefert.
Die Titel der Kapitel in unterschiedlichen Längen erscheinen ganz unverfänglich und lauten etwa:
- Plant Obssessives
- Deadheading
- New Media
- The Veg Plot
- Show Gardens
- Visitors oder
- A History of the Site
Einzelne Überschriften lassen aber doch schon etwas Aufmüpfigkeit durchschimmern:
- Truth and The Garden World
- I hate Gardening
- Experts und
- Are Gardens for Gardeners?
Für sie enttäuschende Besuche in bekannten und vielgelobten Gartenanlagen führen der Autorin vor Augen, dass ihr eigener Garten mit strenge Linien und Mustern strukturiert sein muss. Grösstmögliche Wirkung erzielt sie mit Wiederholungen von unzähligen gleichen Pflanzen und sie will keinesfalls einen Sammlergarten anlegen. Da nur beschränkte finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, um einen vergleichsweise grossen Garten mit Grünzeug zu füllen, nutzt Anne Wareham Pflanzen gewissermassen als Waffen, die grosse Flächen schnell und günstig überwachsen sollen.
Anne Wareham ist selber nicht unendlich fasziniert von Pflanzen, sondern betrachtet diese in erster Linie als Werkzeug, um ihre Ideen von Gartengestaltung umzusetzen. Ihre Vorliebe gilt nicht minimalen Unterschieden in Blüte und Struktur, sondern grosszügigen Effekten. So beklagen sich ihre Gartenbesucher immer mal wieder über ihre angeblich langweiligen Pflanzen. Doch wem muss der Garten eigentlich gefallen? Der Gärtnerin oder dem Besucher?
Gartenwege sind mit Enttäuschungen gepflastert. Die Autorin selber liebt Showgärten – aber nicht wegen der dort präsentierten Gärten, sondern wegen der Begegnungen. Und sie ist selber enttäuscht, wenn sie in der Gärtnerei ein Auge auf eine bestimmte Pflanze geworfen hat, und sich diese als unverkäufliche Mutterpflanze entpuppt. In ihrer Tätigkeit als Journalistin hat sie ausserdem gelernt, von ihr verfasste Text nie in der endgültigen oft zur Unkenntlichkeit gekürzten Druckversion zu lesen, um sich so manchen Dämpfer zu ersparen. Ebenfalls ein Thema sind die unterschiedlichen Status von Gartenschriftstellern, Gartenbesitzern und Fotografen, die in direktem Zusammenhang damit stehen, dass die meisten Leser nicht lesen, sondern Bilder anschauen (darum heisst es ja auch lesen …).
Die Autorin berichtet von ihren eigenen Erfahrungen mit der Produktion von TV-Sendungen und macht sich Gedanken die Veränderung von Technologien und die Auswirkungen von Neuen Medien wie Blogs und Twitter auf das Gärtnern. Für ihre Idee, ein Buch mit ungeschönten Kritiken über Gärten zu verfassen, fand sie bis jetzt keinen Verleger. Doch ist wirklich alles Mainstream? Die Geschmäcker und Ansprüche sind nun mal wie die Hintergründe und Erwartungen der Betrachter verschieden.
Weiter berichtet Anne Wareham offen über ihre eigenen Erfahrungen mit (unbefriedigenden) Chemieeinsätzen im Garten und listet Tätigkeiten auf, die sie nie erledigt. Dazu gehören das Wenden des Komposts, Blumentöpfe schrubben, Rasenkanten schneiden und das Reinigen von Gartenwerkzeug. Sie erzählt von (beinah) gebrochenem Herzen, wenn Kaninchen in kürzester Zeit mühsam gezogene Pflänzlein zerstören, von der Leere, die sie empfindet, wenn sie Gartensendungen mit vielen hübschen Bildern und wenig Informationsgehalt im Fernsehen ansieht und vom Zwiespalt zwischen den Erwartungen von Gastgebern und Besuchern in offenen Gärten.
Aus den Fotos im Buch ist unschwer zu erkennen, dass der Garten der Autorin viel Schneidearbeit mit sich bringt. Kein Wunder ist in dieser Publikation nicht von Gelassenheit und pflegeleichten Gärten die Rede, sondern von vergänglichem Enthusiasmus sowie Kummer und Anstrengung (aber natürlich auch von Erfolgserlebnissen und der Liebe zur Natur!). Und Anne Wareham vergleicht die Hausarbeit mit Gärtnern und meint, staubfrei sei identisch mit unkrautfrei. Stimmt nicht! Oder vielleicht doch ein bisschen?
Anne Wareham:
The Bad Tempered Gardener
Frances Lincoln, 2011
Die Titel der Kapitel in unterschiedlichen Längen erscheinen ganz unverfänglich und lauten etwa:
- Plant Obssessives
- Deadheading
- New Media
- The Veg Plot
- Show Gardens
- Visitors oder
- A History of the Site
Einzelne Überschriften lassen aber doch schon etwas Aufmüpfigkeit durchschimmern:
- Truth and The Garden World
- I hate Gardening
- Experts und
- Are Gardens for Gardeners?
Für sie enttäuschende Besuche in bekannten und vielgelobten Gartenanlagen führen der Autorin vor Augen, dass ihr eigener Garten mit strenge Linien und Mustern strukturiert sein muss. Grösstmögliche Wirkung erzielt sie mit Wiederholungen von unzähligen gleichen Pflanzen und sie will keinesfalls einen Sammlergarten anlegen. Da nur beschränkte finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, um einen vergleichsweise grossen Garten mit Grünzeug zu füllen, nutzt Anne Wareham Pflanzen gewissermassen als Waffen, die grosse Flächen schnell und günstig überwachsen sollen.
Anne Wareham ist selber nicht unendlich fasziniert von Pflanzen, sondern betrachtet diese in erster Linie als Werkzeug, um ihre Ideen von Gartengestaltung umzusetzen. Ihre Vorliebe gilt nicht minimalen Unterschieden in Blüte und Struktur, sondern grosszügigen Effekten. So beklagen sich ihre Gartenbesucher immer mal wieder über ihre angeblich langweiligen Pflanzen. Doch wem muss der Garten eigentlich gefallen? Der Gärtnerin oder dem Besucher?
Gartenwege sind mit Enttäuschungen gepflastert. Die Autorin selber liebt Showgärten – aber nicht wegen der dort präsentierten Gärten, sondern wegen der Begegnungen. Und sie ist selber enttäuscht, wenn sie in der Gärtnerei ein Auge auf eine bestimmte Pflanze geworfen hat, und sich diese als unverkäufliche Mutterpflanze entpuppt. In ihrer Tätigkeit als Journalistin hat sie ausserdem gelernt, von ihr verfasste Text nie in der endgültigen oft zur Unkenntlichkeit gekürzten Druckversion zu lesen, um sich so manchen Dämpfer zu ersparen. Ebenfalls ein Thema sind die unterschiedlichen Status von Gartenschriftstellern, Gartenbesitzern und Fotografen, die in direktem Zusammenhang damit stehen, dass die meisten Leser nicht lesen, sondern Bilder anschauen (darum heisst es ja auch lesen …).
