9. April 2013

Gabriele Bickel: Geschenke aus meinem Kräutergarten

Gabriele Bickel wird auch Kräuterhexe genannt. Denn seit vielen Jahren beschäftigt sie sich intensiv mit Kräutern, ihrem Kräuterhexenreich im Kloster Maulbronn, ihrem Kräuterhexenladen und teilt in Kursen ihr umfangreiches Wissen mit interessierten Kräuterhexenlehrlingen. Bekannt ist sie auch durch die Medien und ihre früher erschienenen Bücher.

In ihrer aktuellen Publikation „Geschenke aus meinem Kräutergarten“ lässt die Autorin die Leser in ihren Hexenkessel blicken und stellt verschiedene Rezepte aus ihrem reichen Fundus vor. Die Palette reicht von Teemischungen über Heilkräuter bis zu Schönheits- und Pflegprodukten. Gegliedert sind die aromatischen Ideen in die folgenden Kapitel:

- Essige – umkompliziert und vielfältig
- Würzöle – Kräuter aromatisch einlegen
- Kräutersalze – tolle Mischungen
- Weine – Liköre und Schnäpse veredeln
- Edle Steine und Öle - Tees liebevoll herstellen
- Kräuterbäder und Crèmes zum Wohlfühlen

Zu jedem Kapitelthema gehört eine Textseite „Das Wichtigste auf einen Blick“), auf welcher wichtige Informationen etwa zu Haltbarkeit und Lagerung, Qualität der Zutaten oder eine kurze Salzkunde lesen sind. Welche Öle eignen sich am besten als Basis für Kräuterwürzöle und sollen frische oder getrocknete Kräuter verwendet werden? Antworten auf diese und andere Fragen finden sich im jeweiligen Rezept und die Autorin erklärt, was bei der Kräuterernte unbedingt zu beachten ist. Die Kräuter müssen nämlich bei trockenem Wetter am frühen Morgen gepflückt werden, frühestens drei Tage nach dem letzten Regenschauer. Und die Trockenzeit an einem warmen, schattigen Ort soll kurz gehalten und die Ernte anschliessend dunkel und luftdicht verschlossen aufbewahrt werden.

Und was für Geschenke für sich selber oder als Mitbringsel können Sie in diesem Buch erwarten? Hier sollen noch ein paar der beschriebenen Rezepte verraten werden: Sommer-Essig mit Basilikum und Apfelrosen, Salatkräuter-Öl , Zimt-Öl, Tomaten-Würzsalz, Löwenzahnwein, Antistress-Schnaps, Hexen-Husten-Tee, Ringelblumen-Crème, Rosmarin-Fussbad …

Für Nicht-Esoteriker – auch wenn Sie die Seiten mit den Rezeptvorschläge überblättern, für welche Edelsteine eine Basis bilden, finden sich noch etliche praxisnahe Vorschläge für die die Verwendung von Kräutern im Alltag. Den Abschluss bildet ein Serviceteil mit einem alphabetischen Register und Informationen zu Bezugsquellen.



Gabriele Bickel: 
Geschenke aus meinem Kräutergarten 
Kosmos Verlag, 2013

5. April 2013

Elsemarie Maletzke: Giftiges Grün – Ein Gartenkrimi

Heinrich Weil ist verstorben. Zuletzt hatte der alte Mann zurückgezogen in einer kleinen heruntergekommenen Wohnung gelebt. Bei der Räumung seiner vier Wände finden sich aber doch ein paar Schätze wie etwa Loniceru’s „Kreuterbuch“ aus dem Jahr 1713, Chaumetons „Flora médicale“ und zwei Pflanzenkupfer aus dem „Hortus Eystettensis“.

Bei der Testamentseröffnung schliesslich stellt sich heraus, dass der Verstorbene sogar ein kleines Vermögen zu vererben hat. Die Auszahlung von Euro 30‘000 hat Heinrich Weil aber an eine Bedingung geknüpft. Und zwar soll derjenige erben, der den Erblasser von jedem Verdacht einer Schuld reinwaschen kann, die sein Leben zerstört hat. Im Sommer 1977 verstarb nämlich während einem Sommerfest ein ihm anvertrautes junges Mädchen namens Marion unter nie geklärten Umständen. An Heinrich Weil aber blieb zeitlebens ein Verdacht haften, Schuld an dessen Tod zu sein. Sollte innert drei Monaten kein Licht ins Dunkel dieser letzten Stunden von Marion gebracht werden können, fällt das Erbe an eine Stiftung.

Die Erben von Heinrich Weil sind die Geschwister Lina und Karl, deren Vetter Horst Eilemann sowie eine Madame Ernest Calvet, die aus gesundheitlichen Gründen von einem Anwalt vertreten wird. Die drei jungen Leute machen sich getrennt auf, ihre Fähigkeiten als Amateurdetektive zu testen und herauszufinden, ob nach so vielen Jahren noch jemand für eine Tat zur Rechenschaft gezogen werden kann oder ob es sich vielleicht doch einfach um einen tragischen Unfall gehandelt hat und ein Skandal vertuscht worden ist.

Was für ein Geheimnis steckt hinter diesem Jahrzehnte zurückliegenden Todesfall und wer war Heinrich Weil? Lina hat als kleines Mädchen wiederholt die Sommerferien bei ihm und Tante Rose in der Villa Buchfinkenschlag verbracht und sie erinnert sich an stundenlange Wanderungen und einen grossen Vogelliebhaber und Anekdotenerzähler. Heute ist Lina vierzig Jahre alt und Inhaberin des Hotel Garni Augusta mit fünf Gästezimmern. Ihr Leben ist durchorganisiert und von Gewohnheiten geprägt, während ihr Bruder seine Brötchen als Antiquar verdient und nicht besonders gut mit Geld umgehen kann. Vetter Horst wiederum ist Autor, Journalist und in erster Linie ein Profiteur mit dem Ziel, mit möglichst wenig Aufwand ein Maximum an Ertrag zu erwirtschaften.

Unter Onkel Heinrichs Hinterlassenschaft findet Lina einen Zettel, auf dem Tante Rose diesen einer Schuld bezichtigt und fortschickt. Zusammen mit ihrer gartenverrückten Mutter Berta Weil fährt Lina an den mutmasslichen Ort des Verbrechens. Das Gittertor zur Villa Buchfinkenschlag ist geschlossen und das Gebäude selber wie auch der Garten scheinen auf den ersten Blick völlig vernachlässigt und verlassen. Die beiden Frauen verschaffen sich Zutritt und treffen auf einen Mann; den attraktiven Gärtner Johann, der wie sich herausstellt, einen ausgeprägten Hang zu giftigen Pflanzen hat. Welche dunklen, grünen Geheimnisse verbergen sich hinter den Mauern von Buchfinkenschlag?

Ein spannender Gartenkrimi, bei dem nicht nur der Titel hortikulturell ist. Immer wieder streut die Autorin ihr umfangreiches botanisches Wissen ein. Zu lesen gibt es dabei auch Absurdes (über tierisches Kompostmaterial), Zerstörerisches (Geländewagenfahrer, der Beete plattwalzt) oder ganz einfach Hinweise für Besucher von offenen Gärten (bitte die Anpflanzung loben, nicht die tolle Aussicht). Lina selber hat keine Ahnung von Blumen, aber ihre Mutter ist eine leidenschaftliche Gärtnerin, die in ihrem Garten Gestaltungselemente von Colette übernommen hat und der Meinung ist (Zitat), „man dürfe Eigentumsverhältnisse nicht ganz so eng sehen, wenn es um die Ausbreitung von wünschenswerter Vegetation geht“. Ausserdem tut sie sich schwer, ihren „schwangeren“ Agapanthus alleine zu lassen, der erstmals seit drei Jahren Blütenknospen trägt, die sich jeden Tag entfalten können.

