18. August 2012

Silke Schütze: Erdbeerkönigin

Die 42jährige gelernte Krankenschwester Eva Brandt sorgt in ihrer Nachbarschaft für Entsetzen und Kopfschütteln als sie in der perfekten Vorgartenrasenfläche ein rundes Erdbeerbeet anlegt. Einzig ihr pubertierender und fast ständig schlechtgelaunte Sohn Benny scheint von dieser Veränderung nichts mitbekommen zu haben.

Ein paar Tage nach dieser gärtnerischen Aktion verschwindet die frühere Erdbeerkönigin Eva Brandt an einem Mittwoch aus ihrem Leben und fährt spontan nach Hamburg. Auslöser für die Reise ist ein Schreiben eines Anwalts, der sie im Auftrag eines verstorbenen Mandanten bittet, bei dessen Urnenbeisetzung die Grabrede zu halten. Daraufhin hat Eva unverzüglich ihre Reisetasche gepackt und ihre Gewohnheiten und Rituale zurückgelassen.

Im separaten Erzählstrang „Damals“ erfährt die Leserin erste Details zu Evas zwanzig Jahre zurückliegenden Begegnung mit dem verstorbenen Daniel Eisenthuer, die nunmehr eine kostbare Erinnerung ist. Die wenigen gemeinsamen Stunden waren für Eva (Zitat:) „wie eine schöne Pflanze in einem verschlossenen Garten, zu dem nur sie den Schlüssel besass“. Der Anwalt lässt Eva in Daniels noch nicht aufgelöster Wohnung einziehen und sie beginnt eine Spurensuche, die gleichzeitig zu einer detaillierten Reflektion ihrer aktuellen Lebensumstände führt. Warum hängt in der Wohnung eines stilsicheren Galeristen eine billige Postkarte mit dem Motiv des Stillebens „Der Erdbeerkorb“ von Jean-Baptiste Siméon Chardin, gerahmt an der Wand? Dabei handelt es sich um die einzige Postkarte, die Eva jemals ans Daniel geschickt hat.

Verschiedene Freunde von Daniel erzählen ihr von ihm. Dabei kommt viel schönes, aber auch weniger schmeichelhaftes zu Tage. Doch wieso soll ausgerechnet Eva, die ihn nur ganz flüchtig gekannt hat, seine Grabrede halten? Ist Evas Leben nicht nur eine Ansammlung von angefangenen Geschichten und aufgegebenen Vorlieben, zu denen Mode, Sport, Freunde und Ehe zählen? Ein charmanter Franzose umschwärmt Eva und sie findet in einer pensionierten Ärztin eine neue gute Freundin. Und mit etwas Abstand zu ihrem Alltag und den familiären Streitigkeiten entdeckt sie, was ihr wirklich wichtig ist.

Einfühlsame Ich-Erzählung, die zum Nachdenken anregt. Wann und wie soll der Lebensweg wieder in eine andere Richtung gehen?



Silke Schütze:
Erdbeerkönigin
Knaur Taschenbuch, 2012

14. August 2012

Eran Riklis: Lemon Tree (DVD)

Vor fünfzig Jahren hat der Vater von Salma in der West Bank einen Zitronenhain angepflanzt. Salma ist seit zehn Jahren verwitwet und lebt seit dem Auszug ihrer drei Kinder zurückgezogen in ihrem Haus und kümmert sich um die Zitronenbäume. Die unmittelbar an der Grenze zu Israel stehenden Gewächse versorgen die Palästinenserin mit einem bescheidenen Einkommen.

Als direkt neben ihrem Grundstück auf der israelischen Seite der Verteidigungsminister in sein neues Haus einzieht, mutiert der Zitronenhain  zum Sicherheitsrisiko, in dem sich leicht Terroristen verstecken könnten. Die Bäume sollen deshalb abgeholzt und Salma dafür entschädigt werden. Doch die Frau ist ebenso tief mit ihrem Land und der Plantage verwurzelt wie die Bäume in der Erde, in der sie sich seit Jahrzehnten ungehindert austrecken können. Salma wehrt sich beim Militärgericht gegen die Verfügung und zieht schliesslich mit dem jungen palästinensischen Anwalt Ziad bis vor den obersten Gerichtshof.

Bereits während des laufenden Verfahrens wird die Zitronenplantage eingezäunt und Salma kann sich nicht mehr um ihre Bäume kümmern. Diese beginnen schnell unter der Vernachlässigung zu leiden, obwohl sich Salma nicht das Verbot hält, welches ihr das Betreten des Geländes untersagt. Sogar von ihren eigenen Landsleuten wird ihr Einspruch kritisiert. Sie soll sich nicht wehren und insbesondere nicht das Ansehen ihres verstorbenen Mannes beschmutzen. Es haben doch schon unzählige andere ihr Land verloren. Doch Salma denkt nicht daran aufzugeben und kämpft wie David gegen Goliath.

Salmas Kampf zieht die Aufmerksamkeit und die Sympathie ihrer neuen Nachbarin, der jüdischen Frau des israelischen Verteidigungsministers, auf sich. Als während der Einweihungsparty des neuen Hauses des Verteidigungsministers ein Anschlag ausgeübt wird, interessieren sich plötzlich auch ausländische Medien für die Affäre und gleichzeitig kommen sich Salma und ihr junger Anwalt näher.

Ein sehr einfühlsam inszenierter Film mit viel Saurem, aber auch durchblitzendem Humor – Bäume sind wie Menschen; sie haben eine Seele und verlangen nach Liebe.