Die Autorin berichtet von ihren eigenen Erfahrungen mit der Produktion von TV-Sendungen und macht sich Gedanken die Veränderung von Technologien und die Auswirkungen von Neuen Medien wie Blogs und Twitter auf das Gärtnern. Für ihre Idee, ein Buch mit ungeschönten Kritiken über Gärten zu verfassen, fand sie bis jetzt keinen Verleger. Doch ist wirklich alles Mainstream? Die Geschmäcker und Ansprüche sind nun mal wie die Hintergründe und Erwartungen der Betrachter verschieden.
Weiter berichtet Anne Wareham offen über ihre eigenen Erfahrungen mit (unbefriedigenden) Chemieeinsätzen im Garten und listet Tätigkeiten auf, die sie nie erledigt. Dazu gehören das Wenden des Komposts, Blumentöpfe schrubben, Rasenkanten schneiden und das Reinigen von Gartenwerkzeug. Sie erzählt von (beinah) gebrochenem Herzen, wenn Kaninchen in kürzester Zeit mühsam gezogene Pflänzlein zerstören, von der Leere, die sie empfindet, wenn sie Gartensendungen mit vielen hübschen Bildern und wenig Informationsgehalt im Fernsehen ansieht und vom Zwiespalt zwischen den Erwartungen von Gastgebern und Besuchern in offenen Gärten.
Aus den Fotos im Buch ist unschwer zu erkennen, dass der Garten der Autorin viel Schneidearbeit mit sich bringt. Kein Wunder ist in dieser Publikation nicht von Gelassenheit und pflegeleichten Gärten die Rede, sondern von vergänglichem Enthusiasmus sowie Kummer und Anstrengung (aber natürlich auch von Erfolgserlebnissen und der Liebe zur Natur!). Und Anne Wareham vergleicht die Hausarbeit mit Gärtnern und meint, staubfrei sei identisch mit unkrautfrei. Stimmt nicht! Oder vielleicht doch ein bisschen?
Anne Wareham:
The Bad Tempered Gardener
Frances Lincoln, 2011
19. Februar 2014
Lucie Flebbe: Das fünfte Foto
In einer Reihenhaussiedlung im Bochumer Stadtteil Gerthe ist eine Frau seit ungefähr drei Wochen nicht mehr gesehen worden. Es ist aber nicht der Ehemann, der sie vermisst und die Privatdetektei Danner und Ziegler einschaltet, sondern zwei besorgte Nachbarinnen. Währenddessen begibt sich der unbesorgt wirkende Ehemann jeden Morgen mit einem ausreichend grossen Biervorrat in den Schrebergarten und legt abends betrunken die gleiche Strecke in die andere Richtung wieder zurück.
Die Ich-Erzählerin Lila, Tochter eines handgreiflichen Staatsanwalts und einer Luxustrinkerin und seit frühester Kindheit eine Aussenseiterin (früher mit lila Haaren, aktuell immer mit lila Schlabberpulli), empfindet die nachbarschaftliche Fürsorge eigentlich deutlich übertrieben. Doch die Nachbarinnen wollen in der Wohnung der verschwundenen Sabine Kopelski Blut entdeckt haben, worauf sich die beiden Detektive ebenfalls mit einem Reserveschlüssel Zutritt verschaffen und mit einer UV-Lampe „Superlicht 400“ Spuren suchen. Während die aus dem Haus mitgenommenen Beweisstücke untersucht werden, pachten die beiden Detektive einen brachliegenden, völlig vernachlässigten Schrebergarten in der Kolonie „Zum friedlichen Nachbarn“, der direkt an die Parzelle der Kopelskis grenzt.
Das Ermittler-Duo Danner und Ziegler besteht aus dem meist unrasierten Glatzkopf Ben Danner und der deutlich jüngeren 20jährigen Lila Ziegler mit einer Vorliebe für die Farbe Lila. Die beiden unterschiedlichen Charakterköpfe leben zusammen und teilen die Abneigung, sich im Haushalt nützlich zu machen. Dafür übernehmen die beiden Schnüffler neben den Ermittlungen im Schrebergartenmillieu auch gleich noch den verwaisten Zeitungsausträgerjob der verschwundenen Sabine Kopelski und finden rasch heraus, dass die Vermisste in einem Wettbewerb ein teures Auto gewonnen haben soll.
Das Mietobjekt im Schrebergarten entpuppt sich als dschungelähnliches Grundstück voller Brennnesseln und Schlingpflanzen. Doch wenn genügend Bier ausgeschenkt und Bratwürstchen spendiert werden, kommen die Schrebergärtner der angrenzenden Grundstücke immer wieder gerne tatkräftig zur Hilfe und gleichzeitig lässt sich einiges erfahren. In den anderen Parzellen lassen sich gepflegter Rasen und Obstbäume entdecken, aber auch eine gefährliche Geisterschildkröte im Teich und nach amerikanischem Vorbild angelegte Gärten (ungemähtes Gras als Synonym für Präriegras und ein kleiner Teich, der einen kanadischen Bergsee imitiert) oder zu knorrigen Bonsais gestutzte japanischen Ahorne und mindestens so akkurat geschnittene Buchbaumwände. Verdächtig erscheint der neue Teich im Garten der Kopelskis.
Klick – der Kriminalroman wird immer wieder unterbrochen durch ge- und beschriebene Fotos und der Leser fragt sich, werde der Fotograf ist, der rundherum teilweise recht intime Fotos macht – nämlich von den verschiedenen Nachbarn aus der Reihenhaussiedlung, von den Schrebergärtnern und vom auffallend häufig vorfahrenden Pizzakurier.
Lila Ziegler ist botanisch nicht sehr versiert und hat zunächst nicht einmal eine Ahnung, worum es sich bei einem besonders hübschen fünfblättrigen Palmengewächs handelt, das einen Zimmergarten dominiert. Die junge Frau, die bis anhin überhaupt keine Übung hat in Gesprächen unter Frauen, macht während des Buches eine grosse persönliche Entwicklung durch und verwandelt sich vom Opfer in eine selbstbewusste junge Frau, die plötzlich Wert auf ihr Aussehen legt. Daneben liest man auch noch den einen oder anderen Gartentipp und erfährt etwa, wie oder besser worauf man Teichfolien besser nicht verlegt (nämlich auf Spraydosen und anderem Schrott, den man nach dem Motto „aus den Augen aus dem Sinn“ bei dieser „praktischen“ Gelegenheit gleich verschwinden lassen will).