Auch ohne Leineneinband ist die Fortsetzung der immer schön anzuschauenden Pocket-Size-Gartenlesebücher aus dem Schöffling Verlag eine überaus erfreuliche Sache. Verbleibt mir nur noch Sie vor spitzen Regenschirmen zu warnen und darauf hinzuweisen, dass im Leben alles irgendwann zurückbezahlt werden muss.  



Elsemarie Maletzke: 
Giftiges Grün – Ein Gartenkrimi 
Schöffling und Co., 2013

1. April 2013

Lorraine Harrison: Gärten lesen – Gartenarchitektur erkennen und verstehen

Wasserspiele, verschiedene Ebenen, Brücken, Küchengärten, Arkaden, Rosarium – es gibt unendlich viele Gestaltungsmöglichkeiten, die im Garten umgesetzt werden können. Nicht immer ist die Zuordnung der Formensprache so einfach und eindeutig wie beispielsweise in einem Gemüse- oder einem Heilkräutergarten und oft sind auch gleich mehrere unterschiedliche Einflüsse auszumachen.

Lorraine Harrison, die nebenbei bemerkt auch für das englische Gartenjournal Hortus schreibt, hat mit dem von Stefan Leppert ins Deutsche übersetzten Buch „Gärten lesen“ einen Schnellkurs zum Erkennen und Verstehen von gartenarchitektonischen Elementen verfasst. Das Vorwort zu dieser Publikation hat Juliet Nicholson geschrieben, die Enkelin von Vita Sackville-West und Harald Nicholson.

Nach einer Einleitung gibt es ein paar Worte zur Datierung von Gärten und zur Geschichte der Gartenbesucher. Dabei wird auch nicht verschwiegen, dass gerade Gärten wie etwa Sissinghurst oder Great Dixter, die von Besuchern geradezu überschwemmt werden, gewissermassen Opfer ihres eigenen Erfolges sind und jeder Besucher dafür neben dem Eintrittspreis einen zweiten Preis bezahlt. Nämlich den in Form von Mangel an (privater) Atmosphäre und eines nicht ganz perfekten, weil abgenutzten Rasen.

Der Gartentyp liegt im Zweck begründet oder ist zumindest eng damit verbunden. Im ersten Kapitel wird eine Auswahl verschiedener Gartentypen vorgestellt. Darunter sind Islamische Gärten, konzeptuelle Gärten, Sammlungen und Prachtgärten. Themen der folgenden Kapitel sind (die Aufzählungen in Klammern sind nicht abschliessend):
  • Gartenstile (Verspielte Gärten, Gärten der Ordnung, Der Künstler im Garten)
  • Bäume (Bäume in der Luft, Wurzelkulisse, Früchte und Formenstrenge)
  • Blumen und Gehölze (Essbare Gärten, Sumpfgärten, Knotengärten)
  • Landschaftselemente (Gartenpuzzles, Schnittkunst, Vielgestaltige Hecken, Senkgärten, Aquatische  Extravaganzen)
  • Gartengebäude (Düstere Grotten, Fantastereien, Glaspaläste)
  • Gartenelemente (Säulen, Vögel und Bienen, Zeitmesser, Gartenmöbel).
Auf jeweils einer Doppelseite erfährt der Leser kurz und bündig das wichtigste zum Thema. Ein ausgewähltes Farbfoto, vier detailgetreue Zeichnungen und ein kurzer Text machen den Leser mit dem entsprechenden Begriff vertraut. Für die Erklärung des „Englischen Landschaftsgartens“ wird beispielsweise ein Foto von Stourhead verwendet und erklärt, dass diese Gartenform eine Reaktion auf die französische und holländische Formenstrenge war. Zeichnungen und Erklärungen zum Aha (landschaftliches Gestaltungsmittel, dass Tiere und ungebetene Besucher ausserhalb des Gartens hält, ohne den Blick nach aussen zu verstellen) und zur Funktion von Wasser, Wegen und Gebäuden in dieser Gartenform komplettieren die Erläuterungen.

Das Buch bietet eine umfangreiche Einführung in das vielschichtige und schwierige Thema, Stile und historische Einflüsse in Gärten zu identifizieren. Als Führer für unterwegs ist das Buch eher etwas schwer und vielleicht in Anbetracht der Gestaltung und Bindung auch etwas schade, aber es eignet sich ausgezeichnet als Vorbereitung auf eine Gartenreise oder einen Gartenbesuch. Denn es lehrt, die Augen für Details offen zu halten und man erfährt so ganz nebenbei allerlei Wissenswertes wie den Unterschied zwischen formalen und informellen Alleen oder einem Arboretum und einem Wald.

Oder man liest von Zierbauten ganz ohne Nutzwert und von Tempeln der Philosophie, die schon als Ruine geplant waren, unfertig gebaut als Sinnbild für das unvollständige menschliche Wissen. Auch Brücken erfüllen nicht immer den Zweck trockenen Fusses von einer Seite des Gewässers ans andere Ufer zu kommen, sondern waren oder sind im Sinne der Gartengestaltung oft nur Scheinbauten, die als Blickfang dienen. Effekt ist und war oft wichtiger als historische Genauigkeit. Die Autorin ermuntert deshalb, Gärten in erster Linie zu geniessen und zu bedenken, dass Veränderungen zum Gärtnern und zu Gärten gehören und mangelnde Stilechtheit und -treue nicht gleichbedeutend mit Vernachlässigung ist.

Es ist noch gar nicht so lange her, da wurden an gewissen Orten Pflanzen besser behandelt, als die Gartengehilfen. Während nämlich letztere oft in einer lausigen, kalten und dunklen Behausung hausten, wurden die exotischen Gewächse mit Wärme und Licht verwöhnt. Und haben Sie gewusst, dass es einmal einen Beruf „Einsiedler“ gab? Diese bezahlten bärtigen Gesellen durften sich nicht pflegen, auch nicht mit den Besuchern sprechen und wohnten in besonderen primitiven Hütten. Zum Jobprofil gehörte das Überraschen der Besucher durch unvermitteltes Hervortreten zwischen Bäumen.

Ein Glossar (ohne Seitenangabe), ein umfangreiches Register sowie Empfehlungen für weiterführende Literatur runden die informative und interessante Publikation ab.  



Lorraine Harrison:
Gärten lesen – Gartenarchitektur erkennen und verstehen 
Haupt Verlag, 2013

29. März 2013

Astrid Ruppert: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Die 64jährige Annemie Hummel führt als Witwe ein bescheidenes und recht zurückgezogenes Leben. Sie pflegt ihre Marotten und ihre grösste Freude gehört dem Kuchenbacken. Mit dieser Leidenschaft bessert sie gleichzeitig als Hochzeitstortenbäckerin ihre Rente auf. Aus jedem Teig holt sie das Beste heraus und ihre süssen Dekorationen sind legendär. Doch was hat sie mit ihrem Leben angefangen? Nie hat sie gelernt, ihre eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund zu stellen und ganz einfach mal „nein“ zu sagen. Als ihre rund drei Jahrzehnte jüngere Nachbarin Liz schwer verunfallt, lässt sich Annemie deshalb auch recht rasch breitschlagen, deren Geschäft „Hochzeitsfieber“ mit Unterstützung vom Krankenbett aus temporär zu führen.