Film von Eran Riklis:
Lemon Tree
Arsenal Filmverleih, 2009

6. August 2012

Ende Blog-Sommerpause

Auf Facebook hatte ich ja vor der Blogpause mal kurz erwähnt, dass wir in unmittelbarer Nähe eines „Krisengebietes“ wohnen, wo gerade der gefährliche und bei Fund im Garten meldepflichtige Asiatische Laubholzbockkäfer (Anoplophora glabripennis) wütet oder - wie man hoffentlich (!) inzwischen feststellen darf - gewütet hat, der wahrscheinlich mit Verpackungsmaterial von aus China importieren Steinen eingeschleppt worden ist. Ich glaube allerdings kaum, dass mit den Aktionen (Rohdungen usw.) der letzten Wochen die Gefahr, die von diesen gefrässigen Tieren ausgeht, definitiv gebannt ist. Man darf sich allerdings kaum ausmahlen, wie unsere Gartenstadt ohne Laubbäume aussehen würde, sieht doch schon das abgeholzte Gebiet mehr als trostlos aus. Vielleicht hat jener Leserbriefschreiber in unserer Lokalzeitung ja recht, der die Schäden dieser importieren Schädlinge ohne natürliche Feinde mit den Untaten der Pflanzenjäger aus früheren Jahrhunderten in Zusammenhang bringt.

Inzwischen ist auch der Buchsbaumzünsler, der seit diesem Frühling in der Umgebung sein Unwesen treibt,  in unserem Garten angekommen. Die Gärtnerin würde sich nach den Ferien ein netteres und vor allem ein erfreulicheres Empfangskomitee im Garten wünschen! Eigentlich hatte ich diese Tierchen schon viel eher erwartet und habe mir schon längere Zeit alternative Gestaltungsideen überlegt. Noch gebe ich aber meine doch schon etliche Jahre gehegt und gepflegten Buchseinfassungen und die Kugeln nicht kampflos auf, obwohl das Absammeln und Vernichten derselben wahrlich keine erspriessliche Beschäftigung ist.

Mein letzter Buchsbaumkauf liegt schon ungefähr 10 Jahre zurück und irgendwie hängt frau doch stärker an diesen Gartenelementen als gedacht…Und obschon ich letzten Woche irgendwo gelesen habe, dass der Buchsbaumzünsler sich in Asien auch an Ilex gütlich tut, habe ich nun buchsblättrige Ilex (Ilex crenata) als Ersatzpflanzen bestellt, die ich als Einfassung im kürzlich umgestalteten Gartenteil einsetzen will. Die Hoffnung stirbt schliesslich zuletzt! Ausserdem warten noch etliche andere Pflanzen, die ich auf Pflanzenmärkten oder in Staudengärtnereien erstanden habe, auf ihren definitiven Platz im Beet. Leider waren die Aufenthalte in letzteren auf der Rückreise von Urlaubsorten jeweils recht kurz zu fassen, da die Familie (leicht genervt) im Auto wartete …

Angenehmeres gibt es von der Sofagarten-Front zu berichten, denn auch beim Sofagärtnern war ich nicht untätig. Welche Bücher ich zuletzt gelesen habe oder mir aktuell zu Gemüte führe, steht wie üblich rechts im Blog. Noch vor mir habe ich die Lektüre von „In the Footsteps of Augustine Henry and his Chinese plant collectors“ von Seamus O’Brien mit einem Vorwort von Roy Lancaster und „Fern Fever – The story of Pteridomania, A Victorian Obsession“ von Sarah Whittingham. Beide grossformatigen Publikationen machen schon beim Durchblättern aufs Lesen „gluschtig“. Als Reiselektüre sind die beiden Wälzer aber leider nicht oder nur bedingt geeignet.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich die neuen Blogleserinnen und -leser begrüssen und mich pauschal für die Kommentare bedanken. Mit meinen Gartenbuchvorstellungen geht es nächste Woche an dieser Stelle weiter.

19. Juli 2012

Max Scharnigg: Feldversuch – Unser Stück Land vor den Toren der Stadt

Allenthalben werden gegen Sommerende die verschiedensten Kürbisse am Strassenrand zum Verkauf angeboten. Eine solche Kürbispyramide weckt in Max Scharnigg und seiner Freundin, dem lieben Fräulein, den Wunsch, einen eigenen Kürbishaufen zu produzieren. Und natürlich noch vieles anderes, vorzugsweise essbares Grünzeug mehr.

Auf einem schmalen gepachteten Streifen Acker ausserhalb München wollen die beiden Städter ihre Ernteträume schliesslich Realität werden lassen. Für 40 Euro steht ihnen das Land von April bis November zur Verfügung – hernach wird vom Bauer das ganze Feld wieder umgepflügt. Das Experiment „Feldversuch“ startet damit, dass endlich der Inhalt der in einer Art Rauschzustand schon vorsorglich gekauften Samentütchen nun guten Gewissens zum Keimen gebracht werden kann. Und im letzten Urlaub vor der Übernahme des Ackers wird eifrig Gartenlektüre gewälzt.

Auf etwas mehr als 200 Seiten berichtet der Autor nun in seinem  Buch „Feldversuch“ detailliert über die ersten Gehversuche als Gemüsegärtner und der Leser erfährt, wie sich die Wochenendbeziehung zwischen dem Münchner Paar und den Pflänzchen und natürlich auch letztere sich selber im rund zwanzig Autominuten von daheim entfernten Garten entwickeln. So erzählt Max Scharnigg von der jeweils stürmischen Wiedersehensfreude (auf Seite der Zweibeiner), wegen der schlechten Ökobilanz durch den Anfahrtsweg per Auto allerdings mit leicht schlechtem Gewissen im Hinterkopf.  Weiter geht es um Minderwertigkeitskomplexe angesichts von geometrisch perfekten und aufgeräumten Nachbarschaftsstreifen, werden kleine Unkrautdepressionen nicht verschwiegen oder die gelegentliche Unlust auf Bückarbeit und ganz nebenbei gibt’s auch einiges über den Gemüseanbau zu lesen und vielleicht sogar zu lernen.