Lucie Flebbe:
Das fünfte Foto
Grafit Verlag, 2013
Die Ich-Erzählerin Lila, Tochter eines handgreiflichen Staatsanwalts und einer Luxustrinkerin und seit frühester Kindheit eine Aussenseiterin (früher mit lila Haaren, aktuell immer mit lila Schlabberpulli), empfindet die nachbarschaftliche Fürsorge eigentlich deutlich übertrieben. Doch die Nachbarinnen wollen in der Wohnung der verschwundenen Sabine Kopelski Blut entdeckt haben, worauf sich die beiden Detektive ebenfalls mit einem Reserveschlüssel Zutritt verschaffen und mit einer UV-Lampe „Superlicht 400“ Spuren suchen. Während die aus dem Haus mitgenommenen Beweisstücke untersucht werden, pachten die beiden Detektive einen brachliegenden, völlig vernachlässigten Schrebergarten in der Kolonie „Zum friedlichen Nachbarn“, der direkt an die Parzelle der Kopelskis grenzt.
Das Ermittler-Duo Danner und Ziegler besteht aus dem meist unrasierten Glatzkopf Ben Danner und der deutlich jüngeren 20jährigen Lila Ziegler mit einer Vorliebe für die Farbe Lila. Die beiden unterschiedlichen Charakterköpfe leben zusammen und teilen die Abneigung, sich im Haushalt nützlich zu machen. Dafür übernehmen die beiden Schnüffler neben den Ermittlungen im Schrebergartenmillieu auch gleich noch den verwaisten Zeitungsausträgerjob der verschwundenen Sabine Kopelski und finden rasch heraus, dass die Vermisste in einem Wettbewerb ein teures Auto gewonnen haben soll.
Das Mietobjekt im Schrebergarten entpuppt sich als dschungelähnliches Grundstück voller Brennnesseln und Schlingpflanzen. Doch wenn genügend Bier ausgeschenkt und Bratwürstchen spendiert werden, kommen die Schrebergärtner der angrenzenden Grundstücke immer wieder gerne tatkräftig zur Hilfe und gleichzeitig lässt sich einiges erfahren. In den anderen Parzellen lassen sich gepflegter Rasen und Obstbäume entdecken, aber auch eine gefährliche Geisterschildkröte im Teich und nach amerikanischem Vorbild angelegte Gärten (ungemähtes Gras als Synonym für Präriegras und ein kleiner Teich, der einen kanadischen Bergsee imitiert) oder zu knorrigen Bonsais gestutzte japanischen Ahorne und mindestens so akkurat geschnittene Buchbaumwände. Verdächtig erscheint der neue Teich im Garten der Kopelskis.
Klick – der Kriminalroman wird immer wieder unterbrochen durch ge- und beschriebene Fotos und der Leser fragt sich, werde der Fotograf ist, der rundherum teilweise recht intime Fotos macht – nämlich von den verschiedenen Nachbarn aus der Reihenhaussiedlung, von den Schrebergärtnern und vom auffallend häufig vorfahrenden Pizzakurier.
Lila Ziegler ist botanisch nicht sehr versiert und hat zunächst nicht einmal eine Ahnung, worum es sich bei einem besonders hübschen fünfblättrigen Palmengewächs handelt, das einen Zimmergarten dominiert. Die junge Frau, die bis anhin überhaupt keine Übung hat in Gesprächen unter Frauen, macht während des Buches eine grosse persönliche Entwicklung durch und verwandelt sich vom Opfer in eine selbstbewusste junge Frau, die plötzlich Wert auf ihr Aussehen legt. Daneben liest man auch noch den einen oder anderen Gartentipp und erfährt etwa, wie oder besser worauf man Teichfolien besser nicht verlegt (nämlich auf Spraydosen und anderem Schrott, den man nach dem Motto „aus den Augen aus dem Sinn“ bei dieser „praktischen“ Gelegenheit gleich verschwinden lassen will).
Lucie Flebbe:
Das fünfte Foto
Grafit Verlag, 2013
15. Februar 2014
Zuletzt angefangen zu lesen: Lotte Minck – Radieschen von unten
Wie kürzlich erwähnt, habe ich mir schon länger Gedanken darüber gemacht, wie es mit der Sofagärtnerin und dem Bloggen weitergehen soll. Ich habe mich nun dahingehend entschieden, (noch) nicht aufzuhören, sondern die Intervalle zwischen den Beiträgen zu vergrössern.
Zusätzlich werden nicht mehr alle Buchvorstellungen gewohnt ausführlich ausfallen.
Und zwar werde ich unter den neuen Rubriken „Zuletzt angefangen zu lesen“ und/oder „Zuletzt ausgelesen“ Bücher in Kurzform vorstellen. Der erste Teil der Buchvorstellung („zuletzt angefangen zu lesen“) wird in etwa der Beschreibung des Buchrückens entsprechen, während der zweite Teil („zuletzt ausgelesen“) einen kurzen Eindruck über die Lektüre enthalten wird. Wenn ich ein Buch aus welchen Gründen auch immer nicht detailliert vorstelle, muss das nicht bedeuten, dass es mir nicht gefallen hat. Meine detaillierten Überlegungen über die Zukunft meiner Bloggerei habe ich hier formuliert.
Nun zum Buch „Radieschen von unten“: Loretta Luchs hat grosse Beziehungsprobleme, denn ihr Freund entwickelt sich immer mehr zum Schmarotzer, der sich auf ihre Kosten ein schönes Leben macht. Um etwas Abstand zu gewinnen, zieht sie während einem kurzfristig erhaltenen Urlaub in den Schrebergarten „Saftiges Radieschen“, wo sie in der Laube ihrer Freundin Diana wohnen darf.
Die Idylle zwischen blühenden Blumen, Vogelgezwitscher und summenden Bienen wird erheblich gestört, als ein Parzallennachbar tot in einer Regentonne gefunden wird. Und es bleibt nicht bei einem Todesfall.
Lotte Minck:
Radieschen von unten
Droste Verlag, 2013
Und zwar werde ich unter den neuen Rubriken „Zuletzt angefangen zu lesen“ und/oder „Zuletzt ausgelesen“ Bücher in Kurzform vorstellen. Der erste Teil der Buchvorstellung („zuletzt angefangen zu lesen“) wird in etwa der Beschreibung des Buchrückens entsprechen, während der zweite Teil („zuletzt ausgelesen“) einen kurzen Eindruck über die Lektüre enthalten wird. Wenn ich ein Buch aus welchen Gründen auch immer nicht detailliert vorstelle, muss das nicht bedeuten, dass es mir nicht gefallen hat. Meine detaillierten Überlegungen über die Zukunft meiner Bloggerei habe ich hier formuliert.