Während die temperamentvolle Liz also im Krankenhaus operiert wird und sich in Geduld üben muss, versucht Annemie, Anflüge von Panikattacken zu unterdrücken und die Agentur für Hochzeitsplanung einigermassen in den Griff zu bekommen. Eine ganz besondere Aufgabe stellt die bevorstehende Vermählung der jungen Juwelierstochter Nina dar. So wird Annemies bis anhin unaufgeregtes Leben plötzlich spannend und abwechslungsreich. Und mit ihrer reichen Lebenserfahrung meistert sie (fast) alle beruflichen und privaten Herausforderungen.

Ein unterhaltsamer Roman rund um Brautsträusse, drei Frauen und deren wechselnden Ansichten zum Heiraten und einen Gärtner, der sich völlig vom Rest der Welt zurückgezogen hat und eher erfolglos versucht, in indigoblauen, tiefblauen und lapislazuliblauen Hortensien Ersatz für unvergessliche blaue Augen wiederzufinden, die ihn vor vielen Jahren für immer verlassen haben. Setzlinge, die er wie kleine Kinder auf das Leben ausserhalb der Gärtnerei vorbereitet, sind gewissermassen die einzige Gesellschaft des Einzelgängers. Daneben gibt’s eine Menge Missverständnisse und einen traumhaft schönen Rosengarten.

Passend zum zwar bereits wieder etwas länger zurückliegenden Jahresanfang und zu den für Viele dazu gehörenden Vorsätzen ist dieser Roman ein Aufruf, seine Träume nicht einzupacken und aufzuschieben, sondern zu versuchen, diese in den Alltag zu integrieren und Stück für Stück zu verwirklichen.  



Astrid Ruppert: 
Wenn nicht jetzt, wann dann? 
Ullstein Verlag, 2012

25. März 2013

Kristin Lammerting (Text) und Ferdinand Graf von Luckner (Fotos): Gartenexpertinnen und ihr grünes Wissen

Zehn Gartenexpertinnen - Bettina Gräfin Bernadotte, Brigitte Röde, Viktoria von dem Bussche, Sabine Reber, Katharina von Ehren, Angelika Ertl, Petra Pelz, Heike Boomgaarden, Anja Maubach und Ute Wiitich sowie die Herausgeberin Kristin Lammerting lassen für diese Publikation hinter ihre Gartentore blicken und verraten ihre kleinen und grossen Gartengeheimnisse.

Am Anfang jeden Kapitels steht ein in passender Umgebung aufgenommenes Foto der jeweiligen Gärtnerin. Hernach folgt jeweils die eine Seite umfassende Einführung durch die Herausgeberin Kristin Lammerting und anschliessend kommen die Expertinnen aus dem grünen Bereich selber zu Wort. Die Texte werden grosszügig ergänzt durch ausdrucksstarke Fotos von Ferdinand Graf von Luckner.

Einige der Frauen sind aus den Medien und eigenen Publikationen hinlänglich bekannt. Mehr interessiert haben mich deshalb die Portraits von jenen Gärtnerinnen, die mir bis anhin nicht bekannt waren. Haben Sie schon einmal von einer „Tree Brokerin“ gehört? Nicht nur mit kotierten Wertpapieren an der Börse wird gehandelt, sondern anscheinend auch mit Bäumen. Katharina von Ehren dealt aber nicht mit gewöhnlichen 0-8-15-Gehölzen, sondern mit Raritäten und Baumjuwelen. In ihrem Computer-Katalog finden sich ausführlich dokumentierte Steckbriefe von ihren Entdeckungen aus den verschiedensten europäischen Ländern.

Die Bilder im Portrait der Gartenarchitektin Ute Wittich bestechen auf den ersten Blick durch starke Farben, wie übrigens – so ganz nebenbei bemerkt – auch die Haarpracht der Gestalterin. Ein blauer Steg kombiniert mit knallrotem Mohn macht gleich gute Laune während die harmonische Vereinigung der sogenannten „Lila-Laune-Wanne“ mit aufsteigendem Dampf, umrahmt von farblich perfekt passenden sich im Wind wiegenden Gräsern, vielleicht Lust weckt auf ein Bad an der frischen Luft.

Der persönliche Traumgarten der Stauden- und Gräserkomponistin Petra Pelz besteht aus einem Himmelbett inmitten von wogenden Grasfeldern, gilt ihre Vorliebe doch Gräsern und Pflanzen aus Nordamerika. Sie setzt Pflanzen stets in grösseren oder grossen Gruppen, um eine harmonische Grosszügigkeit zu erreichen. Und ganz grundsätzlich legt sie bei der der Pflanzenauswahl grössten Wert auf die Struktur derselben. Blüten sind eher zweitrangig. Mehr über ihr Schaffen erfährt man bestimmt in ihrem eigenen gerade erschienenen Buch „Faszination Weite – Die modernen Gärten der Petra Pelz“.

Viktoria von dem Bussche verrät, dass der Garten für sie ein Synonym für Luxus ist. Auch oder gerade wenn der Rücken ächzt und die Hände rauh und zerkratzt sind und sie schwärmt von ihrem noch recht neuen „echten Schlossküchengarten“. Dieser ist ein Geschenk und erschien ihr anfänglich mehr als Last denn als Freude in Anbetracht der zu erwartenden Arbeit. Gleichzeitig weckte die Herausforderung aber den gärtnerischen Ehrgeiz der Schlossherrin, den anlässlich der Niedersächsischen Landesgartenschau 2010 geschaffenen Garten zu erhalten und sogar noch zu erweitern. In den Erntegenuss kommen nun nicht nur Familie und Gartenhelfer sondern auch die Gäste eines Restaurants in Osnabrück.

Keinen passenderen Nachnamen könnte sich Heike Boomgaarden wünschen. Die Diplom-Gartenbauingenieurin übt ganz unterschiedliche „grüne“ Tätigkeiten aus. Sie verfasst beispielsweise eine Kolumne und Gartenbücher, ist Pflanzenbotschafterin der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft und sie steckt hinter der Idee für das Projekt „Stiefmütterchen raus und Grünkohl rein“ in Andernach am Rhein. In ihrem Hinterkopf warten weitere Einfälle auf die Umsetzung. Sie träumt etwa davon, mit Hilfe von Facebook und Co. spontane Aktionen zu organisieren, bei denen beispielsweise auf Brachen Beete angelegt und den Bürgern zur Verfügung gestellt werden. Aktionen, aus denen sich spannende und bereichernde Begegnungen ergeben.

Anja Maubach wiederum erzählt in dem ihr ganz eigenen Stil. Dieser zeichnet sich aus durch oft inkomplette Sätze voller Leidenschaft und Begeisterung, die viel Raum für Interpretationen der Leser lassen. Eines meiner Lieblingsbilder in diesem Buch ist die traumhafte Kombination von Astilben in unterschiedlichen Farbtönen aus Wuppertal-Ronsdorf.

Der Begriff Experte wird ja heutzutage recht inflationär verwendet und für mich ist er mit einem leicht negativen Touch behaftet. Was macht denn nun eine Gartenexpertin aus? Man erfährt, welche Ausbildungen oder Selbststudien die Frauen an den hortikulturellen Punkt gebracht haben, an dem sie heute stehen, und wo sie ihre Inspirationen hernehmen. Aus den Portraits geht hervor, welchen Einfluss der Garten auf das Leben der Gärtnerinnen hat. Wie er sie erdet und prägt durch Veränderungen, Anpassungen an veränderte Lebensumstände, Rückschläge und natürlich insbesondere auch durch positive Erlebnisse und Freude.