Es gibt ja inzwischen fast unzählige Erfahrungsberichte von Städtern, Gärtnern und Hobby-Landwirten, die ihr Glück im Wühlen in der Erde suchen und die Leser teilhaben lassen an ihren Erfolgserlebnissen, Ernteschwemmen und Wetterplagen. Dank dem humorigen, selbstironischen Schreibstil des Autors ist dieser Titel ein besonderes Lesevergnügen, das Sie sich nicht entgehen lassen sollten. Sie lernen hier beispielsweise Ausdrücke wie ackerfrei oder Ackereltern und lesen von Überlegungen, wie Tomaten wohl vor der Erfindung von Abdeckhüllen in pflanzlicher Urzeit reifen konnten und von Überraschungserfolgen, die beinahe die Idee aufkommen lassen, dem Nachwuchs den Namen Dill zu geben (in Anlehnung an Till Schweiger). Ein weiterer Seitenhieb in Richtung Schauspieler geht an Christine Neubauer, zu welcher der Autor eine Verbindung herstellt im Zusammenhang mit dem geplanten Erntedankfest mit (fast) ausschliesslich auf eigenem Acker produzierten Esswaren, der Wichtigkeit von Kartoffeln und von öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern.

Obwohl die ausgeklügelte und durchdachte Pflanzung (Stichworte "gute Nachbarn, schlechte Nachbarn") bei der praktischen Umsetzung völlig untergegangen ist, können im Laufe des Sommers verschiedene Ernteerfolge vorgewiesen werden und das Bild des Ackerstreifens und die Stadtwohnung werden positiv aufgewertet durch die blumigen Ergebnisse des lieben Fräuleins. Und bestimmt sind nicht sämtliche Ernteerfolge auf Anfängerglück zurückzuführen.

Mit dieser Buchvorstellung stelle ich das (Vor-)bloggen bis ungefähr Mitte August ein und wünsche allen Leserinnen und Lesern einen schönen Hochsommer!



Max Scharnigg:
Feldversuch – Unser Stück Land vor den Toren der Stadt
Fischer Taschenbuch Verlag, 2012



15. Juli 2012

Carolee Snyder: Herbal Passions - A gardening novel with herbal recipes

Auch Callie Gardeners drittes Jahr als selbständige Unternehmerin und Inhaberin der „Joyful Heart Herb Farm“ ist von sich ständig abwechselnden Höhen und Tiefen geprägt. Immer wieder steht die junge Frau vor neuen, oft schier unlösbar scheinenden Herausforderungen und sucht nach Lösungen für ihre Probleme.

Nach seinen schweren Schussverletzungen kämpft sich Trooper Morgan Wright nur mit grosser Mühe ins Leben zurück und Callie wächst die Arbeit langsam aber sicher über den Kopf. Wie gewohnt beginnt die Abarbeitung des riesigen Berges unerledigter Pendenzen mit dem Erstellen einer „Joblist“. Doch Callies grössten aktuellen Probleme resultieren aktuell nicht nur aus ihrem Mangel an Personal und sondern auch daraus, weil sie selber ständig hin und her pendelt zwischen Besuchen am Krankenbett und der Erledigung der dringendsten Tätigkeiten in ihrem Betrieb.

Das Mitarbeiter-Problem scheint gelöst, als Callie eine überaus engagierte und wissbegierige Frau anstellen kann. Leider entpuppt sich diese Wahl als grosse Fehlentscheidung. Nach kurzer intensiver Einarbeitung nutzt diese Angestellte die Abwesenheit ihrer Chefin und bedient sich zu Mitarbeiterkonditionen am Grundstock von Callies wertvollem Pflanzenmaterial und anderen nicht leicht wieder zu beschaffenden  Artikeln in der Höhe ihres Restsalärs. Der unerwartete Verlust der illoyalen Mitarbeiterin samt Mutterpflanzen wird noch getoppt durch die Tatsache, dass diese in nächster Nähe der „Joyful Heart Herb Farm“ eine eigene Kräutergärtnerei in einer gut erschlossenen Gegend eröffnet. Schamlos wurden also nicht nur teilweise fast unersetzbare Pflanzen abgezügelt, sondern auch noch das von Callie erworbene Know-How ausgenutzt. Doch Callie Gardener ist eine Kämpferin und gibt sich nicht so leicht geschlagen.

Nachdem Callie zwei initiative Frauen einstellen kann, wird ihre lang erträumte und zurückhaltend geplante Englandreise doch noch Wirklichkeit und sie kann in britischen Gärten schwelgen. Und sie lernt nach einer Brandkatastrophe, dass sich auch aus einer grossen Zerstörung etwas Positives entwickeln kann – privat und geschäftlich.

Auch dieses dritte Buch nach "Herbal Beginnings" und "Herbal Choices" rund um die umtriebige Junggärtnerin Callie Gardener wird mit etlichen Rezepten angereichert und es wird monatlich eine passende Pflanze mit Hinweisen zu Geschichte und Nutzen detailliert vorgestellt. Und wie in den Vorgängertiteln fragte sich die Leserin immer wieder, welche Episoden wohl auf eigenen Erfahrungen der Autorin und Gärtnerin Carolee Snyder basieren und was Fiktion ist. Ob man/frau auf einen vierten Band hoffen darf?



Carolee Snyder:
Herbal Passions: A gardening novel with herbal recipes
AuthorHouse, 2012



11. Juli 2012

Caroly Keene: Nancy Drew – Spurlos verschwunden

Häufig fällt die Zucchetti-Ernte im heimischen Gemüsegarten dermassen verschwenderisch aus, dass Familie und Bekannte (zwangs)versorgt werden können oder vielleicht sogar müssen. In River Heights kommt es im Sommer dieser Geschichte zu keiner Ernteschwemme. Im Gegenteil, bevor Gärtnerin und Gärtner überhaupt dazu kommen, sich Gedanken über die verschiedenen Zubereitungsarten des grünen Gemüses zu machen – Zucchettibrot, Zucchettiquiche, Zucchetti gebraten oder gegrillt? – dringt ein Unbekannter in verschiedene Gärten ein und zertrampelt sämtliche Zucchetti. Und sorgt damit für Arbeit für die junge Detektivin Nancy Drew, die mit ihren Freundinnen Bess und George schon manchen Täter überführt hat.