Nun zum Buch „Radieschen von unten“: Loretta Luchs hat grosse Beziehungsprobleme, denn ihr Freund entwickelt sich immer mehr zum Schmarotzer, der sich auf ihre Kosten ein schönes Leben macht. Um etwas Abstand zu gewinnen, zieht sie während einem kurzfristig erhaltenen Urlaub in den Schrebergarten „Saftiges Radieschen“, wo sie in der Laube ihrer Freundin Diana wohnen darf.
Die Idylle zwischen blühenden Blumen, Vogelgezwitscher und summenden Bienen wird erheblich gestört, als ein Parzallennachbar tot in einer Regentonne gefunden wird. Und es bleibt nicht bei einem Todesfall.
Lotte Minck:
Radieschen von unten
Droste Verlag, 2013
11. Februar 2014
Elizabeth Musser: Der Garten meiner Grossmutter
Seit seinem achten Geburtstag hat Emile de Bonnery jedes Jahr ein etwas merkwürdiges Geschenk und eine dazugehörige Geschichte von seinem Vater erhalten. Im Jahr 1964 erhält er sein Präsent – eine gebrauchte Armbanduhr - bereits Wochen vor seinem Wiegenfest; ohne Geschichte. Diese soll für viele Jahre unerzählt bleiben. Denn mit seiner Mutter und dreiunddreissig Taschen und Koffern zieht der Junge noch im gleichen Jahr zwei Monate vor seinem vierzehnten Geburtstag Hals über Kopf von Lyon weg nach Atlanta. Gleichzeitig verschwindet sein Vater spurlos aus seinem Leben.
Emiles Vater ist schon wiederholt für ein paar Wochen verschwunden, aber jedes Mal zu seiner Familie ins Chateau nach Lyon zurückgekehrt. Emile versteht nicht, warum es diesmal anders sein soll und erhält von seiner Mutter auch keine befriedigenden Erklärungen. Doch während Emile in Atlanta pausenlos auf das Auftauchen seines Vaters oder eine Nachricht von ihm hofft und wartet, fasst er trotz grossem Heimweh nach Frankreich und seiner französischen Grossmutter Mamie langsam Fuss in der Heimat seiner Mutter. Er lernt seine andere Grossmutter kennen und schätzen und wohnt nun in einem reinen Frauenhaushalt. In der Schule ist er mit seinem französischen Akzent und seiner europäischen Kleidung ein Aussenseiter, findet aber Kontakt zu Griffin und Eternity.
Eternity gilt wie Emile als Sonderling. Doch derweilen Emile von Mutter und Grossmutter behütet wird, lebt Eternity in sehr schwierigen Verhältnissen mit ihren beiden Geschwistern und der Mutter in einem alten Wohnwagen. Jedes der drei Kinder hat einen anderen Vater, die aber alle verschwunden sind. Die Mutter ist eine gewalttätige Alkoholikerin. Deshalb hat Eternity schon früh die Verantwortung für ihre jüngeren Geschwister Jake und Blithe übernommen und beschützt diese so gut sie vermag.
Emile versucht Eternity in ihren Bemühungen zu unterstützen und seine Mutter und Grossmutter helfen ihm dabei. Im Garten der Grossmutter können die Kinder etwas aufblühen. Emile zeigt seiner neuen Freundin die Geschenke seines Vaters und seine Tim und Struppi-Bücher. Er erzählt ihr von seinem Verdacht, sein Vater sei ein Spion, und ahnt nicht, wie nah er damit der Wahrheit kommt. Immer wieder sucht er nach Puzzleteilen, die das Verschwinden seines Vaters erklären und für ihn begreifbarer machen und Eternity, verspricht ihm ihre Mithilfe bei der Lösung dieses Rätsels. Doch dann passiert eine furchtbare Tragödie.
Der Leser begleitet Emile während über zwei Jahrzehnten in seiner Entwicklung vom Schüler, über den Studenten bis zum Professor und versteht seine verwirrten Gefühle. Immer will Emile allen Dingen auf den Grund gehen und muss lernen, dass nicht alles verstanden werden kann und muss. Auch ihm helfen Gespräche im Garten seiner Grossmutter, wo er beim Jäten mithilft und schnell entdeckt, dass der Stil zu gärtnern, mit den eigenen Lebenserinnerungen und der Vergangenheit zusammenhängt. Seine französische Grossmutter Mamie arbeitet im Garten wie eine Generalin, die sämtliches Grünzeug in kürzester Zeit in Reih und Glied zu bringen hat. Seine gläubige Grandma Bridgeman hingegen liebt bunte, farbenfrohe Beete, in denen es auch etwas wild zu und hergehen darf. Sie ist es auch, die Emile lehrt, dass das Leben nicht jede Frage beantwortet und es nicht heissen soll „warum ich?“, sondern „was jetzt“? Denn wie im Garten im Frühling die Pflanzen wieder von neuem spriessen, keimt auch in den Menschen immer wieder Hoffnung auf.
Emile und Eternity verlieren sich aus den Augen, doch die Freundin aus Kindertagen macht ihr Versprechen wahr. In ihrer Tätigkeit als Journalistin recherchiert sie über die französische Widerstandsbewegung im zweiten Weltkrieg und entdeckt Verbindungen zwischen Emiles Familie und Klaus Barbie, dem Schlächter von Lyon. Das Buch behandelt noch weitere Themen, wie etwa die Unterschiede zwischen der französischen und amerikanischen Kultur. Was ist schlimmer? Ein Glas Rotwein trinken oder Rassendiskriminierung?
Ein unbedingt lesenswerter Roman, der tief berührt. Die Lektüre ist teilweise niederschmetternd, aber auch traurig-schön und in einer unaufdringlichen Weise immer wieder hoffnungsvoll.
Elizabeth Musser:
Der Garten meiner Grossmutter
Francke-Buchhandlung, 2013
Emiles Vater ist schon wiederholt für ein paar Wochen verschwunden, aber jedes Mal zu seiner Familie ins Chateau nach Lyon zurückgekehrt. Emile versteht nicht, warum es diesmal anders sein soll und erhält von seiner Mutter auch keine befriedigenden Erklärungen. Doch während Emile in Atlanta pausenlos auf das Auftauchen seines Vaters oder eine Nachricht von ihm hofft und wartet, fasst er trotz grossem Heimweh nach Frankreich und seiner französischen Grossmutter Mamie langsam Fuss in der Heimat seiner Mutter. Er lernt seine andere Grossmutter kennen und schätzen und wohnt nun in einem reinen Frauenhaushalt. In der Schule ist er mit seinem französischen Akzent und seiner europäischen Kleidung ein Aussenseiter, findet aber Kontakt zu Griffin und Eternity.