Gartengeheimnisse müssen nicht spektakulär sein – hier ein kleines „Müsterli“: Schauen Sie sich auf Friedhöfen um. Was dort gedeiht, ist ans regionale Klima angepasst und wird auch in Ihrem Garten wachsen. An welche Regeln man sich dabei zu halten hat, habe ich hier schon einmal erwähnt.

Das Buch erhält ausserordentlich viel informativen Text. Und auch Leser, die schon alles über jene Gärtnerinnen gelesen zu haben meinen, die sich schon wiederholt zwischen zwei Buchdeckeln präsentiert haben, werden bis anhin Unbekanntes entdecken. Die Lesefreude wird leicht getrübt, duch die etwas gar kleine Schriftgrösse im Verhältnis zum Buchformat. Denn das grosse und eher schwere Buch lässt sich nicht so leicht in den Händen und nahe an die Augen halten wie etwa ein Taschenbuch. 




Kristin Lammerting (Text) und Ferdinand Graf von Luckner (Fotos): 
Gartenexpertinnen und ihr grünes Wissen
Callwey Verlag, 2013

21. März 2013

Ulrike Barow: Baltrumer Bärlauch

Inga Tarmstedts Leidenschaft gehört der Arbeit an ihren Holzskulpturen. Allerdings hat der Rest der Welt zu ihrem Bedauern ihr Talent noch nicht entdeckt und so muss sie sich bald konkrete Gedanken darüber machen, wie sie künftig ihren Lebensunterhalt bestreiten will. Doch vorerst geniesst sie noch die Annehmlichkeiten eines Stipendiums. Zwar darf sie eigentlich den gesponserten Ort nicht für längere Zeit verlassen, doch die junge Künstlerin hat sich in den Kopf gesetzt, auf der Nordseeinsel Baltrum nach Spuren und Bildern ihres Lieblingsmalers Walter Bertelsmann zu suchen, der sich 1905 zum Malen auf der Insel aufgehalten hat.

Kaum auf dem Eiland angekommen, macht Inga die Bekanntschaft einer anderen jungen Frau. Diese Lena ist bei ihren Grosseltern auf Besuch und die beiden freunden sich rasch an. Ausserdem trifft Inga wiederholt auf eine merkwürdige Gruppe junger Männer, die sich immer wieder suchend am Strand herumtreibt. Ingas Aufenthalt auf Baltrum scheint erfolgversprechend, denn bei Lenas Oma entdeckt sie ein echtes Bertelsmann-Gemälde. Doch warum reagiert die alte Frau dermassen komisch, als Inga sie auf das Bild anspricht? Während die Künstlerin noch über die seltsame Reaktion sinniert, gerät Lenas Leben unvermittelt völlig aus den Fugen. Erst wird ihr Grossvater bewusstlos und schwer verletzt am Strand aufgefunden und gleichentags bricht ihre Oma Gerdje zusammen. Sie murmelt etwas wie „Herbst“ und „ Fünf ans Licht“, dann muss sie ebenfalls ins Spital eingewiesen werden.

Oma Gerdje musste Zeit ihres Lebens schwer arbeiten, während sich ihr Mann oft verdrückt und einen Bogen um die Arbeit gemacht hat. Seit vielen Jahren ist deshalb ihr parkähnlicher Garten zwischen Haus und Dünen ihre grösste Freude. Sie hat ihn mit einer Eibenhecke eingefasst und den Platz drinnen teilen sich Sträucher, Stauden, Gemüse und muschelbedeckte Wege. Durch die Lektüre von unzähligen Fachbüchern und ihrer gärtnerischen Praxis im eigenen Garten hat sich die Frau zu einer richtigen Gartenexpertin entwickelt, die harmlose und giftige Gewächse unterscheiden kann.

Wie der Titel verrät, spielt Bärlauch eine Rolle in diesem Inselkrimi. Doch ein diesbezügliches Geständnis aus der Giftküche stimmt nicht mit dem Autopsiebericht überein. Doch schon vorher werden in einer etwas übereifrigen Aktion sämtliche Herbstzeitlosen aus einer Wiese entfernt und es wird in Erwägung gezogen, auch sämtliche Eiben zu fällen. Ein zweiter Erzählstrang gibt Einblick in das Inselleben aus Sicht des (fiktiven) Malers Walter Bertelsmann.  



Ulrike Barow: 
Baltrumer Bärlauch 
Leda-Verlag, 2010/2011

17. März 2013

Margaret Dilloway: The Care and Handling of Roses with Thorns (Die Liebe zu Rosen mit Dornen)

Wegen ihrer kranken Nieren ist die 36jährige Biologielehrerin Galilee Garner, genannt Gal, in ihrem Alltag stark eingeschränkt. Jede zweite Nacht verbringt sie zur Blutwäsche im Spital. Seit acht Jahren arbeitet sie in einer kleinen privaten katholischen Schule in Santa Jimenez, Zentralkalifornien, und wartet ungeduldig auf ihre dritte Nierentransplantation. In ihrem grossen Rosengarten und ihrem Gewächshaus aber blüht sie richtig auf. Sie träumt von einer von ihr gezüchteten spektakulären Rose mit betörendem Duft. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, hat sie sich als Grundlage kein einfaches Zucht-Objekt, sondern ausgerechnet die schwierige und eigensinnige Hulthemia-Rose ausgesucht und verzichtet bewusst darauf, in Rosenclubs mitzumischen. Disziplin prägt ihr Leben durch und durch.

In den geregelten Tages- und Wochenablauf der eher eigenbrötlerischen Lehrerin platzt plötzlich ihre 15jährige Nichte Riley. Gals eher unzuverlässige und meist tablettenabhängige Schwester Becky hat in Fernost eine Stelle angetreten und ihre Tochter ohne vorherige Ankündigung in einem Bus zur Tante geschickt. Gal ist über ihre neue Wohnpartnerin zunächst gar nicht begeistert und vermisst das gewohnte Alleinsein. Ausserdem fühlt sie sich durch die zusätzliche Verantwortung für einen pubertierenden Teenager überfordert.

Gal ist zwar sehr pflichtbewusst, doch verfügt sie wie ihre Rosen über Dornen und sie ist oft launisch. Auf ihre Eltern und ganz besonders auf ihre Mutter kann sich bedingungslos verlassen und ihre Arbeitskollegin Dara ist gleichzeitig ihre beste Freundin. Oft kann Gal ihren Mund nicht halten, und gibt ihre Meinung kund, wenn sie besser schweigen würde. Damit brüskiert sie ihr Umfeld und besonders Dara leidet darunter, dass Gal ihre Krankheit oft als Druckmittel benutzt, um ihren Willen durchzusetzen. Der ungeplante Aufenthalt ihrer Nichte in Santa Jimenez zwingt Gal jedoch, sich mit der problembehafteten (Nicht-)Beziehung zu ihrer Schwester auseinandersetzten. Denn jede der beiden Frauen meint, die andere habe es besser und sei von den Eltern bevorzugt worden.