In ersten Gesprächen beschuldigen sich Nachbarn gegenseitig der Zerstörung der Gemüsegärten. Weshalb verwüstet jemand überhaupt Zucchettibeete? Nancy Drew glaubt nicht an einen Nachbarschaftskrieg, sondern vermutet andere Hintergründe. Doch bevor sie in dieser Angelegenheit näheres herausfindet und sich eine Lösung aufzeigt, gibt es gleich noch ein weiteres Rätsel dringend zu klären. Und zwar wurde ein kostbares Fabergé-Ei aus einer mangelhaft gesicherten Vitrinen in einem Privathaushalt gestohlen. Gibt es einen Zusammenhang zwischen den beiden Vorkommnissen? Die Amateurdetektivin ermittelt auf Hochtouren…



Carolyn Keene:
Nancy Drew – Spurlos verschwunden
Panini Books, 2007


7. Juli 2012

Elizabeth Lemarchand: Suddenly while Gardening

Aus dem geplanten Erholungsurlaub von Detective Chief Superintendent Tom Pollard von New Scotland Yard wird nichts. Wanderer entdecken in einer alten keltischen Grabstätte entlang des Jakobsweges sterbliche Überreste, die ganz offensichtlich erst kürzlich dort abgelegt worden sind. Der Todeszeitpunkt liegt ebenso eindeutig schon länger zurück. Doch wo hat das Skelett vor dieser Entdeckung gelegen? Und weshalb wurde es genau jetzt an einer gut frequentierten Stelle so platziert, dass es unmöglich übersehen werden konnte? Und wer überhaupt ist der oder die Tote?

Fragen über Fragen mit denen sich Tom Pollar und sein Team sowie die örtliche Polizei beschäftigen. Die Beamten sind nicht zu beneiden. Denn welcher potentielle Zeuge weiss schon nach über einem Jahr noch genau, was er gehört und allenfalls beobachtet hat? Der pathologische Bericht datiert den Zeitpunkt des Ablebens auf rund dreizehn bis sechszehn Monate zurück und kann schliesslich auf Ostern 1975 festgelegt werden. Und damit erscheint ein anderer Todesfall als Folge eines Sturzes von einer Leiter während dem Abschneiden von verwelkten Rosenblüten und Aufbinden von längeren Trieben plötzlich in einem ganz anderen Licht.

Im Text werden immer wieder botanische Details eingeflochten. So arbeitet die Tochter eines Verdächtigen an einem „Horticulturel College“ und für die Lösung des Falles ist die Erwähnung von Bedeutung, dass ein Garten auch bei Ferienabwesenheit und Trockenheit regelmässig gewässert werden soll. Gärtnerisch zur Sache geht es aber erst gegen Ende des Buches als die Ermittlungen in die Schlussphase treten.

Ein Krimi ohne blutige Szenen. Zwar nicht gerade in Miss Marple-Manier, aber es ist doch eine schöne Abwechslung wieder einmal zu lesen, wie ein Buchkrimi mit Kombinationsgabe und ohne Hilfe von DNA-Tests, Kameraunterstützung oder anderen modernen Hilfsmitteln gelöst und der Täter überführt wird.



Elizabeth Lemarchand:
Suddenly while Gardening
Dales Large Print Books, 2008

3. Juli 2012

Gert Loschütz: Die Bedrohung

Loose, ein ehemaliger Kulturredaktor, bekommt seit seinem Ausscheiden aus dem einigermassen geregelten Redaktionsalltag keinen Artikel mehr auf die Reihe. Seine Pläne schaffen es allesamt nicht über die Planungsphase hinaus und es bleibt bei diffusen Ideensammlungen. Als er eine Einladung zu einer internationalen Tagung einer Botanischen Gesellschaft erhält, möchte er diese trotz dem höchst willkommenen und ziemlich verlockenden Honorar zunächst ablehnen. Eine zufällig gelesene kleine Notiz in der Rubrik „Aus aller Welt“ veranlasst ihn, den Entscheid umzukrempeln und doch hinzufahren. Sein Interesse wurde von einer Meldung geweckt, die über eine unerklärliche Serie von Selbstmorden berichtet, die sich in einem Wald in unmittelbarer Nähe des Tagungsortes ereignet hat und die Bevölkerung stark beunruhigt, aber gemeinhin als Zufall abgetan wird.

Während der Tagung der Botaniker erhält Loose das Angebot, die Leitung einer neu gegründeten Zeitschrift zu übernehmen, deren Aufgabe darin besteht, die Interessen der Botanischen Gesellschaft publikumswirksam aufzubereiten und zu vertreten. Looses persönliches Interesse gilt aber weniger dem durchaus attraktiven und schmeichelhaften Angebot als den Vorkommnissen im und um den Wald, der ihn wie magisch anzieht.

Er verlängert den Aufenthalt im Tagungshotel auf eigene Rechnung und als er auch das bescheidenere Hotelzimmer nicht mehr zu bezahlen vermag, bekommt er Logis in einer kleinen Kammer gegen Arbeitseinsatz als Hausdiener. Zwischen Hilfsarbeiten in Küche und Hof treibt er seine Nachforschungen weiter und es zieht ihn immer wieder Richtung Wald. Je länger je mehr entwickelt er einen Hang zum Wahnsinn und verliert den Bezug zur Realität. Er meldet sich nicht mehr bei seiner Freundin und er vermutet überall Verschwörungstheorien.