Eternity gilt wie Emile als Sonderling. Doch derweilen Emile von Mutter und Grossmutter behütet wird, lebt Eternity in sehr schwierigen Verhältnissen mit ihren beiden Geschwistern und der Mutter in einem alten Wohnwagen. Jedes der drei Kinder hat einen anderen Vater, die aber alle verschwunden sind. Die Mutter ist eine gewalttätige Alkoholikerin. Deshalb hat Eternity schon früh die Verantwortung für ihre jüngeren Geschwister Jake und Blithe übernommen und beschützt diese so gut sie vermag.
Emile versucht Eternity in ihren Bemühungen zu unterstützen und seine Mutter und Grossmutter helfen ihm dabei. Im Garten der Grossmutter können die Kinder etwas aufblühen. Emile zeigt seiner neuen Freundin die Geschenke seines Vaters und seine Tim und Struppi-Bücher. Er erzählt ihr von seinem Verdacht, sein Vater sei ein Spion, und ahnt nicht, wie nah er damit der Wahrheit kommt. Immer wieder sucht er nach Puzzleteilen, die das Verschwinden seines Vaters erklären und für ihn begreifbarer machen und Eternity, verspricht ihm ihre Mithilfe bei der Lösung dieses Rätsels. Doch dann passiert eine furchtbare Tragödie.
Der Leser begleitet Emile während über zwei Jahrzehnten in seiner Entwicklung vom Schüler, über den Studenten bis zum Professor und versteht seine verwirrten Gefühle. Immer will Emile allen Dingen auf den Grund gehen und muss lernen, dass nicht alles verstanden werden kann und muss. Auch ihm helfen Gespräche im Garten seiner Grossmutter, wo er beim Jäten mithilft und schnell entdeckt, dass der Stil zu gärtnern, mit den eigenen Lebenserinnerungen und der Vergangenheit zusammenhängt. Seine französische Grossmutter Mamie arbeitet im Garten wie eine Generalin, die sämtliches Grünzeug in kürzester Zeit in Reih und Glied zu bringen hat. Seine gläubige Grandma Bridgeman hingegen liebt bunte, farbenfrohe Beete, in denen es auch etwas wild zu und hergehen darf. Sie ist es auch, die Emile lehrt, dass das Leben nicht jede Frage beantwortet und es nicht heissen soll „warum ich?“, sondern „was jetzt“? Denn wie im Garten im Frühling die Pflanzen wieder von neuem spriessen, keimt auch in den Menschen immer wieder Hoffnung auf.
Emile und Eternity verlieren sich aus den Augen, doch die Freundin aus Kindertagen macht ihr Versprechen wahr. In ihrer Tätigkeit als Journalistin recherchiert sie über die französische Widerstandsbewegung im zweiten Weltkrieg und entdeckt Verbindungen zwischen Emiles Familie und Klaus Barbie, dem Schlächter von Lyon. Das Buch behandelt noch weitere Themen, wie etwa die Unterschiede zwischen der französischen und amerikanischen Kultur. Was ist schlimmer? Ein Glas Rotwein trinken oder Rassendiskriminierung?
Ein unbedingt lesenswerter Roman, der tief berührt. Die Lektüre ist teilweise niederschmetternd, aber auch traurig-schön und in einer unaufdringlichen Weise immer wieder hoffnungsvoll.
Elizabeth Musser:
Der Garten meiner Grossmutter
Francke-Buchhandlung, 2013
6. Februar 2014
Elke Pistor: Kraut und Rübchen
Die 32jährige Journalistin Katharina Rübchen erbt von ihrer verstorbenen Tante Marion deren in die Jahre gekommenes Häuschen samt riesigem Kräutergarten. Der Kontakt zwischen den beiden Frauen hat sich in den letzten Jahren mehrheitlich auf Glückwünsche und Grüsse zu Festtagen beschränkt. So stimmen die aus Kindertagen stammenden Erinnerungen in Katharinas Kopf nur bedingt mit der Wirklichkeit überein. Frisch getrennt vom Freund, der gleichzeitig ihr Chef ist, hat sie sich kurzentschlossen eigenmächtig ein paar Tage freigenommen, um sich ihr Erbe anzuschauen. Mit den Hochglanzfotos von perfekten Häusern und Gärten, mit denen sie in der Redaktion zu tun hat, hat dieses nicht viel gemeinsam. Auf dem Dach fehlen Ziegel und der Putz blättert ab. Den urbanen Schlauchbalkon gegen einen Garten einzutauschen, scheint plötzlich nicht mehr so verlockend. Doch als frischgebackene Hausbesitzerin hat Katharina zumindest die Pflicht, einmal nach dem Rechten zu sehen, wenn sie schon mal da ist. Und wie sich herausstellt, gehören auch drei immer wieder ausbüxende Ziegen zur Erbschaft.
Ihrem erzürnten Chef muss Katharina versprechen, einen Artikel übers Landleben abzuliefern. Als sie das Tagebuch einer Vorfahrin findet, die darin ab März 1898 ihr Kräuterwissen für die Nachwelt verewigt hat, gedenkt sie, diese Informationen als Aufhänger zu verwenden. Doch als sie sich intensiv in die Lektüre vertieft, findet sie heraus, dass ihre Urururgrossmutter ihre umfangreichen Pflanzenkenntnisse nicht nur zum Heilen und Lindern von Krankheiten eingesetzt hat, sondern eine beliebte Serienmörderin war. Ihre Taten an grausamen Mitbürgern hat sie ausschliesslich zum Wohl und Schutz für andere Dorfbewohner begangen, die sich nicht selber wehren konnten.
Rasch lernt die Journalistin, deren Fachgebiet ursprünglich ebenfalls Kräuter und Heilpflanzen waren, verschiedene Dorfbewohner kennen, die ihr reichlich suspekt erscheinen, und erfährt, dass das Dorf vor einer wahnwitzigen Spekulation gerettet werden muss. Gleichzeitig keimt beim Lesen der eng in verschiedenen Handschriften beschriebenen Kladde zwischen Zeichnungen und Rezepten in Katharina ein verstörender Verdacht auf. Was hat ihre Tante Marion getan? Was erwarten die Dorfbewohner eigentlich von ihr?
Ausgerechnet Katharina Rübchen, die eigentlich nie richtig erwachsen geworden ist, zu Selbstgesprächen neigt und Verbindlichkeiten scheut und in deren Leben Oberflächlichkeiten dominieren, muss plötzlich Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen. Und während der Tierarzt sich nicht nur für ihren Kater namens Herr Hoppenstedt und die drei Ziegen interessiert, macht sich die Journalistin daran herauszufinden, was es mit der Übereinstimmung von Blumen und Sträussen im Tagebuch mit solchen auf Grabsteinen von längst verstorbenen Personen, die darin erwähnt werden, auf sich hat. Nicht ohne immer wieder zu befürchten, paranoid zu werden ...