Der einfühlsame und authentische Roman gibt Einblick in die mit Gals Krankheit verbundenen Einschränkungen und in die Rosenzucht. Daneben schaut man in Gals Gartennotizbuch mit ihren Hinweisen zu Kreuzungspartnern und auch Riley wird vom grünen Virus angesteckt. Sie beginnt in einer Gärtnerei zu arbeiten und legt einen Wassergarten an. Und natürlich liest man immer wieder über die Rosenzucht samt Besuchen von Rosenclub-Veranstaltungen. Die Leserin begleitet Gal während mehreren Monate durch Höhen und Tiefen in Beruf und Privatleben, die jeweils ein Spiegelbild sind zu den eingefügten Rosenpflege-Tipps aus dem Rosenbuch von Winslow Blythe.

Das Buch erscheint im September 2013 im Goldmann Verlag unter dem Titel „Die Liebe zu Rosen mit Dornen“.



Margaret Dilloway: 
The Care and Handling of Roses with Thorns 
G. P. Putnam’s Son, 2012 

Die Liebe zu Rosen mit Dornen 
Goldmann Verlag, 2013

13. März 2013

Anne Rogge: Geschenke aus der Natur

Selber gestaltete Mitbringsel aus Natur-Materialien kommen beim Empfänger immer gut an. Im grosszügig illustrierten Buch „Geschenke aus der Natur“ von Anne Rogge lassen sich nach Jahreszeiten geordnet eine Fülle von Ideen entdecken.

Der diesjährige Frühling steht in den Startlöchern und es dauert nicht mehr lange, bis das Duftveilchen seinen süssen Duft verbreitet. Die Autorin schlägt vor, die essbaren Veilchenblüten zu kandieren. An Zutaten brauchen Sie neben den Veilchen Arabicum-Pulver, Wasser, Zucker und etwas Zeit (ungefähr 20 Minuten). Die violetten Frühlingsblüher können übrigens je nach Vorliebe und/oder Jahreszeit durch Rosen, Gänseblümchen oder Löwenzahn ersetzt werden.

Apropos Löwenzahn. Sie mögen dieses Gelb nicht in Ihrem Garten? Aber vielleicht schätzen Sie die sonnige Farbe und den Geschmack in Form von Gelée auf dem Frühstückstisch? Auch für diese Art der „Unkrautbekämpfung“ findet sich ein Rezept im Buch. Und auch Giersch wird von den meisten Gärtnern nicht gerade geliebt und sein Aufkommen und seine Beliebtheit sind häufig oder wahrscheinlich immer diametral verschieden. Mit Giersch-Pesto können vielleicht auch Sie positive Seiten an dem (Un)Kraut mit Möhrenaroma entdecken und ihn gleichzeitig aus dem Garten vertreiben. Oder wenigstens diese Versuche zwecks doppeltem Nutzen intensivieren.

Die ebenfalls direkt vor der Türe stehende relativ kurze Bärlauchsaison lässt sich verlängern, wenn die sorgfältig verlesenen Blätter getrocknet werden. Anne Rogge empfiehlt, das Vermengen derselben mit ebenfalls getrockneten und zerkleinerten Pastinaken, Risotto-Reis, Bouillon und Gewürzen. Und fertig ist eine leckere Risotto-Mischung. Daneben gibt es Rezepte für Wilden Pfeffer aus Wasserpfeffersamen, Ahornkapern, süsse und würzige Knuspernüsse und Eichelmehl oder Ostereierfarben aus Heidelbeeren, Schachtelhalmen, Kamillenblüten und Holundersaft (an die allerdings schon im Sommer vor Ostern gedacht werden muss).

Neben vielen kulinarischen Ideen für Geschenke aus der Natur finden sich in dieser Publikation auch Vorschläge für Wohlfühlprodukte und Dekoratives, etwa eine Anleitung für Asthaken aus Fundholz oder den Bau eines Insektenhotels. Weiter gibt es Rezepte für ein Körperpeeling aus Birkenblättern und Zucker, ein Spitzwegerich-Öl, das bei Mückenstichen hilft, und für Rainfarnkissen, welche Kleidermotten fernhalten sollen.

Für die Verwendung von Kiefernzapfen liefert das Buch gleich zwei Vorschläge. Zum einen können aus diesen praktische Anzünder für Kamin und Grill gebastelt werden, in dem sie zusammen mit einem Stück Docht in einem kleinen Gefäss in einen noch flüssigen Sockel aus Wachs gesetzt werden oder die Zapfen bilden das Gerüst für Vogelfutterzapfen.

Die Herstellung sämtlicher Geschenke wird Schritt für Schritt und mit Fotos erklärt. Neben Zutatenliste, Variationsmöglichkeiten sorgt der Abschnitt „so gelingt’s sicher“ für ein erfolgreiches Ergebnis. Zwei Register – alphabetisch und thematisch – erleichtern das Suchen und Wiederfinden der Rezepte. Und falls Sie die Basis für solche Naturgeschenke direkt aus der Natur und nicht aus dem eigenen Garten ernten: nehmen Sie Rücksicht auf die Natur und Sammeln Sie die Bestände nie vollständig ab!  



Anne Rogge: 
Geschenke aus der Natur 
Kosmos Verlag, 2013

9. März 2013

Silke Porath: Mops und Möhren

Tanja lebt zusammen mit dem Männerpärchen Chris und Rolf in einer WG. Zum Haushalt gehören auch die beiden liebenswerten Möpse Earl of Cockwood und Mudel. Gleich in der Wohnung nebenan wohnt der Tierarzt Arne, Tanjas Freund. Mit ihm zusammen kümmert sich die junge Frau um kranke Tiere in Stuttgart. Die beiden sind nämlich mit der Tierambulanz der freiwilligen Tierrettung unterwegs, die mit grossen finanziellen Problemen zu kämpfen hat.

Seit kurzer Zeit sind Tanjas Mitbewohner Chris und Rolf Pächter eines Kleingartens. Die Auswahl einer neuen Gartenlaube und von Aussaaten ist deshalb derzeit immer wieder Thema in der WG. Und auch wenn Tanjas Begeisterung nicht ganz mit derjenigen ihrer Mitbewohner mithalten kann, so gilt: mitgewohnt – mitgebuddelt. Aber auch Rolf ist nicht gerade der geborene Gärtner und findet, Chris, ein Florist und Hobby-Coiffeur, der in einem Callcenter arbeitet – lege sich zu fest ins Grün-Zeug. Jedenfalls braucht es recht viel Fantasie, sich die Umsetzung des Lageplans für den künftigen englischen Garten vorzustellen, wenn man den recht verwahrlosten Ist-Zustand der Parzelle betrachtet.

Doch noch bevor es an die konkrete Umsetzung der Gartenumgestaltungspläne in der Kleingartenanlage „Die Wonne“ geht, erreichen die motivierten Schrebergärtner gleich zwei Hiobsbotschaften. Die Laubenkolonie soll einer neu zu bauenden Kläranlage weichen und ausserdem haben es die früheren Vorstandsmitglieder seit 1973 versäumt, die Liegenschaftssteuern zu bezahlen. So hat sich im Laufe der Jahre eine Schuld von über Euro 42‘000 angehäuft. Und so nebenbei versucht auch noch ein Spekulant, sich eine goldene Nase zu verdienen. Er beabsichtigt, die Notlage der Gärtner zu seinem Vorteil auszunutzen und will die bevorzugte Lage der Kleingartenanlage mit teuren, modernen Lofts überbauen.

Tanja hingegen plagen noch ganz andere Sorgen. Ihr Freund Arne bringt von einer Weiterbildung an der Nordsee seine Ex-Freundin mit nach Stuttgart, wo diese zwar einen Job, aber keine Wohnung hat, so der dass er sie vorübergehend bei sich einquartiert. Dieser Zustand gefällt Tanja ganz und gar nicht und löst eine kleine Beziehungskrise aus.