Für den Gartenfreund interessant sind die Hinweise auf Vorträge der Botaniker, in denen es mal um Photosynthese oder die Gründung der Botanischen Gesellschaft sowie verschiedene Expeditionen geht und die Entdeckung eines seltenen Grases durch einen (fiktiven?) Forscher namens Walter Backhaus. An einer anderen Stelle liest man über die Trauerformen von Bäumen und von insektenfressenden Pflanzenarten, die wie Jäger Fallen stellen. Eine bemerkenswerte Entdeckung vom Remittendentisch!



Gert Loschütz:
Die Bedrohung
Piper Verlag, 2008


30. Juni 2012

Rita Bertolini: Bodengut – Vom Zauber Vorarlberger Gärten

Wenn man diese rund dreihundertseitige Publikation im Schnelldurchlauf durchblättert, fallen einem als erstes die vielen unterschiedlichen Nuancen der Farbe Grün auf. Bei dem vielen Weiss, das diesen Winter während meiner Lektüre dieses Buches draussen in Form von Schnee vorherrschte, empfand ich diese Grüntöne wie ein Fest für die Augen. 

Das Buch ist in zehn Kapitel gegliedert:

-       Villen und historische Gärten 
-       Architektur und Gärten 
-       Klostergärten
-       Bauern- und Nutzgärten 
-       Wiesenmeister 
-       Bäuerlich anmutende Gärten und Nutzgärten 
-       Industrie- und Migrantengärten 
-       Therapiegarten Carina 
-       Private Gärten 
-       Gastgärten

Das Buch zeigt viele verschiedene Gärten, aber immer nur einen kleinen Ausschnitt, nie die gesamte Parzelle oder Anlage. Die Texte sind sehr kurz gehalten, der Fokus wird eindeutig auf die (in Bezug auf die Druckqualität nicht immer optimalen) Fotos gelegt. Es werden wie aus den Kapitelüberschriften ersichtlich ist, die verschiedensten Gartentypen vorgestellt. Sympathisch fand ich, dass die Gärten nicht übermässig herausgeputzt sind, so sind zum Beispiel Buchspflanzen abgebildet, die für andere Publikationen wohl erst zurechtgestutzt worden wären.

Gleich im ersten Kapitel erfährt der Leser, dass in Vorarlberg die meisten als historisch zu bezeichnenden Gartenanlagen noch recht jung sind. Diese sind nämlich zumeist während dem Aufschwung der Industrie im 19. Jahrhundert entstanden. Und welcher Gartenfreund wird nicht ein wenig neidisch auf den Platz an einem Schreibtisch in Feldkirch, der bei offenen Fensterflügeln direkt im Waldgarten zu stehen scheint? In Hörbranz wiederum findet sich ein Garten, in dem als nicht wegzudenkende Elemente eine Steinbibliothek, Arbeitsmaschinen und Bambus fungieren. An einer anderen Stelle liest man von Wiesenmeisterschaften, die aufzeigen sollen, dass Lebensräume für Pflanzen und Tiere nur bewahrt werden können, wenn diese standortgerecht genutzt werden. Es handelt sich denn auch nicht um einen Mähwettbewerb, sondern um eine Bewertung und Auszeichnung von naturgemäss gepflegten Mager- und Fettwiesen.

Vor etlichen Jahren haben wir jeweils die Skiferien im Montafon verbracht. Die Region Vorarlberg in meinem Kopf ist also hauptsächlich Weiss. Nach der Lektüre von „Bodengut“ ist nun auf eine eindrückliche Weise eine weitere Farbe dazugekommen – Grün. Und die Erkenntnis, dass die Gegend auch zwischen Frühling und Herbst einen Besuch und Blicke hinter die Zäune Wert wäre. Einladend sind ja nicht zuletzt auch die verschiedenen abgebildeten Gastgärten (Gartenwirtschaften).



Rita Bertolini:
Bodengut – Vom Zauber Vorarlberger Gärten
Bertolini Verlag, 2009

26. Juni 2012

Eva Almstädt: Ostseefluch

Die Bemühungen der achtzehnjährigen Gärtnerstochter Milena, im Garten Gemüse anzuziehen, entpuppen sich als Energie-, Zeit- und Wasserverschwendung. Die schon fast endlos andauernde Hitzeperiode in Schleswig-Holstein tut das ihre dazu, dass auch die zähesten Pflänzlein vertrocknen. Und dann wird die junge Frau tot im Garten des heruntergekommenen Anwesens auf Fehmarn gefunden, wo sie die letzten Monate in einer Wohngemeinschaft gelebt hat. Wieso ist Milena umgebracht worden? Wer hat ein Motiv? Liegt tatsächlich eine Fluch auf dem „Mordkuhlen“ genannten Gelände seit sich hier vor rund einem Vierteljahrhundert eine schreckliche Familientragödie ereignet hat?

Ein angeblich herumirrender Geist, eine bigotte Mutter und ein Vater, der als Gärtnerei-Tycoon von Ostholstein gilt, sowie eine Organisation, die Fälle von illegalem Pflanzenschutzmittelverbrauch aufdeckt und es sich zum Ziel gesetzt hat, die Bevölkerung über den massiven Einsatz von gesundheitsgefährdenden Pestiziden zu informieren sind Puzzleteile in der Lösung dieses Verbrechens.

Während den Ermittlungen befallen die ermittelnde Kommissarin und alleinerziehende Mutter Pia Korritki immer wieder persönliche Zweifel. Sie kann nichts mit Geistergeschichten anfangen, aber sie kommt nicht umhin, Parallelen zwischen dem angeblichen erzieherischen Versagen von Milenas Mutter und ihren eigenen diesbezüglichen Bemühungen bei ihrem Söhnchen Felix anzustellen. Leider lassen sich nicht alle Probleme so einfach aus der Welt schaffen, wie die schlechten Gerüche in einem Secondhandgeschäft, die ein gewisser Aleister mit einer Reinigung aus Salbei oder Asafoetida vertreiben will...