Sämtliche Kapitel beginnen mit einer ganzseitigen Illustration über ein Kraut mit Informationen über dessen Pflanzenfamilie und Verwendungsmöglichkeiten. Der in der aktuellen Zeit handelnde Erzählstrang wird immer genau dann durch den zweiten durchs Buch führenden Faden aus der Vergangenheit unerbrochen, wenn es besonders spannend ist und umgekehrt, so dass sich das Buch als richtiger Seitenumdreher entpuppt.
Elke Pistor:
Kraut und Rübchen
Hermann-Josef Emons Verlag, 2013
Ihrem erzürnten Chef muss Katharina versprechen, einen Artikel übers Landleben abzuliefern. Als sie das Tagebuch einer Vorfahrin findet, die darin ab März 1898 ihr Kräuterwissen für die Nachwelt verewigt hat, gedenkt sie, diese Informationen als Aufhänger zu verwenden. Doch als sie sich intensiv in die Lektüre vertieft, findet sie heraus, dass ihre Urururgrossmutter ihre umfangreichen Pflanzenkenntnisse nicht nur zum Heilen und Lindern von Krankheiten eingesetzt hat, sondern eine beliebte Serienmörderin war. Ihre Taten an grausamen Mitbürgern hat sie ausschliesslich zum Wohl und Schutz für andere Dorfbewohner begangen, die sich nicht selber wehren konnten.
Rasch lernt die Journalistin, deren Fachgebiet ursprünglich ebenfalls Kräuter und Heilpflanzen waren, verschiedene Dorfbewohner kennen, die ihr reichlich suspekt erscheinen, und erfährt, dass das Dorf vor einer wahnwitzigen Spekulation gerettet werden muss. Gleichzeitig keimt beim Lesen der eng in verschiedenen Handschriften beschriebenen Kladde zwischen Zeichnungen und Rezepten in Katharina ein verstörender Verdacht auf. Was hat ihre Tante Marion getan? Was erwarten die Dorfbewohner eigentlich von ihr?
Ausgerechnet Katharina Rübchen, die eigentlich nie richtig erwachsen geworden ist, zu Selbstgesprächen neigt und Verbindlichkeiten scheut und in deren Leben Oberflächlichkeiten dominieren, muss plötzlich Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen. Und während der Tierarzt sich nicht nur für ihren Kater namens Herr Hoppenstedt und die drei Ziegen interessiert, macht sich die Journalistin daran herauszufinden, was es mit der Übereinstimmung von Blumen und Sträussen im Tagebuch mit solchen auf Grabsteinen von längst verstorbenen Personen, die darin erwähnt werden, auf sich hat. Nicht ohne immer wieder zu befürchten, paranoid zu werden ...
Sämtliche Kapitel beginnen mit einer ganzseitigen Illustration über ein Kraut mit Informationen über dessen Pflanzenfamilie und Verwendungsmöglichkeiten. Der in der aktuellen Zeit handelnde Erzählstrang wird immer genau dann durch den zweiten durchs Buch führenden Faden aus der Vergangenheit unerbrochen, wenn es besonders spannend ist und umgekehrt, so dass sich das Buch als richtiger Seitenumdreher entpuppt.
Elke Pistor:
Kraut und Rübchen
Hermann-Josef Emons Verlag, 2013
2. Februar 2014
Tania Krätschmar: Eva und die Apfelfrauen
Pfannenkuchenapfel, Ontario, Schafsnase, Hasenkopf, Eisapfel, Rosenapfel, Silberapfel, Winterprinz, Goldrenette, Zimtapfel – Die fünf gestandenen Berlinerinnen Eva, Nele, Marion, Julika und Dorothee, die zusammen den 50. Geburtstag einer von ihnen feiern, kennen wohl die wenigsten dieser Apfelsorten und ahnen nicht, dass sich das sehr bald ändern wird. Das Quintett hat sich vor vier Jahren bei einem Wochenendseminar unter dem Motto „Selbstverteidigung für Frauen“ kennengelernt und inzwischen sind die unterschiedlichen Frauen längst gute Freundinnen. Im Laufe des Abends kommt plötzlich die Idee von der Gründung einer gemeinsamen WG aufs Tapet. Prompt werden Pläne geschmiedet und zwingende Mindestanforderungen zusammengetragen: ein grosser Aufenthaltsraum, ein Garten, Südterrasse, ein toller hilfsbereiter Nachbar und anderes mehr.
Am nächsten Tag wird der Einfall nicht als Schnapsidee begraben, sondern es werden erste Schritte zur Umsetzung in die Wege geleitet. Das Projekt scheint bereits mangels einer passenden Immobilie zu scheitern, denn auf die euphorisch geschalteten Inserate treffen nur mehr als fragwürdige Angebote ein. Als der Einfall von der Gründung einer Frauen-WG schon beinahe ad Acta gelegt worden ist, findet sich doch noch eine Erblasserin, der die Idee der fünf Freundinnen zu Lebzeiten zugesagt haben muss. Ein Rechtsanwalt informiert das Frauen-Quintett über den letzten Willen der verstorbenen Anna Staudenroos und den damit verbundenen Bedingungen. Zu diesen gehört, dass die fünf Städterinnen mindestens bis im Herbst gemeinsam im Erbstück, einem Haus aus dem Jahr 1908 in Wannsee, wohnen und die Verantwortung für die aktuelle Apfelernte im grossen zur Liegenschaft gehörenden Obstgarten übernehmen.
Die Freude über diese grosszügige Erbschaft wird allerdings deutlich relativiert, als die potentiellen Erbinnen feststellen, dass das Haus samt riesigem Grundstück nicht in Wannsee bei Berlin, sondern in einem gleichnamigen Dorf in der Mark Brandenburg liegt. Bei der Besichtigung präsentiert sich die Apfelbaumwiese als unendlicher Blütentraum in weiss, rosa und pink. Recht schnell werden etwaige Zweifel gründlich ausgeräumt und die Frauen beschliessen einstimmig, sich auf das zeitlich befristete Abenteuer einzulassen – nicht alle mit der gleichen Begeisterung.
Das hortikulturelle Wissen und Interesse der Städterinnen ist ebenfalls unterschiedlich verteilt. Im Garten übernimmt Eva das Zepter und stellt rasch fest, dass Balkongärtnern deutlich weniger anstrengend ist als die Arbeit im Gemüse- und Apfelgarten. Sie träumt aber von einem Blumenmeer und versucht in den etwas vernachlässigten Garten Ordnung zu bringen. Dabei entsorgt sie als erstes unbekannte vertrocknete Knollen auf dem Kompost und erfährt später (rechtzeitig für eine Rettung), dass es sich bei diesen um Dahlienknollen handelt.