Daneben droht die Auflösung des Kleingartenvereins und allenfalls muss sogar der Vorsitzende mit seinem Privatvermögen haften. Eine Vereinsversammlung löst die nächste ab. Etliche der Pächter sind Rentner und Arbeitslose, die Lücken im Portemonnaie mit selber gezogenem Gemüse füllen, und keineswegs in der Lage sind, finanzielle Unterstützung zu leisten. Gibt es irgendwelche kreative Ideen, die genügend Geld einbringen, um die Steuerschuld zu begleichen oder ist es vorbei mit Tomaten und Bohnen in Reih und Glied in der Laubenkolonie „Die Wonne“?

Zwischen Tierrettungseinsätzen, der Beerdigung eines Kleintieres im Schrebergarten, Eifersuchtsanfällen und teilweise ungeliebten Jobs startet die Mission Gartenzwerg zur Rettung der Kleingärten und es bilden sich auch neue Pärchen. Der Schluss des Buches ist etwas abrupt, denn die diversen Rettungsaktionen passieren erst am Ende der Lektüre und werden recht zügig abgehandelt. Tierfreunde, speziell Mops-Liebhaber, werden sich an den vielen Szenen erfreuen, in denen Vater und Sohn Mops die Hauptrolle spielen.  



Silke Porath: 
Mops und Möhren 
Gmeiner-Verlag, 2013

5. März 2013

Tom Powell: Aphid in my Eye – Adventures in the Orchid Trade

Im ersten Kapitel verrät der Autor, dass er zu den Menschen gehört, in deren Venen Chlorophyll zirkuliert. Das äussert sich etwa darin, dass die Knie jeweils weich werden, wenn eine neu erworbene Orchidee zum ersten Mal blüht. Er erzählt aber auch von Begegnungen und Erlebnissen mit teilweise ganz speziellen Orchideen-Besessenen, zu denen Millionäre und Hobbyzüchter ebenso zählen wie "richtige" Orchideenjäger, Jurymitglieder von Orchideenwettbewerben und professionelle Orchideenzüchter.

Leider ist der Vermieter der Wohnung der jungen Powells kein angefressener Orchideenliebhaber und hat kein Musikgehör für den Wunsch der beiden, auf dem Dach ein Gewächshaus aufzustellen. Damit wenigstens die Lichtverhältnisse für die wachsende Sammlung stimmte, mussten deshalb zusätzliche künstliche Lichtquellen installiert werden. Immer mehr Pflanzen mussten sich den beschränkten Platz in der Wohnung teilen, und dabei gab es noch so viele verlockende Orchideenschätze, die in der schon recht beeindruckenden Kollektion noch fehlten. Völlig unerwartet ergab sich da die Gelegenheit, das Problem Platzknappheit zusammen mit einem scheinbar spannenden Jobangebot zu kombinieren.

Wenige Überlegungen waren von Nöten und die Führung der angebotenen Orchideengärtnerei lag in den Händen der Powells und innert Wochenfrist hatten Möbel und sämtliche Pflanzen ein neues Daheim gefunden. Dass Träume sich in Wirklichkeit oft als Alpträume entpuppen, ist eine Binsenwahrheit und die Richtigkeit des sehr schnell gefällten Bauchentscheids wurde bald einmal in Frage gestellt.

Jedenfalls bietet der Job im Orchideenhandel viel Stoff für unterhaltsame Geschichten. Man liest über die Tücken der Gewächshausheizung, genannt (tickling) Trixie und erfährt, wozu ein Schirm wetterunabhängig beim Gärtnereibesuch nützlich sein kann. Im geschlossenen Teil lassen sich nämlich im Vorübergehen abgeknipste Stecklinge (fast) unbemerkt darin verschwinden. Dann geht es um einen Serienkiller von Pflanzen, dessen Schuld in der Ignoranz von sämtlichen deren Bedürfnissen liegt und die Tatsache, dass ein Gärtner seine Ausschussware besser zerkleinert und zerstört, bevor er diese auf den Kompost wirft. Ausser er möchte die Erfahrung der Powells teilen, an Wettbewerben zu erleben, dass Leute mit aus solchem Kompostmaterial gepickten und gezogenen Schätzen Preise einheimsen.

Des Weiteren versucht Tom Powell, dem Leser die Faszination von Orchideen auf Menschen zu erklären und erzählt witzige, teilweise fast unglaubwürdige Anekdoten von Gartenclubanlässen, Blumenshows und Vereinsausflügen. Illustriert ist das Büchlein, das nicht nur Orchideenliebhabern gefallen wird, mit Zeichnungen von Betsy West.



Tom Powell: 
Aphid in my Eye – Adventures in the Orchid Trade
B.B. Mackey Books, 2012

1. März 2013

Zeit für Spiele - Spielzeit

Wie hier allgemein bekannt ist, lese ich sehr gerne und schätze Abwechslung in der Lektüre. Was ich nicht besonders mag, ist das Studieren von Gebrauchsanweisungen und Spielanleitungen. Deswegen spielen wir im Familienkreis meist nur Spiele, von welchen die Regeln hinlänglich bekannt sind oder den familieninternen schweizerisch-italienischen Jass-Mix, dank dem ich die richtigen Jassregeln längst vergessen habe. Nichtsdestotrotz haben im Lauf der letzten Jahre auch einige Spiele mit hortikulturellem Hintergrund den Weg in den Spielschrank gefunden - wo sie zugegebenermassen auch die meiste Zeit ihres Daseins fristen. Nachstehend stelle ich diese ganz kurz und knapp vor. Allerdings ohne abzuklären, ob die einzelnen Produkte noch im Handel erhältlich sind.

Nicht immer sind willige Spielpartner zur Stelle, dann ist ein Wasgij-Puzzle (rückwärts gelesen/englisch jigsaw = Puzzle) vielleicht das richtige. Unter diesem Namen gibt es eine Puzzle-Reihe, bei der man die einzelnen Kleinteile nicht wie üblich nach einer Bildvorlage zusammensetzt. Als Puzzler muss man sich die Perspektive einer oder mehrerer Personen vorstellen und das zu entstehende Bild erahnen. Meine Mini-Ausgabe mit 54 Teilchen zeigt eine Szene aus einem Gartencenter – Was sieht die Frau vom Gartencenter denn da?

„Greenrock Village – Tatort Schrebergarten“ ist ein Ein-Personen-Spiel, bei welchem verschiedene Indizien richtig kombiniert werden müssen. Richtige Schlussfolgerungen führen in diesem Logik-Rätsel schliesslich zum Täter, der im Schrebergarten sein Unwesen treibt. Mit dem für die Hobby-Ermittler zur Verfügung stehenden Hilfsmaterial (25 Spielsteine, Aufgabenkarten und eine patente Spielbox) und einer Portion Logik können 50 verschiedene Mordfälle in drei Schwierigkeitsstufen aufgeklärt werden.

36 Fotografien aus dem Schrebergarten sind die Grundlage für das Memory-Spiel „Die grüne Hölle – Gemüse & Co.“. Zum Set gehört auch ein Stereobetrachter, dank dem mit etwas Übung die mit einer Stereokamera aufgenommenen Bilder – sofern zwei gleiche Motive richtig nebeneinander gelegt werden - dreidimensional betrachtet werden können.