Eva Almstädt:
Ostseefluch
Bastei Lübbe, 2012

22. Juni 2012

Janice Marriott und Virginia Pawsey: Common Table – An uncommon tale of friendship and food

In dieser zweiten gemeinsamen Publikation von Janice Marriott und Virginia Pawsey in Form von Briefwechseln stehen Küche und Kochen im Vordergrund. Doch was wäre gesundes Essen ohne frisches Gemüse aus dem Garten? So geht es auch zwischen Rezepten und Alltagsgeschichten aus Farmleben und Bürobetrieb immer mal wieder ums Gärtnern. Beide Frauen betonen denn auch immer wieder, wie wichtig ihnen gärtnern und kochen ist.

Küche und Garten können auf vielfältige Weise miteinander verbunden werden. Gemäss einem Tipp im Buch sollen stark verbrannte Kochtöpfe für eine Weile im Garten vergraben werden. Anschliessend soll die Reinigung mühelos möglich sein. Vielleicht ist dieser Ratschlag ja einen Versuch wert? Als wahres Wundermittel wird an einer anderen Stelle Natron (baking soda) angepriesen. Es erfüllt nicht nur vielfältige Aufgaben im Reinigungsbereich, sondern soll sich angeblich sogar in der Krebsbehandlung bewähren. Da aber damit kein Geld zu verdienen ist, wird laut der Korrespondenz dieses Wissen nicht allgemein verbreitet.

Der briefliche Rezeptaustausch wird von einer Erkrankung in Virginias familiärem Umfeld überschattet, die eine komplette Ernährungsumstellung notwendig macht. Ab sofort darf aus gesundheitlichen Gründen nur noch völlig ungesalzenes Essen konsumiert werden. Janice aufmunternde Worte und vor allem das Schreiben von Briefen sind Virginia eine willkommene Abwechslung und Unterstützung in dieser schwierigen Zeit ohne Parmesan, Speck, Oliven und mit fadem Risotto. Die Leserin freut sich schliesslich mit der Farmerin mit, als die Ärzte Entwarnung geben und sie die Familienspeisen wieder zurückhaltend mit Salz würzen darf.

Als Europäerin schätze ich an diesem Briefwechsel besonders den Einblick in den neuseeländischen Alltag. In der Korrespondenz liest man von einem Wettbewerb um das sinnvollste Erdbeben-Set. Da gibt es beispielsweise einen „Nachbarschaftspreis“ für das einzige Set, das einen Deodorant enthält und einen „Mission Impossible Award“ für ein Set voller Büchsennahrung - aber ohne Büchsenöffner. Beim Lesen dieser Erdebebenvorbereitungs-Massnahmen erinnert man sich unwillkürlich an die verschiedenen Naturkatastrophen, die sich in jüngster Zeit in Neuseeland ereignet haben und fragt sich, wie weit wohl die beiden Frauen und ihre Familien davon betroffen sind.

Die lesende Gärtnerin mag die Briefe interessieren, die vom verzwickten Aufbau eines Kleingewächshauses handeln, der (beinahe) eine Ehekrise auslöst. Stichworte sind da beispielsweise das Nichtlesen von Anleitungen, Instabilität, Teile, die nach dem Aufbau noch herumliegen …



Janice Marriott und Virginia Pawsey:
Common Table – An uncommon tale of friendship and food
Harper Collins Publishers, 2010


18. Juni 2012

Audur Ava Olafsdottir: The Greenhouse oder Weiss ich, wann es Liebe ist?

Der 22jährige Ich-Erzähler Arnljótur macht sich mit drei in Zeitungspapier gewickelten Rosenstecklingen einer seltenen Achtblattrose mit Stielen ohne Dornen auf den Weg von Island nach Europa. Die Stecklinge stammen aus dem Treibhaus seiner vor einiger Zeit bei einem Autounfall verstorbenen Mutter. Arnljóturs Ziel ist ein Kloster mit dem „grossartigsten Garten himmlischer Rosen“ mit einer jahrhundertealter Geschichte.  Diesen aus dem Mittelalter stammenden Garten hat er als kleiner Junge in einem Gartenbuch seiner Mutter entdeckt und ist immer wieder auf diesen gestossen, denn er wird in sämtlichen Publikationen über Rosengärten erwähnt. Und zwar immer mit den genau gleichen Worten, weil die Autoren mangels neuer Informationen und Fakten einander nur abschreiben. Arnljótur möchte die lange vernachlässigten Rosen dieses Gartens wieder zum Blühen bringen.

Zurück in Island bleiben sein autistischer Zwillingsbruder, der in einem Heim lebt, und Flora Sol, seine kleine Tochter – ungeplante Frucht eines One-Night-Stands mit Anna, der Freundin seines Freundes. Ebenfalls zurück in Island lässt der junge Mann seinen trauernden und fürsorglichen Vater, der es lieber sähe, wenn sein Sohn ein Studium in Angriff nähme, statt in der Erde herumzuwühlen und an Rosenstöcken herumzuschneiden und der fest an eine spezielle Bedeutung glaubt, weil seine verstorbene Frau und Flora Sol am gleichen Tag Geburtstag haben und dieser Tag auch gleichzeitig der Todestag  von ersterer ist. Doch der quasi im Treibhaus aufgewachsene Arnljótur  möchte weder die Schulbank drücken noch in einem Labor arbeiten, sondern er sucht und braucht den Kontakt mit der Erde.