Die Dorfbevölkerung empfängt die fünf Frauen eher skeptisch und zurückhaltend, obwohl sich vereinzelt bald Berühungspunkte ergeben. Als besonderes Ekelpaket entpuppt sich der Bürgermeister. Die Apfelernte ist schwere Arbeit und die Verwertung in unendlichen Variationen – inklusive illegalem Schnapsbrennen - erledigt sich auch nicht von selbst. Immerhin kurbelt das unentgeltliche Abgeben von Fallobst die Integration im Dorf an. Parallel dazu müssen die Frauen aber feststellen, dass das Zusammenleben mit guten Freundinnen seine Tücken hat und das Erfüllen der Bedingungen der Erblasserin wird von Landflucht bedroht. Nichtsdestotrotz werden die Erfahrungen rund um die Bewirtschaftung der Apfelbäume in einem Apfelbuch niedergeschrieben: süsse und deftige Rezepte, Tipps zu Lagerung und Verwertung, Märchen zum Thema, Fotos sowie Strick- und Bastelideen mit Anleitungen.
Ein unterhaltsamer Roman rund um eine Frauen-WG mit nicht mehr ganz jungen Bewohnerinnen. Nach dem "Frauen-Sommer" ergeben sich plötzlich neue Perspektiven und das Berliner Stadtleben ist nicht mehr für das ganze Quintett die richtige Lebensform. Jedes Kapitel wird übrigens mit einer passenden Weisheit eingeleitet.
Tania Krätschmar:
Eva und die Apfelfrauen
Blanvalet Verlag, 2013
Am nächsten Tag wird der Einfall nicht als Schnapsidee begraben, sondern es werden erste Schritte zur Umsetzung in die Wege geleitet. Das Projekt scheint bereits mangels einer passenden Immobilie zu scheitern, denn auf die euphorisch geschalteten Inserate treffen nur mehr als fragwürdige Angebote ein. Als der Einfall von der Gründung einer Frauen-WG schon beinahe ad Acta gelegt worden ist, findet sich doch noch eine Erblasserin, der die Idee der fünf Freundinnen zu Lebzeiten zugesagt haben muss. Ein Rechtsanwalt informiert das Frauen-Quintett über den letzten Willen der verstorbenen Anna Staudenroos und den damit verbundenen Bedingungen. Zu diesen gehört, dass die fünf Städterinnen mindestens bis im Herbst gemeinsam im Erbstück, einem Haus aus dem Jahr 1908 in Wannsee, wohnen und die Verantwortung für die aktuelle Apfelernte im grossen zur Liegenschaft gehörenden Obstgarten übernehmen.
Die Freude über diese grosszügige Erbschaft wird allerdings deutlich relativiert, als die potentiellen Erbinnen feststellen, dass das Haus samt riesigem Grundstück nicht in Wannsee bei Berlin, sondern in einem gleichnamigen Dorf in der Mark Brandenburg liegt. Bei der Besichtigung präsentiert sich die Apfelbaumwiese als unendlicher Blütentraum in weiss, rosa und pink. Recht schnell werden etwaige Zweifel gründlich ausgeräumt und die Frauen beschliessen einstimmig, sich auf das zeitlich befristete Abenteuer einzulassen – nicht alle mit der gleichen Begeisterung.
Das hortikulturelle Wissen und Interesse der Städterinnen ist ebenfalls unterschiedlich verteilt. Im Garten übernimmt Eva das Zepter und stellt rasch fest, dass Balkongärtnern deutlich weniger anstrengend ist als die Arbeit im Gemüse- und Apfelgarten. Sie träumt aber von einem Blumenmeer und versucht in den etwas vernachlässigten Garten Ordnung zu bringen. Dabei entsorgt sie als erstes unbekannte vertrocknete Knollen auf dem Kompost und erfährt später (rechtzeitig für eine Rettung), dass es sich bei diesen um Dahlienknollen handelt.
Die Dorfbevölkerung empfängt die fünf Frauen eher skeptisch und zurückhaltend, obwohl sich vereinzelt bald Berühungspunkte ergeben. Als besonderes Ekelpaket entpuppt sich der Bürgermeister. Die Apfelernte ist schwere Arbeit und die Verwertung in unendlichen Variationen – inklusive illegalem Schnapsbrennen - erledigt sich auch nicht von selbst. Immerhin kurbelt das unentgeltliche Abgeben von Fallobst die Integration im Dorf an. Parallel dazu müssen die Frauen aber feststellen, dass das Zusammenleben mit guten Freundinnen seine Tücken hat und das Erfüllen der Bedingungen der Erblasserin wird von Landflucht bedroht. Nichtsdestotrotz werden die Erfahrungen rund um die Bewirtschaftung der Apfelbäume in einem Apfelbuch niedergeschrieben: süsse und deftige Rezepte, Tipps zu Lagerung und Verwertung, Märchen zum Thema, Fotos sowie Strick- und Bastelideen mit Anleitungen.
Ein unterhaltsamer Roman rund um eine Frauen-WG mit nicht mehr ganz jungen Bewohnerinnen. Nach dem "Frauen-Sommer" ergeben sich plötzlich neue Perspektiven und das Berliner Stadtleben ist nicht mehr für das ganze Quintett die richtige Lebensform. Jedes Kapitel wird übrigens mit einer passenden Weisheit eingeleitet.
Tania Krätschmar:
Eva und die Apfelfrauen
Blanvalet Verlag, 2013
29. Januar 2014
Marketa Haist: Röslein tot
Wenn den Rosen die Petalen vor Schreck erstarren, wenn nicht die Ohren und Augen, sondern die Stomata aufgesperrt werden und jemandem keine Träne, sondern kein Russtau nachgeweint wird, dann können Leserin und Leser sich dank der Autorin Marketa Haist für einmal so richtig in die Sichtweise der Pflanzenwelt versetzen. Die Redensarten „aus der Nase ziehen“ und „alles Menschenmöglich tun“ heissen dann „aus den unreifen Nasenzwickern ziehen“ und „alles Pflanzenmögliche tun“. Die Kommunikation im Pflanzenreich dreht sich in diesem Landkrimi um die Entlarvung jenes Mörders, der den Gärtner Sepp auf dem Gewissen hat.
Sepp war kein besonders beliebter Zeitgenosse und hat oft und gerne aus Langeweile Streit vom Zaun gebrochen. Heiss geliebt wurde er aber von seinen Rosen, die immer dafür gesorgt haben, dass er sich nicht an ihnen gestochen hat, wenn er mit und an ihnen gearbeitet hat - etwa beim Okulieren oder beim Schneiden von Edelreisern. Und die Liebe beruhte auf Gegenseitigkeit, denn das Erhalten von seltenen Rosen war Sepp ein grosses Anliegen. Eben hat er ein unschlagbares Angebot für eine praktische ausgestorbene Rose namens „Die Fürstin“ abgelehnt, die nun ihrerseits plötzlich verschwunden ist.