Mit den von John Denaro illustrierten Spielkarten „Bäume“ lassen sich im wahrsten Sinn des Wortes 54 unterschiedliche Gehölze spielend kennenlernen. Die Bäume sind als Ganzes gezeichnet. Ausserdem sind die Blätter, Blüten und Früchte abgebildet und der einheimische und der botanische Name werden angegeben.

Deutlich mehr Platz im Schrank beanspruchen die nun folgenden Spiele in grösseren Kartonschachteln wie etwa „Die hängenden Gärten“. Hier errichten zwei bis vier Spieler hängende Gärten nach ihrem Geschmack. An Material stehen Spielplan, Baukarten, Punktetafeln, Tempel aus Holz und eine Startspielerblume zur Verfügung.

Für „Die Gärten der Alhambra“ werden die fähigsten Gartenbau-Künstler ab zehn Jahren gesucht. Während einer Spieldauer von 45 bis 60 Minuten versuchen zwei bis vier Spieler zum Gross-Gärtner des Kalifer erkoren zu werden.

Das Spiel „Prestel Schlossgarten“ habe ich vor Jahren an der Buchmesse in Frankfurt entdeckt. Kurz nachdem ich es in Zürich recht teuer gekauft hatte, war es längere Zeit für einen Bruchteil des ursprünglichen Preises bei Jokers im Ausverkauf. Aus dem Text der Verpackung: „Hier können Sie ganz ohne Rückenschmerzen und ohne den obligatorischen grünen Daumen einen Garten einrichten“. Zwei bis vier Spieler versuchen mit Hilfe eines Gärtners und Baumeisters einen Traumgarten nach ihren Vorstellungen einzurichten. Doch andere Könige haben das gleiche Ziel, so dass Probleme in der Gestaltung vorprogrammiert sind.

Zum Spielinhalt von „Eden“ gehören neben einem Spielplan, Bewässerungskarten, Kultivierungskarten, Manakarten, Pflanzkärtchen und Übersichtstafeln. Drei bis vier Spieler bebauen ihr zunächst wüstes und ödes Land. Doch kaum wachsen zarte Pflänzchen und sind Ernteerfolge in Sicht, versuchen neidische Nachbarn ihnen das inzwischen fruchtbare Land zu entreissen.

Ziel des Spieles „Das grosse Garten-Quizspiel“ ist, einen eigenen Garten mit sieben gesunden Pflanzen anzulegen. Dabei wird nach Möglichkeit das Wissen der Mitspieler angezapft und einen Pflanzendoktor gibt es auch. Aber während dem Durchwandern des Spielplans „Blühendes Barock“ in Ludwigsburg verhindern verschiedene Ereignisse unbeschwertes Gärtnern. Dafür lassen sich gleichzeitig so ganz nebenbei eine Menge nützlicher Informationen aneignen (Welche Abfälle gehören nicht auf den Kompost? Wie wirken Spritzmittel gegen Schildläuse? Was sind Hexenringe?).

Viel Spass beim Spielen (und beim Lesen der Spielanleitung)!



Original-Mini-Wasgij (Puzzle):
Was sieht die Frau vom Gartencenter denn da?
Jumbo

Greenrock Village – Tatort: Schrebergarten
Jumbo

Die grüne Hölle – Gemüse & Co. (3D-Memo & Stereobetrachter) 
Walkwerk

Bäume (Illustrierte Spielkarten)
Heritage Playing Card Company 

Din Li:
Die hängenden Gärten
Hans im Glück Verlags-GmbH 

Dirk Henn: 
Die Gärten der Alhambra
Queen Games 

Ulf Siebert: 
Der Prestel-Schlossgarten
Prestel Kunstspiel

Gal Zuckermann:
Eden – Macht fruchtbar und wehrt euch! 
Kosmos Verlag 

Christian Beiersdorf: 
Das grosse Garten-Quizspiel 
Kosmos Verlag

26. Februar 2013

Tatjana Weih: Die Blumenfrau

Bei dieser Publikation handelt es sich um ein in der Grösse mittelformatiges Märchen für Erwachsene, das sich ausgezeichnet eignet als Mitbringsel statt oder vielleicht zusammen mit einem Blumenstrauss. Auf Doppelseiten ist jeweils rechts eine ganzseitige Illustration von Tatjana Weih abgebildet. Links findet sich ein kleiner Ausschnitt aus der gleichen Zeichnung und darum herum ist der Text angeordnet.

Erzählt wird vom Alltag einer unscheinbaren, zurückhaltenden Blumenhändlerin, die ein eigenes Geschäft in einem lebhaften Quartier am Stadtrand betreibt. Fräulein Rosa – so nennt sie ihr Blumenlieferant – stellt sämtliche Blumensträusse erst zusammen, wenn sie weiss, für wen diese bestimmt sind und aus welchem Grund sie verschenkt werden.

Oft ist die Floristin stundenlang allein im Laden und betrachtet die vorbeieilenden Passanten. Etliche davon gehören zu ihrem Kundenkreis und sie weiss viel Privates von ihrer vorwiegend männlichen Kundschaft. Nur von einem Mann, der regelmässig an ihrem Schaufenster vorbeiläuft, kann sich die Blumenfrau kein Bild machen. Da sie für ihn aber noch nie einen Blumenstrauss hat zusammenstellen dürfen, nimmt sie an, dass es keine Frau in seinem Leben gibt. Fräulein Rosa selber führt ein sehr zurückgezogenes Leben und gibt nichts von sich preis.

Mehr möchte ich nicht zum Inhalt verraten, sonst ist das Mini-Buch (23 Seiten) ja gleich in dieser Buchvorstellung fertig erzählt …

Die Zeichnungen sind sehr detailgetreu und passen ausgezeichnet zur Geschichte. Statt mich mit Beschreibungen zum Zeichnungsstil der Illustratorin abzumühen, empfehle ich ganz einfach einen Klick hierhin. 




Tatjana Weih: 
Die Blumenfrau 
Eigenverlag, 2006

22. Februar 2013

Inken Weiand: Liebesgrün – Jede Pflanze erzählt eine Geschichte

Neunzehn in sich abgeschlossene Kurzgeschichten mit hortikulturellem Hintergrund, "eingebeetet" in einen Gartenrundgang mit Sonja und ihrem Traummann Kilian, sind das gelungene Rezept für dieses abwechslungsreiche Menu, äh Geschenkbüchlein.

Sonja versucht in ihrem nach Frühsommer duftenden Garten den Mann ihrer Träume aus der Reserve zu locken. Den Garten hat sie von ihren Eltern übernommen und aus dem ehemals arbeitsintensiven Bauerngarten ihre private Oase geschaffen. Als bei Kaffee und Erdbeerkuchen keine ungezwungene Stimmung aufkommt – ist Kilian dermassen schüchtern oder ganz einfach völlig uninteressiert? – lädt Sonja ihren Gast zu einem Spaziergang durch ihr Paradies ein und erzählt bei einer ausgedehnten Führung passende Geschichten zu den unterschiedlichsten Pflanzen.

Da ist etwa Annika, die nach der Trennung von Thorsten ihren Garten aufräumen will. Die Symmetrie vor der Haustür und der englische Rasen sollen samt ihrem Ex-Partner aus ihrem Leben verschwinden. Um die entstandenen Lücken zu füllen, bestellt sie bei einem Pflanzenversand telefonisch Rosensträucher und Schneeglöckchen. Und nicht zuletzt wegen der tiefen und überaus sympathischen Stimme am anderen Ende des Drahtes ordert sie immer mehr Grünzeug.