Der Start in Europa beginnt wenig verheissungsvoll. Heftige Bauchschmerzen entpuppen sich als Blinddarmentzündung, die eine Operation und einen Spitalaufenthalt nötig machen. Doch dann steht der Weiterreise zum Rosengarten nichts mehr im Weg. Das Kloster befindet sich auf einem Felsen. Arnljótur bekommt von den Mönchen freie Hand, den Garten neu zu organisieren und nutzt die einsamen Stunden beim Unkrautjäten und beim Zurückschneiden der Rosenstöcke, um über seine Wünsche und unerfüllten Sehnsüchte nachzudenken. Er lernt eine für ihn neue Sprache und verbringt die Abende häufig mit dem 49jährigen Pater Thomas und die beiden schauen sich gemeinsam Filme an. Als Arnljótur sich eben in sein neues europäisches Leben eingewöhnt hat, tauchen seine Tochter und deren Mutter auf.

Arnljótur wird damit unvermittelt in eine neue Rolle, nämlich die des Vaters, kataputliert und lernt auch Anna (endlich) näher kennen. Der Leser begleitet den jungen Mann durch diese Entwicklung, während der aus der stets als „Mutter meiner Tochter“ bezeichneten Anna fast unmerklich die Freundin wird und schon einmal Eifersucht aufkommen kann. Gleichzeitig werden die fast omnipräsenten Gedanken über Sex, Liebe und Tod durch die neue Verantwortung für seine Tochter etwas in den Hintergrund gedrängt. Schliesslich gilt es kochen zu lernen, sich mit der Kinderbetreuung auseinanderzusetzen und eine Frau zu verstehen und zu begreifen. Die Problemlösung erfolgt zumeist etwas unorthodox durch Filmtipps  und das Ausleihen von DVDs von Pater Thomas.

Es ist berührend zu lesen, wie sich Arnljótur um seine Tochter und deren Mutter kümmert, beiden immer näher kommt und sein Herz immer mehr öffnet, bis es auf einmal auch für den Leser beinahe gar nicht mehr so verkehrt scheint, zunächst ungeplant ein (perfektes) Kind zu zeugen und sich erst hernach als Paar kennenzulernen. Das Romanende ist dann aber eher unerwartet, wenn auch überaus passend. Bis zuletzt unklar blieb mir, wo das beschriebene Land und der Rosengarten liegen sollen, hunderte Kilometer vom nächsten Flughafen entfernt. Konkrete Hinweise für den Leser beschränken sich auf die Augen- und Haarfarbe der Einwohner. Sehr lesenswert!



Audur Ava Olafsdottir:
The Greenhouse
Amazon Crossing, 2011

Weiss ich, wann es Liebe ist?
Suhrkamp Verlag, 2011

14. Juni 2012

Mona de Silva: Roman Greve – Tulpen aus Amsterdam

Der 70jährige Botaniker Wilhelm Anholt wird tot in seiner Villa aufgefunden. Mord oder Selbstmord? Die Spurenlage ist alles andere als eindeutig. Der Tote war Diabetiker und starb an Insulinmangel. Im ganzen Haus lassen sich aber seltsamerweise weder Spritzen noch Insulin finden. An seinem Wohnort hat Anholt praktisch keine freundschaftlichen Beziehungen gepflegt und er war überaus unbeliebt. Sein ganzes Interesse fokussierte er auf die Pflanzenwelt.

Warum ist Hannes Hochscheid, der Besitzer einer Gärtnerei in Mittenwald, bei der Befragung durch die ermittelnden Beamten dermassen nervös? Und auch Eleonore Moosleitner, die Hausangestellte des Opfers, die dieses auch entdeckt hat, scheint etwas zu verbergen. Rätsel gibt auch die Tulpenzwiebel auf, die unter dem toten Anholt gefunden worden ist.

Bald steht zweifelsfrei fest, dass Wilhelm Anholt ermordet worden und der Fundort der Leiche nicht identisch ist mit dem Tatort und im Laufe der Ermittlungen geraten immer mehr Personen ins Visier der Beamten um Roman Greve. Was hat es mit der Zucht von Arzneipflanzen für Medizin auf sich? Und wie war die Beziehung zwischen Anholt und seinem Sohn wirklich? Wer steckt hinter der unbekannten Person, die jeweils mit Anholt im Schuppen neben dem Wohnhaus hantiert hat?

Die Ermittlungen erschienen mir immer wieder unglaubwürdig oder fast stümperhaft. So wirkt besonders das manchmal eher kumpelhafte Diskutieren zwischen Beamten und Personen, die gerade einvernommen werden, fragwürdig und plump. Als ermüdend empfand ich aber ganz speziell die vor allem in der ersten Hälfte des Buches sich ständig wiederholenden Erwähnungen und Hinweise auf den früher von Roman Greve und seinem Team gelösten Fall mitsamt den privaten Beziehungsproblemen und der Umgang mit einer unbeliebten Kollegin. Die Tulpensaison ist für dieses Jahr definitiv vorbei und dieses Buch kann ich definitiv in der hinteren Reihe des Bücherregals einordnen.



Mona de Silva:
Tulpen aus  Amsterdam
Novum Publishing, 2011

10. Juni 2012

Felicia Laue, Jochen Martz u.a.: Der Garten-Verführer Mittelfranken

Dieser Gartenreiseführer lockt Gartenliebhaber in 76 private und öffentliche Gärten in Mittelfranken. Viele gute Gartengestaltungsideen für die heimische Parzelle lassen sich beim Schlendern durch möglichst unterschiedlich angelegte fremde Gärten aufgreifen. Im Buch „Der Garten-Verführer Mittelfranken“ reicht die Palette von Gartentypen vom Botanischen Garten, Schlosspark oder Bauerngarten über den Kräutergarten bis hin zu in völlig differierenden Stilen gestalteten Privatgärten. Laut Angaben im Text sind unter den vorgestellten Gärten auch solche, die bis anhin nicht zugänglich waren, so dass auch für erprobte Gartenbesucher neue grüne und blühende Reiche zu entdecken sind. Bereits auf der Karte im Buchdeckel ist dank einem einfachen Farbschema leicht ersichtlich, wo die Gärten liegen und ob sie öffentlich zugänglich sind.