Schwiegersohn Jens hatte es auch nicht leicht mit Sepp. Alle seine Ideen, die Gärtnerei zu modernisieren, prallten am konzeptlosen Seniorchef ab, der neben der üblichen Massenware schon mal für den Förster Buchen vermehrt hat. Als eben dieser Jens den toten Sepp entdeckt, glaubt sogar seine Frau Anni sofort, ihr Mann habe etwas mit dem Tod ihres Vaters zu tun, der erschlagen worden ist. Auch der Holunder, der diesen Krimi erzählt und der ermittelnden Polizei meist einen Schritt voraus ist, hält Jens für einen rücksichtslosen Kerl und kann ihn nicht ausstehen. Doch ist er tatsächlich ein Mörder?
Der Stammplatz des Holunders ist nicht der beste, um wahrnehmen zu können, was alles rundherum passiert. Doch glücklicherweise können sich die Pflanzen bestens untereinander austauschen, womit auch der Nachteil der Unbeweglichkeit bei Seite geräumt ist. Wer hat ein Motiv und profitiert am meisten vom Tod des Gärtners? Ist der Mörder unter den Rosenliebhabern zu suchen und was hat es mit den vom Pfarrer hobbymässig kopierten Urkunden auf sich, die von Beschenkten schon mal illegal als Original verwendet werden? Und dann gibt es noch den langjährigen Streit um ein Stück Land, in den Sepp involviert war, und ganz offensichtlich halten verschiedene Nachbarn bewusst Informationen vor der Polizei zurück.
Nicht alle Pflanzen sind gleichermassen mitteilungsbedürftig, einzelne sind ganz diskret oder zieren sich, dem Holunder ihr Wissen weiterzugeben. Ausserdem herrscht plötzlich Stille und kein Anschluss mehr an die Welt der Blätter, wenn der Gärtner zu viel wegschnippelt und alle Laubbäume werden mit dem Abfallen des Herbstlaubs taub. Wie sich herausstellt, sind auch in der pflanzlichen Kommunikation die richtige Verständigung und minimale Kenntnisse von Fremdwörtern unerlässlich, sonst ist das Ziehen von korrekten Schlüssen unmöglich oder zumindest stark erschwert. Die Sätze in bayerischer Mundart beschränken sich glücklicherweise auf die Aussagen von Anni, sonst wäre die Lektüre für dieses Dialekts unkundige Leser doch recht mühsam.
Die Autorin hat nicht nur den Text verfasst, sondern auch gleich noch die Illustrationen des Krimis beigesteuert. Schon länger gibt es Katzen-, Hunde-, Schafs- und Schweinekrimis und nun also auch einen Pflanzenkrimi. Mal was anderes - letztlich ziehe ich aber nach wie vor die menschlichen Gedankengänge vor.
Marketa Haist:
Röslein tot
Hermann-Josef Emons Verlag, 2013
Sepp war kein besonders beliebter Zeitgenosse und hat oft und gerne aus Langeweile Streit vom Zaun gebrochen. Heiss geliebt wurde er aber von seinen Rosen, die immer dafür gesorgt haben, dass er sich nicht an ihnen gestochen hat, wenn er mit und an ihnen gearbeitet hat - etwa beim Okulieren oder beim Schneiden von Edelreisern. Und die Liebe beruhte auf Gegenseitigkeit, denn das Erhalten von seltenen Rosen war Sepp ein grosses Anliegen. Eben hat er ein unschlagbares Angebot für eine praktische ausgestorbene Rose namens „Die Fürstin“ abgelehnt, die nun ihrerseits plötzlich verschwunden ist.
Schwiegersohn Jens hatte es auch nicht leicht mit Sepp. Alle seine Ideen, die Gärtnerei zu modernisieren, prallten am konzeptlosen Seniorchef ab, der neben der üblichen Massenware schon mal für den Förster Buchen vermehrt hat. Als eben dieser Jens den toten Sepp entdeckt, glaubt sogar seine Frau Anni sofort, ihr Mann habe etwas mit dem Tod ihres Vaters zu tun, der erschlagen worden ist. Auch der Holunder, der diesen Krimi erzählt und der ermittelnden Polizei meist einen Schritt voraus ist, hält Jens für einen rücksichtslosen Kerl und kann ihn nicht ausstehen. Doch ist er tatsächlich ein Mörder?
Der Stammplatz des Holunders ist nicht der beste, um wahrnehmen zu können, was alles rundherum passiert. Doch glücklicherweise können sich die Pflanzen bestens untereinander austauschen, womit auch der Nachteil der Unbeweglichkeit bei Seite geräumt ist. Wer hat ein Motiv und profitiert am meisten vom Tod des Gärtners? Ist der Mörder unter den Rosenliebhabern zu suchen und was hat es mit den vom Pfarrer hobbymässig kopierten Urkunden auf sich, die von Beschenkten schon mal illegal als Original verwendet werden? Und dann gibt es noch den langjährigen Streit um ein Stück Land, in den Sepp involviert war, und ganz offensichtlich halten verschiedene Nachbarn bewusst Informationen vor der Polizei zurück.
Nicht alle Pflanzen sind gleichermassen mitteilungsbedürftig, einzelne sind ganz diskret oder zieren sich, dem Holunder ihr Wissen weiterzugeben. Ausserdem herrscht plötzlich Stille und kein Anschluss mehr an die Welt der Blätter, wenn der Gärtner zu viel wegschnippelt und alle Laubbäume werden mit dem Abfallen des Herbstlaubs taub. Wie sich herausstellt, sind auch in der pflanzlichen Kommunikation die richtige Verständigung und minimale Kenntnisse von Fremdwörtern unerlässlich, sonst ist das Ziehen von korrekten Schlüssen unmöglich oder zumindest stark erschwert. Die Sätze in bayerischer Mundart beschränken sich glücklicherweise auf die Aussagen von Anni, sonst wäre die Lektüre für dieses Dialekts unkundige Leser doch recht mühsam.
Die Autorin hat nicht nur den Text verfasst, sondern auch gleich noch die Illustrationen des Krimis beigesteuert. Schon länger gibt es Katzen-, Hunde-, Schafs- und Schweinekrimis und nun also auch einen Pflanzenkrimi. Mal was anderes - letztlich ziehe ich aber nach wie vor die menschlichen Gedankengänge vor.
Marketa Haist:
Röslein tot
Hermann-Josef Emons Verlag, 2013
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