Oder man liest von Valerie, ihrer schwierigen Schwiegermutter und einem Unkrautmenu, kontaktfördernden Zucchetti-Rezepten, einem die Paar-Harmonie entzweienden Wellness-Garten und der Erkenntnis, dass nicht alle Pflanzen abgestorben sein müssen, die nach einem kalten Winter nicht gleich wieder austreiben. Weitere Themen sind Tannenbäume, eine Rosenfee, ein Drachenbaum, Schnecken und ein Tor in der Hecke.

Neben romantischen Geschichten gibt’s auch Lustiges und nachdenklich Stimmendes zu lesen sowie zwei Kurzkrimis. Und dass die Autorin Erfahrung mit Gärtnern hat, ist nicht zu übersehen bzw. -lesen.  



Inken Weiand: 
Liebesgrün – Jede Pflanze erzählt eine Geschichte
Stories & Friends Verlag, 2013

18. Februar 2013

Alyse Carlson: The Azalea Assault – A Garden Society Mystery

“Garden Delights”, Amerikas führende monatliche Publikation für Gartenliebhaber, plant einen achtseitigen grosszügig illustrierten Artikel über die schönsten Gärten in Roanake, Virgina. Dieser PR-Coup ist Camellia Harris, genannt Cam, gelungen. Die engagierte Verantwortliche für die Öffentlichkeitsarbeit der Roanake Garden Society hat es sogar geschafft, dass der weltbekannte Fotograf Jean-Jacques Georges die spektakulären Gärten von ihrer besten Seite ablichtet. Unterschlupf finden die Gäste aus der Medienwelt während ihrem dreitägigen Aufenthalt in Roanake bei der Präsidentin und beim Gründer der Roanake Garden Society.

Doch nicht nur die hiesigen Gartenanlagen sind beachtlich. Virginias ganze Pflanzenwelt ist gleichzeitig blühend in einer Reihe von Gewächshäusern zu bestaunen. Dank raffinierter Technik und Berücksichtigung der speziellen Bedürfnisse der Pflanzen können gleichzeitig Frühlings-, Sommer- und Herbstblüher bewundert und fotografiert werden (ach, was es in Büchern nicht alles zu lesen gibt…).

Leider entpuppen sich die Manieren des angesehenen Fotografen als nicht annähernd so perfekt wie dessen hervorragenden Bilder. An der Willkommensparty beklagt er sich nicht nur lautstark über seine Aufgabe, langweilige Blumen fotografieren zu müssen, sondern er beleidigt auch verschiedene der anwesenden Gäste. Am nächsten Tag wird der unfreundliche Zeitgenosse ausgerechnet unter blühenden Azaleen tot aufgefunden.

Dieser Mord kommt den Verantwortlichen der Gartenzeitschrift völlig ungelegen, da sie schlechte Publicity befürchten. Cam, ganz professionelle Werbefachfrau, versucht das Projekt mit dem Hinweis zu retten, dass Skandale umsatzsteigernd wirken und erhält tatsächlich die Gelegenheit, sofort einen Ersatzfotografen zu engagieren. Sollte dies nicht rasch möglichst gelingen, droht die „Garden Delight“-Crew abzureisen.

Und als hätte Cam nicht schon genung um die Ohren, gerät auch noch ihr Schwager unter Tatverdacht und ihr eigenen Freund, der Reporter Rob, wittert eine heisse Titelstory. So sieht sie sich gezwungen, selber in Roanake herumzuschnüffeln und entdeckt dabei ein von der Polizei übersehenes mobiles Telefon und alte Verbindungen des Mordopfers zu einer Gastgeberin. Da passiert noch ein zweites Verbrechen...

„The Azalea Assault“ ist der erste Garden-Society-Krimi in einer neuen Reihe mit hortikulturellem Hintergrund. Die Detektivin und ihre Schwester tragen sogar passende florale Namen: Camellia und Petunia. Im Mai 2013 erscheint das zweite Buch mit dem Titel „The Begonia Bribe“.



Alyse Carlson: 
The Azalea Assault – A Garden Society Mystery 
Berkley Prime Crime/Penguin Group, 2012

14. Februar 2013

Serdar Özkan: Die Stimme der Rose

Nach dem frühen Tod ihrer Mutter ist nichts mehr in Dianas Leben wie es vorher war. Die junge Frau fühlt sich völlig antriebslos, nicht einmal die Feier zum Abschluss ihres Studiums mag sie besonders interessieren. Und jetzt erfährt sie auch noch aus einem Brief der Mutter, den sie erst nach deren Ableben lesen durfte, dass sie eine Zwillingsschwester haben soll und einen letzten Wunsch ihrer Mutter erfüllen soll. Doch der Gedanke an diese bis anhin unbekannte Schwester Mary, die sie als „Mutterdiebin“ empfindet, beraubt Diana ihrer letzten Energiereserven.

Diana ist Erbin einer internationalen Hotelgruppe und sonnt sich gerne in der Bewunderung von (sogenannten) Freundinnen und Freunden. Das Jurastudium hat sie gewählt, weil ihr der Mut fehlte, ihren Traum zu verwirklichen und Schriftstellerin zu werden. Nachdem sie sich monatelang zurückgezogen hat, rafft sie sich schliesslich auf, den letzten Wunsch ihrer Mutter zu erfüllen. Vier verschieden farbige Briefumschläge weisen ihr den Weg. Sie erfährt, dass Mary nach ihrer eigenen Rückkehr aus einem ganz besonderen Rosengarten selber Rosen gezüchtet hat, die ihr Zimmer mit Düften erfüllten und eine leichte Brise verbreiteten. Und plötzlich begann eine Rose zu sprechen, so als komme die Stimme aus Marys Kopf.

Die Briefe ihrer Schwester lassen Diana vermuten, dass deren Geist ziemlich verwirrt ist. Wer glaubt denn schon an sprechende Rosen und Atemgeräusche derselben? Doch Diana überwindet ihre Vorbehalte. Ihre abenteuerliche Reise führt sie in den Orient, in einen Rosengarten, wo sie in Marys Spuren wandelt und schliesslich den Weg findet zu ihren ureigenen Herzenswünschen.

Dianas erster Anhaltspunkt ist ein Palast in der Türkei. Neben dessen Mauer ein kleines Hotel stehen soll, dessen Besitzerin Mary einst gelehrt hat, die Stimme der Rose zu hören.Was erwartet Diana im Rosengarten und welche Rolle spielt ein Bettler auf ihrem Lebensweg? Schafft sie es, ihren Geist zu öffnen? Diana hat verschiedene eindrückliche Begegnungen und erhält Lektionen, in denen sie erfährt, dass Unmögliches nicht durch Wunder passiert, sondern durch Beharrlichkeit und dass die grösste Eigenschaft der Rosen ist, in Harmonie zu leben. Egal, welcher Herkunft sie sind und welche Farbe oder Grösse sie haben und dass sie keinen Streit, keine Eitelkeit und keine Eifersucht kennen.

Dieses kluge und berührende Büchlein wird mit Antoine de St. Exupérys „Der kleine Prinz“ verglichen und die Lektüre desselben spielt auch auf Dianas Weg zu ihrem eigenen Ich eine prägende Rolle. Ich muss mir unbedingt gelegentlich ein deutsches Exemplar von „Le Petit Prince“ zulegen. Meine Französisch-Kenntnisse sind wohl inzwischen zu kümmerlich, um die hier liegende Originalausgabe wieder einmal zu lesen (und zu verstehen).



Serdar Özkan: 
Die Stimme der Rose 
Blanvalet Verlag, 2007