Die von Fachleuten aus dem Gartenbau verfassten Portraits bestehen jeweils aus einem farbig hinterlegten Info-Block zu Gartentyp, Adresse, Eigentümer oder Ansprechpartner, Öffnungszeiten sowie Angaben zu Eintrittsgebühren und Rollstuhltauglichkeit. Ausserdem wird jeder Garten mit Fotos und einem kleinen handgezeichneten Plan vorgestellt.

In Fürth gibt es beispielsweise eine Grünanlage namens „Kleine Mainau“. Nicht in der ähnlichen Bepflanzung besteht die Verbindung zum Eiland im Bodensee, sondern in der versteckten Lage im Tal der Pegnitz nahe der Stadtgrenze. Auch „Irrhain“ ist eine Bezeichnung, die beim Schmöckern im Gartenführer neugierig macht, was sich wohl dahinter für ein Garten versteckt. Dieser Grünraum gehört in die Kategorie „Öffentlicher Wald, ehemals gartenartig gestaltet“ und verfügt über ein verwunschenes Portal, grosse Eichen und verwitterte Denkmäler aus Sandstein, die zur Erkundung dieser morbiden Romantik einladen.

Wer es lieber bunter und aufgeräumter mag, findet vielleicht Gefallen am privaten Schaugarten Edelmann, der als „Gartenschatz im Zauberwald“ beschrieben wird, wo Gehölze in verschiedenen Grössen, Gestalten und Farben um Aufmerksamkeit buhlen oder im Meditations- und Blütengarten Keilholz. Hier hegt ein Unternehmerpaar neben vielen anderen Gewächsen die 38 Blütenpflanzen, aus welchen nach Beschreibungen von Dr. Eward Bach die bekannten Blütenessenzen hergestellt werden. Ausserdem veröffentlichen die beiden Testberichte der eigenen Heilmittel in der Zeitschrift „Blütenwerkstatt“.

Auch hortikurturelle Höhepunkte sind immer wieder eine Reise, einen Ausflug oder einen Umweg wert. Warum also nicht einmal statt zur Weihnachtszeit an den Christkindlesmarkt nach Nürnberg zu reisen, diese Richtung im Frühsommer anpeilen? Eine stattliche Anzahl der im Führer vorgestellten Gärten und Parks befindet sich nämlich direkt in Nürnberg oder in (fast) unmittelbarer Nähe.



Felicia Laue, Jochen Martz, Maria Theresia von Zerboni, Ursula Grebe:
Der Garten-Verführer Mittelfranken
Ars Vivendi Verlag, 2010

6. Juni 2012

Cümcad Galaxis: Aufruhr auf Hecktorria

Am Anfang stehen Scherben. Jens lässt beim Abtrocknen versehentlich einen mit vielen lieben Erinnerungen behafteten Porzellanteller seiner Grossmutter, genannt Oma Hoppe, fallen. Drei Tage lang herrscht daraufhin zwischen den beiden dicke Luft. Am vierten Tag kann Jens seiner Oma einen perfekten Teller präsentieren. Wie das? Weder sind Leimspuren zu entdecken, noch kann das Teil nachgekauft worden sein, denn die Herstellung dieses Porzellangeschirrs ist schon vor Jahren eingestellt worden.

Zur gleichen Zeit steht plötzlich eine Hecke, die tags zuvor vom Landschaftsgärtner abgesägt worden ist, wieder in alter Schönheit an ihrem alten Platz. Ganz so, als wäre sie nie vernichtet worden. Und als auch noch ein völlig verbrannter Schmorbraten auf mysteriöse Weise trotzdem ganz einwandfrei schmeckt, begreift Oma Hoppe die Welt nicht mehr so richtig. Des Rätsels Lösung präsentiert sich ihr einen Tag später, als sie im Küchenschrank ein grünes Wesen entdeckt, das sich als Hecktorria 415 vorstellt. 

Das Mädchen zeigt sich hocherfreut, die angeblich berühmte Oma Hoppe kennenzulernen. Denn auf seinem Heimatplanet ist diese wegen ihres grünen Daumens und ganz speziell wegen ihres Wassermelonenfelds allgemein sehr bekannt. Oma Hoppe zweifelt an ihrem Verstand. Doch während sie sich wieder etwas beruhigt, beginnt das grüne Mädchen von seiner Heimat Hecktorria zu erzählen. Dort herrscht eine unerklärliche Dürre und Wasserknappheit, die für die Bewohner inzwischen bedrohliche Folgen annimmt.

Auch auf dem Planet Erde geschieht seltsames. Das Auftauchen eines grünes Lebewesens, das unbedingt geheim bleiben soll, lässt Oma Hoppe in den Augen ihrer Kinder immer merkwürdiger erscheinen. Diese planen deshalb die Übersiedlung ihrer Mutter in ein Heim namens „Waldesruh“. Gleichzeitig stellt sich die Frage, was es mit dem illegalen Brunnen auf sich hat, den Nachbar Bareis, übrigens der Verantwortliche für die oben erwähnte Heckenvernichtung, auf seinem Land gegraben hat.

Der Kampf gegen die Klimakatstrophe hat auf Hecktorria oberste Priorität. Es wird eine Verbindung zwischen dieser und der Erwärmung auf der Erde angenommen. Doch exisitert diese tatsächlich? Oder sind die Schwierigkeiten auf Hecktorria vielleicht doch eher hausgemacht? Tatsächlich sind die Probleme auf den beiden Planeten aber vergleichbarer, als es zunächst den Anschein macht …



Cümcad Galaxis:
Aufruhr auf Hecktorria
Books on Demand, 2009